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 | Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel  / ThSV Eisenach

Beschreibung:
Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Sollten wir absteigen, wird es in Handball-Eisenach geordnet weitergehen

Auszeit mit Gero Schäfer, Präsident des ThSV Eisenach • Zunächst steht für den ThSV Eisenach ein Schlüsselspiel an

Noch ist für den ThSV Eisenach der erste Nichtabstiegsplatz in greifbarer Reichweite. Doch die Möglichkeiten zu punkten, werden weniger. Ein Schlüsselspiel dürfte die Partie am Freitag, 29.04.2016 in der Sparkassenarena Balingen werden, wenn der ThSV Eisenach bei der mitabstiegsbedrohten HBW Balingen-Weilstetten antreten muss (Anwurf 19.45 Uhr). Das Starensemble des THW Kiel biss sich an der Betonabwehr der „Galier von der Alb“ die Zähne aus, musste froh sein, mit einem 22:22 wenigstens einen Zähler zu retten. Der ThSV Eisenach unterlag am gleichen Tag, nach starker erster Halbzeit, beim TSV Hannover-Burgdorf noch klar mit 27:37.

Wir sprachen mit Gero Schäfer, Präsident des ThSV Eisenach, über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges:

Sie sind im vergangenen Jahr als Präsident zum zweiten Mal in die DKB Handball-Bundesliga aufgestiegen. Jetzt droht möglicherweise wieder der Abstieg. Wie gehen Sie damit um?
Nach dem Abstieg 2014 haben wir uns als Ziel den direkten Wiederaufstieg gestellt. Wir hatten den Kern der Mannschaft zusammen gehalten, verfügten über ein eingespieltes Team. Nach schlechtem Start haben wir mit Velimir Petkovic einen ganz erfahrenen Trainer verpflichtet, der mit Platz 2 am Saisonende den direkten Wiederaufstieg schaffte. Wir hatten Abgänge einiger namhafter Spieler zu Bundesliga-Spitzenteams (Bjarki Elisson, Dener Jaanimaa und Rene Villadsen) sowie Aivis Jurdzs zu verkraften. Bauend auf die langjährige Bundesligaerfahrung von Velimir Petkovic sind wir neun Abgängen mit der gleichen Zahl von Neuzugängen entgegengetreten. Aufgrund des reichhaltigen Erfahrungsschatzes von Velimir Petkovic sind wir davon ausgegangen, dass das erneute Unternehmen DKB Handball-Bundesliga gemeistert wird. Wie wir alle wissen, war Velimir Petkovic mit dem Team nicht auf Kurs. Wir haben Mitte März mit Gennadij Chalepo einen neuen Trainer verpflichtet. Wir hegen noch berechtigte Hoffnung, den Klassenerhalt zu schaffen. Falls dies nicht gelingt, werden wir geordnet in die zweite Bundesliga zurückkehren und versuchen, den erneuten Wiederaufstieg anzugehen.

Worauf führen Sie das sportliche Zitterspiel zurück, nachdem der Verein mit der Entlassung von Trainer Velimir Petkovic rechtzeitig die Notbremse gezogen hat?
Wie bereits in der Beantwortung der ersten Frage ausgeführt, haben uns mit dem Aufstieg 9 namhafte und langjährige Spieler verlassen. Diese haben wir durch größtenteils bundesligaunerfahrene Spieler, auch aus dem europäischen Ausland, ersetzt. Velimir Petkovic hat sich die Aufgabe zugetraut – und wir alle mit ihm! Nachdem unsere Mannschaft nach der Punktspielpause aufgrund der Europameisterschaft ohne jeglichen Einsatz, ohne Engagement, ohne Herz gespielt hat, mussten wir handeln. Unser neuer Trainer Gennadij Chalepo hat der Mannschaft wieder neues Leben eingehaucht, sie zum wichtigen Auswärtssieg beim TuS Nettelstedt-Lübbecke geführt.

Der ThSV Eisenach muss sich mit einem verdammt schweren Restprogramm auseinandersetzen, das fast kaum lösbar erscheint. Woran machen Sie ihre Hoffnungen fest?
Wir haben ein „hammerhartes“ Restprogramm. Ein Blick auf das Restprogramm der direkten Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt zeigt, es ist für alle nahezu gleich schwer. Im Sport stirbt bekanntlich die Hoffnung zuletzt. Beleg dafür war das jüngste Spiel von HBW Balingen-Weilstetten gegen den großen THW Kiel. Niemand hätte im Vorfeld der HBW Balingen-Weilstetten einen Punktgewinn zugetraut. Mein Glückwunsch!

Am 29. April reist der ThSV Eisenach nach Balingen, einem Kontrahenten, der ebenfalls um den Klassenerhalt bangt.  Da hilft doch nur ein Sieg weiter…?!
Wollen wir uns weiterhin berechtigte Hoffnungen machen, müssen wir am Freitagabend in der Sparkassenarena Balingen gewinnen. Da gibt es nichts herumzudeuteln. Wir sind uns bewusst, dass es ganz, ganz schwer wird. Wir gehen die Partie dennoch mit Optimismus an.

