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 | Bildquelle: © M. Gentzel / ThSV Eisenach

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Bildquelle: © M. Gentzel / ThSV Eisenach

Neuauflage eines alten Derbys unter völlig konträren Vorzeichen

Abstiegsbedrohter ThSV Eisenach empfängt den bereits im sicheren Ligahafen eingelaufenen Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig / Azat Valiullin und Nick Heinemann fehlen im Team von Neu-Trainer Gennadij Chalepo

Ich sehe uns nicht als Favorit. Ich glaube, die Partie hat keinen Favoriten. Die Chancen stehen 50:50,

erklärt Aivis Jurdzs, Rückraumspieler des SC DHfK Leipzig,  mit Blick auf den Samstagabend. In der Neuauflage eines alten Derbys empfängt der ThSV Eisenach um 19.00 Uhr in der heimischen Werner-Aßmann-Halle den Mitaufsteiger. Dass dieses Duell in der DKB Handball-Bundesliga stattfindet, daran hat Aivis Jurdzs gehörigen Anteil. Der linke Rückraumspieler war in der Vorsaison einer der Garanten des Höhenflugs der Wartburgstädter, sorgte mit Treffern in der Schluss-Sekunde für zahlreiche Punkte. Im Sommer wechselte er vom Thüringischen ins Sächsische. Beim SC DHfK Leipzig füllt er als 32-Jähriger mit Freude die Rolle des „Opas“ aus. Der ThSV Eisenach und der SC DHfK Leipzig nahmen im Oberhaus unterschiedliche Richtungen. Die Aufstiegsmannschaft punktuell verstärkt, punkteten die Leipziger fleißig, verschafften sich Luft zu den Abstiegsrängen. Highlights waren die beiden Derbysiege über den SC Magdeburg. Mit derzeit 19 Pluspunkten ist der SC DHfK Leipzig, der sich vom insolventen HSV Hamburg kürzlich Keeper Jan Vortmann angelte, bereits im sicheren Hafen.

ThSV Eisenach in akuter Abstiegsgefahr
Der ThSV Eisenach, sein Personal völlig umkrempelnd (9 Abgängen stehen 10 Zugänge gegenüber)  belegt indes einen Abstiegsplatz. Mit 8 Pflichtpunkten und auf einem Nichtabstiegsplatz überquerten die Eisenacher die Schwelle zum neuen Jahr. „Ein Teilziel war erreicht“, konstatierte Karsten Wöhler. Nicht nur, dass der fest eingeplante Heimsieg über den TBV Lemgo zum Auftakt des zweiten Teiles der Punktspielsaison mit einem 22:28 deftig daneben ging, auch die Art und Weise der folgenden Auswärtsauftritte in Gummersbach und Wetzlar ließen die Alarmglocken bei den Verantwortlichen schrillen. Das Denkmal des Aufstiegstrainers Velimir Petkovic wackelte und bröckelte mächtig.

Wir sind der Ansicht, die gemeinsam formulierten Ziele mit Velimir Petkovic nicht realisieren zu können,

erklärte Manager Karsten Wöhler.

Die Mannschaft hat nicht mehr gelebt, Eisenacher Tugenden wie Kampfbereitschaft waren nicht mehr zu sehen,

ergänzte Präsident Gero Schäfer.

Wir wollten neue Impulse setzen, um die sportliche Talfahrt aufzuhalten,

begründeten beide den Wechsel auf dem Trainerstuhl. Velimir Petkovic (Vertrag bis 30.06.2017) wurde am Montagvormittag von seinen Aufgaben freigestellt. Am Mittag präsentierten die Eisenacher während einer Pressekonferenz Gennadij Chalepo als neuen Coach, der am Abend die Leitung des Trainings und die Vorbereitung der Mannschaft auf das Mitteldeutschland-Derby übernahm. Der ehemalige weißrussische Nationalspieler, viele Jahre in der 1. Bundesliga  am Ball (u.a. Nettelstedt, Lemgo, Wetzlar),  danach Trainer (beispielsweise bei der HSG Wetzlar und TV Emsdetten), wurde in Eisenach mit einem Vertrag bis zum 30.06.2016 ausgestattet. Der 47-jährige Hüne bezifferte die Chancen für den Klassenerhalt seines neuen Teams auf 20 bis 30 Prozent.

