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Nur ein Sparringspartner!

Der ThSV Eisenach vollführt einen gefährlichen Tanz auf der Rasierklinge. Im zwölften Auswärtsspiel kassierten die Wartburgstädter ihre zehnte Niederlage. Fielen diese bisher zumeist knapp aus, kassierten die Thüringer im Rheinland eine deftige Pleite. Die HSG Düsseldorf führte vor 1068 Zuschauern im heimischen schmucken Burg-Wächter-Castello gegen den ThSV Eisenach nach 23 Minuten bereits mit 16:6 (!), spulte locker ihr Pensum zum 31:23 (18:8)-Erfolg herunter. Besonders im ersten Abschnitt kamen die ohne die verletzten Gabor Langhans, Alexander Schiffner und Roel Adams auflaufenden Wartburgstädter nicht über die Rolle eines Sparringspartners hinaus.
Die HSG Düsseldorf, mit einen sich in bester Spiellaune präsentierenden Regisseur Daniel Brack (mit neun Treffern auch erfolgreichster Werfer) und einem starken Torwart-Oldie Almantas Savonis dominierte im ersten Abschnitt schier nach Belieben. «Ich muss mich bei den mitgereisten Fans für dieses Horrorszenario entschuldigen», erklärte ein gefrusteter Eisenacher Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Der ThSV Eisenach rutschte nach nunmehr 21:23 Punkten wieder auf Tabellenrang 10 ab; jedoch nur ein einstelliger Tabellenplatz bedeutet am Saisonende die Qualifizierung für die neue eingleisige 2. Handballbundesliga. Die HSG Düsseldorf mit Sportdirektor und Ex-Welthandballer Daniel Stephan darf indes weiter vor der Rückkehr in die Beletage des deutschen Handballs träumen, lässt mit nur einem Pluszähler weniger Tabellenführer Bergischer HC ihren heißen Atem spüren. Der ThSV Eisenach steht im Heimspiel am Samstag, 26.02.2011 gegen die TSG Groß-Bieberau erneut unter gewaltigem Erfolgsdruck.

Parallelen zum Hinspiel Ende September in Eisenach. Jedoch umgekehrt! Damals überrollte der ThSV Eisenach den Erstbundesligabsteiger aus dem Rheinland, führte frühzeitig mit zehn Treffern Differenz und feierte einen souveränen 34:24-Erfolg. Die Revanche ist den Düsseldorfern also weidlich gelungen. «Wir waren bestens vorbereitet, doch die Umsetzung fehlte. Düsseldorf konnte insbesondere in der ersten Halbzeit machen was es wollte, traf ins Tor oder bekam einen Siebenmeter zugesprochen. Bei uns fehlte die Leidenschaft, schon an der Körpersprache ablesbar. Düsseldorf kam mit Leidenschaft und Power zu einem auch in der Höhe gerechtfertigten Sieg», bilanzierte Adalsteinn Eyjolfsson. Seinem Team kam entgegen, das die Hausherren im zweiten Abschnitt nicht mehr so hundertprozentig konzentriert bei der Sache waren. «Wir hatten uns am Dienstag noch einmal das Video vom Hinspiel in Eisenach angeschaut, unsere Fehler von damals analysiert, Lösungen erarbeitet. Das ist uns trefflich gelungen. Wir haben in der Abwehr super gearbeitet, durften auf einen bärenstarken Almantas Savonis im Tor bauen, haben das Tempo insgesamt hochgehalten und zur Pause völlig verdient mit 18:8 geführt», bilanzierte Düsseldorfs Coach Ronny Rogawska. «Eine Klasseleistung in der Defensive, aber auch im Positionsspiel», bescheinigte ein aufgekratzter Daniel Stephan seinem Team. Angesichts des Sieges gingen Düsseldorfs Manager Frank Flatten die Wünsche in Richtung ThSV Eisenach locker von den Lippen: «Ich wünsche dem ThSV Eisenach die Qualifikation für die neue Spielklasse. Der Verein gehört da einfach rein.»

