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Mit-Menschlich in Thüringen

Religionsgemeinschaften, DGB und Wirtschaftsverband verabschieden soziales Wort zum Umgang mit Flüchtlingen

„Mit-Menschlich in Thüringen“ – so ist ein „Gemeinsames soziales Wort zum Umgang mit Flüchtlingen“ überschrieben, auf das sich der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die Jüdische Landesgemeinde Thüringen, das Katholische Bistum Erfurt und der Verband der Wirtschaft Thüringens e.V. verständigt haben.

Die Würde des Menschen begründet sich aus seiner Geschöpflichkeit, seinem Menschsein. Diese Würde ist unantastbar und unteilbar. Das verlangt, dass das Recht auf Leben unbedingt gesichert und geschützt werden muss. Wenn der Mensch an Leib und Leben bedroht ist, hat er Anspruch auf Schutz. Schutz von Flüchtlingen bleibt unbestritten eine rechtliche und moralische Verpflichtung für Staat und Gesellschaft, heißt es in dem Papier.

Mit politischen Maßnahmen allein könne eine menschenwürdige Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen jedoch nicht gelingen, sondern „nur mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagement vieler Menschen“. Die Unterstützung durch ehrenamtliche Initiativen, Vereine, Verbände, Sozialpartner und Religionsgemeinschaften „ist ein wertvolles Gut, das hohe gesellschaftliche Anerkennung verdient, geschützt und weiterentwickelt werden muss“.

Die Unterzeichner ermutigen, populistischen, rechtsextremen, menschenfeindlichen Parolen zu widersprechen:

Wer gegen Flüchtlinge hetzt oder gar Gewalt anwendet, der muss mit dem deutlichen Widerspruch und dem entschlossenen Widerstand der Verfasser und Unterzeichner dieses gemeinsamen Wortes rechnen.

Vorbehalte in der Bevölkerung bedürften des Gespräches und der direkten Begegnung mit Flüchtlingen. So könnten Vorurteile und Ängste abgebaut werden.

Die Unterzeichner „erwarten einen parteiübergreifenden Konsens darüber, dass das Flüchtlingsthema keine parteipolitische Profilierung und Instrumentalisierung erfährt“. Zugleich bieten sie Land und Kommunen Unterstützung an und tragen Bemühungen mit, „die zu einer schnelleren Klarheit über den weiteren Weg der hier in Thüringen angekommenen Flüchtlinge führen“.

Eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration von Flüchtlingen könne nur durch die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen.

Damit noch mehr geflüchtete Menschen schnell die Möglichkeit bekommen, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, müssen Regelungen vereinfacht und Förderinstrumente der Berufsausbildung für Geduldete und Asylsuchende mit hohen Bleiberechtsperspektiven geöffnet sowie Angebote zur Sprachförderung ausgebaut werden,

fordern die Unterzeichner.

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:
Gabriele Kailing, Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen
Sandro Witt, Vorsitzender der DGB Landesvertretung Thüringen
Ilse Junkermann, Landesbischöfin der EKM
Martina Klein, Oberkirchenrätin und Bildungsdezernentin der EKM
Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Juri Goldstein, Stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Dr. Ulrich Neymeyr, Bischof des Katholischen Bistums Erfurt
Winfried Weinrich, Ordinariatsrat und Leiter des Katholischen Büros Thüringen
Hartmut Koch, Präsident des Verbandes der Wirtschaft Thüringens e.V.
Stephan Fauth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens e.V.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Felix Berg

    Oje, wenn die bei den Flüchtlingen analog handeln wie bei der eigenen Bevölkerung ( bei jeder Missetat gegen sie = Augen und Ohren zu) dann steht denen nicht wirklich gutes bevor. Aber, es hört sich schön an und darum geht es wohl den Unterzeichnern.

  • Christian

    Typisches BlaBla, von den Unterzeichnern hätte man wirklich mehr erwarten können. Auf die Bedenken von Menschen, die sich nicht so einfach tun mit der Zuwanderung, wird nicht eingegangen. Es wird vorausgesetzt das alle Menschen das gut finden und fertig. Das ist ein super Nährboden für das, wogegen dieses Papier eigentlich appelliert.

    Zudem vermisse ich, wie immer, einen kurzen Gedanken zu dem ursprünglichen Problemen, die die Flüchtlingswelle auslösen. Es wäre immens wichtig, Energie in die Lösung dieser Probleme zu stecken, als nur mit den Auswirkungen klar zu kommen. Manchmal umschweift mich das grausige Gefühl, dass sich die Politik und Wirtschaft hierzulande freut, dass wir so viele Verbraucher bekommen, während andere Länder ausbluten.
    Und zuletzt einen Gedanken an die, die nicht das Geld haben, es bis nach Europa zu schaffen. Wir empfangen hier doch die, denen es eh schon (etwas) besser ging. Viele Tausend haben nicht die Möglichkeit sich der unmittelbaren Gefahr zu entziehen, lassen wir die im Stich? Wollen wir die vielleicht gar nicht wegen schlechter Bildung etc.? Sehr christlich, jüdisch, menschlich… achso, wirtschaftlich!

