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Landesregierung lehnt Trassenkorridor zum SuedLink ab

Die Thüringer Landesregierung hat in ihrer gestrigen Kabinettsitzung der neuen Route des Erdkabelkorridors SuedLink eine Absage erteilt. Die geplanten Stromautobahnen führen quer durchs Bundesgebiet, von den Windparks im Norden, wo Windenergie erzeugt wird, in den Süden, nach Bayern und Baden-Württemberg, wo die Industrie einen hohen Energiebedarf hat. Nach den Plänen der Netzbetreiber sollen sowohl der SuedLink als auch der Suedostlink durch Thüringen gehen. Der geplante Suedlink-Korridor weicht erheblich von der Luftlinie zwischen den Anfangs- und Endpunkten ab. Birgit Keller, Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, sagt:

Die Planungen für den SuedLink fokussieren sich allein auf Osthessen und Westthüringen. Es fehlen großräumige Alternativen in Richtung Baden-Württemberg. Hier müssen die Vorhabenträger nacharbeiten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisiert die ungleiche Belastung Thüringens im Vergleich zu anderen Bundesländern, insbesondere beim Ausbau von Übertragungsleitungen:

Wir tragen bereits maßgeblich zur Energiewende bei – so durch die ‚Thüringer Strombrücke‘. Thüringen schultert einen Großteil der Belastungen, die mit dem Leitungsausbau verbunden sind, wovon ganz Deutschland profitiert, betonte der Regierungschef. Das ist aus unserer Sicht eine inakzeptable Schieflage. Deshalb und nicht zuletzt mit Blick auf unsere intakte Kultur- und Naturlandschaft lehnen wir einen übermäßigen Neubau weiterer Übertragungsleitungen ab.

Birgit Keller, Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, sagt:

Wir haben die von den Netzbetreibern vorgeschlagenen Korridore überprüft und sind auf raumplanerische Hindernisse gestoßen, die gegen diese Route sprechen. Wir erwarten zum Teil erhebliche Konflikte zum Beispiel bei der Land- und Forstwirtschaft, bei der Wasserwirtschaft, dem Natur- und Umweltschutz, der Infrastrukturgeologie, dem Bodenschutz und beim Denkmalschutz.

Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz, macht deutlich:

An der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit der Trassen gibt es keinen Zweifel. Allerdings dürfen bei den Planungen 50 Hertz im Osten und Tennet im Westen nicht mit zweierlei Maß messen. Tennet berücksichtigt Naturschutzbelange ausdrücklich nicht. Das Biosphärenreservat Rhön sowie das Nationale Naturmonument Grünes Band sind hohe Raumwiderstände, das muss Tennet anerkennen, sagt Anja Siegesmund zum heutigen Kabinettsbeschluss.

Die fachlichen Einwände gegen den geplanten Trassenverlauf wurden detailliert aufgeschrieben und sie werden im Rahmen der Stellungnahme nun den Netzbetreibern vorgelegt. Danach beginnt das eigentliche Bundesfachplanungsverfahren. In diesem förmlichen Verfahren wird Thüringen noch mehrfach Gelegenheit bekommen, eine Stellungnahme abzugeben. Die Bundesfachplanung wird mit einer Entscheidung der Bundesnetzagentur über den Verlauf eines 500 bis 1.000 m breiten raumverträglichen Trassenkorridors abgeschlossen. Innerhalb dieses Trassenkorridors wird im Rahmen der nachfolgenden Planfeststellung die tatsächlich etwa 20 bis 40 m breite Erdkabeltrasse gesucht.

