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Fassungslosigkeit und Zorn im Lager des ThSV Eisenach

«Allein mir wurden sechs einwandfreie Treffer oder klare Torchancen aus unerfindlichen Gründen weggepfiffen», verstand nicht nur Benjamin Trautvetter, der Kapitän des ThSV Eisenach, die Handballwelt nicht mehr. «Wir haben heute ein Stück Glauben an unsere so schöne Sportart Handball verloren», formulierte Adalsteinn Eyjolfsson, der Coach des ThSV Eisenach.

Schiedsrichter sind da, um ein Handballspiel zu leiten, nicht zu entscheiden. Nicht so beim Punktspiel der 2. Handballbundesliga Männer zwischen dem TV Korschenbroich und dem ThSV Eisenach. Das Duo Christoph Maier/Michael Kilp (Steinbach/Oberursel) hatte eine übergroße Aktie am Spielausgang, am hauchdünnen 26:25 (12:11)-Erfolg der Gastgeber. Klare Treffer der Eisenacher fanden keine Anerkennung, obwohl der Werfer deutlich vor dem Kreis stand, zweierlei Maß bei der Zeitspielregelung und bei der Beurteilung von Zweikämpfen, bei der Schritte-Regel. Sechs Strafwürfen für Korschenbroich standen Null (!) für Eisenach gegenüber, obwohl gerade Nick Heinemann auf Rechtsaußen mehrfach von den Beinen geholt wurde. In unmittelbarer Nähe des Schiedsrichters wurde Eisenachs Adrian Wöhler «umgesäbelt»; die Schiedsrichter entschieden auf Einwurf für die Gastgeber. Korschenbroichs Routinier Jörn Ilper ließ in der Abwehr mit seinem Oberschenkel die Eisenacher, hier insbesondere den schnellen Girts Lilienfelds, mehrfach «über die Klinge springen», ohne dass dies ernsthafte Konsequenzen hatte. Die erste Zeitstrafe für die Gastgeber verhängten die Schiedsrichter in der 53. Minute!

Fassungslosigkeit und Zorn im Lager der Thüringer auch beim alles entscheidenden Treffer für den TV Korschenbroich. Gerade hatte Alexander Koke für den ThSV Eisenach zum 25:25-Ausgleich getroffen. Da waren noch sieben Sekunden zu absolvieren. Eisenachs Benjamin Trautvetter stoppte den Angriff der Hausherren kurz hinter der Mittellinie. Freiwurf für den TV Korschenbroich. Doch den ließen die Spielleiter zwölf Meter vor dem Eisenacher Tor ausführen. Der Ball gelangte zu Matthias Deppisch, der, wie zwei weitere Spieler seines Teams bei der Freiwurfausführung regelwidrig im 9-Meter-Raum stand, mit der Schlusssirene versenkte. Alle Proteste der Eisenacher halfen nichts! Der TV Korschenbroich jubelte. «Ein sehr, sehr glücklicher Sieg mit dem Treffer in der Schlusssekunde», befand Korschenbroichs Trainer Khalid Khan, der im Vorfeld den Thüringern die klare Favoritenrolle zugeschoben hatte, ein 4-Tore-Plus in der zweiten Halbzeit als wichtigen Eckpfeiler deklarierte und sich für die Unterstützung der eigenen Zuschauer bedankte. Den Dank für die Schützenhilfe durch die «Pfeifenmänner» verkniff er sich freilich.
«Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wie sie sich diesem ungleichen Duell gestellt, mit vorbildlichem Kampfgeist prächtig gefightet hat. Das bestärkt mich in meiner Auffassung, wir sind ein echtes Kollektiv», fand Adalsteinn Eyjolfsson in der Stunde der Bitternis Anerkennung für seine Schützlinge, übersah aber auch nicht die zu hohe Zahl technischer Fehler. «Das müssen wir abstellen und insgesamt abgeklärter agieren», merkte Eisenachs Trainer an. In Richtung DHB richtete er den Appell, «in dieser so bedeutungsvollen Saison, in der es teilweise um das Überleben der Vereine geht, muss den Handballregeln auf dem Parkett klare Geltung verschafft werden. Zuviel hängt für die Spieler, den Verein, ja eine ganze Region davon ab.»

