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ThSV: Echter Konkurrenzkampf auf den Außenpositionen

Wer am Donnerstag bei geradezu tropischen Temperaturen die Werner-Aßmann-Halle dem kühlen Nass im benachbarten Sport- und Freizeitbad «aquaplex» vorzog, der wurde wahrlich nicht enttäuscht. Im Gegenteil! In einem letzten echten Test vor dem Pflichtspielstart in der nächsten Woche bot der ThSV Eisenach beim 27:19 (14:10)-Erfolg über Punktspielkontrahent HSC Coburg Kombinationen bester Güte und zeigte sich gut gerüstet für die Saison 09/10. «Die Zeit des Experimentierens ist vorbei. Wir haben über 60 Minuten das Tempo hochgehalten, wollten sehen, wo wir stehen», bilanzierte Maik Handschke, der den beim Sparkassencup verletzungsbedingt fehlenden Daniel Luther zumindest wieder für Abwehraufgaben zur Verfügung hatte. «Damit stand eine personelle Alternative mehr zur Verfügung, was sich sofort positiv auswirkte», fügte der Eisenacher Trainer hinzu.
Verzichten musste er aus Verletzungsgründen (Ferse) auf Girts Lilienfelds, dessen Part im rechten Rückraum zunächst der am Vortag das 37. Lebensjahr vollende Krisztian Szep-Kis und nach dem Seitenwechsel über weite Strecken der 19-jährige Paul Lipsky übernahm. Pavel Prokopec untermauerte einmal mehr – nicht nur wegen seiner 11 Tore – er ist der Regisseur, er ist der Kopf der Mannschaft. Positive Erkenntnis für Maik Handschke: Auf den beiden Außenpositionen besteht ein echter Konkurrenzkampf. «Dieser bringt uns als Mannschaft voran. Die Erstbesetzung ist dabei völlig offen», so Maik Handschke. Der in der jüngsten Vergangenheit mehrfach gescholtene Adrian Wöhler zeigte in der zweiten Halbzeit, dass mit ihm auf Linksaußen unbedingt zu rechnen ist. Seine Torwurfquote – vier Versuche, drei Treffer – unterstrich seine aufsteigende Tendenz. Mit Ähnlichem in der Offensive (!) konnte Alexander Schiffner in der ersten Halbzeit nicht aufwarten. Spektakulär, wie Adrian Wöhler nach Gorobtschuk-Parade per Flugeinlage das Leder sicherte (46.). Auf der Rechtsaußenposition liefern sich Martin Hoffmann und Nick Heinemann ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide überzeugen auch durch Balleroberungen in der Abwehr. «Wir wirkten insbesondere in der zweiten Halbzeit müde und geschlaucht; sicher auch auf das kräftezehrende Vortagsspiel vor eigenem Publikum gegen einen spanischen Toppclub zurückzuführen», befand Georgi Sviridenko, der Coach des HSC Coburg. Die Franken unterlagen tags zuvor REYNO DE NAVARRA SAN ANTIONIO aus Pamplona mit 25:28 (13:15).

Die Gäste stellten sich mit gegenüber dem Vorjahr völlig umgekrempelten Kader vor: Sieben Abgängen stehen vier – allerdings hochkarätige – Neuzugänge gegenüber. Für Georgi Sviridenko, der Coach wechselte von Erstbundesligaaufsteiger Düsseldorf auf die Coburger Bank, steht die Aufgabe, mit dem überaus namhaften erstbundesligaerfahrenen Kader (u.a. Ex-Auswahlspieler Christian Rose) um die Plätze 1 bis 5 zu spielen! So die Vorgabe von Coburgs Oberbürgermeister und Vereinspräsident Norbert Kastner.
Die Gäste, mit 2,02-Meter-Mann Vaclav Vrany (zuletzt Dukla Prag) am Kreis, Jonathan Rivera Vieco (einst Füchse Berlin) auf der Regieposition, Johan Andersson (Neuzugang vom Wilhelmshavener HV) im rechten Rückraum, entfachten sofort ein druckvolles Angriffsspiel, schalteten blitzschnell von Abwehr auf Angriff um, versenkten kaltblütig zum 2:6 (Vrany, 8. Min.). Das Signal für die Gastgeber, ihr Kombinationsspiel nach vorn auf Touren zu bringen, in der Abwehr kompakter zu stehen, die Angriffszüge der Gäste frühzeitig zu unterbinden. Nach einer Parade von ThSV-Keeper Radek Musil marschierte Krisztian Szep-Kis auf der rechten Seite zum 6:6-Ausgleichstreffer durch (12.). Die Einwechslung von Ex-Auswahlspieler Christian Rose brachte bei den Gästen nicht den erhofften Schwung. Nach einem Tempogegenstoß über Benjamin Trautvetter lochte Martin Hoffmann von Rechtsaußen zum 9:8 (20.) ein. Der ThSV-Angriffsmotor mit «Chef» Pavel Prokopec lief nun hochtourig, vielfach zu schnell für die Gäste, die sich nur regelwidrig zu helfen wussten. Pavel Prokopec traf per Strafwurf (nach Foul an Schiffner) zum 13:10 (29.), bediente Tomas Sklenak, der zum 14:10 (30.) einwuchtete.

