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 | Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Beschreibung:
Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

In den Vereinen wird der Samen für die Pflanze des Erfolges gelegt

Günter Oßwald: Unternehmer, Förderer des Sport, vielfach engagierter Thüringer
Günter Oßwald – Förderer des Sports in Thüringen – wurde mit dem Ehrenpreis des Bundesverbandes Mittelständischer Wirtschaft geehrt

Der Thüringer Sport ohne „Oßwald Fahrzeugteile und Technischer Handel“ – nahezu undenkbar. Günter Oßwald, der sozial engagierte Chef, ist seit 1993 auch Partner des ThSV Eisenach. Er unterstützt als Sponsor und als Person den Traditionsverein am Fuße der Wartburg. Aktuell ist Günter Oßwald Gesellschafter und Premiumpartner des ThSV Eisenach. Kürzlich wurde ihm beim 23. Thüringer Wirtschaftsball im Erfurter Kaisersaal eine außergewöhnliche Ehrung zuteil. Er wurde mit dem Ehrenpreis des BVMW für sein Lebenswerk geehrt!

Wir wollen den Menschen Günter Oßwald vorstellen und trafen uns zu einer Tasse Kaffee in der Zentrale seines Unternehmens in Mühlhausen:
Sie wurden jüngst beim Thüringer Wirtschaftsball mit dem Ehrenpreis des Bundesverbandes Mittelständischer Wirtschaft ausgezeichnet. Welchen Stellenwert messen Sie dieser Auszeichnung bei?
Die Auszeichnung war für mich eine echte Überraschung – auch wenn ich etwas ahnte, als wenige Tage vor dem Wirtschaftsball ein Fernsehteam des mdr bei uns im Unternehmen auftauchte. Ich habe mich riesig gefreut – besonders, als plötzlich der ehemalige Weltklasse-Skilangläufer Jens Filbrich, dessen Entwicklung ich seit seinem 16. Lebensjahr mitbegleitet habe, unvermutet auf die Bühne kam.

Ihr Einstieg beim ThSV Anfang der 90er Jahre war eher zufällig. Wie kam es dazu?
Ursprünglich hatte ich keine enge Verbindung zum Handballsport. Meine eigene Leidenschaft galt (und gilt bis heute) im Sommer dem Radsport und im Winter dem Skilanglauf in Oberhof.
Zu DDR-Zeiten verfolgte ich den Eisenacher Handball lediglich über Zeitung und Fernsehen. Auf einem Familiengeburtstag bei meinem Schwager in Eisenach ist dann mein Sohn das erste Mal mit zum Handball gegangen. Eisenach bezwang in einem überragenden Spiel den damaligen Spitzenreiter der 1. Bundesliga die SG Leutershausen. Uwe Schreiber und Frank Gießler machten ein überragendes Spiel. Trotzdem stieg Eisenach am Ende der Saison in die 2. Liga ab.
Die ganze Familie ist dann erst in der übernächsten Saison zu den Heimspielen des ThSV gestoßen, nachdem Rainer Osmann den Eisenacher Handball vor der dritten Liga bewahrt hatte und mit Titel Raduta als genialem Rückraumspieler den Neuaufbau gestaltete. Durch meinen Freund Manfred Lindig motiviert, beschloss ich 1993 mein Engagement für den ThSV Eisenach, das bis heute anhält.

