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Eisenach: Stirbt Opel, stirbt auch die Region!

Auf dem Eisenacher Marktplatz trafen sich am Donnerstag, fünf vor 12 Uhr, über 1000 Eisenach, darunter viele hunderte Opelaner und Vertreter verschiedener Firmen, Betriebräte. Alle forderten den Erhalt des Opelstandortes Eisenach. „Stirbt Opel Eisenach, stirbt auch die Region“.
Von den Rednern der IG Metall, des DGB, vom Betriebrat VW aus Baunatal und vom Eisenach Opelwerk wurde deutlich gemacht, dass Opel weiter arbeiten müsse und nicht das Schicksal wie SAAB in Schweden ereilen darf. Gefordert wurde weiterhin, an diesem Europäischen Aktionstag von Opel/Vauxhall und SAAB, eine tragfähige und sichere Zukunft für die Unternehmen von GM in Europa – Ohne Werkschließungen, Ohne Entlassungen.
Sie fordern weiter: Bürgschaften/staatliche Anteile europäischer Regierungen; Öffnung für neue Partner, Investoren und Gesellschafter, Einführung neuer Unternehmensformen und Managementstrukturen.

Die aktuelle Lage machte auch der Besuch Thüringens stellvertretende Ministerpräsidentin Birgit Diezel deutlich, die Eisenach zur Kundgebung das Wort ergriff:
… wir stehen heute hier auf dem Marktplatz in Eisenach, um ein Zeichen für den Automobilstandort Eisenach zu setzen. Wir stehen hier gemeinsam. Denn sie, die Opelaner von Eisenach sind nicht allein. Wir sind mit Ihnen! Die Thüringer Landesregierung steht an ihrer Seite, wenn es darum geht, um den Standort Eisenach zu kämpfen. Eisenach ist ein hochmodernes und hoch effizientes Werk. Der Eisenacher Corsa ist als verbrauchsarmer Kleinwagen beliebt. Auch deshalb profitiert er so stark von der «Abwrackprämie». Deshalb werden hier in Eisenach sogar Sonderschichten gefahren. Für mich ist klar: Dieses Werk ist zukunftsfähig.
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Opel Eisenach hat eine gute Ausgangslage. Sie haben den Standort zu dem gemacht was er ist. Der wirtschaftliche Leuchtturm für Thüringen. Dessen Strahlkraft weit über den Freistaat hinaus geht.
Keine Frage: Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Finanz- und Wirtschaftskrise haben GM in den Vereinigten Staaten und in der Folge auch Opel Deutschland eine Absatzkrise von außergewöhnlichen Ausmaß beschert. Aber das ist noch nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist die mangelnde Liquidität vom Mutterkonzern GM. Deshalb mussten Bund und Länder bei ihren Rettungsversuchen auch zunächst auf die Lösungskonzepte in den USA warten. Opel und GM sind seit 1929 miteinander verbunden. Das hinterlässt Spuren. Deshalb sind Alleingänge auch keine Lösung. Wir brauchen eine Lösung im Verbund. Wir brauchen eine europäische Lösung. Hier müssen wir deutsche Interessen vertreten.
Seit November sprechen die Opelländer, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen, die Bundesregierung und die Manager von Opel Deutschland über mögliche Hilfen. Im Vordergrund standen und stehen zunächst Bürgschaften von Bund und Ländern. Damit soll der drohenden Zahlungsunfähigkeit begegnet werden. Seit dieser Zeit bin ich im engen Kontakt mit den Ministerpräsidenten der Opelländer. Seit dieser Zeit spreche ich regelmäßig mit dem Management von Opel Deutschland und Opel Eisenach sowie dem Betriebsrat. Auch habe ich schon mehrfach persönlich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aber auch mit Bundespräsident Horst Köhler über Opel Eisenach gesprochen. Und eines habe ich aus all diesen Gesprächen mitgenommen:
Sie sind nicht allein.
Alle sind bereit ihnen zu helfen.
Zur Lösung der aktuellen Krise schließe ich keinen Lösungsweg aus. Vorausgesetzt er sichert den Standort. Ich bin bereit über eine Bürgschaft zu reden. Ich bin bereit über Darlehen zu sprechen, um das Eigenkapital zu stärken. Und ich bin sogar bereit über eine vorübergehende Staatsbeteiligung zu sprechen, wenn alle anderen Optionen nicht greifen. Aber ich sage auch ganz deutlich, dies wäre die schlechteste aller Lösungen. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer.
Deshalb erwarten wir vom Management ein zukunftsfähiges Konzept. Und wir erwarten vom Management dieses Konzept in den nächsten Tagen. Dabei sollten GM Europa aber auch Opel Deutschland nicht vergessen, dass die Werke in Deutschland, dass das Werk in Eisenach breite Unterstützung hat. Die Landesregierung wird jeden Weg mitgehen, der den traditionellen Automobilstandort Eisenach sichert. Dieser Weg muss wirtschaftlich vertretbar und rechtlich machbar sein. Dazu gehört möglicherweise ein Weg, der außerhalb der «Opelfamilie» liegen könnte. Auch für eine solche Lösung müssen wir offen sein, wenn wir den Automobilstandort Eisenach erhalten wollen.
Aber zunächst geht es um Opel. Und ich verspreche Ihnen:
Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen.
Und vergessen sie nicht, wir haben in diesem Kampf mit der Bundesregierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze einen großen Verbündeten. Wir haben gute Gründe auch in Zeiten wie diesen optimistisch in die Zukunft zu schauen. Es wird ein langer Weg. Es wird möglicherweise kein leichter sein. Er ist vielleicht steinig und schwer.
Aber, Liebe Eisenacherinnen, liebe Eisenacher, liebe Opelaner – zusammen schaffen wir das!!!

