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Thüringen und Hessen im Mittelpunkt Deutschlands und der Betrachtung

‚Thüringen und Hessen – Nachbarn im Mittelpunkt‘ ist der Titel einer Broschüre, die das Thüringer Landesamt für Statistik anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung herausgibt.
Das Thüringer Landesamt für Statistik trägt damit auf seine ganz spezifische Weise zur Erinnerung bei, nämlich mit objektiven Daten zu verschiedenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Thüringen seit der Wiedervereinigung. Weil Statistik erst durch den Vergleich lebt, werden parallel dazu die Entwicklungen und Strukturen im Nachbarland Hessen dargestellt.

Hier einige Ergebnisse der Analyse:

– Thüringen hat 77 Prozent der Fläche, aber nur 37 Prozent der Bevölkerung Hessens.
– Im Zeitraum 1991 bis 2008 ‚verlor‘ Thüringen rechnerisch rund 39000 Einwohner an Hessen (94000 Fort- und55 000 Zuzüge).
– Die Lebenserwartung ist in beiden Ländern gestiegen, in Thüringen stärker als in Hessen. Derzeit liegt die Lebenserwartung in Thüringen jedoch noch unter der in Hessen.
– Nach dem so genannten ‚Wendeknick‘ bei der Geburtenziffer (Kinderzahl je Frau) auf Thüringer Seite mit dem tiefsten Stand im Jahr 1994 (0,77 Kinder je Frau), hat sich die Geburtenziffer inzwischen den hessischen Verhältnissen angeglichen. Sie lag im Jahr 2008 in beiden Ländern bei 1,37 Kindern je Frau.
– Insgesamt ist der Anteil der Kinder, die in einer Kindertageseinrichtung bzw. in öffentlich geförderter Tagespflege betreut werden, in Thüringen höher als in Hessen. Insbesondere betrifft dies Kinder unter 3 Jahren, von denen in Thüringen 39 Prozent eine Tageseinrichtung besuchen oder von einer Tagesmutter resp. einem Tagesvater betreut werden, in Hessen dagegen nur 14 Prozent. Bei den 3- bis unter 6-Jährigen ist der Unterschied zwischen beiden Ländern geringer. Die Betreuungsquote in dieser Altersgruppe liegt in Hessen bei 92 Prozent, in Thüringen bei 96 Prozent.
– Während in Thüringen im Jahr 2008 etwa drei Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung durch die drei bedeutendsten Wirtschaftsbereiche – Öffentliche und private Dienstleister; Produzierendes Gewerbe (ohne Baugewerbe) sowie Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister – zu annähernd gleichen Anteilen erbracht wurde, dominierte in Hessen der Bereich ‚Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister‘ allein mit einem Anteil von 37 Prozent das Wirtschaftsgeschehen.
– Die Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, liegen in der gleichen Größenordnung. Hessen verfügte im Jahr 2007 über 784000 Hektar, Thüringen über 794000 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Erheblich sind die Unterschiede jedoch in der Zahl und folglich auch in der Größenstruktur der landwirtschaftlichen Betriebe. Während die gesamte Fläche in Hessen von über 22000 Betrieben bewirtschaftet wurde, waren es in Thüringen lediglich rund 4800.
– Der Beginn der 90er Jahre war in Thüringen u.a. geprägt durch Preissteigerungen, insbesondere im Bereich Wohnen, sodass die Teuerungsrate anfangs im zweistelligen Bereich und damit erheblich über der Teuerungsrate in Hessen lag. Seit 1995 steigen die Verbraucherpreise in vergleichbarer Weise.

Dass ausgerechnet Hessen für Vergleichszwecke gewählt wurde, kommt nicht ganz von ungefähr, sondern wurde mit Blick auf Institutionen und Organisationen wie z.B. Helaba, ADAC oder DGB, die Strukturen für beide Länder gemeinsam aufgebaut haben, gezielt ausgewählt. Viele derjenigen, die das moderne Thüringen in Politik und Verwaltung mitgestaltet haben, kamen aus Hessen.
Nicht zuletzt ist seit der Wiedervereinigung fast eine Generation herangewachsen, die die Wiedervereinigung und die Zeit unmittelbar danach nur als Geschichte kennen. Ihnen liefert die Broschüre ein objektives Raster als Hintergrund für die Erzählungen der Erlebnisgeneration.

Rainer Beichler | | Quelle:

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