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 | Bildquelle: © sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

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Bildquelle: © sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

ThSV Eisenach sagte mit überaus respektablem Auftritt Tschüß

Wartburgstädter unterliegen  im vorerst letzten Erstbundesligaspiel bei der MT Melsungen mit 25:31 (12:16)

Erneut wurde ein Kapitel Eisenacher Erstbundesligageschichte abgeschlossen. Die letzte Seite dieses wurde in der Rottenbach-Halle Kassel  geschrieben. Nach erneut nur einjährigem Intermezzo verabschiedete sich der ThSV Eisenach mit dem Nachbarschaftsvergleich bei der MT Melsungen zum 4. Mal aus dem Handballoberhaus. Gegensätzlicher konnten die Stimmungslagen nicht sein.

Die MT Melsungen, bei der der Ex-Eisenacher Rene Villadsen zum Torhütergespann zählt,  schwebt auf Wolke 7, überquert auf dem 4. Tabellenplatz (knapp hinter dem auf Rang 3 einkommenden Rekordmeister THW Kiel) die Ziellinie, sichert sich zugleich die Teilnahme am Europapokal. 4.300 Zuschauer  in der seit Tagen ausverkauften Heimstätte der MT Melsungen waren in Feierlaune.  Kontinuität im Kader, dadurch ein gewachsenes Mannschaftsgefüge und ein üppiges Budget, das hat Eisenachs Manager Karsten Wöhler, als kampfstarker Linksaußen im Trikot der Hessen in die 1. Bundesliga aufgestiegen, als Pfunde der MT Melsungen ausgemacht. Eine Fluktuation von 14 (!) Spielern innerhalb der letzten beiden Jahre beim ThSV Eisenach ist das Gegenteil von Kontinuität. Lediglich Daniel Luther, Adrian Wöhler und Nick Heinemann überlebten die personellen Kapriolen. Die Eisenacher Führungsmannschaft um den in der Vorwoche von der Mitgliederversammlung des Vereins mit großer Mehrheit wiedergewählten Präsidenten Gero Schäfer und Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler arbeitet emsig, um die wirtschaftliche Basis zu erhöhen, doch die Wartburgstädter mussten als einziges Team der Liga mit einem Etat von unter 2 Millionen auskommen. Das Budget der MT Melsungen bewegt sich bei 5, das des THW Kiel bei 10 Millionen Euro).

Beim im Sommer des Vorjahres in die DKB Handball-Bundesliga aufgestiegenen ThSV Eisenach, der seinen Kader (unfreiwillig und freiwillig) völlig umkrempelte, zeichnete sich nach der Heimniederlage im Februar gegen den TBV Lemgo der Weg ab. Kulttrainer Velimir Petkovic, kein Messias sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut, konnte die Mission mit einer nach seinen Wünschen zusammengestellten Mannschaft nicht lösen. Ein Wechsel auf der Kommandobrücke, Gennadij Chalepo kam im März, konnte das in Seenot geratene ThSV-Schiff nicht mehr in den sicheren Hafen steuern. Ein Abstieg mit Ansage. Die treu zur Mannschaft stehenden blau-weißen Fans reisten dennoch in großer Zahl und aber in wehmütiger Stimmung nach Kassel. Heißen die Reisepunkte in der nächsten Saison nicht Flensburg, Magdeburg, Gummersbach oder eben Kassel und Wetzlar, sondern Leutershausen, Konstanz, Wilhelmshaven  und Ferndorf. Zumindest die wieder auflebenden Derbys gegen Aue, Rostock, Dessau und Hüttenberg werden mit Spannung erwartet.

Nachwuchsfreuden im Hause Urban
Der Nachwuchs wurde täglich erwartet. Jetzt erblickte das Kind von ThSV-Linkshänder Tomas Urban und seiner Partnerin das Licht der Welt. Tomas junior ist 53 cm groß und wiegt 3910 Gramm. Er konnte also ganz entspannt in die Partie am Sonntagnachmittag gehen.

