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 | Bildquelle: Peter Gebhardt

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Bildquelle: Peter Gebhardt

Mannschaft und Hoffnung leben

ThSV Eisenach holt mit einem 30:30 beim TV Bittenfeld-Stuttgart den ersten Auswärtszähler und will diesen am Mittwochabend gegen den Bergischen HC „veredeln“

Was für eine Dramatik in der Stuttgarter SCHARRena! Und was für Parallelen zum Hinspiel in Eisenach! Die Wartburgstädter gingen mit einer 25:22-Führung in die Schlussviertelstunde, kassierten in der 59. Minute durch den 14. (!) Treffer von Michael Spatz den 30:30-Ausgleich. Da standen sie freilich in doppelter Unterzahl auf dem Parkett! Die Ereignisse überschlugen sich. Tomas Urban, an diesem Abend mit 9 Treffern bester Werfer des ThSV Eisenach, rutschte weg, verlor das Leder. Wie beim Hinspiel im Oktober in Eisenach hatte Dominik Weiß den Siegtreffer der Schwaben auf der Hand, seinerzeit parierte ThSV-Keeper Svetislav Verkic, dieses Mal wehrte Jan-Steffen Redwitz ab. Und das gleich doppelt, weil der Rückraumspieler der Gastgeber beim Abpraller eine zweite Chance erhielt. Velimir Petkovic zückte die grüne Karte, doch die Uhr tickte noch weiter. Drei Sekunden blieben letztendlich dem Aufsteiger von der Wartburg. Es reichte nur zu einem Wurf aus der Ferne des bei seinem zweiten Einsatz für den ThSV Eisenach stark auftrumpfenden Borut Mackovsek.

Engagement, Einsatz und Leidenschaft stimmten,

betonte Eisenachs Manager Karsten Wöhler. An diesen Tugenden hatte es am vorausgegangenen Spieltag gemangelt. Thomas König, der Coach der Schwaben, hatte zwei aufopferungsvoll kämpfende Teams gesehen. „Wie in Eisenach hatten wir den Siegtreffer auf der Hand“, so der im Sommer von der TSG Friesenheim gekommene Coach. „Drei Punkte aus den letzten zwei Spielen“, stellte TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt heraus, hatte viele strittige Schiedsrichterentscheidungen ausgemacht.

Tomas Urban: Unser bestes Spiel in dieser Saison

Meine Mannschaft hat ganz viel Charakter gezeigt, imponierend gekämpft, den Sieg verdient gehabt  und nach nachgewiesen, das sie in diese Liga gehört; auch wenn das einige wohl nicht möchten,

erklärte Velimir Petkovic, der Coach des ThSV Eisenach, mit Hinweis auf von seinem Team nicht zu beeinflussende Umstände, wie auch in Stuttgart. Der Spatz auf dem Dach, statt der Taube in der Hand, die Freude überwog. „Eine ganz tolle Leistung, mussten wir schließlich zwei der vier Schlussminuten in doppelter Unterzahl bestreiten“, betonte Günter Oßwald, Gesellschafter der ThSV-Marketing GmbH. Auf die doppelte Unterzahl verwies auch Kreisspieler Nicolai Hansen: „Zum Glück parierte Jan-Steffen Redwitz in den Schlusssekunden gleich zweimal. Die ganze Partie betrachtend, hätten wir als Sieger das Parkett verlassen müssen. Wir boten im Angriff und in der Abwehr eine starke Leistung. Uns unterliefen allerdings wohl ein paar technische Fehler zuviel.“ Dem Routinier war ein Hinweis ganz wichtig: „Fantastisch, wie uns die mitgereisten Fans über die kompletten 60 Minuten unterstützt haben. Das wünschen wir uns durchgängig auch zuhause!“ Tomas Urban nahm Bezug auf die Schlussviertelstunde: „Wir haben 26:23 geführt, dann ohne Geduld gespielt, stattdessen sind uns technische Fehler unterlaufen. Den Gastgebern gelingen vier Treffer in Folge und wir liegen 26:27 hinten. Wir müssen es lernen, das Leder zum besser postierten Mitspieler laufen zu lassen. Wir müssen in der Abwehr kompakter stehen, um unseren Torhütern besser zu helfen. Trotz dieser kritischen Töne, wir haben das beste der bisherigen 18 Punktspiele gemacht.“ Der Linkshänder, der sich zuletzt zu einem echten Leistungsträger mauserte, gestand, sich auf Rechtsaußen wohler zu fühlen. Er musste, bedingt durch Verletzungen (Criciotoiu, Hruscak), im rechten Rückraum aushelfen. „Ich habe ein gutes Spiel nach vorn gemacht, leider auch einige gute Chancen ausgelassen. Ich kann noch mehr, will mich voll einbringen, damit der ThSV Eisenach in der 1. Liga bleibt“ fügt der 26-jährige Slowake an.

