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 | Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Beschreibung:
Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Schmerzvolle Bestätigung für den Trainer

Kaderbreite entschied für die Marmeladenstädter: ThSV Eisenach unterliegt zwei Tage nach dem 30:25-Sieg bei der HSG Nordhorn im Heimspiel dem VfL Bad Schwartau mit 22:26

Es wurde nichts mit dem 10. Heimsieg. Der ThSV Eisenach musste über die zweite Heimniederlage der Saison quittieren, unterlag dem zumindest mittelfristig mit der Rückkehr ins Handballoberhaus liebäugelnden Tabellen-Fünften VfL Bad Schwartau in einer von beiden Seiten intensiv geführten Partie mit 22:26 (11:11). Die Wartburgstädter sind, zwei Tage nach dem 30:25-Auswärtssieg bei der HSG Nordhorn-Lingen, zurück auf dem Boden der Realität, wobei sich die Prognose von Eisenachs Trainer Christoph Jauernik schmerzvoll bestätigte.

Wir bewegen uns auf ganz dünnem Eis, hatte dieser mit Blick auf die Personalsituation im Rückraum kürzlich erklärt.

„Unsere Kaderbreite kam heute zum Tragen. Wir hatten in der Schlussphase einfach mehr Körner zum Zusetzen“, resümierte ein aufgekratzter Torge Greve, Coach des VfL Bad Schwartau. Dessen Torhüter Dennis Klockmann schlug in die gleiche Kerbe. „Eisenachs knapper Kader im Rückraum kam uns natürlich entgegen“,  gestand der 2,10-Meter-Mann, der nach seiner Einwechslung (40.Min.) insbesondere von Matthias Gerlich mehrere Bälle entschärfte. „Wir treffen seit einigen Jahren auf dem Handballparkett aufeinander, ich kenne inzwischen sein Wurfrepertoire, seine Schokoladenecken“, schmunzelte der 34-jährige Keeper, im Sommer 2014 von Eintracht Hildesheim ins Norddeutsche gewechselt. Aus einem 20:19 (47.) wurde ein 20:23 (53.). „Die Verteilung unserer Treffer auf 8 Spieler war ein Beleg für unsere Ausgeglichenheit“, ergänzte Torge Greve, keinesfalls ein wortkarger Norddeutscher. Er und sein Torwart-Riese wichen der Frage, ob der VfL Bad Schwartau, der bis 2020 den Aufstieg ins Oberhaus als Ziel ausgeben hat, diese Option auch in der aktuellen Saison konsequent ziehen möchte, aus. „Ja, wir haben ambitionierte Ziele. Wir freuen uns über jeden Sieg, werden am Saisonende sehen, wozu es reicht. Neben den sportlichen Erfolgen muss aber auch die Struktur wachsen“, gab Torge Greve zu bedenken.

