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 | Bildquelle: Th. Levknecht

Beschreibung:
Bildquelle: Th. Levknecht

Aufholjagd wieder ohne Happyend

ThSV Eisenach dreht nach 11-Tore-Rückstand fast noch den Klassiker an der Börde –  Hoffnungsvolles Criciotoiu-Comeback –  Starkes Torhüterduo Redwitz/Verkic

Der ThSV Eisenach hat beim SC Magdeburg mit 16:10 gewonnen. Die zweite Halbzeit. Ein Handballspiel besteht jedoch zwei Spielhälften über je 30 Minuten. In der Summe beider Spielhälften hatte der SC Magdeburg in der Neuauflage eines Klassikers mit 27:24 (17:8) die Nase vorn. Eine Partie, die beiden Trainern aufgrund der Hoch und Tiefs Rätsel aufgab! Durchgängig in bester Form, die etwa 200 in blau-weiß getauchten Fans des ThSV Eisenach, die in der mit über 6.300 Zuschauern gefüllten GETEC Arena lautstark ihre Mannschaft anfeuerten. Der ThSV Eisenach musste auf seinen Torjäger Azat Valiullin verletzungsbedingt verzichten; zweifellos ein riesiges Handycup für den Aufsteiger.

Mit Fehlerfestival Magdeburger zum Kontern eingeladen  
Wie in den Spielen zuvor, die Wartburgstädter gerieten durch ein Fehlerfestival klar in Rückstand, starteten dann zu einer famosen Aufholjagd, die zu keinem Happyend führte.

Wir boten in der zweiten Halbzeit richtig guten Handball, haben gut gekämpft und gut kombiniert,

bilanzierte Velimir Petkovic, der Coach des ThSV Eisenach.  Wäre da nicht die 20-minütige Phase zwischen der 17. und 37. Minute gewesen, als der SC Magdeburg vom 7:6 auf 20:9 davon zog. „Beim Stand von 6:6 hatten wir sogar die Chance in Führung zu gehen“, versuchte Velimir Petkovic zu rekapitulieren.

Das war geradezu ein Blackout,

bekannte ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz. „Wir haben unglaublich viele Bälle weggegeben und dadurch Kontertore kassiert. Diese Phase hatten wir leider stets in den letzten Spielen und gerieten dadurch spielentscheidend in Rückstand“, stellte selbstkritisch ThSV-Linksaußen Dirk Holzner fest. Jan-Steffen Redwitz versuchte Ursachenforschung. „In der ersten Halbzeit konzentrierte sich jeder auf seinen Job. Im zweiten Abschnitt haben wir deutlich mehr als Einheit gespielt.“ Ad acta gelegt, die Torhüterdiskussion beim ThSV Eisenach. Das Duo Jan-Steffen Redwitz und Svetislav Verkic überzeugte auch an der Elbe. Bärenstark beide im direkten Duell aus Nahdistanz. Aus dem Positionsangriff ließ die Eisenacher Defensive nicht viel zu, ausgenommen die von Nationalspieler Michael Haaß (wechselt zur nächsten Saison zum HC Erlangen!) initiierten Spielzüge zum starken Jacob Bagersted an der Kreismitte. Präziser kreativer Handball mit entschlossenem Abschluss prägte das Eisenacher Spiel nach dem 11-Tore-Rückstand. Der nach einem Handbruch erstmals wieder mitwirkende Bogdan Criciotoiu lochte aus dem rechten Rückraum ein. „Ich habe keine Schmerzen mehr und hoffe, der Mannschaft nun wieder helfen zu können. Dass die Moral stimmt, das hat die Partie gezeigt. Gegen eine personell bestens besetzte Magdeburger Mannschaft boten wir eine sehr gute zweite Halbzeit. Das macht Mut für das wichtige Heimspiel gegen den TSV Hannover-Burgdorf“, erklärte der Linkshänder.

