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Nun sind auch die Helden von 1997 verewigt

Die Erstliga-Aufstiegsmannschaft des ThSV Eisenach aus dem Jahr 1997 trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein und feierte stimmungsvolles Wiedersehenstreffen

Im Rathaus der Wartburgstadt Eisenach wurde jetzt das nachgeholt, was im Jubel vor 20 Jahren vergessen wurde. Die Mannschaft des ThSV Eisenach, die zum Ende der Saison 1996/97 nach einer Erfolgsserie ohnegleichen von 53:1 Punkten den Aufstieg in die 1. Handballbundesliga schaffte, wurde von Oberbürgermeisterin Katja Wolff und dem ehrenamtlichen Beigeordneten Dieter Suck bei einem ganz kurzfristig vereinbarten Termin herzlich begrüßt; trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Nahezu alle Spieler der Aufstiegsmannschaft hatten sich im Rathaus eingefunden. Dabei waren auch einige, die in der ersten Saison im Oberhaus das Team verstärkten, zum Klassenerhalt „der belächelten grauen Maus“ beitrugen.

Die weiteste Anreise hatten Titel Raduta, von den Fans als „Spieler des Jahrzehnts“ gekürt, der „Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle“, der in seiner rumänischen Heimat als Junioren-Auswahltrainer seinen reichen Erfahrungsschatz weitergibt, und Stephane „Joule“ Joulin, der einstige Ballzauberer auf Rechtsaußen, der aus Saint Raphael am französischen Mittelmeer kam, wo er in der städtischen  Mediathek arbeitet. Die weiteste Anreise hätte Rückraumspieler Julian Duranona gehabt. Der kubanische Isländer lebt in Havanna, konnte nicht kommen. An seiner Stelle hat sich sein Sohn Jordan in das Goldene Buch eingetragen. „Das ist eine große Ehre“, sagte Tamara Mola, die ihren sechsjährigen Sohn begleitet hat. Die Familie lebt getrennt.

Rainer Osmann und „Bongo“ Beck führte das Team hinauf in den Ratssaal
Von der Aufstiegsmannschaft mit von der Partie waren der damalige Kapitän Jürgen „Bongo“ Beck, Dietmar „Ebs“ Aust, Martin „Münze“ Münzberg, Jens Ursinus, André Stegner, Jörn Schläger, Zdeno Vanek, Dirk Koppe, Bernd Fichtner sowie die drei Torhüter Uwe Schreiber, Knut Knoch und Stefan Schuchardt. Stephan Just, einen „Eisenacher Jungen“, hatte Rainer Osmann als 17-Jährigen in die Mannschaft geholt. „Apollo“ hat gerade das Traineramt beim Zweitbundeslligisten ASV Hamm-Westfalen übernommen, mit dem er am 21.04.2017 auf den ThSV Eisenach trifft. Während Uwe Seidel in der ersten Saison dazu gekommen ist, er spielte zuvor in Magdeburg. Damaliger Co-Trainer war Andreas Schwabe. Er trug sich wie Mannschaftsarzt Dr. Johannes Muthen, Deutschlands dienstältester (43 Jahre) Physiotherapeut Wolfgang Heyer und Mannschaftsleiter Bernd Pflock ein. Auch die Mitglieder des Vereinsvorstands aus dem Jahr 1997 haben im Goldenen Buch unterschrieben: Gerhard Sippel, Ralf Illert, Horst Ehrhardt, Thomas Levknecht, Günter Oppel, Ewald Heidenreich, Geschäftsführer Thomas Dröge und der der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans-Peter Brodhun, der sich auch für diesen Termin im Eisenacher Rathaus stark gemacht hatte. Des kürzlich verstorbenen ThSV-Präsidenten des Jahres 1997, Frank Seidenzahl, wurde mit einer Schweigeminute vor Beginn der Veranstaltung in der „Sophienaue“ gedacht. Er, der Architekt, war gemeinsam mit Rainer Osmann und Thomas Dröge der Architekt des Aufstieges 1997. Jürgen Hausburg, seit Jahrzehnten der Hallensprecher, trug sich ebenfalls ein. Hartmut Riemann von Riemann-Reisen aus Schnellmannshausen (Wartburgkreis) war der Mannschaftsbusfahrer, der nicht nur das Lenkrad bediente. Er hat die Truppe wie in alten Zeiten chauffiert, vom Treffpunkt Hotel „Sophienaue“ (mit Polizeieskorte) zum Markplatz und zum anschließenden gemütlichen Teil in die „Sophienaue“ zurück, wo die Partnerinnen und weitere Wegbegleiter warteten, einschließlich der vor 20 Jahren das Eisenacher Team begleitenden Journalisten, Axel Eger (Thüringer Allgemeine), Axel Lukaczek (Thüringische Landeszeitung), Liane Reißmüller (Südthüringer Zeitung), Kim Wenzel (Antenne Thüringen) und Christian Müller (mdr-Fernsehen). Im „Wintergarten“ des Restaurants im Eisenacher Mariental  fand ein privat organisierter Abend mit knapp 90 Personen statt!