Manager Karsten Wöhler setzt sein Team nicht unter Erfolgsdruck
Bei seiner zweiten Pressekonferenz als Trainer des ThSV Eisenach berichtete Gennadij Chalepo von „ausgesprochen positiven Eindrücken im Training“. Karsten Wöhler ergänzte:

Die Mannschaft hat das Signal positiv aufgenommen, arbeitet motiviert und konzentriert, zugleich froh und befreit. Wir werden sehen, wie schnell der Kopf frei wird.

Der einstige kampfstarke Erstliga-Außen nimmt den Druck vom Team, wünscht sich für den Samstagabend von seinem Team vor allem „Handball mit Leidenschaft“, sieht die Gäste, „die wohl vor Selbstbewusstsein strotzend nach Eisenach kommen“,  in der Favoritenrolle. Für Trainer Gennadij Chalepo ist der SC DHfK Leipzig gar die „Mannschaft der Saison“. „Hut ab vor der Arbeit von Trainer Christian Prikop“, fügt er an. Mit der Rückraumreihe Philipp Weber, Aivis Jurdzs und Christoph Steinert seien die Gäste bestens besetzt. Mit Jan Vortmann hätten sich die Leipziger auf der Torhüterposition noch einmal verstärkt.

Eine flexible 6:0-Abwehr aus der zum Gegenstoß angesetzt wird,

hat Gennadij Chalepo beim samstäglichen Kontrahenten ausgemacht. Beim Hinspiel hatten die Leipziger über Gegenstöße die Eisenacher früh auf die Verliererstraße geschoben. Der neue ThSV-Coach, der an der Minus-Tore-Differenz von 122, der schlechtesten der gesamten Liga, eine Problemstellung ausgemacht.

Die Mannschaft muss im Angriff mit Kopf Druck machen, ohne Hektik spielen, auch die Außen mitnehmen,

so Gennadij Chalepo. Die Verbesserung der Abwehrarbeit bildete einen der Trainingsinhalte der ersten Tage.

Für das Derby gegen den SC DHfK Leipzig müssen die Eisenacher auf Rückraum-Recken Azat Valiullin (Knie) und Rechtsaußen Nick Heinemann (Rücken) verletzungsbedingt verzichten. Aufgrund eines fiebrigen Infektes musste Adrian Wöhler einige Tage dem Training fernbleiben. Mit seinem Einsatz wird jedoch gerechnet.

Drei Fanbusse rollen aus Leipzig gen Eisenach
Bei der Aufstellung kann Leipzigs Trainer Christian Prokop nach langer Zeit mal wieder aus dem Vollen schöpfen. Bis auf die langzeitverletzten Spieler Milos Putera und Lucas Krzikalla sind in Eisenach alle Männer an Bord. Auch Marvin Sommer und Philipp Pöter stehen wieder im Kader. Mindestens 200 Anhänger aus der Messestadt werden ihre Mannschaft im Gästeblock lautstark unterstützen. Bis Mitte der Woche waren nahezu 2.500 Tickets für die gut 3.000 Zuschauer fassende Werner-Aßmann-Halle verkauft.

Es wird auch noch Eintrittskarten an der Tageskasse geben,

betont Karsten Wöhler mit Blick auf Kurentschlossene. Handballfans aus Eisenach sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Sportzentrum kommen, die Parkplatzsituation sei bekanntermaßen limitiert. Was die Eisenacher Verantwortlichen freut, alle 9 Journalisten aus Leipzig kommen gemeinsam im „Pressetaxi“ des SC DHfK Leipzig, beanspruchen damit lediglich einen Presseparkplatz.

