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Der Kapitän trifft, der Keeper hält die Punkte fest

Es war wieder ein fesselnder Handball-Krimi, den über 1650 Zuschauer in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle erlebten. In einer Partie von zwei Teams auf Augenhöhe, von beiderseitiger Leidenschaft geprägt, bejubelte der ThSV Eisenach einen hauchdünnen 23:22 (10:12)-Erfolg über die SG Bietigheim und untermauerte damit einen Platz im Spitzenfeld der Tabelle.
Über nach Balleroberungen erfolgreich abgeschlossene Tempogegenstöße hatten die Wartburgstädter einen 10:13-Rückstand (31.) in eine 22:19-Führung (55.) umgewandelt. Doch die Gäste mit den Gebrüder Salzer als Taktstock-Schwinger trafen durch den energisch nachsetzenden Timo Salzer zum 22:22-Ausgleich (59.). Die Eisenacher initiierten eine Ballstafette zu ihrem Kapitän, zu Benjamin Trautvetter, der von der Kreismitte Routinier Milos Hacko im Tor der Gäste zum 23:22 überwand (60.).
Jochen Zürn, der Coach der Gäste, zückte die grüne Karte und schickte zugunsten seines Torhüters einen zusätzlichen Feldspieler auf das Parkett. Die Hallenuhr zeigte noch 36 Sekunden Spielzeit. Die SG Bietigheim brachte Fabian Bohnert auf Rechtsaußen in beste Wurfposition, doch Stanislaw Gorobtschuk im Eisenacher Kasten wehrte mit seiner 19. Parade den Ball ab. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt.
Noch waren drei Sekunden zu absolvieren. Zur «Beruhigung» griff Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson zur grünen Karte. Seine Mannen ließen sich den Doppelpunktgewinn nicht mehr entreißen. Der in Frankfurt/Oder geborene Schlussmann Stanislaw Gorobtschuk, im Jahr 2009 vom VfL Gummersbach ins Thüringische gewechselt, war der Matchwinner.
Schon beim drei Tage zuvor erfolgreichen Pokalcoup über Erstligist TV Großwallstadt (27:20) bestach der 24-jährige Keeper, der im Pokal- und Punktspiel zusammen 39 Bälle abwehrte!

«Zunächst nutzten die Gäste Abstimmungsprobleme im Deckungsverband insbesondere durch Pjerre Freudl, doch dann war auf unsere Abwehr mit dem Torhüter», bilanzierte Adalsteinn Eyjolfsson und freute sich über die Effizienz beim Tempogegenstoß. Zwölf der Eisenacher Treffer resultierten aus Gegenstößen nach Balleroberungen. Torhüter Stanislaw Gorobtschuk, der in Abwehr, Angriff und von der Siebenmeterlinie einmal mehr überzeugende Nick Heinemann sowie der im Deckungsverband bärenstark auftrumpfende Nicolai Hansen nannte Adalsteinn Eyjolfsson als beste Spieler seines Teams.
Der Eisenacher Trainer verhehlte aber auch nicht wo der Schuh drückt: «Wir haben Probleme im Positionsangriff gegen defensiv ausgerichtete Abwehrreihen. Wir fanden erneut nicht zu unserem Rhythmus, zum richtigen Timing. Da war der Wurm drin. Das müssen wir unbedingt verbessern.» Der Isländer in Diensten der Eisenacher gestand auf der anschließenden Pressekonferenz, «ein Remis wäre vielleicht gerecht gewesen».
Jochen Zürn, der Coach der SG Bietigheim, nannte die Inkonsequenz seiner Schützlinge als Hauptgrund für die Heimfahrt mit leeren Händen. «Wir ließen acht so genannte hundertprozentige Torchancen aus, hätten aus Überzahlsituation mehr machen und zur Halbzeit deutlicher müssen. Das rächte sich letztendlich. Mit dem siebenten Feldspieler erarbeiteten wir uns in den Schlusssekunden eine weitere hundertprozentige Wurfchance, doch den verdienten Lohn ernteten wir nicht», stellte Jochen Zürn fest. So lagen beim Abpfiff wieder einmal Freud und Leid ganz dicht beieinander. Der ThSV Eisenach feierte, die SG Bietigheim verließ enttäuscht und mit gesenkten Häuptern das Parkett.

ThSV-Angriffsmotor stotterte
Nach dem Pokaltriumph vom Mittwoch kam der ThSV Eisenach nur ganz schwer in Tritt. Benjamin Trautvetter scheiterte an Milos Hacko im Gästekasten, Daniel Luther donnerte das Leder ans Holz. Christian Heuberger traf zum 0:3 (5.). Erst knapp sechs Minuten der erste Eisenacher Treffer durch Benjamin Trautvetter (1:3). Kurz darauf bekam Pierre Freudl mittels einfacher Finte freie Bahn zum 1:4 (8.). Nur gut für die Hausherren, Schlussmann Stanislaw Gorobtschuk war von Beginn auf Betriebstemperatur, verhinderte Ärgeres! Langsam nahm auch die Eisenacher Offensivabteilung Fahrt auf. Der von Außen zur Kreismitte eingelaufene Nick Heinemann versenkte zum 4:4 (12.) und traf wenig später von Rechtsaußen zum 5:4 (12.). Gästetrainer Jochen Zorn rief zur Auszeit.
Doch die Eisenacher trafen durch Daniel Luther und Duje Miljak zum 7:5 (15.). Nach Regelwidrigkeit an Daniel Luther verwandelte Nick Heinemann den fälligen Strafwurf zum 8:6 (17.). Doch der ThSV-Motor stotterte gegen die defensiv ausgerichtete Bietigheimer Abwehr um Thorsten Salzer.
Die Eisenacher versuchten es wechselweise mit Daniel Luther und Eryk Kaluzinski im linken sowie Girts Lilienfelds und Duje Miljak im rechten Rückraum. Doch die Gäste bekamen Oberwasser, standen mehrfach in Überzahl auf dem Parkett. Christian Heuberger mit einer Freiwurf-Fackel, Christian Schäfer von der Kreismitte und Andre Lohrbach von Linksaußen dankten für Eisenacher Patzer auf ihre Weise mit Treffern zum 8:10 (25.). Ein Heinemann-Tor fand bei den Unparteiischen Immel/Klein keine Anerkennung, stattdessen fand sich der Rechtsaußen nach unpassenden Worten mit einer Zeitstrafe auf der Bank wieder. Eryk Kaluzinski schmetterte den Ball ans Holz und im Gegenzug traf Ex-Juniorenauswahlspieler Robin Haller zum 10:12 (30.).

