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Benjamin Trautvetter als sicherer Vollstrecker

Der ThSV Eisenach feierte mit einem 36:33 (17:15)-Erfolg über die SG Wallau seinen vierten Sieg in Folge und kletterte auf den achten Tabellenplatz. «Ich komme gern nach Eisenach. Die Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle ist einfach fantastisch. Das war für meine junge Truppe schon sehr ungewohnt, doch sie hat besonders in der ersten Halbzeit energisch Paroli geboten. Der Sieg für den ThSV Eisenach war freilich völlig verdient», bilanzierte Mike Fuhrig, der Sachse auf der Trainerbank der hessischen SG Wallau. Maik Handschke, der Mecklenburger auf der Trainerbank der Thüringer, sah in der ersten Halbzeit Probleme seiner Schützlinge, die nicht zimperlich zu Werke gehende Abwehr der Gäste zu knacken. «Mit viel Bewegung wollten wir sie auseinander reißen, doch uns unterliefen dabei einfach zu viele Fehler, die Wallau zu erfolgreichen Tempogegenstößen nutzte. In der zweiten Halbzeit hielten wir unsere Marschroute dann weitestgehend konsequent ein», so das Fazit von Maik Handschke. Während gemeinsamer Nationalmannschaftszeiten teilten sich Maik Handschke und Mike Fuhrig oftmals ein Zimmer. Nach dem Abpfiff gönnten sich beide ein «kühles Blondes» und hatten sich einiges zu erzählen.

Eine für den Spielverlauf wahrscheinlich wichtige Szene ereignete sich in der 19. Minute. Der mehrfach energisch von Linksaußen anziehende Karsten Wöhler wurde regelwidrig gestoppt. Strafwurf. Pavel Prokopec, Eisenachs etatmäßiger Siebenmeterwerfer, brachte bereits in der Auftaktphase (3. und 4. Minute) zwei Bälle vom Punkt nicht unter. In der Rangfolge der Eisenacher Siebenmeterwerfer steht Karsten Wöhler an zweiter Stelle. Doch sollte der gefoulte Spieler, entgegen einer alten Weisheit, jetzt selbst werfen? Zur Verblüffung aller schnappte sich Benjamin Trautvetter das Leder und schritt zur Ausführung. Er versenkte zum 10:9. Dieses Ritual wiederholte der in der Vorwoche 24 Lenze jung gewordene Lockenkopf noch weitere sieben Mal. Eine 100 Prozent-Quote vom Punkt: acht Versuche, acht Treffer. «Bereits im Training hat Benne bei Siebenmetern überzeugt. Die Entscheidung war völlig richtig», erklärte Maik Handschke aufgekratzt. Vor Selbstbewusstsein geradezu strotzend schwang sich Benjamin Trautvetter mit insgesamt 14 Treffern zum überragenden Spieler der Partie insgesamt auf.

Viel Bewegung mit und ohne Ball
Die Wartburgstädter wucherten erneut mit dem Pfund der Qualität des gesamten Kaders, der Maik Handschke, obwohl Christoph Jauernik und Philipp Emmelmann verletzt fehlten, mehrere Alternativen ermöglicht. Stotterte zunächst der Angriffsmotor, erreichte er dann in der Besetzung der Aufbaureihe mit Krisztian Szep-Kis im rechten und Tomas Sklenak im linken Rückraum sowie Pavel Prokopec auf der Regieposition die richtige Betriebstemperatur und nahm tüchtig Fahrt auf. Altmeister Krisztian Szep-Kis, in der Abwehr überwiegend durch Daniel Luther abgelöst, sprühte erneut vor Spielfreude und markierte selbst fünf Treffer. «Es macht einfach Riesenspaß, in dieser Mannschaft zu spielen», lachte der 37-jährige im schweißgetränkten Trikot nach dem Abpfiff. Die offensiv agierende Gästeabwehr wurde gehörig über das Parkett gehetzt und kam zunehmend den berühmten Schritt zu spät. Die Unparteiischen Dassler/Günther (Zwönitz) sprachen den Eisenachern daraufhin insgesamt zehn Strafwürfe zu. Alexander Schiffner fügte sich bei seinen Einsätzen im Rückraum vorzüglich ein, ließ seine Spielintelligenz durchblicken und brachte seine Geschmeidigkeit beim Durchstarten zum Kreis zum Tragen. Girts Lilienfelds führte es allen deutlich vor Augen: Ich bin ein Rechtsaußen. Hier ist der lettische Nationalspieler auch beim ThSV Eisenach am wertvollsten. Wer die Nummer 1 auf Linksaußen ist, Karsten Wöhler ließ keinen Zweifel an der Antwort.
Bei ihrer Abschiedsvorstellung in Eisenach setzte die SG Wallau auf robuste Abwehrarbeit. Aufgrund von zwei ausgelassenen Strafwurfchancen (Prokopec) verlief der Start keineswegs optimal (0:2, 3.). Maik Handschke reagierte frühzeitig mit personellen und taktischen Umstellungen. Schnelles Spiel zum Kreis, dazu als «Garnierung» eine Fackel von Daniel Luther, die Eisenacher gingen 5:2 in Führung (8.). Der als Abfangjäger vor der Gästedeckung operierende Tobias Schimmelbauer war in der Wahl seiner Mittel nicht wählerisch. Die Hausherren patzten nun mehrfach. «Plötzlich verfielen wir in alte Fehler. Emotionen nahmen die Überhand. Die Besonnenheit ging verloren», skizzierte Maik Handschke die Phase zum 7:9 (16.). Wallau konterte die Eisenacher regelrecht aus. Dann sendete Eisenachs Oldie wichtige Signale, zog erfolgreich zum 11:10 (20.) und 12:11 (21.) ab. Die Hessen teilten in der Abwehr kräftig aus, zogen sich den lautstarken Unmut der 1400-köpfigen Kulisse zu. Benjamin Trautvetter staubte zum 14:12 (24.) ab, Girts Lilienfelds lochte von Rechtsaußen zum 15:12 (26.) ein. Die Eisenacher schienen ihren Erfolgsrhythmus gefunden zu haben. Zu ungestüm packte Wallaus Abwehr (Schulz, Schimmelbauer) die Keule gegen Krisztian Szep-Kis und Pavel Prokopec aus. Die Emotionen auf Parkett und Rängen schlugen hoch. Die Nerven lagen plötzlich blank (29.) ThSV-Coach Maik Handschke schritt tatkräftig ein, um seine Heißsporne von den Gefahrenherden zu verdrängen. Selbst die Ordner mussten auf dem Parkett einschreiten, um die Streithähne zu trennen. Die nahende Halbzeitpause beruhigte dann die Gemüter. Die erste Zeitstrafe der zweiten Halbzeit brauchten die Unparteiischen erst in der 54. Minute zu verhängen.