Viel Beifall für Absteiger von der Wartburg
Die Mannschaft von Tomas Urban wurde nach dem Abpfiff vom blau-weißen Anhang mit Beifall und Aufmunterung verabschiedet. Auch die Hausherren zollten für das leider absteigende Team aus dem benachbarten Bundesland herzlichen Beifall. Gerade die Fans waren eine Bereicherung für Deutschlands Eliteliga. Das Team verabschiedete sich mit einem respektablen Auftritt. Es hatte maßgeblich Anteil an einem überaus attraktiven Handball-Nachmittag in Kassel. Der gastgebende Tabellen-Vierte bezwang die Wartburgstädter letztendlich mit 31:25 (16:12). Derbys zwischen Melsungen und Eisenach wird es im nächsten Jahr um Punkte nicht geben.

Eisenacher verstecken sich nicht gegen mit körperlicher Präsenz auftrumpfende Hessen – Umjubelter Einstand von Hannes Iffert
Die MT Melsungen setzte auf ihr typisches Gesicht, auf körperliche Präsenz, weniger auf handballerischen Feinschiff. Timm Schneider, Momir Rnic  und Michael Müller wucherten mit den Pfunden ihrer körperlichen Überlegenheit. Die Eisenacher versteckten sich nicht, agierten keinesfalls ängstlich. Azat Valiullin kam für Abwehraufgaben auf das Parkett. Daniel Luther versenkte zum 1:2 (5.). Umjubelt im Eisenacher Fanblock der Einstand des jungen Hannes Iffert, Kapitän des von Christoph Jauernik betreuten Jugendbundesligateams des ThSV Eisenach. Die Fangemeine von der Wartburg lechzt förmlich nach eigenen Talenten in ihrer ersten Männermannschaft!   Jan-Steffen Redwitz parierte einen Sellin-Siebenmeter. Der befürchtete Einbruch kam auch nach dem 5:3 12. nicht. Dirk Holzner versenkte von Linksaußen zum 4. Eisenacher Treffer. Mit fortdauernder Spieldauer legte der im rechten Rückraum spielende Patrick Hruscak seinen Respekt ab. Die letztmalig in dieser Formation spielenden Eisenacher blieben dran. Der Ex-Eisenacher Rene Villadsen im Melsungen Kasten hatte bei Würfen von Dusko Celica und Patrik Hruscak das Nachsehen.  Dirk Holzner nutze einen Steilpass. Die Eisenacher setzten auf das spielerische Element. Dusko Celica besorgte den Anschlusstreffer (11:10, 23.). Großer Ärger im Eisenacher Lager, als die Schiedsrichter einen von Svetislav Verkic parierten Siebenmeter hinter der Linie gesehen haben wollten. Den protestierenden Eisenachern wurde der Ball abgesprochen, das Signal für die Gastgeber, nun mit Patrik Falgren als Spielgestalter,  zu einem Zwischenspurt mit Ballstafetten zu ihrem Außen Johannes Sellin zum 16:11 (29.). Patrik Hruscak  besorgte mit seinem 4. Treffer den Halbzeitstand (16:12).

