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 | Bildquelle: Levknecht

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Bildquelle: Levknecht

Erster Eisenacher Sieg in Delitzsch

Abpfiff im Kultur- und Sportzentrum Delitzsch. «Auswärtssieg, Auswärtssieg», skandieren die mitgereisten Anhänger aus Thüringen. Die Spieler des ThSV Eisenach jubeln, umarmen ihren Torhüter Andreas Nositschka. Diesen hatten die Delitzscher nicht nur in der Mannschaftsaufstellung im Hallenjournal vergessen, sondern wohl auch in ihrer Spielvorbereitung nicht auf der Rechnung gehabt. Maik Handschke hatte den 21-jährigen Keeper nach 22 Minuten ins Eisenacher Gehäuse beordert. «Radek Musil machte bei den Würfen der Delitzscher keine glückliche Figur. Ich hoffte, bei den hoch angesetzten Bällen der Delitzscher würde Andreas Nositschka besser aussehen», begründete Eisenachs Trainer den Wechsel auf der Torhüterposition. Auf Stippvisite zwischen den Einsätzen als Physiotherapeut bei Deutschlands Radprofis lief Andreas Nositschka im Handballtor seines Heimatvereins ThSV Eisenach zur Hochform auf, wehrte auch drei Siebenmeter ab. «Eine stabile Abwehr mit einem sehr, sehr guten Torhüter bildete den Grundstein des Erfolges», resümierte ein aufgekratzter ThSV-Coach Maik Handschke nach dem 27:25 (13:11)-Erfolg seiner Schützlinge; dem ersten Eisenacher Pflichtspielsieg in Delitzsch überhaupt.
«In emotional aufgepeitschter Atmosphäre haben wir den Kampf der Gastgeber sofort angenommen, bei eigenem Ballbesitz mit Geduld und Beharrlichkeit aufgetrumpft, folgerichtig nach 46 Minuten 23:17 geführt. Doch dann verließen wir diese Linie, schlossen überhastet ab, kassierten unnötige Zeitstrafen und brachten uns noch in Schwulitäten», merkte Maik Handschke kritisch an. Die Hausherren verkürzten auf 21:23 (53.). Mehr ließen die Eisenacher nicht zu. Daniel Luther verschaffte seinen Farben mit «Krachern» aus dem Rückraum immer wieder Luft; und da stand ja auch noch ein Andreas Nositschka im Tor. Die Ex-Eisenacher im Trikot von Concordia Delitzsch, Till Riehn und Philipp Seitle, mühten sich, freilich ohne die erforderliche Effizienz. «Im Positionsspiel hatten wir Nachteile. Wir konnten nicht das erforderliche Tempospiel aufziehen. Wer von vier Strafwürfen keinen verwandelt und weitere fünf hundertprozentige Torchancen nicht nutzt, der kann kein Spiel gewinnen», lautete die Bilanz von Concorden-Trainer Uwe Jungandreas. Was natürlich auch für den Mann im ThSV- Kasten sprach.
Richtig happy war der im Eisenacher Fanblock weilende Trainer von Oberligist Hoyerswerda, Matthias Allonge. Der langjährige Eisenacher Bundesliga-Leitwolf und spätere Trainer beim ThSV Eisenach war mit seiner gesamten Mannschaft nach Delitzsch gekommen. «Das Spiel hat richtig Spaß gemacht. Sieben Spieler, fünf im ThSV-Trikot, zwei für Concordia Delitzsch, gingen einst im Eisenacher Nachwuchs durch meine Hände», merkte «Matze» Allonge nicht ohne Stolz an. Bei ihm unverkennbar, die Liebe zum ThSV Eisenach verwelkt nicht.
Mit diesem Doppelpunktgewinn, dem dritten Sieg in Folge, weisen die Wartburgstädter eine ausgeglichene Punktebilanz (26:26) auf und könnten mit einem weiteren Sieg am kommenden Samstag, 04.04.09 im Heimspiel gegen die SG Wallau endlich auf einen einstelligen Tabellenplatz klettern.

