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Rückraumspieler Luther und Keeper Musil sichern Auswärtszähler

«Alles was Handball so überaus attraktiv macht, haben beide Mannschaften geboten: schwungvollen Kombinationshandball, tolle Tore, gelungene Abwehraktionen, spektakuläre Torhüterparaden», traf Jochen Zürn, der Trainer der SG BBM Bietigheim, wohl den Nagel auf den Kopf und bescheinigte dem ThSV Eisenach einen vollauf verdienten Punktgewinn. Die Wartburgstädter eroberten sich vor knapp 1000 Zuschauern, darunter Fußballbundesligatrainer Christoph Daum (Eintracht Frankfurt), in der Sporthalle am Viadukt mit einem 34:34 (14:16)-Remis einen ganz wichtigen Auswärtszähler. Spannung und Dramatik pur in den Schlusssekunden, die zugleich Beleg für die neue Qualität des ThSV Eisenach war.
Die Gastgeber, das torhungrigste Team der Liga, führten nach 56 Minuten mit 33:31. Der erneut stark spielende Linkshänder Girts Lilienfelds und Regisseur Tomas Sklenak trafen zum 33:33-Ausgleich (58.) für die Wartburgstädter. Der folgende Bietigheimer Angriff endete am Holz des ThSV-Kastens. Auf der Gegenseite wurde der Wurf von Eisenachs Girts Lilienfelds eine Beute von Schlussmann Mathias Lenz. Rechtsaußen Christian Schäfer versenkte zum 34:33 für die SG Bietigheim. Da war bereits die letzte Spielminute angebrochen.
Von Hektik keine Spur beim ThSV Eisenach, vielmehr volle Konzentration auf den letzten Angriffszug. Daniel Luther wurde in Wurfposition gebracht. Gegen dessen knallharten und platzierten Wurf war erneut kein Kraut gewachsen, schlug zum 34:34 ein. Den folgenden Angriffszug der Hausherren stoppten die Thüringer auf Kosten einer Zeitstrafe gegen Daniel Luther. Drei Sekunden, viel Zeit beim rasanten Handball dieser Tage, zeigte die Hallenuhr beim noch auszuführenden Freiwurf für die Hausherren an, die ihren Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler wechseln, damit in doppelter Überzahl auf dem Parkett stehen. Bietigheim kommt zum gezielten Torwurf, doch Eisenachs Keeper Radek Musil lenkt das Leder mit den Fingerspitzen um seinen Kasten herum, wird anschließend von seinen Teamgefährten vor Freude fast erdrückt. Die unmittelbar hinter dem Musil-Gehäuse postierten ThSV-Anhänger feiern frenetisch den Punktgewinn.
«Ein ganz wichtiger Punkt», jubelte Daniel Luther, der von den Verantwortlichen der SG Bietigheim zum besten Spieler seines Teams gekürt wurde. Er und auch Trainer Adalsteinn Eyjolfsson wollten dennoch nicht die Tatsache unter den Tisch kehren, dass eine 5:0-Führung nach nicht einmal sechs Minuten zu leichtfertig aus der Hand gegeben wurde. «Unnötige Würfe unsererseits bauten Bietigheim regelrecht wieder auf, setzten das Konterspiel der Hausherren in Gang. Wir offenbarten Probleme im Rückzugsverhalten, agierten in der Innenverteidigung zu passiv und kassierten viel zu viele Treffer über Außen», befand ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson. «Wir sahen uns dann mit drei oder zwei Toren sogar im Rückstand», erinnerte Daniel Luther an den Spielverlauf mit wechselseitigen Führungen: 0:5 (6.) – 9:8 (15.) – 11:14 (24.) – 23:20 (40.) – 26:28 (47.) – 31:29 (53.).
Beide Eisenacher Torhüter sahen – insbesondere in der zweiten Halbzeit – bei dem einen oder anderen Treffer nicht so ganz glücklich aus. Am Ende verstauten die Thüringer einen hochwichtigen Punkt für die 350-Kilometer-Rückfahrt aus Baden-Württemberg ins Thüringer Land.
Bei Mannschaft und Fans drehten sich auf der Rückfahrt bereits die Gedanken um das am kommenden Samstag, 30.04.2011 um 19.30 Uhr in der heimischen Werner-Aßmann-Halle anstehende ewig junge Traditionsderby gegen den EHV Aue – ein Schlüsselspiel für beide Mannschaften in Sachen Qualifikation für die neue eingleisige 2. Handballbundesliga. Vor sicherlich großer Kulisse, wie der Ticketvorverkauf – auch ins Erzgebirge! – erahnen lässt! Der ThSV Eisenach empfiehlt seinen Anhängern, sich rechtzeitig eine Eintrittskarte im Vorverkauf zu sichern!

