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So liebten die ThSV-Fans - und nicht nur die - "Benne"Trautvetter, einen echten Eisenacher Junge. | Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Beschreibung: So liebten die ThSV-Fans - und nicht nur die - "Benne"Trautvetter, einen echten Eisenacher Junge.
Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Benjamin Trautvetter verlässt die große Handballbühne

Gesicht des ThSV Eisenach wird offiziell aus dem Bundesligateam verabschiedet • Knieprobleme zwangen immer wieder zu Pausen • Zwei Erstliga-Aufstiege als Kapitän waren der Höhepunkt

Der ThSV Eisenach und Benjamin Trautvetter wurden über viele Jahre in einem Atemzug genannt. Benjamin Trautvetter, ein Eisenacher Junge (geb. 28.03.1985), war ein Gesicht des Traditionsvereines von der Wartburg. Vor dem Heimspiel des ThSV Eisenach am Samstag, 02.09.2017 um 19.30 Uhr gegen die HSG Nordhorn-Lingen wird er offiziell aus den Reihen des Eisenacher Bundesligateams verabschiedet.

„Ich kam stets zurück, sogar stärker!“
Oft ein verschmitztes Lachen im Gesicht, Benjamin Trautvetter führte den ThSV Eisenach in der Saison 2011/12 als Kapitän zum wichtigen Aufstieg in die eingleisige 2. Handballbundesliga, feierte ebenfalls als Kapitän die Erstliga-Aufstiege 2014 und 2016. Doch zum letzten konnte er schon wenig beitragen. Fortwährende Knieprobleme (Knorpelschaden) begleiteten seine ganze Laufbahn; die erste Operation erfolgte im Alter von 16 Jahren.

Ich bin immer wieder länger ausgefallen, doch ich bin immer wieder zurückgekommen, zumeist sogar stärker, betont der Schwarzschopf.

Er, der den großen Halt im Elternhaus als ganz wichtig herausstreicht, habe nie die Motivation verloren. So schuftete er auch nach dem letzten Vorfall, in der Hoffnung auf die Rückkehr zum Leistungshandball.

Ich konnte das Trainingspensum aber nicht mehr bewältigen. Velimir Petkovic, unser damaliger Trainer, redete Klartext, erinnert sich Benjamin Trautvetter.

Im letzten Spiel der Saison 2014/2015, im Eisenacher Aufstiegsrausch, kam er in der Schlussphase noch einmal auf das Parkett, markierte – von seinem Freund Tomas Skleank bedient – zwei Treffer. Tore sind das Salz der Suppe. Benne, wie er von allen nur gerufen wird, steht in der Reihe der erfolgreichsten Eisenacher Werfer mit Titel Raduta und Tomas Sklenak. Was war und ist ihm neben seiner Familie wichtig? Der Freundeskreis mit Daniel Luther, Adrian Wöhler, Christoph Jauernik und Nick Heinemann, mit denen er schon in der Jugend zusammenspielte.

Foto: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Als „Jaue“ anrief
Benjamin Trautvetter setzte neue Prioritäten, sich auf das Studium konzentrierend, den Einstieg ins Berufsleben dicht vor Augen, fernab vom Handballparkett. Da klingelte ThSV-Coach Christoph Jauernik zum Ende der Vorsaison bei seinem alten Kumpel aus gemeinsamen erfolgreichen Eisenacher A-Jugend-Zeiten (im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft nur haarscharf am SC Magdeburg gescheitert) an. Die Verletztenmisere war groß, die Personaldecke dünn. Im letzten Saisonspiel in Konstanz kehrte „Benne“, der sich körperlich fit hielt, noch einmal für 30 Minuten zurück, rackerte in der Abwehr.

Obwohl Abwehrarbeit in den vielen Jahren eigentlich nicht zu meinen Stärken zählte, schmunzelt Benjamin Trautvetter.