Christian Proikop, der Coach des SC DHfK Leipzig, wird zum Derby folgendermaßen zitiert:

Mit dem Sieg gegen Stuttgart haben wir einen großen Schritt in Richtung unseres Saisonzieles Ligaverbleib gemacht. Wir haben noch neun Spiele und wollen weiter punkten, um im Saisonendspurt unsere gute Ausgangssituation zu festigen und den elften Platz zu verteidigen. Dazu wäre ein Sieg am Samstag im Ostderby hervorragend. Im Hinspiel konnten wir zu Hause mit einer eindrucksvollen Leistung einen klaren Sieg einfahren, wir wissen jedoch, dass das Spiel in Eisenach ungleich schwerer und eine große Bewährungsprobe wird. Wenn wir unser Potenzial abrufen und aggressiv und clever agieren, bin ich aber der Überzeugung, dass wir stärker sind als der ThSV und das Auswärtsspiel gewinnen können.

Titelfoto: Bekommt Eisenachs Kapitän Daniel Luther, hier beim Hinspiel in Leipzig, wieder längere Einsatzzeiten?

© R. Beichler / ThSV Eisenach

Foto: © R. Beichler / ThSV Eisenach

Foto: Gennadij Chalepo gibt am Samstag seinen Einstand als Trainer des ThSV Eisenach

Andrea T. | | Quelle:

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  • Hans Klemm

    Es wird bestimmt spannend werden! Dafür
    sorgen allein gleich mehrere Baustellen auf der Gastgeberseite. Das
    „Ost-Derby“ bietet voraussichtlich eine besondere Brisanz, die
    sich von den sonstigen Begegnungen deutlich abheben wird. Bei
    erwartetem besonders großen Zuschauerinteresse geht es in erster
    Linie natürlich darum, wie die Einheimischen den schon etwas
    umstrittenen Trainerwechsel verkraften werden, der sich mit den
    Vorgesprächen in der letzten Woche mit dem in Wetzlar beheimateten
    und seit eineinhalb Jahren arbeitslosen Letten, Chalepo, als
    Nachfolger seines verdienten Vorgängers Petkovic bewarb, die
    „totgeglaubten“ Jungs (lt. Präsident Schäfer) wieder
    aufzuwecken. Allein aus diesem Grund sollte man nicht unbedingt
    erwähnen, dass der ab Montag hier tätige Neutrainer nur rein
    zufällig das letzte Spiel in Wetzlar beobachtete……Wir werden
    allerdings erst in ein paar Wochen sehen, ob dieser wichtige
    Personaländerung, sowie die scheinbar von Manager C. Wöhler häufig
    viel zu voreilig ausgewählte Spieler-Einkäufe (besonders für die
    Abwehr!) das erwartete Ergebnis brachte!

    Was wohl bisher einmalig sein dürfte,
    ist das heutige Wiedersehen mit dem zitierten „Opa“ auf dem
    Handballparkett, der als verlorengegangener ehemaliger Eisenacher
    hier antreten wird, ohne zu wissen, welcher seiner beiden
    gleichzeitig laufenden Verträge eigentlich überhaupt Gültigkeit
    besitzt! Somit könnte es dazu kommen, dass, unabhängig des
    Spielausganges gegen die DHfK, der scheinbar etwas übermütig und zu
    optimistisch wirkende ThSV nach Klärung durch das
    Landessozialgericht im schlechtesten Fall am Ende der Saison gleich
    mehrmals mit leeren Händen verdutzt dastehen könnte!

    Hinzu kommt die voraussichtliche Sperre
    der eigenen Halle ab der zweiten Jahreshälfte, weil die
    Ausnahmegenehmigung für das als „architektonische Wunder“
    bezeichnete Provisorium der imposanten Gegentribüne hinter dem
    Mauerdurchbruch, die übrigens zur kompletten Platzierung für
    sämtliche zu erwarteten Gästezuschauer aus Leipzig treffend
    geeignet wäre, im Sommer diesen Jahres ohne weitere Auflagen
    auslaufen wird, selbst, wenn die stets auffällig rotierende
    Thüringer „Allroundministerin“, B. Keller, nach dem entstandenen
    Finanzstreit um den geplanten Hallenumbau noch ein paar Euro übrig
    hätte….

    Eine wirklicher Leckerbissen steht uns
    in wenigen Stunden bevor, deren Ausgang allerdings auf das
    gegenwärtig etwas wacklige Wohlbefinden unserer Eisenacher
    Handballer und ihrer Leitungsmitglieder noch keinen entscheidenden
    Einfluss haben wird…..

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