Oldie Krsztian Szep-Kis sprüht vor Spielfreude
Die Gastgeber, mit den ehemaligen Eisenachern Till Riehn in der Regierolle und Philipp Seitle im rechten Rückraum, gingen von Beginn nicht zimperlich zu Werke, setzte auf eine kräftezehrende aggressive Abwehrarbeit, versuchten mit Härte die Gäste zu beeindrucken, gingen mit 3:1 (Seitle, 6.) in Führung. Der ThSV Eisenach, mit Alexander Schiffner auf Linksaußen und Daniel Luther im rechten Rückraum, ließ sich von der Gangart der Hausherren jedoch nicht beeindrucken, auch wenn die Würfe von Daniel Luther zunächst abgeblockt wurden. Der eingewechselte Girts Lilienfelds täuschte ein Abspiel an, marschierte jedoch selbst zum 3:3 (8.) durch, eroberte Augenblicke später einsatzstark das Leder bei einem Tempogegenstoß der Hausherren und musste kurzzeitig verletzt auf der Bank Platz nehmen. Für ihn kam Oldie Krisztian Szep-Kis und sprühte schier vor Spielfreude und Tatendrang, lochte platziert zum 6:7 (16.) ein. ThSV-Coach Maik Handschke wechselte frühzeitig durch, verschaffte allen Verschnaufpausen. Philipp Lindner löste den am Spieltag seinen 24. Geburtstag feiernden Benjamin Trautvetter am Kreis ab, Karsten Wöhler kam auf Linksaußen. Ständige Rotation im Eisenacher Rückraum schaffte immer wieder Überraschungsmomente. In Unterzahl zog Pavel Prokopec zum 7:9 (19.) ab. Zu viel lastete bei Concordia Delitzsch auf Torjäger Martin Hummel. Philipp Seitle vermochte nicht die Qualität vergangener Spiele zu erreichen. Mit der Einwechslung von Altmeister Vladimir Maltsev erhielt das Spiel der Delitzscher gefährlicheren Zuschnitt. Der 37-Jährige traf selbst zum 10:10 (24.). Kurz zuvor hatten beide Seiten ihren Torhüter gewechselt; mit unterschiedlichem Erfolg. Andreas Nositschka entschärfte gleich eine Seitle-Fackel. Nicht nur dieses Mal schüttelte der Rückraumspieler verständnislos, ja resignierend den Kopf. Georg Eulitz brachte die Concorden mit 11:10 (27.) in Führung, doch die restliche Phase der ersten Halbzeit ging klar an den ThSV Eisenach. Schwungvolles durchdachtes Angriffsspiel, abgeschlossen von Pavel Prokopec, Girts Lilienfelds und Krisztian Szep-Kis führte zum 11:13 Pausenstand. Andreas Nositschka blieb im Siebenmeterduell mit Ulrich Streitenberger Sieger.

In der Schlussphase unnötig spannend gemacht
«Mit Auge» legte Krisztian Szep-Kis zu Tomas Sklenak ab, der zum 12:14 (32.) einwuchtete. Die Gastgeber, mit aufgetankten Kräften aus der Kabine gekommen, erhöhten die Schlagzahl, erhöhten den Druck. Den Wartburgstädtern unterliefen nun einige Patzer. Ein Doppelschlag von Goalgetter Martin Hummel brachte Concordia Delitzsch mit 16:15 (37.) in Führung. Doch das war vorerst das Ende der Delitzscher Herrlichkeit. Die Eisenacher kehrten zu Besonnenheit zurück. Andreas Nositschka kaufte seinem Ex.Team-Kollegen Till Riehn vom Punkt das Leder ab (39.). Die Eisenacher kombinierten, aber ohne Hektik. Girts Lilienfelds traf von Rechtsaußen im Doppelpack zum 16:18 (41.). Philipp Seitle donnerte das Leder ans Holz, Karsten Wöhler sicherte den Abpraller, Daniel Luther schmetterte zum 16:20 (43.) und 16:21 (44.) ein. Andreas Nositschka klärte dazwischen per Fußabwehr. Dann trat Toptorjäger Martin Hummel zum Siebenmeter an. Der vierte Strafwurf für Delitzsch – und auch dieser landete nicht im Netz. Erneut hieß der Sieger Andreas Nositschka (46.). Fassungslosigkeit auf der Delitzscher Bank. Eisenachs Daniel Luther marschierte zum 17:23 (46.) durch. ThSV-Coach Maik Handschke ruft zum Beibehalten von Besonnenheit auf, nutzt auch eine Auszeit dazu. «Doch wir verfielen in unser altes Problem», so Maik Handschke. Plötzlich gingen seiner Crew die Gäule durch: Ballverlust in Überhast, verfrühte Torwürfe. Delitzsch wittert Morgenluft, zumal sich nun auch Torhüter Gabor Pulay steigerte. Vornehmlich über die Kreispositionen verkürzt Delitzsch auf 21:23 (Meiner, 53.). Die Phonstärken auf den Traversen erhöhen sich. Doch die Eisenacher behalten kühlen Kopf. Mit Schmackes und Präzision nagelt Daniel Luther zum 21:24 (55.), 22:25 (58.) und 24:27 (59.) ein. Die Hausherren waren inzwischen zur offenen Manndeckung übergegangen, jedoch mit ihren Kräften sichtlich am Ende. Andreas Nositschka kaufte dem Kreis völlig freien Maximilian Weiß das Leder ab (57.) und krönte seine Galavorstellung. Der erste Sieg des ThSV Eisenach in Delitzsch war perfekt!

Statistik
Concordia Delitzsch: Pulay, Röttig; Meiner (1), Streitenberger (1), Hummel (9), Oehlrich (1), Maltsev (2), Eulitz (2), Weiß (2), Dietzmann, Riehn (1), Seitle (6), Pietzsch
ThSV Eisenach: Musil, Nositschka (ab 22.); Hoffmann, Trautvetter, Sklenak (4), A. Wöhler, Lindner, Luther (8), Schiffner (2), K. Wöhler (1), Lilienfelds (4), Prokopec (4/2), Szep-Kis (4)
Siebenmeter: Delitzsch 4/0; Eisenach 2/2
Zeitstrafen: Delitzsch 6 x 2 Min.; Eisenach 5 x 2 Min.

Foto: ©Levknecht

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Rainer Beichler | | Quelle:

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