„Die Zahl unserer technischen Fehler war einfach zu hoch“
„Wir bewegen uns auf ganz dünnem Eis“, hatte Christoph Jauernik vor drei Wochen nach dem schweren Autounfall seines Rückraumspielers Marcel Schliedermann betont. Damit war es bittere Realität, gleich drei Rückraumspieler, also eine komplette Rückraumreihe, fällt bis Saisonende aus (Luther, Schliedermann, Richardt).  Die Heimsiege gegen den TuS Ferndorf (26:22) und die HSG Konstanz (28:26) glichen wahren Kraftakten, wurden Rückstände im Finish noch in einen Sieg umgewandelt.. Kurz vor dem Ende der Wechselfrist wurde die Verpflichtung des jungen 20-jährigen Rückraumspielers Toms Lielais von der SG Flensburg-Handewitt vollzogen. „Er soll Verschnaufpausen für Matthias Gerlich und Olafur-Bjarki Ragnarsson schaffen“, dämpften Manager Karsten Wöhler und Trainer Christoph Jauernik gleich die Erwartungshaltung an den lettischen Junioren-Nationalspieler. Im Teil 1 des Doppelspiel-Wochenendes schnupperte er schon mal Zweitbundesligaluft, doch da hatten seine neuen Teamkollegen einen wahren Paukenschlag bereits unter Dach und Fach, siegten bei der HSG Nordhorn-Lingen mit 30:25. Ein 60-minütiger Kraftakt verbunden mit einer 800-Kilometer-Busfahrt. Zwei Tage später folgte eine 22:26-Heimniederlage. Stachen in der Grafschaft noch alle Eisenacher Asse, griffen die Rädchen optimal ineinander, war gegen das Team aus der Marmeladenstadt Sand im Getriebe. Duje Miljak, in der Grafschaft noch 7 Treffer, blieb völlig torlos. Keeper Stanislaw Gorobtschuk vermochte seine starke Leistung nicht zu wiederholen. Aber auch die Kreativität im Positionsangriff fehlte, Dirk Holzner (im zweiten Abschnitt auf Linksau0en) bekam nur einen Ball, den er allerdings nicht unterbrachte. Ein präzise wie ein Uhrwerk tickender Tomas Urban, dessen Würfe von Rechtsaußen Sonderbeifall herausforderten, und ein erneut starker Marcel Niemeyer am Kreis (insgesamt 6 Treffer) waren über die Distanz zu wenig, zumal die Wartburgstädter kurz vor Beginn der Schlussviertelstunde Nicolai Hansen nach dessen 3. Zeitstrafe verloren. „Damit fehlte uns ein zentraler Abwehrspieler“,  vermerkte Christoph Jauernik. Er nannte auch die Zahl der technischen Fehler als viel zu hoch. „In der ersten Halbzeit waren es schon 9“, so der 32-jährige A-Lizenz-Inhaber. Aber auch in der Torwurfeffektivität sei sein Team nur zweiter Sieger geworden. Neuzugang Toms Lielais kam zu Kurzeinsätzen. Zu mehr reichte es noch nicht. „Bedingt durch das Doppelspiel-Wochenende konnte er nur vier komplette Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvieren“, warb Christoph Jauernik um Verständnis. Der Sieg des Teams aus Lübeck sei in der Summe verdient.

Die Auftaktviertelstunde ging an die Gastgeber
Seine Schützlinge liefen – im Gegensatz zu den letzten Heimspielen – keinem Rückstand hinterher, waren sofort in Angriff und Abwehr auf Betriebstemperatur, lagen 6:2 vorn (13.). Matthias Gerlich (mit Wurfkraft) und Olafur-Bjarki Ragnarsson (voll aus der Bewegung) hatten eingenetzt. Die Gäste hatten mit einer veränderten Startformation begonnen, „doch dann haben wir das Spiel angenommen“, zollte Coach Torge Greve seiner Crew ein Riesenkompliment. Christoph Wischnewski (über Rechtsaußen) und Oliver Milde (aus dem rechten Rückraum) ließen es nach einer Auszeit im Eisenacher Kasten klingeln. Aus dem von Marcel Niemeyer auf Steilpass von Stanislaw Gorobtschuk erzielten 9:7 (19.) wurde ein 10:11 (26.). Marcel Niemeyer glich aus. Der eingewechselte Keeper Jan-Steffen Redwitz bewahrte mit einem parierten Siebenmeter (von Sebastian Damm) seine Farben vor einem Halbzeitrückstand. „Wir versuchten schon vor dem Seitenwechsel Pausen zu organisieren“, vermerkte Christoph Jauernik, der auch – im Rahmen der limitierten Möglichkeiten – verschiedene Angriffs- und Abwehrwechsel praktizierte.