Nach Auftaktführung zu viele technische Fehler
Die Eisenacher hatten ihr komplettes Aufgebot am Niederrhein zur Stelle, auch die während der Woche wegen eines grippalen Infektes pausierenden Akteure. Die Partie selbst nahm nur langsam Fahrt auf. Im Innenblock wieder mit Eryk Kaluzinski und Daniel Luther ließ sich die Eisenacher Abwehr zunächst nicht überraschen, leitete vielmehr mit Ballgewinnen Tempogegenstöße ein, abgeschlossen durch Nick Heinemann und Adrian Wöhler zum 1:4 (7.). Dem Gastgeber gelang in den ersten zehn Minuten ein einziger Treffer, und der nur vom Siebenmeterpunkt. Erst ihr Goalgetter Simon Breuer, mit zehn Treffern seine Torjägerqualitäten erneut dokumentierend, war aus dem Spiel heraus zum 2:4 (11.) erfolgreich. Der eingewechselte Peter Hruby schloss eine Ballstafette zum 3:6 (13.) gegen die zunächst eine offensive Abwehrvariante praktizierenden Hausherren ab. Den Eisenachern unterliefen in der Folge technische Fehler, acht bis zur Halbzeit. Der TV Korschenbroich erhöhte die Schlagzahl. Ein Doppelpack traf Simon Breuer zum Ausgleich und zum Führungstreffer des TV Korschenbroich (19. Min.). Im Duett der Landsmänner fanden sich der eingewechselte Tomas Sklenak und Petr Hruby zum 7:7-Ausgleich (20.). Eryk Kaluzinski, im Vorwärtsgang nicht seinen besten Tag erwischend, patzte gleich doppelt, ließ das Leder ins Seitenaus gleiten. Nick Heinemann jagte den Hausherren das Leder ab, verhaspelte sich aber beim eigenen Tempogegenstoß. Ein Sklenak-Treffer fand wenig später keine Anerkennung. Die haarsträubenden Entscheidungen der Schiedsrichter nahmen ihren Lauf. «Ab der 20. Minute hatte Eisenach keine Siegchance mehr», befand ein einheimischer Zuschauer auf der Tribüne und traf wohl den Nagel auf den Kopf. Siebenmeterentscheidungen für die Gastgeber nutzte Simon Breuer zum 10:9 gegen Radek Musil (23.) und 11:10 gegen Stanislaw Gorobtschuk (29.). Dann schickten die schwachen Unparteiischen die Eisenascher Alexander Koke und Eryk Kaluzinski kurz hintereinander auf die Bank. Die doppelte Überzahl kurz vor und nach dem Seitenwechsel vermochte der TV Korschenbroich jedoch nicht zu Zählbarem zu nutzen.