Erfolgreichste Eisenacher Mannschaft der Nachwendezeit

Wir waren die erfolgreichste Mannschaft der Nachwendezeit, betonte Rainer Osmann, Spieler, Kapitän, Co-Trainer und Aufstiegstrainer beim ThSV Eisenach (und vormals Motor Eisenach), seit 50 Jahren im Verein!

Sieben Jahre, von 1997 bis 2004 spielte der ThSV Eisenach in der Eliteliga. In den Jahren 2013 und 2015 folgten weitere Aufstiege, allerdings nur von einjähriger Verweildauer. Rainer Osmann  hält den Kontakt zu früheren Spielern, Betreuern und Verantwortlichen, hat gemeinsam mit Jürgen Beck unter Mithilfe von Sponsoren, die vielfach auch schon vor 20 Jahren Partner dieser legendären Mannschaft waren, das Treffen organisiert.

Der Flachs blühte
Bis in die frühen Morgenstunden, der Hahn krähte schon, wurde in verschiedensten Tischbesetzungen über die gemeinsame Zeit geplauscht, sich ausgetauscht, auf Videoaufnahmen aus dieser legendären Zeit geblickt, sich erkundigt, wie der Weg nach der gemeinsamen Zeit bei den Teamkollegen verlief. Auch nach 20 Jahren sofort ersichtlich: das ist eine echte Mannschaft gewesen. Da wurde natürlich auch gescherzt. „Ebs“ Aust „beschwerte“ sich, dass er als Außen zu wenige Bälle bekommen habe und dadurch nicht auf die gewünschte Trefferzahl kam.

Episoden, die haften bleiben
Die Helden von 1997 zusammen produzierten einige außergewöhnliche handballerische Episoden. Jenen 17:11-Sieg in Erlangen, der sich wie ein Druckfehler liest (nur elf Gegentore?!) und heutzutage bestenfalls als Halbzeitergebnis durchgehen würde. Oder das 20:19 über den alten Rivalen aus Dutenhofen, in dem die Eisenacher ab der 57. Minute den Ball bis zur Schlusssirene stoisch in ihren Reihen hielten.

20 Jahre ist das her. Und 20 Jahre älter sind heute die Protagonisten. Stephan Just etwa, der schon als 16-Jähriger sein Debüt in der Männermannschaft gab und sich nun, mit knapp 38 anschickt, den Ligarivalen Hamm als Trainer aus der Abstiegszone zu führen. Jürgen Beck, der damals so alt war wie Just heute und dessen als Trophäe des Aufstiegs abrasierter Schnurrbart ergraut längst nachgewachsen ist. Jörn Schläger, der, wie bestellt zum großen Jubiläum in diesem Frühjahr wieder einen Aufstieg feiern darf: als erfolgreicher Trainer mit dem HSV Bad Blankenburg in die dritte Liga. Das in Erinnerung bleibende um den Klassenerhalt so wichtige Spiel bei der SG Wallau-Massenheim, als nach einem „Zweikampf“ zwischen Julian Duranona und Martin Schwalb eine Massenschlägerei ausbrach.

Wenn Rainer Osmann erzählt, wie er einst beim neu gekommenen Stephane Joulin einen sorgenvollen Blick in den Kühlschrank warf, dessen Inhalt mit einer Flasche Milch umfassend beschrieben war, sieht man ihn wieder vor sich, den die französische Lebensweise (Kaffee! Zigarette!) eigenwillig bis zum Exzess pflegenden, stets so zerbrechlich wirkenden Rechtsaußen. Der mit seiner Klasse zugleich aber ganze Spiele allein entscheiden konnte, wie jenes bei seiner Premiere im Eisenacher Trikot, als er Magdeburgs Stefan Kretzschmar mit einer Neun-Tore-Gala geradezu schwindelig spielte.

Die Fans haben sie auf Händen getragen. Ihren Titel Raduta wegen seiner bescheidenen, untadeligen Art sogar tief im Herzen. Bei seinem letzten Spiel drehte er zu Citys „Am Fenster“ eine Ehrenrunde in der Werner-Aßmann-Halle.

Alles unvergessliche Momente, die wohl nur im Handball-Eisenach dieser Zeit möglich waren!

Andrea T. | | Quelle:

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