ThSV Eisenach lässt Favorit SC Magdeburg gewaltig zittern
Alle waren in Bewegung, der Ball wurde zum schnellsten Mitspieler. Velimir Petkovic zog alle personellen Optionen für den Rückraum. „Unglaublich, die letzten 23 Minuten haben wir mit 7:15 verloren“, schüttelte Geir Sveinsson, der Magdeburger Coach, den Kopf. Mit einer Vielzahl von Gegenstoßtoren habe man sich bereits bis zur Halbzeit deutlich abgesetzt. „Wir haben uns wohl zu sicher gefühlt. Der Eisenacher Torhüter parierte zudem viele Bälle“, resümierte Robert Weber, Magdeburgs Top-Torjäger. Er, Trainer Geir Svensson und Geschäftsführer Steffen Stiebler betonten gleichlautend, das letztendlich die zwei Punkte zählen. Die Magdeburger Verantwortlichen sahen zur Pressekonferenz recht bedeppert aus. „Sieger sehen eigentlich anders aus“, konstatierte ein einheimischer Journalist. Als die Eisenacher Treffer um Treffer aufholten, schallten Pfiffe durch das weite Rund. Nun gelangen auch den Gästen von der Wartburg  Treffer nach Gegenstößen (23:18, Wöhler, 49.). Eine bestens temperierte Steilvorlage von Keeper Svetislav Verkic versenkte Tomas Urban (23:19, 51.). Unmut machte sich auf den Rängen breit. Zwei SCM-Treffer (Sohmann, Bagerstedt) zum 25:19 (53.) ließ die Thüringer nicht entmutigen. Nun zappelten auch zwei Hruscak-Bälle im SCM-Kasten, stibitzte sich Nicolai Hansen das Leder und vollendete selbst. Beim 26:23 (57.) war der 11-Tore-Vorsprung des Favoriten auf 3 geschmolzen. Dann scheiterte selbst Jacob Bagerstedt völlig frei am Eisenacher Schlussmann Svetislav Verkic (parierte 9 Bälle binnen 30 Minuten1).  Eisenachs Linksaußen Adrian Wöhler verkürzte bis auf zwei Treffer (59.). Einer Erlösung gleich, der von Robert Weber verwandelte Siebenmeter zum 27:24 (59.). Der SC Magdeburg hatte sich über die Ziellinie gerettet. Unterm Strich stehen für den ThSV Eisenach erneut eine famose Aufholjagd, aber keine Punkte. Bis zum Jahreswechsel muss gepunktet werden. Gleich am kommenden Samstag, 12.12.2015, wenn der TSV Hannover-Burgdorf in der Werner-Aßmann-Halle gastiert.

Ausgeglichene Auftaktviertelstunde – dann nahm das Unheil seinen Lauf
Der ThSV Eisenach begann mit Adrian Wöhler auf Linksaußen, Dusko Celica im linken Rückraum, Tomas Urban im rechten Rückraum und Nick Heinemann auf Rechtsaußen. Marcel Schliedermann löste zunächst Bjarki Olafur Ragnarsson für Abwehraufgaben ab. Schrecksekunde für den ThSV Eisenach bereits nach knapp 5 Minuten. Dusko Celica blieb nach einem Zweikampf liegen. Sanitäter eilten bereits mit einer Trage herbei. Der Rückraumspieler hatte Schläge auf den Oberschenkel und am Kopf bekommen, war benommen. Dr. Birgit Hoffmeyer, die Mannschaftsärztin des SC Magdeburg, war sofort zur Stelle, unterstützte Eisenachs Physiotherapeut Martin Münzberg. Dusko Celica nahm auf der Wechselbank Platz, konnte später wieder mitwirken. Marcel Schliedermann blieb nun auch im Angriff auf dem Parkett, ging – wie von ihm bekannt – beherzt in die Zweikämpfe und suchte den Abschluss, tankte sich zum 3:3 (7.) durch, traf auch zum 5:5 (10.). . Die Eisenacher mussten ihre Torchancen aufwendig erarbeiten. Würfe aus dem Rückraum wurden von der SCM-Abwehr abgeblockt. Jan-Steffen Redwitz kaufte Jacon Bagerstedt das Leder ab, Tomas Urban besorgte den neuerlichen Ausgleich (6:6, 13.). Der ThSV Eisenach versuchte bis dahin geduldig und sicher zu spielen. Dann nahm das Unheil aus Eisenacher Sicht seinen Lauf. Am Nikolaus-Vortag verteilte der ThSV Eisenach kräftig Geschenke, in Form von Technik- und Regelfehlern. Der SC Magdeburg zog das ihn über viele Jahre prägende Konterspiel auf. Robert Weber traf zum 10:6 (22.). Eine Auszeit und eine Redwitz-Glanztat gegen Yves Grafenhorst leiteten nicht die erhoffte Wende ein. Die Magdeburger nutzten zudem Überzahlsituationen clever und netzten zum 16:7 (29.) ein.