Vorbildlicher Kampfgeist blieb unbelohnt
Ein von ThSV-Keeper Radek Musil abgewehrter David-Breuer-Siebenmeter (33.) beflügelte die Wartburgstädter, die die Phase in doppelter Unterzahl unbeschadet überstanden hatten. Der tatendurstige Girts Lilienfelds zirkelte das Leder zum 12:12-Ausgleich ins Netz (35.). Eryk Kaluzinski angelte sich das Leder aus den Korschenbroicher Reihen, bediente Nick Heinemann, der zum 12:13 (36.) einlochte. Die Hausherren hatten inzwischen auf eine 6:0-Abwehr umgestellt. Während sie sich bei den eigenen Angriffsbemühungen auf eine großzügige Auslegung der Zeitspielregel stützen konnten, kamen die Eisenacher durch das «Armheben» frühzeitig in Zugzwang, mussten unvorbereitet abziehen, hatten bei Holztreffern Pech oder scheiterten an Oliver Mayer im TVK-Kasten. Vom 13:14 (Benjamin Trautvetter, 38.) trafen der TV Korschenbroich zum 17:14 (Simon Breuer, 42.), nachdem die Spielleiter kurz zuvor mal wieder einen Angriffszug der Eisenacher mit Ballbesitz für die Hausherren beendet hatten. Jörn Ilper, der erstligaerfahrene alte Fuchs auf Seiten der Gastgeber, leitete mit einem Ballgewinn den Treffer zum 19:15 durch Simon Breuer, hochgradig schrittfehlerverdächtig, ein (45.). Dennis Marquardt gelang sein zweiter «Flieger-Treffer» zum 20:16 (47.). Ein Aufstecken für den ThSV Eisenach gab es nicht, auch wenn erneut einem Trautvetter-Treffer die Anerkennung versagt blieb. ThSV-Keeper Radek Musil gab mit seinem zweiten abgewehrten Siebenmeter (51.) das Signal zur Aufholjagd. Tomas Sklenak bediente den listig im Rücken der Abwehr eingelaufenen Nick Heinemann der zum 19:21 (aus Eisenacher Sicht) verkürzte. Daniel Luther, überwiegend in der Abwehr auf dem Parkett, schloss einen Tempogegenstoß mit dem Anschlusstreffer zum 20:21 ab. Der Ausgleich fällt noch nicht, weil der TV Korschenbroich postwendend antwortete. Nach erneutem Ballgewinn nutzte der sprintende Nick Heinemann die präzise Vorlage mit seinem fünften Treffer zum 23:23-Ausgleich (57.). Eine eher bedächtig begonnen Partie erreichte ihren Kulminationspunkt. Korschenbroichs Dennis Marquardt jagte das Leder neben das Eisenacher Gehäuse. Beim Gegenzug signalisierten die Spielleiter frühzeitig Zeitspiel. Tomas Sklenak musste abschließen. Sein Ball donnerte ans Gebälk (58.). David Breuer, von seinen Teamkollegen freigespielt, markierte das 24:23 für Korschenbroich (59.). Eine Eryk-Kaluzinski-Fackel schlug zum neuerlichen Ausgleichstreffer ein (59.). Wenige Sekunden später war für den Polen im ThSV-Trikot nach einer Zeitstrafe die Partie vorzeitig beendet. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Exakt 30 Sekunden vor Ultimo hob Marcel Göden das Leder von Linksaußen zum 25:24 für die Gastgeber ins Tor. Die Thüringer brachten Alexander Koke in Position, der sich energisch zum 25:25-Ausgleichstreffer durchtankte. Zum Punktgewinn reichte es dennoch nicht. Für die Entscheidung sorgten letztlich jene, die ein Spiel nur leiten sollen….

Am Samstag gastiert Tuspo Obernburg unter der Wartburg
Der ThSV Eisenach rangiert mit 9:7 Punkten auf Tabellenplatz 6, empfängt am Samstag, 16.10.2010 um 19.30 Uhr zum fälligen Punktspiel das Team von Tuspo Obernburg. Eintrittskarten sind bereits im Vorverkauf erhältlich.

Statistik

TV Korschenbroich: Mayer, Bartmann; Fuchs, Deppisch (1), Gelbke, D. Breuer (5/4), Doetsch (3), S. Breuer (10), Görden (3), M. Breuer, Piske, Marquardt (4), Ilper, Korte

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (2), Sklenak (2), Wöhler (3), Koke (2), Luther (1), Bitterlich, Kaluzinski (2), Hruby (2), Schiffner, Langhans, Heinemann (5), Lilienfelds (6)

Siebenmeter: Korschenbroich 6/4 – Eisenach: 0

Zeitstrafen: Korschenbroich 2 x 2 Min. – Eisenach 4 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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