Wie sehen Sie – gerade im Falle eines möglichen Abstiegs – die sportliche und wirtschaftliche Zukunft des ThSV Eisenach?
Sofern wir absteigen, wird es in Handball- Eisenach geordnet weitergehen. Wir werden dann einige Spielerabgänge haben. Wir werden ebenso neue Spieler für  unseren Bundesligakader verpflichten. Derzeit sind wir auf einigen Positionen vielfach besetzt, das werden wir uns in der 2. Bundesliga nicht leisten können. Ich kann allen versichern, wir werden eine schlagkräftige Mannschaft zur Stelle haben. Wirtschaftlich haben wir in den letzten Jahren solide gearbeitet. Wir haben die Lizenz zum wiederholten Mal ohne jegliche Rückfragen, ohne jegliche Auflagen, von der Lizenzierungskommission der Handballbundesliga erhalten. Das spricht für unsere Arbeit!

Das Bundesligateam ist das Aushängeschild. Wie sieht es mit dem Unterbau im Verein aus?
Unsere A- Jugend spielt in der Jugendbundesliga, unsere B-Jugend in der Mitteldeutschen Oberliga, war dort im Vorjahr sogar Meister (und zusätzlich in der A-Jugend-Thüringenliga, wo sie gerade Silber eroberte), unsere C-Jugend in der Thüringenliga (nach 5 Meistertiteln in Folge hat diese Saison ein Punkt an der erneuten Meisterschaft gefehlt).  Unsere zweite Männermannschaft, überwiegend mit ganz jungen Spielern, ist im Tabellen-Vorderfeld der Thüringenliga der Männer zu finden. Im D-. E- und Minibereich verzeichnen wir einen verstärkten Zulauf, was uns besonders freut. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner SV Wartburgstadt Eisenach wecken wir über Schul-Arbeitsgemeinschaften bei Mädchen und Jungen das Interesse am Handball. Der ThSV Eisenach war einer der ersten Bundesligavereine, der die Jugendarbeit intensiviert hat, war einer der ersten Bundesligavereine mit einem Sportinternat. Aus diesem Projekt sind namhafte Spieler hervorgegangen, die aktuell in anderen Bundesligamannschaften zu den Leistungsträgern zählen (Stefan Kneer, Evgeni Pevnov, Till Riehn). Von unserer guten Nachwuchsarbeit profitieren nahezu alle Thüringer Handballvereine, was ein Blick auf deren Aufgebote belegt. In unserem aktuellen Bundesligakader stehen drei Spieler unserer eigenen Nachwuchsabteilung: Daniel Luther, Adrian Wöhler und Nick Heinemann. In der nächsten Saison werden mit Hannes Iffert und Jonas Richardt zwei eigene Talente in unseren Bundesligakader integriert und hoffentlich viele Spielanteile bekommen.

Zu Beginn der laufenden Saison hatte die Zuschauertribüne in der Werner-Aßmann-Halle für Wirbel gesorgt. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge, nachdem die HBL erst nach Erfüllung von Auflagen den Spielbetrieb in der Eisenacher Halle freigegeben hatte. Wie ist der Stand der Dinge?
Auf der zweiten Längsseite, gegenüber der Haupttribüne,  befand sich eine Wand, hinter der sich der Gymnastikraum befand. Die Erstligastandards fordern auf beiden Längsseiten mindestens 7 Zuschauer-Sitzreihen. Nach dem Wiederaufstieg im Vorjahr haben wir mit den Verantwortlichen der HBL verhandelt, um Heimspiele in Eisenach austragen zu können. Wir haben die besagte Wand eingerissen, auf über 20 Meter Breite ist eine Zusatztribüne mit mehr als 7 Sitzreihen entstanden. Die Kosten dafür in Höhe von ca. 150.000 € hat der ThSV Eisenach getragen. Mit dieser Maßnahme dürfen wir Heimspiele in der DKB Handball-Bundesliga in unserer Heimstätte austragen.
In den letzten drei Jahren habe ich persönlich, mit unserem Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler, gemeinsam mit unseren Mitstreitern im Gesellschafterkreis und Vereinsvorstand,  bei der  Thüringer Landespolitik und der Eisenacher Stadtpolitik erreicht, dass bis zum Sommer 2018 eine neue Spielstätte in der Kernstadt Eisenachs entstehen soll, mit einer Kapazität von bis zu 4.000 Zuschauern und allen umfänglichen Standards der DKB Handball-Bundesliga. Dabei hat uns geholfen, dass diese neu entstehende Halle auch für den Schulsport der Eisenacher Kernstadt genutzt werden soll. Dafür möchte ich allen Beteiligten meinen Dank aussprechen!