Weckruf nach sieben Sekunden
Keine sieben Sekunden der zweiten Halbzeit waren gespielt, da hieß es 10:13. Robin Haller nutzte eine Schlafwageneinlage auf Seiten der Hausherren. Das war praktisch der Weckruf für die Gastgeber um Regisseur Tomas Sklenak. Linkshänder Girts Lilienfelds spielte aus dem rechten Rückraum seine Schnelligkeit aus, netzte auf Vorlage von Tomas Sklenak zum 14:14 ein (36.). Nach Balleroberung und einem Konter über Adrian Wöhler schloss Nick Heinemann zum 15:14 ab (37.). Dann lupfte Nick Heinemann einen an Benjamin Trautvetter verursachten Siebenmeter über Milos Hacko zum 16:14 ins Netz (38.)
Die Gäste kombinierten vielfach zum Kreis, die Eisenacher kassierten im Zuge dieser Aktionen Zeitstrafen. Die SG Bietigheim blieb auf Tuchfühlung. Spielgestalter Timo Salzer, zwischenzeitlich auch «Vertreter» Andreas Blodig, kurbelten das Angriffsspiel an. Schwerstarbeit für Eisenachs leidenschaftliche Abwehr um Nicolai Hansen, die einen reaktionsschnellen Keeper hinter sich wusste. Aber auch die Gäste konnten auf die Klasse ihres Altmeisters im Tor bauen, der ihre Hoffnungen nährte, als er mit Fußabwehr gegen Daniel Luther klärte (46.). Gewusel im Eisenacher Deckungszentrum, Pascal Durak traf zum 19:19 (47.). Benjamin Trautvetter nutzte einen Sklenak-Ball zum 20:19 (48.). Eisenachs Nicolai Hansen kassierte eine Zeitstrafe, doch ThSV-Keeper Stanislaw Gorobtschuk kaufte dem Rechtsaußen auftauchenden Pascal Durak das Leder ab (49.). Selbstbewusst suchte Adrian Wöhler den Zweikampf auf Linksaußen und schloss resolut zum 21:19 ab (50.). Dann gab es auch für die Gäste (Lohrbach) eine Zeitstrafe. Ausgerechnet nach einer eigenen Auszeit verloren die Eisenacher das Leder, doch Daniel Luther eroberte es zurück. Beim anschließenden Konter blieb Schlussmann Milos Hacko gegen Adrian Wöhler Sieger (54.). Bietigheims Andreas Blodig unterlief ein technischer Fehler.
Die Proteste von der Gästebank brachten lediglich die gelbe Karte für Trainer Jochen Zürn ein. Stattdessen zischte eine Luther Fackel zum 22:19 in die Maschen (55.). Eine Vorentscheidung war das allerdings nicht. Jetzt unterlief den Gastgebern ein technischer Fehler, erhielt ein hart bedrängter Daniel Luther beim Wurfversuch keinen Freiwurfpfiff. Die Gäste nutzten durch Robin Haller, Andre Lohrbach und Timo Salzer die Gunst zum 22:22-Ausgleich (59.). Spannung pur mit dem Happyend für die Wartburgstädter folgten.

Kurze Punktspielpause
Aufgrund von Länderspielen pausieren die Handball-Bundesligen in der kommenden Woche. Der ThSV Eisenach steigt am Mittwoch, 7.11.2012 mit einem Auswärtsspiel bei der SG Leutershausen wieder in den Punktspielbetrieb ein. Das nächst Heimspiel steigt am Samstag, 10.11.2012, wenn mit dem TV Emsdetten ein Spitzenteam und heißer Titelanwärter unter der Wartburg gastiert.

Statistik

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Musil; Trautvetter (4), Sklenak (2), Wöhler (2), Luther (2), Miljak (2), Kaluzinski, Hansen (1), Singwald, Schiffner, Heinemann (8/4), Lilienfelds (2), Koloper

SG Bietigheim: Hacko, Welz; Haller (3), Bohnert (2), Ti. Salzer (2), Heuberger (2), Schaefer (3/1), Coors, Blodig, Durak (2), Freudl (3), Th. Salzer (2), Schulz (1), Lohrbach (2)

Siebenmeter: ThSV Eisenach 4/4 – SG Bietigheim 2/1

Zeitstrafen: ThSV Eisenach 6 x 2 Min. – SG Bietigheim 2 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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