Ein vor Spielfreude sprühender Oldie Krisztian Szep-Kis
Mit Sonderbewachungen, erst gegen Tomas Sklenak, später im Doppelpack auch gegen Pavel Prokopec, versuchten die Hessen Eisenachs Spielfluss zu unterbinden. Im Vorwärtsgang setzten sie überwiegend auf ihren am Spieltag seinen 19. Geburtstag feiernden Torjäger Steffen Fäth (9 Tore). Beim 19:19 (36.) erreichte die SG Wallau letztmalig den Gleichstand. Schwungvoller Angriffshandball prägte das Eisenacher Spiel. Aber auch die Abwehr im Zusammenspiel mit Torhüter Radek Musil gewann an Stabilität. Pavel Prokopec luchste den Gästen das Leder ab, bediente den sprintenden Benjamin Trauvetter, der zum 21:19 (37.) vollendete. Daniel Luther markierte mit Volldampf das 24:20 (39.). Auszeit durch Wallaus Coach Mike Fuhrig. Über Kombinationen zum Kreis soll Eisenachs Abwehr ausgehebelt werden. Das gelingt auch mehrfach (Rossmeier). Eisenachs Trumpf bleibt die Offensive. Immer wieder wissen sich die Hessen nur regelwidrig zu helfen. Und immer wieder beweist Benjamin Trautvetter Vollstreckerqualitäten vom Punkt (28:24, 46.). Doch es blieb spannend. Wallaus Martin Lorenz und Tobias Schimmelbauer versuchten Eisenachs Tomas Sklenak und Pavel Prokopec an die ganz kurze Leine zu nehmen. Pavel Prokopec patzte, Martin Lorenz traf per Tempogegenstoß zum Anschlusstreffer der Gäste (30:29, 52.). Maik Handschke greift zur grünen Karte, schwört seine Crew auf die Schlussphase ein. Seine Schützlinge haben verstanden. Wieder ist es der Oldie, der wichtige Impulse setzt. Krisztian Szep-Kis bedient Benjamin Trautvetter, der zum 31:29 vollendet. Zu ungestüm die Gäste. Stürmerfoul von Stefan Bonnkirch. Wie ein junger Hengst startet Krisztian Szep-Kis durch. Siebenmeter für den ThSV Eisenach. Kein Problem für Benne Trautvetter, hier zum 32:29 (54.) und nach Foul an Karsten Wöhler zum 33:30 (56.) zu verwandeln. Ganz deutlich, die Eisenacher haben noch zuzusetzen. Die Gäste sind mit ihren Kräften am Ende. ThSV-Keeper Radek Musil pariert oder seine Vorderleute stibitzen das Leder, so wie Karsten Wöhler. Der Kapitän zieht auf und davon, vollendet per Rückhandtreffer zum 36:31 (59.). Handballherz, was willst Du mehr? Die Fans feiern bereits stehend ihre Mannschaft. Wallau gelingt noch etwas Ergebniskosmetik.

Statistik
ThSV Eisenach: Musil, Krüger; Hoffmann (1), Trautvetter (14/8), Sklenak (2), A. Wöhler, Lindner, Luther (2), Schiffner (2), K. Wöhler (3), Lilienfelds (4), Prokopec (3), Szep-Kis (5)

SG Wallau: Schermuly, Beer; Ehrmann (6), S. Schulz (1), Lorenz (2), Garbo (1), Fäth (9/2), Bonnkirch (4), Rossmeier (2), Schimmelbauer (7), Hahn (1)

Siebenmeter: Eisenach 10/8; Wallau 2/2

Zeitstrafen: Eisenach 4 x 2 Min.; Wallau 5 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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