ThSV Eisenach mit „Team der neuen Zeit“
Mit Wiederanpfiff begann die Jeffrey Boomhouwer-Show, der Tempogegenstöße zum 22:15 (39.) nutzte, insgesamt 11Bälle versenkte.  Eisenachs Angriffszüge wurden von den Hausherren gestoppt. ThSV-Coach Gennadij Chalepo griff zur grünen Karte, beruhigte seine Schützlinge,  nahm personelle Veränderungen vor. Er schickte ein „Team der neuen Zeit“ auf das Parkett, mit Tom Seifert auf Rechtsaußen und „Papa“ Tomas Urban im rechten und  Daniel Luther im linken Rückraum, Olafur Bjarki Ragnarsson  als Spielgestalter, Hannes Iffert am Kreis, Adrian Wöhler auf Linksaußen. Jan-Steffen Redwitz steigerte sich im Tor. Die Hessen vermochten nicht zu enteilen. Der nach Zürich wechselnde Branimr Koloper, von den Fans noch einmal gefeiert, trug sich in noch einmal in die Torschützenliste des ThSV Eisenach ein. Tom Seifert vollendete kess per Gegenstoß (44., 23:17). Adrian Wöhler ließ sich von einer Fahrkarte nicht entmutigen, netzte drei Bälle ein. Hannes Iffert nutzte Zuspiele von Daniel Luther zu zwei Treffern (52./59.). Bei den Hausherren durfte Jan Forstbauer nochmal ran, der beim Abschied zum 29:23 traf (55.).

Stimmungsvolle Verabschiedungen bei der MT Melsungen
Nach der Verabschiedung von Jan Forstbauer (im Vorjahr per Zweitspielrecht beim ThSV Eisenach, wechselt zum in der 3. Liga startenden HSV Handball),  Malte Schröder und Christian Hildebrand direkt nach dem Schlusspfiff auf dem Spielfeld, ging es mit einer großen Saisonabschlussparty im Freien weiter.  In der Hoffnung, bald wieder zu kommen, tauchten auch die blau-weißen Fans von der Wartburg mit ein.

Geheimnisse werden am Montag gelüftet
Der ThSV Eisenach will am Montag  die Entscheidung in der Trainerfrage für die nächste Saison bekanntgeben. Am Abend informiert die Stadtspitze im zuständigen Ausschuss des Eisenacher Stadtrates über den vorgesehenen Standort für den Bau einer neuen Halle, einer voll umgänglich handballerstbundesligatauglichen Spielstätte für den ThSV Eisenach.

Statistik
MT Melsungen: Sjöstrand, Villadsen; Sellin (3), Gola (2), Fahlgren (1), Schröder (1), Hildebrand (1), Danner (4), Ph. Müller (1), Boomhouwer (11/5), Rnic (1), Schneider (2), Vukovic (1), Vukovic (1), M. Müller (2)
ThSV Eisenach: Verkic, Redwitz;  Iffert (2),  Wöhler (3),  Luther (4),  Celica (2), Ragnarsson (2),   Schliedermann, Hansen, Urban (4/2),  Holzner (2),  Koloper (1),  Valiullin, Seifert,
Zeitstrafen: MT Melsungen 3 x 2 Min. / ThSV Eisenach 4 x 2 Min.
Siebenmeter: MT Melsungen 6/5 / ThSV Eisenach 2/2
Schiedsrichter. Schulze/Tönnies
Zuschauer: 4.300 in Kassel (ausverkauft)

Titelfoto: Abschied für Banimr Koloper (hier mit THSV-Schal)

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Foto 2: Sie waren eine Bereicherung für die 1. Liga: die blau-weißen Fans, hier zum Saisonausklang in der Rottenbach-Halle Kassel 

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Foto 3: ThSV-Kapitän Daniel Luther und das gesamte Team dankten den Eisenacher Fans 

Andrea T. | | Quelle:

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  • HUKL

    Und nun der kühne Sprung in`s kalte
    Wasser – Jauernik steht auf der Kommandobrücke!

    Während die in früheren Jahren die
    sehr gut besuchten Fußballer als unmittelbare Nachbarn und
    Dauerschlusslicht der Oberliga gerade fast unbemerkt wieder in die 6.
    Liga abstiegen, reichte es auch für die Handballer in dieser Saison
    leider nicht, die Klassenzugehörigkeit in der Eliteliga zu sichern!