Der Thüringer Sport, der Leistungs- und Breitensport, ist ohne Günter Oßwald, ohne Ihre Firma, nahezu undenkbar. Was bewegt Sie zu den vielfachen finanziellen Unterstützungen?
Sport bedeutet für mich und für viele andere Menschen Motivation. Zu DDR-Zeiten war der eigene Sport für mich ein Anker, der mir geholfen hat, an dem realexistierenden Sozialismus der 80er Jahre nicht psychisch zu verzweifeln.
Nach 1990 hat uns Thüringern der Sport dabei geholfen, im wiedervereinigten Deutschland einen festen Stand zu bekommen. Sport kann neben der Gesundheit auch das Selbstvertrauen stärken und Charakter formen. So habe ich es erfahren. Der Sport hat mir in dieser Hinsicht persönlich sehr viel gegeben. Diese Erfahrung wollte ich weitergeben und gerade jungen Menschen, die ihren Charakter noch entwickeln müssen, diese Möglichkeit offen halten.
Außerdem wollte ich als Lokalpatriot meinen Beitrag dazu leisten, dass das große Sportland Thüringen, das so viele Spitzensportler hervorgebracht hat, auch weiterhin Erfolge feiern kann. Marko Baake, Axel Teichmann, Jens Filbrich oder die Radsportler Tony Martin, Marcel Kittel und Co. mögen hier nur als Beispiel für viele Sportler stehen, die ich finanziell aber auch mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe.
Ganz traditionell sehe ich es so, dass ein Unternehmer neben der Verantwortung für seine Betriebe auch eine gesellschaftliche Verpflichtung hat. So habe ich es immer gesehen. Dieser Leitspruch motiviert mich bis heute.

Neuen Erstliga-Handball in Eisenach nicht mit schneller Nadel stricken!
Dem ThSV Eisenach stehen Sie seit 23 Jahren zur Seite, als Premiumpartner und Gesellschafter. Auch in bewegten Zeiten hielten Sie zur Stange, übernahmen als Aufsichtsratsvorsitzender Verantwortung. Wie sehen Sie die Entwicklung beim ThSV Eisenach?
Es hat mir zum Zeitpunkt der Kontaktvermittlung durch Manfred Lindig sehr viel Freude bereitet, mit welcher Leidenschaft in Eisenach Handball gespielt wurde. Durch den damaligen Manager Thomas Dröge bin ich dem ThSV Eisenach ganz nah gekommen, war an der Verpflichtung von Weltklasse-Außen Stephane Joulin direkt beteiligt. Es folgte die schwere Zeit der Insolvenz. Ich beteiligte mich mit dem Insolvenzverwalter daran, das Flaggschiff des Thüringer Männer-Handballs nicht untergehen zu lassen. Die Marketing GmbH wurde gegründet, der Aufsichtsrat installiert und meine Person zum Vorsitzenden gewählt.
Ich freue mich, dass wir uns wieder besinnen, eigene Talente in die 1. Mannschaft einzubauen – eine Sache, die wir in der Vergangenheit oft stiefmütterlich behandelt haben.  Ich glaube fest daran, dass der mit einem jungen Trainer aus dem eigenen Stall eingeschlagene Weg schwer, aber langfristig der erfolgversprechende sein wird. Mit diesem Weg steigen die Bindung und die Identifikation zwischen Mannschaft, Trainer und der Region. Ein unschätzbarer Vorteil! Die Nachwuchsarbeit muss leistungsorientiert und professionell gestaltet werden. Jede Investition in den eigenen Nachwuchs ist eine Investition in die eigene Zukunft!  Ich bin mir sicher, wir werden wieder Erstbundesliga-Handball in Eisenach sehen, meine aber auch, dass wir gut daran tun, hier nicht mit zu schneller Nadel zu stricken.

Günter Oßwald ist auch als Person engagiert, als ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Treffurt, im Chor der Werrastadt…? Bleibt da noch Zeit für die Familie?
Unser Pfarrer hat mich einmal als das Alpha-Tier bezeichnet. Ja, es stimmt, meine Familie musste schon sehr viel auf mich verzichten, besonders während der Aufbauzeit meines Unternehmens. Dennoch geht mir meine Familie über alles: Wir haben zwei Kinder, die glücklich verheiratet sind. Mit unseren drei Enkelkindern versuche ich so viel wie möglich zusammen zu sein. Gemeinsam Radfahren, Singen, Märchen-Spielen oder im Winter Skilanglauf; zu sehen, wie die Kinder heranwachsen, teilzuhaben, das bereitet ganz viel Freude. Meine Frau, die selbst viel Sport treibt, ist nicht mehr berufstätig. Sie kann mich nun zu viel mehr als früher zu Außenterminen und Veranstaltungen begleiten.
Sportliche Ziele setzte ich mir weiterhin: Ich möchte im nächsten Jahr zum zweiten Mal zum Radrennen Trondheim – Oslo, einer Veranstaltung mit ca. 6.500 Teilnehmern. Mein großes Ziel ist es, inklusive Pausen, die Strecke unter 20 Stunden zu fahren. Dafür trainiere ich 3-mal vor der Arbeit, von 5.30 bis 7.00 Uhr und zusätzlich 8-10 Stunden pro Woche.