Hintergrund: Nach den neuen Plänen der Netzbetreiber sollen zwei weitere Trassen durch Thüringen verlaufen: Der SuedOstLink, der zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt bei Magdeburg und Isar bei Landshut verläuft und der SuedLink, der aus den beiden Verbindungen Wilster in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden Württemberg sowie Brunsbüttel, ebenfalls Schleswig-Holstein, nach Grafenrheinfeld in Bayern besteht. Die Übertragungsnetzbetreiber, TenneT und TransnetBW für  SuedLink  und 50 Hertz und TenneT für SuedOstLink, bereiten gegenwärtig die Antragsunterlagen für die Erdkabeltrassenkorridore vor. Im Rahmen einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung wurde dem Land Thüringen, betroffenen Kommunen und Stellen die Möglichkeit eingeräumt, bis zum 29. November 2016 jeweils eine Stellungnahme abzugeben.

Andrea T. | | Quelle:

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  • HansKle

    Bevor schon die Streckenführung der
    außerordentlich starken in die Erde zu verlegenden Leitungen
    praktisch bis auf den letzten Meter bis zu den Endzielen geplant wird
    und schon scheinbar ist, würde mich persönlich einmal
    interessieren, wer eigentlich die Verantwortung übernahm, die
    Kapazität festzulegen, die angeblich für eine ausreichende und
    kontinuierliche Stromversorgung auf diesem Wege, gem. der Ergebnisse
    der Energiewende, überhaupt notwendig ist.

    Nach den immer häufiger geäußerten
    Kommentaren von parteiunabhängigen, anerkannten Energie –
    Experten, sind bereits wesentlich mehr Windstromanlagen geplant und
    teilweise schon produziert worden, die praktisch Strom im Überfluss
    gewinnen und entsprechend auch an ihre Verteilerstationen
    transportieren könnten als überhaupt benötigt wird!

    Somit könnte unsere Landesregierung
    mit ihrer Ablehnung, allerdings aus anderen Gründen, zufälligerweise
    richtig liegen…..Wie schon an anderer Stelle von mir geäußert
    wurde, sollte ihr allerdings empfohlen werden, sich damit auch der
    „Hamelner Erklärung“ anzuschließen, um mit ebenfalls davon
    betroffenen anderen Gebieten, die ebenfalls einen Durchlauf der umwelt-
    und raumverträglichen Leitung von Nord nach Süd vermutlich
    hinnehmen müssen, nach dem Motto:“je früher, destso besser“, zu
    einem möglichst großen und auch erfolgreichen Bündnis zu gelangen!

    • Jakob

      Ich verstehe die Logik hinter Ihrer Einschätzung nicht – weil angeblich noch viel mehr Ökostrom produziert werden wird, als die aktuellen Planungen derzeit berücksichtigten, solle man auf den Bau der für die Netzstabilität dringend notwendigen Fernleitungen verzichten? Da verstehe ich Sie falsch, oder? Denn durch noch mehr Überschüsse würde das Netz ja noch instabiler. – Übrigens verursacht es auch enorme Kosten, ständig Ausgleichsmaßnahmen für das instabile Netz durchführen zu müssen, solange es die Stromautobahnen nicht gibt. Je länger also der Bau verzögert wird, desto teurer wird es für den Stromkunden. Insofern ist es wirklich gut, dass die ganzen Gegner die Sache nicht mehr wirklich hinauszögern oder gar verhindern werden können. – Fehler verhindern ist ok, verzögern aus Prinzip nicht.

      • HansKle

        Sehr geehrter Herr Jakob,

        Während Sie als anerkannter
        Vielfachkommentator von „Eisenach-Online“ die Logik hinter meinen
        Einschätzungen nicht verstanden, darf ich diese nachfolgend nochmals
        erläutern:

        Bereits bei der Betrachtung der ersten
        Planungsergebnisse und den Auswertungen der verschiedenen
        Diskussionsrunden scheint deutlich geworden zu sein, wie schwierig
        das das Thema eigentlich ist. Einfach schnell loszulegen, um Kosten
        zu sparen, wie Sie es meinten, wird wohl nicht der richtige Weg sein!