Nach eigener 3-Tore-Führung nicht Besonnenheit walten lassen
Auf die Phase nach der 3-Tore-Führung verweist auch Branimir Koloper

Beide Punkte waren drin, doch ausgerechnet nach unserer 3-Tore-Führung unterlaufen uns dumme Fehler.

Der gerade das 30. Lebensjahr vollendende Kreisspieler freut sich über den Neuzugang im linken Rückraum. „Borut Mackovsek ist zweifellos eine Verstärkung. Er kann aus zwölf Metern erfolgreich abziehen. Einen Mann mit solchen Qualitäten steht uns gut zu Gesicht“, so Branimir Koloper. Der ThSV Eisenach hat für diese Position ja auch noch Azat Valiullin im Kader, der noch am Bruch des Ringfingers der rechten Wurfhand laboriert, sich in Stuttgart schon mal mit warm machte und, so sein Trainer, so schnell wie möglich spielen wolle. „Das spricht für seinen Charakter“, unterstreicht Velimir Petkovic.
Bjarki-Olafur Ragnarsson, der als Spielgestalter zu überzeugen wusste, ist auch der Auffassung, dass beide Zähler durchaus möglich waren. „Wir haben alle prächtig gekämpft, das erste Mal seit langem. Im zweiten Abschnitt spielten wir im Angriff nicht mehr so effektiv. Schier unglaublich, die Dramatik der Schlussminuten“, konstatierte der im Sommer vom TV Emsdetten gekommene 27-jährige Isländer, zumeist nur im Angriff auf dem Parkett. „Wir haben einen Punkt gewonnen und einen Punkt verloren. Wir müssen am Mittwoch nachlegen, zwei Punkte holen und dann sind unsere Chancen auf den Ligaerhalt intakt“, argumentierte Bogdan Criciotoiu. Auf die Bedeutung der Partie gegen den Bergischen HC verweist auch Rückraumspieler Marcel Schliedermann: „Wenn wir am Mittwochabend zwei Punkte einfahren, haben wir in Stuttgart einen Punkt gewonnen. Gegenüber der Partie gegen Hannover haben alle – vorn und hinten – einige Schippen drauf gepackt. Das muss nun so bleiben.“

Ein Abstiegskracher – Von Besinnlichkeit am Tag vor Heiligabend keine Spur
Bevor es in die Festtags- und Punktspielpause geht, empfängt der ThSV Eisenach in einem Aufeinandertreffen von zwei abstiegsbedrohten Teams am Mittwoch, 23.12.2015 um 19.00 Uhr den Bergischen HC. Die Handballer aus Solingen und Wuppertal stecken etwas unverhofft so tief im Abstiegskampf, rangieren mit 7:27 Punkten auf Platz 15, dem ersten Nichtabstiegsplatz. Der ThSV Eisenach, mit einem Pluszähler weniger, findet sich derzeit auf dem 17. Platz wieder. Der Bergische HC tankte mit zwei Siegen (um Punkte und im DHB-Pokal) Selbstvertrauen. Der TVV Lemgo wurde in einem Herzschlagfinalew mit 31:30 bezwungen. Im DHB-Pokal wurde durch ein 24:23-Zittersieg über Zweitbundesligist GWD Minden erstmals das Ticket für das Final Four in Hamburg gelöst. Christian Hoße verhinderte aus spitzem Winkel eine drohende Verlängerung.

Vorteile für die Thüringer im „Ländle“
Durch den Sieg bei HBW Balingen-WEilstetten ging der TV Bittenfeld-Stuttgart mit breiter Brust in dieses Aufsteigerduell. Auch er war noch auf dem Transfermarkt aktiv geworden, hatte Viorel Fotache verpflichtet, der bei seinem Einstand in der hektischen Schlussphase nach seiner dritten Zeitstrafe Rot sah. In der mit 2251 Zuschauern ausverkauften SCHARRena („Mehr dürfen wir aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht reinlassen“, erklärte TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikhardt) entwickelte sich von Beginn der erwartete Schlagabtausch mit hoher Intensität auf Augenhöhe. Die Eisenacher Rückraum-Recken Bogdan Criciotoiu (rechts) und Borut Mackovsek (links) setzten zunächst die Akzente bei den Wartburgstädtern. Nicht zu übersehen, Tomas Urban fühlte sich auf seiner angestammten Position auf Rechtsaußen pudelwohl. Er verwertete eine bestens temperierte Steilvorlage seines Keepers Svetislav Verkic zum 6:6-Ausgleich (10.), Bei den Gastgebern zog Rückraumspieler Dominik Weiß erfolgreich ab. 14 Tore nach 12 Minuten führten zum 7:7. Die Mackovsek-Fackeln sorgten für Raunen, wie beim 9:9 (17.) und 9:11 (21.). Kurz darauf standen die Eisenacher – wie in der Schlussphase der Partie – in doppelter Unterzahl auf dem Parkett. Spielzüge auf ihren überragenden im Sommer vom TV Großwallstadt gekommenen Linksaußen Michael Spatz führten zum 11:11-Ausgleich (24.). Michael Schweikardt dirigierte wie gewohnt das Angriffsspiel des TV Bittenfeld Stuttgart. Olafur-Bjarki Ragnarsason knüpfte in der Eisenacher Offensive die Fäden. Branimir Koloper und Tomas Urban netzten zum 13:15 ein (27.). Oafur-Bjarki Ragnarsson lochte zum 15:16-Pausenstand ein.