Er war richtig stolz, den Jungs noch mal geholfen zu haben. Inzwischen gehört nicht das Handballtrikot sondern der Anzug zur Arbeitskleidung. Er bleibt aber dem ThSV Eisenach erhalten, als spielender Co-Trainer der in der Thüringenliga auf Tore- und Punktejagd gehenden zweiten Männermannschaft. Hier steht der Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga auf der Agenda. Das Team dürfte vom reichen Erfahrungsschatz und der stets positiven Energie eines Benjamin Trautvetter profitierten.

„Bongo“ Beck hat mich quasi zurückgeholt

Der ThSV Eisenach spielte gegen den TV Eitra, mit Chrischa Hannawald, mit kurzen Hosen im Tor. Ich habe zur Halbzeitpause auf dem Parkett gespielt, erinnert sich Benjamin Trautvetter.

Wenig später, mit 8 Jahren, trug er das Trikot. Dietmar „Ebs“ Aust war sein erster Übungsleiter. Es folgten Ralf Ehrhardt, Regina Berg, Peter Hattenbach, Andreas „Willi“ Schwabe und Hans-Joachim Ursinus.

Achim Ursinus hat mich auf den  Weg zum Profi-Handballer gebracht, erinnert sich Benjamin Trautvetter.

Das war aber nicht beim ThSV Eisenach. Viele aus der erfolgreichen A-Jugend verließen die Werner-Aßmann-Halle. Mehrere wurden bei Zweitligist HSG Niestetal-Staufenberg mit offenen Armen aufgenommen. Hans-Joachim Ursinus hieß hier der Coach. Benjamin Trautvetter rangierte gleich im ersten Jahr unter den ersten 10 der Torjägerliste der 2. Bundesliga Nord. Nach zwei Jahren, zur Saison 2006/2007, kehrte er zurück.

Bongo Beck hatte da die Hauptaktie, so Benjamin Trautvetter.

Von da an war der Kreisspieler ständig für den ThSV Eisenach am Ball.

Viel Instinkt, Ballgefühl und Ballsicherheit, das Leder in Bedrängnis unter Kontrolle bringen, so beschreibt Benjamin Trautvetter sich selbst.

Patrik Wiencek – fair, aber ganz unangenehm
Benjamin Trautvetter hatte als Kreisspieler viel Körperkontakt. Als unangenehme Gegenspieler bezeichnet er Thomas Oehlrich, Rico Göde sowie Partrik Wiencek. Zum Kieler ergänzt Benjamin Trautvetter: „Fair, aber ganz unangenehm.“ Prominente Gegenspieler waren Ivano Balic, Bartosz Jurecki und Domingo Duvnjak: An welche Mitspieler erinnert sich Benjamin Trautvetter? „Pavel Prokopec, Goran Jerkovic, Kristian Szep-Kis und Tomas Sklenak.“ Und auch das möchte Benjamin Trautvetter vermerkt wissen “Hannes Jon Jonsson, zu dem ich noch immer Kontakt habe, ist stets ehrlich zu mir gewesen. Eine große Persönlichkeit mit Vorbildcharakter.“ Was gibt es zu den Trainern zu sagen?

Mit Maik Handschke habe ich gern zusammengearbeitet. Er hat mir das Handball-Spielen vermittelt. Mit Adalsteinn Eyjolfsson habe ich Höhen und Tiefen erlebt. Er arbeitet akribisch, hat mein handballerisches Wissen erweitert.

Nette Geste von Andi Schmid
Gefragt nach einer Episode erinnert sich Benjamin Trautvetter an das Erstliga-„Heimspiel“ in Coburg. Die Rhein Neckar Löwen mussten, um den Meistertitel vor dem THW Kiel zu erobern, auf Torejagd gehen, hatten kein Erbarmen.

Andi Schmid, aktuell der beste Spieler der DKB Handballbundesliga, nahm mich auf dem Weg zu den Kabinen in den Arm, entschuldigte sich geradezu und bat um Verständnis für die Torejagd.

Die Rhein Neckar Löwen hatten den ThSV Eisenach mit 42:19 überrollt.

Andrea T. | | Quelle:

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