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Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten

Vogel: Wir wollen das Jahr 2001 zu einem «Jahr der Jugend» machen

Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel hat in seiner Neujahrsansprache eine Bilanz des Jahres 2000 gezogen und einen Ausblick auf das Neue Jahr gegeben. Hier der vollständige Text der Ansprache, die am 31. Dezember um 17:45 Uhr von MDR 1 Radio Thüringen und um ca. 18:53 Uhr vom MDR Fernsehen ausgestrahlt wird.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Das Jahr 2000 ist zu Ende. Es war ein wichtiges Jahr für Thüringen; 10 Jahre nach der Wiedervereinigung, zehn Jahre nach dem Wiederentstehen des Freistaates Thüringen.
Nicht alles ist uns gelungen, aber wir haben viel erreicht.
Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, können stolz auf das sein, was wir aus eigener Kraft, aber auch Dank der solidarischen Hilfe aus den alten Ländern und vom Bund, in den vergangenen zehn Jahren auf die Beine gestellt haben. Eine große deutsche Tageszeitung hat uns vor einigen Wochen ein Entwicklungstempo attestiert, das Neid hervorzurufen vermag – Neid als die ehrlichste Form der Bewunderung.
Mit den zahlreichen Weltweiten EXPO-Projekten hier in Thüringen, in Ronneburg, in Bad Sulza, in Weimar und an vielen anderen Orten, die rund eine Million Menschen besucht haben, konnten wir zeigen, dass der Freistaat wieder zur Mitte Deutschlands geworden ist und sich zu Deutschlands starker Mitte entwickelt. Thüringen ist attraktiv geworden.

Wir haben das Bachjahr genutzt, den Freistaat als ein gastfreundliches, traditionsreiches, weltoffenes und zukunftsorientiertes Land vorzustellen.

Aber das Jahr 2000 war nicht nur ein Jahr, das Anlass geboten hat, dankbar für das Erreichte zu sein. Es gab auch Grund zur Sorge.
Unsere größte Sorge gilt nach wie vor der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Zahl der Arbeitslosen ist immer noch viel zu hoch. Wir müssen auch im neuen Jahr alles tun, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Weil wir nicht für alle Zukunft auf die Hilfe anderer rechnen können, müssen wir vorsorgen. Und weil wir uns in den letzten 10 Jahren viel Geld geliehen haben, um den Aufbau des Landes voranzubringen, müssen wir jetzt umsteuern. Wir dürfen nicht weiter so viele Schulden machen wie bisher.

Mit dem ersten Doppelhaushalt des Landes für die Jahre 2001 und 2002, den der Landtag vor wenigen Tagen verabschiedet hat, haben wir eine Zusage eingelöst, die ich vor einem Jahr gemacht habe. »Sparen und Gestalten” heißt die Devise. Nicht Geld bei der Bank leihen, um mehr zu konsumieren und der Jugend die Schulden hinterlassen. Wir müssen investieren, damit die junge Generation im Lande bleibt und eine gute Zukunft hat.

Der 20. April 2000 war ein dunkler Tag für Thüringen. Drei Jugendliche verübten einen Anschlag auf die jüdische Synagoge von Erfurt. Es empört und beschämt uns, wenn es in Deutschland wieder zu Angriffen auf jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe kommt. Und es empört uns, wenn Ausländer angegriffen werden. Auf solche Untaten muß angemessen und wirkungsvoll reagiert werden.

Polizei und Justiz in unserem Lande haben ihre Pflicht durch schnelles und erfolgreiches Handeln gut erfüllt. Ich möchte den Polizisten und den Gerichten ausdrücklich für ihren Einsatz danken. Aber es reicht nicht, dass der Staat handelt, es kommt auf jeden Einzelnen von uns an. Keiner darf wegschauen, jeder ist aufgerufen wachsam zu sein.

Ich bedanke mich für die vielen spontanen Initiativen, die überall im Lande ergriffen worden sind und sichtbare Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt haben. Thüringen sagt nein zur Gewalt. Thüringen sagt ja zu Freiheit, Demokratie und Weltoffenheit.
Wenn wir jede Form von Radikalismus wirksam bekämpfen wollen, dann brauchen wir vor allem die Mithilfe der jungen Generation. In ihrer großen Mehrheit steht sie – wie wir aus Umfragen wissen – der Demokratie und ihren Institutionen und der europäischen Integration offener gegenüber als alle anderen Altersgruppen. Wir müssen ihr Halt und Orientierung, eine gute Ausbildung und damit eine gute Zukunftsperspektive geben. Gewaltbereite Spinner müssen isoliert werden.

Wir wollen uns im neuen Jahr besonders unserer Jugendlichen annehmen. Wir wollen das Jahr 2001 zu einem »Jahr der Jugend” machen und uns vornehmen, den Sorgen und Nöten junger Menschen noch intensiver als bisher nachzugehen.

In den letzten Stunden dieses Jahres 2000 wende ich mich an Sie alle, besonders aber an die unter Ihnen, die auch 2001 unsere besondere Hilfe brauchen: An die Arbeitslosen, an die Schwachen, die Kranken, die Behinderten und ganz besonders an die Einsamen. In unserem Land soll niemand vergessen sein.

Goethe schreibt: »Wenn ein Jahr nicht leer verlaufen soll, dann muß man beizeiten damit anfangen.” Beizeiten, das heißt jetzt. Fangen wir schon morgen gemeinsam an, mit Mut und Gottvertrauen die Herausforderungen anzupacken, vor die das neue Jahr uns stellen wird. Nach allem, was wir in den vergangenen zehn Jahren auf die Beine gestellt haben, haben wir Anlass, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für das neue Jahr Kraft und Zuversicht. Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Silvesterabend und uns allen ein gutes Jahr 2001.

Rainer Beichler |

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