    Waren es beim Melsunger
    Abschlusstreffen in der vollbesetzten Halle von Kassel die ersten
    Versuche, mehr den eigenen Nachwuchs zu integrieren, muss nun in
    Zukunft der Jugendtrainer uüberraschend selbst richtig ran! Vorerst ist aber erst
    einmal ein weiteres Kapitel der Eisenacher Erstligazugehörigkeit
    vermutlich auf Dauer vorüber. Aus meiner Sicht dürften die beiden
    in der letzten Woche wiedergewählten Hauptverantwortlichen des
    Eisenacher Vereines, Präsident G.Schäfer und
    Marketing-Geschäftsführer, K. Wöhler, den Hauptanteil besitzen,
    durch besonders gemeinsam mit „Aufstiegstrainer“ Petkovic
    getroffene Personalentscheidungen, die äußerst günstige Chance,
    mit relativ wenigen Punkten doch in der Eliteliga zu verbleiben,
    verpasst zu haben! Nun haben sie die undankbare Aufgabe, die weiter
    vertraglich gebundenen, aber nicht mehr gewollten Akteure wieder
    vorzeitig (gegen Geld) loszuwerden! Etwas übereilt scheint man im
    Eisenacher Handballlager zusammen mit den Mietgliedern zur allgemeinen Tagesordnung übergegangen zu sein! Mit einen nochmals gekürzten Etat wird alles ohnehin nicht
    einfacher!

    Weiterhin war von Nachteil, z.B. einen
    zu großen Spieler-Mix aus ca. 10 (!) Ländern zusammenzustellen, der
    vorzeitiger Trainerwechsel mit einem früheren Experten, der sich
    schon ein paar Jare im „Vorruhestand“ befand, brachte auch kein Glück. Der unnötige
    Streit mit den Herren der Handballliga wegen der lächerlichen
    Tribünen-Erweiterung zu Beginn der Saison blieb neben einem relativ
    hohen finanziellen Aufwand ein Desaster, da der komplexe Hallenneubau
    längst beschlossene Sache war. Die Benennung eines passenden
    Grundstückes durch die Eisenacher „Stadtoberen“ soll aber nun unmittelbar bevorstehen!

    Die weiterhin schwelende arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung wegen des
    sich schon seit einer Saison (!) in Leipzig wohlfühlenden Spieler
    Jurdzs trug auch nicht gerade zur inneren Ruhe bei, wie auch das
    Verlassen des Vereins von ca. 15 (!) Spielern innerhalb zweier Jahre!
    Im gleichen Zusammenhang verstehen übrigens selbst viele der
    eingefleischten Experten nicht, dass der Leipziger sehr erfolgreich
    aufspielende Club seinen Top-Torjäger Weber demnächst nach Wetzlar
    einfach ziehen lassen wird…….Auch das gibt es!

    Zurückbleiben und geknickt werden die
    treuen in blau/weißen Trikots zahlreich erschienenen Fans und ungenannten Helfer in allen möglichen Funktionen für den Verein , die bei den wenigen Hochs und kontinuierlichen Tiefs trotzdem immer zur
    Stelle waren! Vielleicht bringt ein Umdenken und der erneute, etwas
    doch auch ein wenig überraschende Wechsel in der sportlichen Leitung
    mit der Beförderung des 32-jährigen bisherigen Jugendtrainers
    Jauernik, den starken eigenen Nachwuchs bedächtig nach und nach mit
    einzubauen, wie schon erwähnt, erfolgreich im letzten Spiel z. B.bei
    H. Iffert aus der Jugend und anderen bei dem Abschlussspiel in
    Melsungen festzustellen war, den Traditionsverein schneller wieder
    nach oben als angenommen…..

    Die neue Truppe sollte möglichst auch sehr schnell vergessen, dass ihre Vorgängerkollegen dafür
    sorgten, als einzigste Mannschaft eine insgesamt vierstellige Anzahl
    von Gegentoren hingenommen zu haben und deshalb auch als „Schießbude
    der Liga“ bezeichnet wurde!

  • Stadtbewohner

    Abstieg und NIederlage werden hier noch als überaus respektabler Auftritt schöngeredet. Gehts noch?

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