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Kampfgeist und Moral vorbildlich – doch in der Qualität unzureichend

Standing Ovations vor dem Anpfiff, betretene Minen und Niedergeschlagenheit nach dem Abpfiff; so das Stimmungsbarometer am Samstag in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle. Vor dem Anpfiff der Zweitligapartie ehrten die knapp 1200 Zuschauer die Handball-Auswahl Deutschlands, die bei den Special Olympics Welt Sommerspielen jüngst in China Bronze eroberte.
Nach den 60 Punktspielminuten galt es eine 28:30 (12:17)-Niederlage des ThSV Eisenach gegen den TV Willstätt-Ortenau zu verdauen. Während die Gäste mit dem Ex-Eisenacher Till Bitterlich als Kapitän Tabellenführer Bayer Dormagen weiter ganz dicht im Nacken sitzen, müssen die nach der zweiten Heimniederlage auf Tabellenplatz 13 abgerutschten Eisenacher ihren Blick nun gen Tabellenkeller richten. Am kommenden Samstag, 17.11.07 steht dann in Baunatal ein sogenanntes 4-Punktespiel an, wenn die HSG Gensungen/Felsberg um 19.30 Uhr die Wartburgstädter empfängt.
«Unsere kompakte Abwehr war spielentscheidend», frohlockte Goran Suton, der Coach des TV Willstätt, dessen Vertrag zu Wochenmitte bis zum Sommer 2011 (!!) verlängert wurde. Abwehrchef Till Bitterlich rührte mit seinen Nebenleuten regelrecht Beton an. Diesen zu knacken, vermochte aus dem Eisenacher Rückraum lediglich Tomas Sklenak, mit 9 Toren treffsicherster Spieler der Partie insgesamt. Wenn er abzog, brannte es lichterloh. Seine Nebenleute entfachten allerdings kaum Feuer. Vladimir Bojinovic agierte geradezu ängstlich, seinen Würfen fehlte nahezu jegliche Portion Schmackes. Till Riehn war von schon demonstrierter eigener Torgefahr weit entfernt (ein zaghafter Versuch in der ersten Halbzeit). Bei seinen Kurzeinsätzen unterliefen Christoph Jauernik drei kapitale Zuspielfehler. Kilian Kraft, wegen zu heftigen Reklamierens als Wechselspieler auf der Bank eine Zeitstrafe kassierend, war wie immer mit Feuereifer bei der Sache, vermochte die Willstätter Abwehr nur selten ins Schwitzen zu bringen. Mit Zuspielen zur Kreismitte, zu Benjamin Trautvetter, vermochten die Eisenacher die Defensive der Gäste auszumanövrieren. Beeindruckend, wie der Schwarzschopf unter Bedrängnis das Leder unter Kontrolle brachte und versenkte. Aber ausgerechnet Benjamin Trauvetter brachte in der Schlussphase beim Stand von 28:29 das Leder gleich zwei Mal vom Kreis nicht am Willstätter Schlussmann Daniel Sdunek vorbei. «Der Sieg geht für Willstätt in Ordnung», erkannte Hans-Joachim Ursinus die Leistung der Gäste an. «Unser entscheidendes Manko lag in der Qualität des Rückraums», legte der Eisenacher Trainer zugleich das Hauptproblem offen. Mit nur einem torgefährlichen Rückraumspieler, nämlich Tomas Sklenak, sei eben kein Blumentopf zu gewinnen. Wesentlich ausgeglichener hingegen die Verteilung der Treffer auf Willstätter Seite. Vorbildlich allerdings die Kampfbereitschaft, die tolle Moral nach einem 13:19 Rückstand (35.). Mit einer Deckungsumstellung, Karsten Wöhler auf vorgezogener Position, Ballgewinnen durch aufopferungsvoller Abwehrarbeit und Tempogegenstößen wurde eine famose Aufholjagd zum 19:20 Anschlusstreffer (40.) und 27:27 Ausgleich (52.) initiiert. Der TV Willstätt wankte, fiel aber nicht.

Der Geräuschpegel wuchs zum Orkan. Doch ausgerechnet in Überzahl (Bitterlich musste für zwei Minuten auf die Bank) patzten die Eisenacher gleich doppelt. Willstätts Rückraumspieler Grzegorz Garbacz traf zum 27:29 (54.). Der Anschlusstreffer durch Martin Hoffmann (28:29, 55.) ließ die Eisenacher hoffen; noch waren über vier Minuten zu absolvieren. Spannung und Dramatik pur. Benjamin Trautvetter hätte sich zum Helden aufschwingen können, zumal jetzt auch der TV Willstätt ins Schlingern geriet. Doch Daniel Sdunek verdarb ihm und dem ThSV Eisenach das Glücksgefühl, wehrte zwei Trautvetter-Bälle aus Nahdistanz von der Kreismitte ab. Als kurz vor dem Zeitspielpfiff der sich völlig verausgabende Tomas Sklenak einen Freiwurf über das Tor jagte, den sich freigelaufenen Martin Hoffmann übersah, war die zweite Saisonheimniederlage Realität. Mit dem Wissen des Sieges lösten die Gäste die Eisenacher Manndeckung in den letzten Sekunden clever zum 28:30-Endstand durch Vladimir Temelkov auf.

STATISTIK
ThSV Eisenach: Meinl, Nositschka (bei zwei Strafwürfen/ ab 59.); Hoffmann (4), Trautvetter (7), Kraft (2), Sklenak (9), A. Wöhler (n.e.), Schiffner (n.e.), Riehn , Luther (n.e.), Mellack, K. Wöhler (5/3), Bojinovic, Jauernik (1/1)
TV Willstätt-Ortenau: Sdunek, Ritschel (bei einem Siebenmeter), Henne (n.e.); Schöngarth (3), Garbacz (2), Bitterlich (2), Helm (6/4), Stock (3), Temelkov (4), Danner (1), Schmelzle (2), Gerber, Glinski (5), Valo (2)
Siebenmeter: Eisenach 4/4 – Willstätt 5/4
Zeitstrafen: Eisenach 3 x 2 Min. – Willstätt 2 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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