Sie sind jetzt seit 2009 im Amt. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus und worin sehen Sie die Herausforderung der nächsten Jahre?
Die Zwischenbilanz meiner 6 ½-jährigen ehrenamtlichen Wirkens an der Spitze des ThSV Eisenach und als Gesellschafter, seit November 2009,  ist ausgesprochen positiv. Im Mai 2009 hat der ThSV Eisenach als einziger Verein die Lizenz im ersten Gang nicht erhalten. Wir hätten zum 31.12.2009 die ThSV-Marketing-GmbH eigentlich abmelden müssen. Wir hatten großes Glück, dass sich unser langjähriger erfolgreicher Bundesligaspieler Karsten Wöhler per 01.01.2010 der Aufgabe als Geschäftsführer der ThSV-Marketing GmbH gestellt hat. So konnten wir – gemeinsam mit unseren Gesellschaftern, dem Vereinsvorstand und den Mitarbeitern unserer Geschäftsstelle – die wirtschaftliche und sportliche Basis für die so wichtige Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga im Jahr 2011 schaffen. Im Jahr 2013 und im Jahr 2015 gelang uns jeweils der Aufstieg in die DKB Handball-Bundesliga.
Die Herausforderung der nächsten Jahre ist, wie von der Thüringer Landesregierung und aus dem Eisenacher Rathaus signalisiert, dass wir eine neue Halle bekommen, die über 4.000 Zuschauern Platz bietet, mit einem entsprechenden VIP-Bereich, um mehr Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen regenerieren zu können. Die jüngste Beispiele Wetzlar und Gummersbach zeigen, was eine neue Spielstätte bewirken kann. Wir haben gelesen, auch in Balingen wird ein Projekt Hallenneubau angegangen, weil das derzeitige Fassungsvermögen der Sparkassenarena mit 2350 Zuschauerplätzen zu klein ist. Mit einer neuen Halle entstünden weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Ich wünsche HBW Balingen-Weilstetten auf diesem Weg viel Glück und Durchhaltevermögen!

Ihre Devise lautet, „den Ball flach halten“. Wie konkretisieren Sie dies im Fall ThSV Eisenach?
In der Vergangenheit habe ich das eine oder andere Mal von „Ball flach halten“ gesprochen. Wir haben keinen Grund abzuheben.  Das bedeutet, dass wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen können. Mit den Aufstiegen in die DKB Handball-Bundesliga haben wir das Optimum erreicht. Um uns beständig in Deutschlands erster Liga etablieren zu können, müssen wir unseren Etat von derzeit ca. 2,1 Millionen € um mindestens 1 Millionen € auf über 3 Millionen € aufstocken, um konkurrenzfähig zu sein; um über Jahre – wie HBW Balingen-Weilstetten – in der 1. Liga spielen zu können. Das haben unser Umfeld, unsere Sponsoren und unsere tollen Zuschauer aus ganz Thüringen und dem benachbarten Hessen verdient!

Vielen Dank und weiterhin eine glückliche Hand!

Meister in spe zu Gast beim ThSV Eisenach
Am Mittwoch, 04.05.2016 gastiert der mit internationalen Stars gespickte Tabellenführer und heißer Meisterschaftsfavorit,  die Rhein-Neckar Löwen,  in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle (Anwurf um 19.00 Uhr). In den Reihen der Gäste steht auch Stefan Kneer, der als Siebzehnjähriger im Trikot des ThSV Eisenach sein Erstbundesligadebüt feierte. Der Rückraumspieler will sich mit dem Meistertitel in Richtung HSG Wetzlar verabschieden. Mit dem überragenden Spielgestalter Andy Schmid sowie ihrer Flügelzange Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki sind die Rhein-Neckar Löwen ein schier übermächtiger Kontrahent. Den deutschen Meister in spe in Eisenach zu erleben, diese Chance bietet sich am Vorabend von Christi Himmelfahrt.

Eintrittskarten sind erhältlich im Ticketcenter online www.thsv-eisenach.de; in der ThSV-Geschäftsstelle, in allen Pressehäusern der Mediengruppe Thüringen und allen dem Ticket-Center angeschlossenen Verkaufstellen.

Hier der ThSV-Fahrplan bis zum letzten Spieltag
Freitag, 29.04.2016 um 19.45 Uhr: HBW Balingen-Weilstetten – ThSV
Mittwoch, 04.05.2016 um 19.00 Uhr: ThSV – Rhein Neckar Löwen
Samstag, 14.05.2016 um 19.00 Uhr: ThSV – FRISCH AUF! Göppingen
Samstag, 21.05.2016 um 15.00 Uhr: SG Flensburg-Handewitt – ThSV
Samstag, 28.05.2016 um 19.00 Uhr: ThSV  – THW Kiel
Sonntag, 05.06.2016 um 15.00 Uhr: MT Melsungen – ThSV

Foto: Gero Schäfer während seiner Festansprache zum 25-jährigen Vereinsjubiläum des ThSV Eisenach

Andrea T. | | Quelle:

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