Auftakt nach Maß
Bei bestem Frühlingswetter vor der Halle und vielen sonnenhungrigen Menschen auf den nahegelegenen Grünflächen zeigte sich der ThSV Eisenach in der Halle sofort auf Betriebstemperatur, startete in der Erfolgsformation der jüngsten Wochen selbstbewusst und hochtourig. «Wir wurden ja regelrecht überrollt», gestand Jochen Zürn, der Coach der SG Bietigheim. Blitzschnell, zu schnell für die Gastgeber, schalteten die Eisenacher bei Ballbesitz auf Angriff um. Girts Lilienfelds brachte seine Schnelligkeitsvorteile zum Tragen, netzte zum 0:2 ein (2.). Nach einem Tempogegenstoß bediente Eryk Kaluzinski den am Kreis lauernden Daniel Luther, der zum 0:3 vollendete (3.). Adrian Wöhler versenkte gar von Linksaußen zum 0:5 (6.). Doch, wie gewonnen, so auch verronnen! Eryk Kaluzinski brachte gleich drei Bälle nicht unter. Einen Heber von Benjamin Trautvetter fischte SG-Torwart Benjasmin Krotz herunter. Ein Heinemann-Ball landete am Holz. Der starke Außen Patrick Zieker traf zum 5:5-Ausgleich (10.) und sogar zum 9:8 (15.). Die Verantwortlichen auf der Eisenacher Bank, hier unterstützte Christoph Jauernik als Co-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson, reagierten, beorderten Daniel Luther auch im Vorwärtsgang auf das Parkett. Eisenachs Angriffsschwung und Torgefahr erhöhten sich. Girts Lilienfeld verrichtete Maßarbeit beim Treffer zum 11:13 (22.). Tomas Sklenak zog trocken zum 11:14 (24.) ab. Auf Seiten der SG Bietigheim kurbelte der erfahrene Nico Kibat das Angriffsspiel an. Mit zwei Glanzparaden sicherte Radek Musil seinen Farben die knappe Halbzeitführung. Nick Heinemann vollendete per Tempogegenstoß zum 14:16.

Gerechte Punkteteilung nach Herzschlagfinale
Temposcharf und torreich ging es nach Wiederanpfiff der Unparteiischen Moles/Pittner, die die Begegnung sicher im Griff hatten, weiter. Nico Kibat versenkte alle der SG Bietigheim zugesprochenen Strafwürfe ohne Fehlversuch. Eisenachs Alexander Koke verzeichnete dieses Mal vom Punkt einen Fehlversuch, ließ sich aber davon nicht beeindrucken, trat weiter an und lochte fünf von sechs Strafwürfen ein. «Mit einer Energieleistung wandelten wir unseren Rückstand in eine Führung um», skizzierte SG-Trainer Jochen Zürn die Phase vom 15:17 (32.) zum 23:20 (40.). Die im ThSV-Kasten zappelnden Würfe von den Außenpositionen dürften ThSV-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson besonders missfallen haben. Seine Schützlinge setzten ihre Offensivqualitäten dagegen. Eryk Kaluzinski stiefelte nach Balleroberung zum 23:23-Ausgleich los (43.). Girts Lilienfelds legte gar zum 23:24 (44.) nach. Die Eisenacher hatten mit Tomas Sklenak, Daniel Luther und Girts Lilienfelds die durchschlagskräftigste Rückraumbesetzung gefunden. Wenn Daniel Luther abzog, ging ein Raunen durch die Zuschauerreihen, wie beim 26:28 (47.). Der kleine junge Andreas Blogig brachte neuen Schwung in das Angriffsspiel der Gastgeber, traf selbst aus dem linken Rückraum mit Raffinesse zum 29:28 (50.). Dann scheiterte Eisenachs Adrian Wöhler in Überzahl von Linksaußen am eingewechselten Bietigheimer Schlussmann Mathias Lenz (53.), zirkelte Nick Heinemann das Leder von Rechtsaußen ans Holz (55.). Patrick Zieker brachte die SG Bietigheim mit 32:30 in Führung, riss Sekunden später beim Abwehrversuch Eisenachs Nick Heinemann zu Boden und kassierte eine Zeitstrafe. Alexander Koke behielt vom Punkt die Nerven (32:31, 55.). Den folgenden Treffer von Philipp Schulz zum 33:31 (56.) egalisierten Girts Lilienfelds und Tomas Sklenak zum 33:33 (58.) und zum Herzschlagfinale.

Statistik
SG BBM Bietigheim: Krotz, Lenz (ab 44.); Haller (2), Rentschler, Kibat (7(5), Knierim (2),
Heuberger (1), Schäfer (4), Bühler (4), Blodig (2), Hinz, Freudl (2), Zieker (7), Schulz (3)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk (39.-48.); Trautvetter (2), Sklenak (5), Wöhler (3), Koke (5/5), Luther (7), Bitterlich, Kaluzinski (1), Adams, Schiffner, Langhans, Heinemann (3), Lilienfelds (8)

Siebenmeter: Bietigheim 5/5 – Eisenach 6/5
Zeitstrafen: Bietigheim 2 x 2 Min. – Eisenach 3 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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