Harmlose Eisenacher nur Spielball der Rheinländer
Wie «ihre HSG» im September so unter der Wartburg stranden konnte, blieb den Zuschauern ein völliges Rätsel. Und das jüngste 36:19 des ThSV Eisenach über die personell so gebeutelte HSG FrankfurtheimnMain sollte sich als Muster ohne Wert erweisen. Die Eisenacher waren von Beginn an Harmlosigkeit kaum zu überbieten, obwohl sie im Vorfeld angekündigt hatten, in Düsseldorf punkten zu wollen. Kein Feuer im Vorwärtsgang, fast körperloses Abwehrverhalten. Der ThSV Eisenach verharrte im Standgas. Anders die Gastgeber, die bei Ballbesitz blitzschnell auf Angriff umschalteten, vom mangelhaften Rückzugsverhalten ihrer Gäste fleißig unterstützt. Florian von Gruchalla startete immer wieder über die rechte Seite durch. Maximilian Weiß zeigte am Kreis, weshalb der namhaftere Patrick Fölser nur auf der Bank saß. Der 22-Jährige ließ Eisenachs Abwehr besonders in der Anfangsphase alt aussehen, traf zum 7:3 (10.). Nachdem Florian von Gruchalla per Tempogegenstoß zum 8:3 eingenetzt hatte (10.), zückte ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson die grüne Karte, schickte Tomas Sklenak für Alexander Koke auf die Regieposition, beließ Eryk Kaluzinski auch in der Offensive auf dem Parkett. Zu mehr Angriffsdruck verhalf das den Eisenachern freilich nicht. Alibi-Handball ohne Druck auf das gegnerische Tor war angesagt. Und bei den Wurfversuchen stand der 40-jährige Düsseldorfer Keeper stets richtig. Eisenachs Schlussleute Radek Musil und Stanislaw Gorobtschuk bekamen – hinter einer Abwehr Marke «Schweizer Käse» – in den ersten dreißig Minuten zusammen zwei Bälle vor der Linie zu greifen. Leicht und locker wie bei einem Frühlingsspaziergang steuerten die Düsseldorfer immer wieder das ThSV-Gehäuse an. Daniel Brack traf zum 12:5 (18.). Wie es beim ThSV Eisenach gehen könnte, und dann auch in der zweiten Halbzeit mehrfach praktiziert, war eine ballverlagernde Kombination auf Linksaußen Adrian Wöhler, die zum fünften Treffer für die in Rot spielenden Gäste geführt hatte (14.). Michael Hegemann wuchte aus dem linken Rückraum zum 14:5 (21.) ein. Völlig konsterniert die Thüringer! Girts Lilienfelds versuchte sich aus dem rechten Rückraum durchzusetzen, was ihm auch bei Treffer Nummer 6 des ThSV Eisenach gelang, doch der Linkshänder war bei den robusten Hausherren zumeist in guten Händen. Per Tempogegenstoß traf der junge Bastian Roschek gar zum 16:6 (23.). Frühzeitig wechselte HSG-Trainer Ronny Rogawska durch. Ein Waterloo schien sich für die Wartburgstädter anzubahnen.

Wenigstens nicht den Kopf in den Sand gesteckt
Zumindest mit mehr Feuer unter dem Kessel kamen die Eisenacher aus den Kabinen. Mit Tomas Sklenak in der Abwehr auf vorgezogener Position versuchten die Eisenacher die Kreise von Düsseldorfs Rückraumspieler Michael Hegemann einzuengen. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. In der Rückraumbesetzung mit Alexander Koke auf der mittleren Aufbauposition, Tomas Sklenak im linken und Girts Lilienfelds im rechten Rückraum wurde zumindest die Schlagzahl im Vorwärtsgang erhöht. Alexander Koke initiierte erfolgreich Ballstafetten auf Linksaußen Adrian Wöhler, der zunächst das richtige Wurfrepertoire gegen Almantas Savonis fand. Ein Eisenacher Abspiel «mit Ansage» bildete die Vorlage zum 22:12 durch Valdas Novickis (38.). Adrian Wöhler besorgte mit seinem fünften Torerfolg den 14. ThSV-Treffer (23:14, 21.). Girts Lilienfelds hatte mit einem Aufsetzer Erfolg (23:15, 43.). Dann gelang auch den Eisenachern mal ein Tempogegenstoß über Eryk Kaluzinski zu Daniel Luther (23:16, 44.). Zu mehr reichte es freilich nicht, auch wenn Tomas Sklenak versuchte, sich durchzutanken, doch die Düsseldorfer riegelten rechtzeitig ab. Spannung kam nicht auf, zu klar die Dominanz der Gastgeber (26:17, 48.) trotz einiger Konzentrationsmängel.
Hatte Adrian Wöhler Almantas Savonis per Tempogegenstoß noch überlistet (47.), kaufte der Torwart-Guru dem jungen Eisenacher bei kurz darauf folgenden Begegnungen das Leder gleich zweifach ab und verließ nach getaner Arbeit das Gehäuse für Matthias Puhle, der im Schlussgang Eisenachs Nick Heinemann noch einen Siebenmeter abkaufte (58.). Eryk Kaluzinski zeichnete sich mit zwei Treffern in den letzten beiden Minuten für etwas Ergebniskosmetik aus Sicht der Wartburgstädter verantwortlich.

Statistik
HSG Düsseldorf: Savonis, Puhle (ab 50.); Roscheck (3), Hegemann (5), Hansen (1), Föser, Novickis (3), Brack (9/6), Wernicke, Weiß (3), von Gruchalla (6), Behrends (1/1)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk (19-46.); Trautvetter (2), A. Wöhler (6), Lindner, Koke (2/1), Luther (2), Bitterlich, Kaluzinski (3), Heinemann (1), Lilienfelds (3)

Siebenmeter: Düsseldorf 8/7 – Eisenach 3/1

Zeitstrafen: Düsseldorf 2 x 2 Min. – Eisenach 3 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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