In der Wendezeit engagiert und die SPD in Treffurt mit gegründet
Ihr ehrenamtliches Engagement ist mächtig gewaltig, lang ist die Liste
Mit 14 Jahren sang ich schon im Männerchor, heute – nach 51 Jahren – immer noch. Solistisch trage ich seit 30 Jahren gerne Couplets von Otto Reutter vor.
Im Herbst 1989 habe ich mich für die Umgestaltung der DDR eingesetzt und versucht, das Handwerk zu reformieren. Ich habe Großveranstaltungen der Handwerkerschaft organisiert. Am 27.12.1989 wurde ich Kreishandwerksmeister des Kreises Mühlhausen. Dieses Amt hatte ich 12 Jahre inne.
Zum gleichen Zeitpunkt habe ich in Treffurt die SDP (später SPD) mit gegründet. Wir wollten die neue Zeit gerecht, realistisch und bürgernah gestalten. Die Nähe zu dem berühmten Sohn der Stadt Treffurt, zu Egon Bahr, den ich am 18.11.1989 bei der Grenzöffnung Treffurt – Heldra kennenlernte, war für mich wegweisend. Er unterstützte uns in der Parteiarbeit. Für mich stellte sich damals die Frage: Gehst Du hauptamtlich in die Politik oder bleibst Du Selbständiger? Wir hatten seinerzeit einen sehr starken SPD-Ortsverein; die Chancen, in die Volkskammer gewählt zu werden, standen für mich sehr gut. Ich habe mich glücklicherweise für mein Unternehmen entschieden.

Und vor zwei Jahren  kam der Austritt aus der SPD. Was veranlasste Sie zu diesem schweren Schritt?
Wir erhielten als SPD Treffurt von Kreis und Land wenig Unterstützung. Bei den letzten Wahlen gab es in Treffurt keine SPD-Liste mehr, sondern eine überparteiliche Liste „Bürger für Bürger“, die die Wahl für sich entschieden hat. Ich wurde 1. Beigeordneter im Ehrenamt. Doch dieses Ehrenamt erfordert ganz viel Zeit und Einsatzbereitschaft. Darüber hinaus bin ich ja noch in diversen Stiftungen, Initiativen etc. regional engagiert.
Als sich dann in Thüringen eine Rot-Rot-Grüne Landesregierung herausbildete, bin ich schweren Herzens aus der SPD ausgetreten. Nicht weil ich gegen die LINKE an sich bin, sondern weil sich jene Leute nicht klar von dem altstalinistischen Gedankengut verabschiedet haben. Die DDR war ein Unrechtsstaat! Was nicht heißt, dass es auch viele gute Dinge gab, die uns heute gut anstünden. Ich bin Christ, als Christ kann man vergeben, aber nur jenen, die Reue zeigen und bereit sind ehrlich umzudenken!

Was erhofft sich Günter Oßwald für die nächsten Jahre? Welche Visionen hat er?
Das Wichtigste ist, dass wir Frieden in der Familie, in der Region, im Land und auf der ganzen Welt haben, damit sich die Menschheit nicht selber vernichtet.  Wir müssen alles tun, damit der innere und äußere Frieden erhalten bleibt.

Danke für das überaus interessante Gespräch!

Andrea T. | | Quelle:

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