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 | Bildquelle: Werner Bache

Beschreibung:
Bildquelle: Werner Bache

Punkte-Fliegen zur Goldenen Matten-Hochzeit

Mit einem glänzend inszenierten TSV-Ranglisten-Wettkampf im Mattenspringen im «tiefsten Winter» sorgte die Ruhlaer TSG-Wintersport-Gilde für ein historisches Novum.

Dazu schreibt Werner Bache:
Die 109-jährige Geschichte des verbandorganisierten Skisports in Thüringen ist um ein spektakuläres Kapitel reicher. Dafür sorgte der wintersportliche Erfolgsverein TSG/WSC 07 Ruhla. Auf dem Flugplatz «Alte Ruhl» gab es am Samstag mitten im «tiefsten Winter» ein Skispringen um Punkte für die TSV-Rangliste und die Thüringen-Auswahl: Auf Matten!
Die im Ruhlaer Verein trainierenden Mädchen und Jungen aus den Trainingsgruppen von Klaus Baacke und seinen Mitstreitern kamen zu acht Podestlandungen. Selbst Ruhlas Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler ließ sich den «historischen Schanzentag» nicht entgehen.
Hätte Hans Renner (1919 – 1970) jenes stimmungsvolle Skispringen am Samstag im Revier des schönen Vierschanzen-Flugplatzes «Alte Ruhl» erleben können, bliebe diese, seine süffisante Feststellung garantiert nicht aus: «Dafür, dass ihr im Winter auf Matten springt, habe ich vor 50 Jahren das aber nicht erfunden.» Der Zella-Mehliser Renner, selbst Springer und erfolgreicher DDR-Auswahltrainer, hatte 1954 jene Mattenbüschel, die die Skisprungwelt revolutionierten, zusammen mit einer Kunststofffirma in Friedrichroda und Tabarz, entwickelt. Die ersten Testflüge mit seinen Schützlingen wurden entsprechend des Sinnes und Zweckes selbstverständlich im Sommer und Herbst gemacht.
Natürlich hätten auch die nahezu 100 Mädchen und Jungen von den Knirpsen ab fünf Jahren bis zu den 14-Jährigen auf dieses Geschenk zur Goldenen Mattensprung-Hochzeit um diese normalerweise weiße Winterzeit gerne verzichtet. Also hieß es für die Ruhlaer statt Schneepräparation wässern der Matten.
In der frühlingshaften Natur mit sommerlichen Temperaturen bis an die elf Grad waren im Feld der Jung-Adlerinnen und -adler aus 13 Thüringer Vereinen die im Ruhlaer Trainingszentrum übenden Talente recht erfolgreich mit viermal Gold sowie dreimal Silber und einmal Bronze. Für die Siege sorgten Lennert Schubert (Einsteiger, 6 Jahre, HS 5 m), Levin Wagner (AK 10) auf dem HS 17-m-Bakken mit 209,1 Punkten (16,5 m/16,5 m) und Tommy Haasch (AK 14) mit den 210,1 Punkt mit 35 m und 35,5 m auf der HS 40-m-Anlage. Der Pilot des «historischen Events» war Frederik Jäger aus der Trainingsgruppe von Klaus Baacke. Der Tabarzer, aktuelles DSV-Jahrgangs-Ass des Deutschen Skiverbandes bei den Zwölfjährigen, kam auf die sensationelle Gesamtnote von 247,4 Punkten für Sätze von 41,5 und 41 m. Der Matten-Schanzenrekord wurde nur um einen halben Meter verfehlt.
In seinem Fazit hat Landstrainer Jörg Brömel (Schmiedefeld) ein ganz dickes Lob für die Ruhlaer Wettkampfmacher nicht vergessen: «Nicht jammern wegen des fehlenden Schnees. Den TSV-Ranglistenwettkampf ausfallen zu lassen, wäre die schlechteste Lösung für die Mädchen und Jungen gewesen. Die Ruhlaer haben bei der Anfrage sofort grünes Licht gegeben. Auch hier wurden schon vor einiger Zeit die Schneenetze abgebaut, um wenigstens auf Matten trainieren zu können.»
Auch dieser WSC-07-Schachzug sorgte für Furore! «Wir haben gleich noch einen Wettbewerb für Einsteiger auf der neuen HS 5-m-Schanze für Mädchen und Jungen der Jahrgänge von 2005 bis 2008 ins Programm aufgenommen. Die Resonanz war mit 19 Startern einfach toll und wohl auch eine Referenz für die Nachwuchsarbeit in unserem Verein.» so Vereinstrainer Klaus Baacke.
Mit Schmunzeln verriet Vereinschef Roland Quent: «Es wurde sogar überlegt, ob wir die Sommerurkunden nehmen. Wir haben uns aller Wetterkapriolen zum Trotz für die winterliche Ehrung entschieden.»
Blieben noch drei «historische» Fußnoten: Mit 25 Mädchen wurde ein neuer «TSV-Damenrekord» aufgestellt. Erstmals ging mit Lara Liedloff (Brotterode) eine achtjährige Thüringerin, wenn auch «nur» als Vorspringerin, sicher über eine HS 40-m-Anlage und Ruhlas weibliches Skisprungtalent Cindy Haasch (9Jahre !) sprang «auch» als Vorspringerin überdurchschnittliche 34 Meter weit.
Und wenn Frau Holle und Väterchen Frost die Skizunft weiterhin so narren, dann wird die anfangs Februar ausgefallene 24. Landesmeisterschaft der Springer und Kombinierer am 15. März in Lauscha nachgeholt: Erstmals auf Matten und per Stadionbahnlauf für die Zweikämpfer in Neuhaus.

Ski nordisch
TSV-Ranglistenwettkampf Skispringen auf Matten in Ruhla, Sieger und beste Platzierungen der Starter TSG/WSC 07 Ruhla, Einsteigerklasse (Jahrg. 2005 bis 2008), HS 5 m, Jungen: 1. L. Schubert 173,8 (3,5 m/3,5 m), 2. B. Stolz 169,9 (3/3), 3. L. Wening 169,6 (3/3,5), 4. J. Rudloff 167,5 (2,5/2,5) … 7.L.Michel (alle Ruhla) 164,2 (2,5/3)

Knirpse I (J. 2005 -2007), HS 10 m: 1. R.. Stenzel (Goldlauter) 209,6 (9,5 m/9,5 m) … 5. E. Langert (Ruhla) 193,9 (8/8)

Mädchen II (J. 2003/04), HS 17 m: 1. E. Görlich (Lauscha) 213,6 (16,5/16,5), 2. C. Haasch 209,4 (16,5/16) … 4. J. Hänsgen (b. Ruhla) 187,4 (12,5712,5)

S 10 m, HS 17 m: 1. L. Wagner 209,1 (16,5/16,5) … 3. M. Herbrechter (b. Ruhla) 200,8 (14,5/14)
S 12 m, HS 40 m: 1. F. Jäger (Tabarz/TG Ruhla) 247,4 (41,5/41) … 8. J. Schrön (Ruhla) 177,5 (30/31,5)

S 14 m, HS 40 m: 1. T. Haasch (Ruhla) 210,1 (35/35,5)

TSV-RL i. Skispringen

Foto: ©Werner Bache

Rainer Beichler | | Quelle:

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