In schier aussichtsloser Situation dreht der ThSV Eisenach auf
Kurz nach Wiederbeginn kassierte Adrian Wöhler seine zweite Zeitstrafe. Jacob Bagerstedt verwandelte von der Kreismitte zum 20:9 (37.). Den Wartburgstädtern drohte im Derby ein Debakel. In schier aussichtsloser Situation bewies das Team ganz viel Charakter. SCM-Trainer Geir Svensson ahnte, wqas kommt, griff beim Stand von 20:12 zur grünen Karte (39.). Der Weckruf verpuffte! Jetzt spielte nur noch ein Team. Der ThSV Eisenach! Marcel Sachliedermann, Bogdan Criciotoiu, Dusko Celica und Daniel Luther kurbelten das Angriffsspiel an, verzagten bei Fehlern oder Holztreffern nicht. Bogdan Criociotoiu hämmerte eine Freiwurfablage ins Netz. Tomas Urban verwandelte einen an Marcel Schliedermann verwirkten Siebenmeter. Das 11-Torepolster der Hausherren schmolz von Minute zu Minute. Beim 23:18 (49.) waren es nur noch 4 Treffer. Die Kulisse erstarrte, machte dann ihrem Unmut Luft. Der Underdog trumpfte auf! Der Favorit rettete sich über die Ziellinie. Der Verlierer wurde vom mitgereisten Anhang gefeiert. Der Beifall für den Sieger fiel von dessen Anhängerschaft sehr spärlich aus.

Statistik
SC Magdeburg: Quenstedt, Green (39.-55.); van Olphen (1), Bagerstaed (7), Grafenhorst (2), Haaß (2), Bezjak, Gebala, Weber (7/2), Saul (1), Sohmann (4), Damgaard (1), Zelenovic, Lemke (2)
ThSV Eisenach: Redwitz, Verkic (ab 31.); Wöhler (3), Luther, Celica (1), Ragnarsson (1), Hruscak (2), Schliedermann (3), Hansen (2), Urban (7/4), Holzner, Heinemann, Koloper (1), Criciotoui (4)
Siebenmeter: SC Magdeburg 2/2 – ThSV Eisenach 4/4
Zeitstrafen: SC Magdeburg 4 x 2 Min. – ThSV Eisenach 5 x 2 Min.
Schiedsrichter: Thöne/Zupanovic
Zuschauer: 6304
Spielfilm: 3:3 (7.), 6:6 (13.), 16:7 (29.), 20:9 (37.), 22:17 (46.), 25:22 (55.), 26:24 (59.), 27:24 (59.)

Fotos: Torwartdiskussion beendet. Überzeugten auch in Magdeburg die Eisenacher Keeper • Titelfoto: Jan-Steffen Redwitz

Th. Levknecht

Foto: Th. Levknecht

Foto 2: Svetislav Verkic

Andrea T. | | Quelle:

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