Auch Oberbürgermeister Matthias Doht, einst AWE-Mitarbeiter, trat ans Rednerpult uns sprach zu den Teilnehmern:
Als OB bin ich stolz auf diese unsere Stadt und auf die Menschen, die hier leben und arbeiten. Stolz auf ein kulturelles Erbe von Weltruhm, die herrliche Thüringer Landschaft und die große Automobilbautradition.
Der Automobilbau hat Eisenach erst den wirtschaftlichen Aufstieg ermöglicht und zu der Stadt gemacht, die wir lieben. Kultur, Natur und Industrie gehören hier untrennbar zusammen, genauso wie die Füße eines dreibeinigen Hockers nicht kippen.
Aber heute geht es um mehr, wie nur ein Bein dieser Stadt, heute geht es hier um alles, um unserer aller Zukunft.
Es geht nicht um die Zukunft von GM und Opel, sondern um die Zukunft der gesamten Region mit seiner großen Zulieferindustrie. Es ist wirklich 5 vor 12, denn morgen soll im Rüsselsheimer Aufsichtsrat entschieden werden.
Wir bauen hier in Eisenach seit 111 Jahren Autos und wir kennen nur zu gut die Bilder des letzten Wartburgs. Einen zweiten 10. April 1991 werden wir nicht zulassen.
Ich stimme Euch zu: Wir brauchen öffentliche Bürgschaften und staatliche Anteile europäischer Regierungen, aber ich fordere als Eisenacher OB genauso deutlich:
Die Vorlage eines tragfähigen Restrukturierungsplanes für Opel ohne Werksschließungen in Deutschland und ohne Kündigungen!
Eine verlässliche und belastbare Perspektive für den Automobilstandort Eisenach.
Die Perspektiven für eine marktfähige, innovative Modellentwicklung als Gesamtfirma und Aussagen zur Automobilproduktion in Eisenach auch in der nächsten Generation ab 2012 folgend.
Sollte GM Insolvenz anmelden müssen, ist das auch das Aus für die deutschen Opelstandorte. So weit darf es nicht kommen. Das müssen wir mit allen Mitteln verhindern. Gemeinsam. Wir stehen für eine europäische Opellösung und zum Standort Eisenach. Wir werden nicht das Bauernopfer für die anderen spielen.
Nur dann, und das sage ich hier in aller Deutlichkeit, nur dann darf es von der Landes- und Bundesregierung deutsche Gelder für Opel geben.
Wenn Eisenach nicht gerettet wird, dann gibt es auch keine Thüringer Bürgschaften und dann darf es auch keine deutschen Bürgschaften für andere Standorte geben. Dies muss Opel klar gemacht werden!
Eine Zukunftslösung, die einen Opelstandort gegen den anderen ausspielt, ist nicht akzeptabel und muss durch die Politik mit allen Mitteln blockiert werden. Zu den Tugenden der Arbeiterschaft gehört nun einmal die Solidarität, die wir hier für den Opelstandort Eisenach einfordern.
Ich versichere Ihnen, dass wir alles tun werden, damit auch in Zukunft in Eisenach Autos gebaut werden.
Ich bin dazu im ständigen Gespräch mit Betriebsrat und Unternehmensleitung in Eisenach und Rüsselsheim, mit der Landesregierung und über Christoph Matschie auch mit der Bundesregierung durch Frank-Walter Steinmeier.
Opel kann nur europäisch gerettet werden und nur europäisch existieren!
Wir brauchen eine neue Kultur der Verantwortung. Die Krise trifft uns alle. Aber wir werden uns erholen. Ich erwähne das nicht, um nachzutreten. Aber nur wenn wir zurückblicken, verstehen wir, wie wir in diese Krise geraten sind und welche Fehler wir zukünftig vermeiden müssen.
Das Land, das das Auto erfunden hat, kann es nicht einfach aufgeben. Wir können und werden nicht aufgeben.
Ich bin zu allem bereit.
Eisenach ist zu allem bereit.
Wir haben hier nicht nur ein hoch modernes Autowerk, sondern mit Euch vor allem auch hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Der Corsa ist ein absolut marktfähiges und innovatives Auto. Und genau deshalb muss auch die neue Generation der Corsa Linie wieder hier gebaut werden.
Wir haben als Stadt auch trotz unserer schwierigen kommunalen Haushaltslage in die Verkehrsanbindung der Adam-Opel-Straße investiert, wir werden das fortsetzen und mit der Brücke über die Hörsel die logistische Werkanbindung noch verbessern.
Ich bin gerne bereit, auch kurzfristig, nach Zürich zu fahren und GM Europachef Carl-Georg Forster das alles direkt zu sagen.
Ich rufe hier und heute dem Betriebsrat und der Landesregierung zu: Kommen Sie mit, lassen Sie uns das gemeinsam tun.
Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für den Automobilbau in dieser Stadt, so wie wir hier heute alle gemeinsam ein Zeichen für Opel setzen!

Rainer Beichler |

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