Tempo war Trumpf
Ungebremst durch die Halbzeitpause, die brütende Hitze ignorierend, nun mit Stanislaw Gorobtschuk im Tor, Adrian Wöhler auf Links- und Nick Heinemann auf Rechtsaußen, zogen die Eisenacher weiter ihr temposcharfes Kombinationsspiel auf. Daniel Luther löste Pavel Prokopec für Abwehraufgaben ab, sodass dieser seine Kräfte voll in der Offensive entfalten konnte. Adrian Wöhler traf von Linksaußen zum 18:12 (39.). Mit zwei Kreisläufern, Trautvetter und Bitterlich, stürzten die Eisenacher ihre Gäste in die allgemeine Verunsicherung pur. Mit raffiniertem Heber erhöhte Nick Heinemann zum 20:13 (41.). Recht farblos blieb der Ex-Eisenacher Ronny Göhl auf Seiten des HSC Coburg. Der Rechtsaußen wurde allerdings auch kaum von seinen (neuen) Mitspielern einbezogen. Eine geradezu lehrbuchreife Ballstafette über mehrere Stationen schloss Benjamin Trautvetter mit dem Treffer zum 24:15 (47.) ab. Kraft- und saftlos wirkten die Gäste. Pavel Prokopec stellte mit seinem 10. Treffer einen 10-Tore-Vorsprung her (25:15, 49.). Die Gäste brachten ihren in der Vorsaison lange verletzt gewesenen langjährigen Torjäger Anton Lakisa (inzwischen 35), um den Angriffsdruck aus dem Aufbaubereich zu erhöhen. Doch das schaffte eigentlich nur Matthias Werner, der von der mittleren Aufbauposition mehrfach erfolgreich durchstartete und so die Höhe der Niederlage seiner Farben nicht in den zweistelligen Bereich kommen ließ. In der Schlussphase durfte sich beim ThSV Eisenach Alexander Schiffner auf der Regieposition probieren. Mit einem Kracher Marke Sklenak zum 27:19 (58.) wurde der Torreigen beendet. Auch, weil Eisenachs junger Schlussmann Stanislaw Gorobtschuk blendend gegen Coburgs Torjäger Anton Lakisa parierte. Mit reichlich Beifall dankten die knapp 200 Eisenacher Zuschauer für den optimistisch stimmenden Auftritt ihrer Mannschaft.

Statistik:
ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk (ab 31.); Hoffmann (2), Trautvetter (3), Lipsky, Sklenak (4), A. Wöhler (3), Lindner, Bitterlich (1), Schiffner, Luther, Heinemann (1), Prokopec (11/6), Szep-Kis (2)

HSC Coburg: Martinsen, Ho. Karapetjan, Selke; Werner (4), Göhl (1), Rose, Andersson (3/1), Kelm (1), Ha. Karapetjan (1), Lakisa (1), Kästner (2), Vrany (3), Kirchner, Rivera (1), Caillat (2)

Siebenmeter: Eisenach 8/6; Coburg 2/2
Zeitstrafen: Eisenach 2 x 2 Min.; Coburg 6 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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