    • Gisela Rexrodt

      So, wie Sie das darlegen, Herr „Christian“, habe ich mich in einem Leserbrief an die TA gewandt zum Thema: „Woher haben die das Geld für Handys und Schlepper“. Es ist, wie Sie sagen, diese Menschen kommen nicht freiwillig, da sie zu Hause ihr Auskommen, ihre Heimat hatten. Sie trafen eine Entscheidung zwischen „Zusammenschießen lassen“ oder flüchten. Die, die das Geld zur Flucht nicht haben, haben auch keine Entscheidungsfreiheit und müssen sich dem Terror aussetzen. Ergebnis: Die „Bildung“ wird aus diesen Ländern abgezogen, so dass die Ursachen der Flucht weder behoben werden können bzw. behoben werden wollen. Im ZDF wurde vorsichtig gefragt: Die Euphorie der Willkommensbegrüßung, wird sie anhalten,wenn erste Probleme auftreten – man denke an die Euphorie der Tage der Grenzöffnung. Ich heiße auch alle herzlich willkommen, weil ich die Gründe ihrer Flucht respektiere, ja nachvollziehen kann, bin aber der Überzeugung, dass diese Menschen lieber in ihre Heimat zurückkkehren möchten. Hier muss der politische Hebel angesetzt werden.

      • Felix Berg

        Die Ursache warum Millionen ihre Heimat verlassen und nach Europa wollen sind Kriege, das stimmt und ob jemand viel oder wenig Geld hat, Kugeln fragen nicht danach. Aber was tun die Menschen ohne Geld. Das ist das eine Problem, das andere ist die Kultur, bzw. der Glaube ihrer Religion und niemand ist bereit zu sagen das diese Religionszwistigkeiten spätestens hier ein Ende haben, aber Prügeleien und zerstörte Kücheneinrichtungen, weil eine Frau hinten an stehen muss, zeugen vom Unwillen dies zu ändern. Es sind nicht nur Menschen die kommen, es ist eine andere Kultur die im kern das Europäische als Sünde ablehnt. Ein Bleiberecht bis im Kriegsgebiet die Munition ausgeht ist denke ich nicht falsch, so das sie später wieder in ihren Kulturkreis zurückkehren können.

        • Christian

          Herr Berg, es sind nicht alles Islamisten die zu uns kommen. Aber ja, die Gefahr besteht, das sich auch radikale Islamisten mit unter die Flüchtlinge mischen, unbemerkter kommt man schließlich nicht nach Europa. Und ja, auch Konflikte zwischen den Flüchtlingen sind zu erwarten, werden wohl aber aus bekannten Gründen aus der Berichterstattung gestrichen werden.

          Dass Menschen mit anderen Glaubensrichtungen gut integriert werden können, denke ich schon, das zeigt auch die Vergangenheit. Was jedoch der Knackpunkt ist: die Einwanderer wie auch die deutschen Ureinwohner müssen da mitspielen. Und das ist keine leichte Aufgabe und auch keine kurzfristige. Es braucht oft mehr als nur eine Generation um das zu bewerkstelligen.
          Sicherlich sollte man jenen Menschen, die vor Krieg geflohen sind, auch den Weg zurück ermöglichen. Jedoch ist auf absehbare Zeit keine Besserung in Sicht, schon gar nicht wenn den Ländern ihre Vernunft in Form von Menschen entflieht.

          Schnell ansetzen müsste die Politik an der Problematik der Wirtschaftsflüchtlingen. Wenn Menschen hier mehr Geld bekommen, während sie ein halbes Jahr auf die Ablehnung Ihres Asylantrages warten, als wenn sie zu Hause ein halbes Jahr arbeiten würden, dann muss ich mich nicht über die derzeitige Situation wundern.

          Leider muss man auch sagen, dass die jetzige, von Gefühlen geleitete Politik, sehr schädlich ist. Unsere derzeitige Aussage „Wir helfen euch allen, kommt nur her“ trägt nur dazu bei, dass noch mehr Menschen nach Europa drängen. Andere Länder zahlen die Zeche mit. Doch, so gerne wir wollen, wir können nicht allen helfen. Und scheinbar ist es uns ja auch egal, was mit Menschen passiert die woanders als in Europa sind.
          Wenn wir Menschen wirklich helfen wollen, müssen wir außenpolitisch stärker und geschlossener agieren, handeln statt zu faseln, und vor allem sollten uns nicht in die eigene Tasche lügen. Wir beuten schon seit Jahren Länder aus, haben sie seit der Kolonialzeit von uns abhängig gemacht, zerstören die Umwelt anderer Länder damit unsere heil bleibt, heilen Ebola erst wenn sichs lohnt, bekämpfen die Armut mit Homöopathie…tbc.

          • Felix Berg

            Da stimme ich ihnen zu, ein Zusammenleben ist möglich, aber das Wort Integration muss Realität werden und nicht als Worthülse missbraucht werden, ich denke da an die Türkischen Zuwanderer, die erste Generation konnte sich knapp integrieren, die zweite etwas besser, allerdings die jetzige dritte Generation strebt zurück zu ihren Wurzeln, ob in der Sprache oder Religion. Auch die Versuche an den Romas sind gescheitert, aus ihrer Kultur heraus ein fahrendes Volk, sie sesshaft zu machen nahezu unmöglich, Wohngebiete in denen das Versucht wurde zeugen von dem Fehlschlag. Eine Superlösung habe ich auch nicht, aber man muss reden miteinander und dem Wort Integration wie geschrieben einen Sinn verpassen, auch schon deshalb weil in einen Land nicht für jede Kultur ein Separates Grundgesetz von Nöten ist wie wir es heute praktizieren.

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