        Nach dem gegenwärtig vorherrschenden
        Für und Wider (dem Standpunkt unserer Landesregierung) zur
        „Hauptschlagader“ der Energiewende von Nord nach Süd, muss man
        allerdingsdas Gefühl haben, dass diese von einigen Großkonzernen
        missbraucht wird! Zu den verschiedenen Nachteilen des mutigen
        Planungszieles käme noch die Möglichkeit der privaten Enteignung
        der betroffenen Grundstückseigentümer bei politischer Rückendeckung
        hinzu, wobei nach jeder Entscheidung mit einer fast 100%-igen Rendite
        zu rechnen sein wird, weil sämtliche anfallenden Kosten der
        Netzgeldumlage angerechnet werden, was für den für den normalen
        Stromkonsumenten bereits gegenwärtig ca. ein Viertel der Rechnungen
        an die Lieferanten bedeutet!

        Wir Bürger wissen jedenfalls, dass die
        im Jahr 2011 prognostizierte Erhöhung von nur 1 Cent/KWh bis zum
        Jahr 2022, wo alle AKW abgeschaltet sein müssen, einfach ein Märchen
        war, da mittlerweile eine Steigerung auf das Dreifache (!) bis dahin
        eingeschätzt wird.

        Bedenklich erscheint die Tatsache, dass
        die Netzbetreiber und Planungsbüros der Energieversorger bisher
        keinerlei Erfahrungen mit der Erdverlegung in dieser riesigen
        Dimension haben, die aus Kosten- und anderen Gründen (z.B. wegen der
        Entstehung von magnetischen Feldern usw.) noch vor Monaten überhaupt
        keine Rolle spielte, weil bereits schon die davor vorgesehenen
        Freileitungen, die mit dem Bau von Bundesstraßen verglichen wurden,
        nicht gewollt waren! Während früher ein km Freileitung, lt.
        Einschätzung, ca. 1,5 Millionen € teuer war, würde die gleiche
        Strecke unter der Erde über das 10-fache kosten!!

        Da weder Hessen noch Thüringen diese
        „Stromautobahnen“ (ohne Auf- und Abfahrten) möglichst nicht
        will, sind demnach nun neutrale „Wünschelrutengänger“
        gefordert, um festzulegen, wo sich das Bett der möglichst bis 2025
        zu verlegenden Stromtrasse von Nord nach Süd befinden soll, wobei es
        eine Zwischenlösung nicht geben wird…..

        Fazit: Weder Sie, noch meine Wenigkeit,
        werden demnach an der weiteren Entwicklung unserer Stromabsicherung
        in der Zukunft nur sehr geringe Anteile haben…….

        • Jakob

          Ich hab da großes Vertrauen in die Planer und Entscheider. Dass es zu Enteignungen kommt, glaube ich nicht. Da wird höchstens jemandem die Duldung der Eintragung eines Leitungsrechts ins Grundbuch gerichtlich auferlegt werden müssen, wenn er sich zu sehr querstellt. Sein Eigentum am Grundstück wollen die Großkonzerne gar nicht, das darf er behalten. Und nutzen kann er das Grundstück auch weiter, da das Erdkabel ja den Vorteil hat, dass es unter der Erde liegt und man sogar drüberfahren kann. Und das bisschen Magnetismus fördert einen gesunden Schlaf, sollte mal jemand auf freiem Feld über dem Kabel übernachten. – Sind Sie Poet?

  • Felix Berg

    Das ginge sehr viel einfacher. Die Bürger steigen doch nach und nach ( in Thüringer langsamer da kein ordentlicher Lohn verdient wird ) auf energiesparen um. LED Beleuchtung, neue TV Geräte usw. . Bleibt der Großverbraucher – die Industrie. Eben jene Industrie verlagere man an die Standorte der Stromerzeugung, der Bürger muss doch der Arbeit ohnehin wie ein Wandernomade hinterherfahren. Ob die Thüringer nun nach München oder Kassel fahren oder an die Nordsee zu den Windpropellern.

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