Im Finish sprachen Frische und Power für die Marmeladenstädter
Mit Intensität auf beiden Seiten ging es nach Wiederanpfiff weiter. Die Gäste hatten zunehmend ein Plus aus dem Fernwurfbereich. Wechselnde Rückraumformationen, mit dem starken Jan Schult, stellten Eisenachs Defensive immer wieder vor neue Aufgaben. Doch die Abwehr der Gastgeber rackerte mit Leidenschaft. Einen 11:13-Rückstand (33.) verwandelten die Eisenacher in eine in eine 16:15-Führung (40.). ES war der 5. Gerlich-Treffer, der auch sein letzter sein sollte. Der in das Gäste-Gehäuse eingewechselte Dennis Klockmann war fortan in der richtigen Ecke. Tomas Urban ließ mit seinen technisch gekonnten Treffern von Rechtsaußen die Hausherren auf den zehnten Doppelpunktgewinn in heimischer Halle hoffen (20:19, 47.). Doch das vorzeitige Aus für Nicolai Hansen hinterließ seine Spuren im Deckungs-Innenblock der Wartburgstädter. Nun war es Anton Metzner, der für die Gäste aus dem Rückraum traf, den Beweis für deren breiten Kader untermauerte (20:23, 53.). Mit ganz viel Willenskraft schafften Olafur-Bjarki Ragnarsson und Marcel Niemeyer den nochmaligen Anschlusstreffer (22:23, 54.). Oliver Milde, Marius Hansen und Antonio Metzner , der Schwartauer-Rückraum in der Endphase, ließ sich das Heft des Handelns nicht mehr entreißen. Die Eisenacher nutzten das veränderte Regelwerk, brachten den 7. Feldspieler. Markus Hansen traf ins verwaiste Tor zum 22:24 (56.). Ein Miljak-Ball landete neben dem Kasten der Norddeutschen (56.). Sebastian Damm netzte für die Gäste von Linksaußen zum 22:25 ein (57.). Sekunden später war VfL-Keeper Dennis Klockmann bei einer Gerlich-Fackel zur Stelle (58.). Die zweite Heimniederlage für den ThSV Eisenach, der sechste Auswärtssieg des VFL Bad Schwartau wurde zur Gewissheit. Die Gastgeber waren kräftemäßig am Ende. Die Gäste sicherten nun selbstbewusst den Doppelpunktgewinn, schlossen das Doppelspiel-Wochenende mit voller Punktzahl ab, liegen nun nur noch zwei Zähler hinter dem ersten Aufstiegsplatz. Der ThSV Eisenach verbleibt auf dem 7. Rang.

Statistik
ThSV Eisenach: Gorobtschuk (1.-24., 40.-60./ 7 Paraden- 20 Gegentore), Redwitz (24.-40./ 5 Paraden- 6 Gegentore), Iffert, Wöhler 1, Gerlich 5, Ragnarsson 4, Miljak Hansen , Urban 6/3, Holzner , Kaufmann, Lielais, Heinemann,  Niemeyer 6
VfL Bad Schwartau: Mallwitz (1.-40./ 8 Paraden- 14 Gegentore), Klockmann (bei 1 Siebenmeter, 40.-60./ 5 Paraden- 8 Gegentore); Milde 8, Podpolinski, Hansen 1, Ranke 2, Zimmermann 2, Waschul, Schult 1, Damm 3/1, Wischniewski 5, Schlichting, Metzner 4, Glabisch
Siebenmeter: ThSV Eisenach 3/3 (Urban verwandelt 2x gegen Mallwitz und 1x gegen Klockmann) / VfL Bad Schwartau 2/1 (Damm verwandelt 1x gegen Gorobtschuk und scheitert 1x an Redwitz)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 4x 2 Minuten, Rot Hansen 44., nach 3. ZS / VfL Bad Schwartau 1x 2 Minuten
Schiedsrichter: Buttke/Clausing
Zuschauer:  1733
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Urban, Niemeyer / VFL Bad Schwartau: Milde, Mallwitz
Spielfilm: 6:2 (13.), 10:10 (23.), 11:11 (27.), 11:13 (33.), 17:16 (41.), 20:19 (47.), 20:23 (53.), 22:23 (54.), 22:25 (57.), 22:26 (59.)

Titelfoto: Bad Schwartau starker Außen Christoph Wischnewski überwindet Eisenachs Keeper Jan-Steffen Redwitz.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Foto 2: Marcel Niemeyer, einer der besten Eisenacher, trifft per Heber auf Zuspiel von Matthias Gerlich zum zwischenzeitlichen 10:8 (21.). 

Andrea T. | | Quelle:

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