Nur Zentimeter fehlten bei Machkovsek-Würfen
In der Startformation ging es beim ThSV Eisenach in die zweite Halbzeit. Bogdan Criciotoiu und Borut Mackovsek netzten zum 16:18 ein (33.). Der für den Ex-Eisenacher Dragan Jerkovic ins Tor gekommene Yunus Özmusul bekam keine Hand an den Ball. Mit großer Leidenschaft fighteten die Eisenacher, ließen bis zur 53. Minute nicht mehr wie den Ausgleichstreffer zu. Sie hatten allerdings ein Manko: Der 33-jährige Michael Spatz traf schier nach Belieben, selbst in Unterzahl zum 22:23-Anschlußtreffer (43.). Dann drehten die Eisenacher richtig auf. Nicolai Hansen und Tomas Urban (in Unterzahl) versenkten zum 22:25 (46.). Doch das sorgte nicht für Besonnenheit. „Keine Zuspiele zum Kreis“, forderte Velimir Petkovic. Doch genau das versuchten seine Mannen – und wurden bestraft. Die Hausherren dokumentierten mit „Zaubertoren“ ihr Selbstbewusstsein.  Bei Mackovsek-Bällen nach Freiwurfablagen bei angezeigtem Zeitspiel ans Holz fehlten nur Zentimeter (50./52.). Kurz zuvor hatte ThSV-Keeperr Jan-Steffen Redwitz einen Siebenmeter von Michael Spatz pariert. Doch dann traf der Goalgetter zum 27:26 (53.). Die erste Führung des TV Bittenfeld seit der 16. Minute! Der auf Linksaußen eingewechselte Adrian Wöhler lochte zum 28:28 ein (55.). ThSV-Schlussmann Jan-Steffen Redwitz parierte gegen Rückraumspieler Djibril M´Bengue (56.). Kurz darauf markierte Tomas Urban mit seinem 9. Tor das 28:29 (57.). Dieses konnte auch der ins TVB-Gehäuse zurückgekehrte Dragan Jerkovic nicht verhindern. Nicolai Hansen kassierte eine Zeitstrafe, das ungestüme Einsteigen von Adrian Wöhler an Michael Schweikardt wurde mit Rot geahndet. Die Hausherren nutzten ihre doppelte Überzahl zum 29:29-Ausgleich (57.). Wie wichtig Neuzugang Borut Machkovsek ist, er wuchtete ein doppelter Unterzahl zum 29:30 (59.) ein. Michael Spatz besorgte den die Punkteteilung bedeutenden 30. Treffer.

Statistik
TV Bittenfeld-Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (3), Schöbinger, Weiß (6), Schweikardt (1), Kisum, M`Bengue (1), Coric (1), Baumgarten (2), Fotache (1), Kretschmer (1), Spatz (14/8), Kienzle
ThSV Eisenach: Verkic, Redwitz; Wöhler (1), Luther, Celica, Ragnarsson (4), Hruscak, Schliedermann, Hansen (3), Urban (9), Holzner (1), Koloper (1), Mackovsek (7), Criciotoiu (4)
Siebenmeter: TV Bittenfeld Stuttgart 9/8 / ThSV Eisenach 1/0
Zeitstrafen: TV Bittenfeld-Stuttgart 5 x 2 Min., Rot für Fotache nach 3. ZS (55.) / ThSV Eisenach 7 x 2 Min. –Rot für Wöhler n. grobem Foulspiel (57.)
Schiedsrichter: Grobe/Kinzel
Zuschauer: 2251 (ausverkauft)
Spielfilm: 6:4 (9.), 9:11 (21.), 13:13 (26.), 15:16 (30.), 18:20 (37.), 21:21 (40.), 22:25 (46.), 27:26 (53.), 29:30 (59.), 30:30 (59.)

Titelfoto: Borut Mackovsek zeigte nicht nur wegen seiner 7 Tore, das er ein Gewinn für den ThSV Eisenach ist

Peter Gebhardt

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Foto 2: Tomas Urban fühlt sich auf Rechtsaußen wohl – 9 Tore in Stuttgart

Peter Gebhardt

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Foto 3: Fantastische Stimmung im hunderköpfigen Fanblock des ThSV Eisenach 

Andrea T. | | Quelle:

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