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 | Bildquelle: Th. Levknecht

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Bildquelle: Th. Levknecht

ThSV Eisenach sieht seine Saisonziele in höchster Gefahr: Trennung von Trainer Eyjolfsson

Trennung von Trainer Adalsteinn Eyjolfsson nach 4 œ Jahren/ Neuer Coach wird am Dienstag präsentiert

Die Tabelle lügt nicht. Die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft beim ThSV Eisenach derzeit weit auseinander. Der Erstligaabsteiger tritt nicht nur auf der Stelle, er scheint seine Ziele bei aktuell 7:9 Punkten aus den Augen zu verlieren. Die Führungscrew sah sich zum Handeln veranlasst, beurlaubte Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Der Nachfolger soll schon in dieser Woche seine Arbeit aufnehmen
«Wir wollen keine kleinen Brötchen backen», hatte Kapitän Benjamin Trautvetter vor der Saison verkündet. «Am liebsten würde ich nach dieser Spielzeit wieder aufsteigen», ergänzte Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Präsident Gero Schäfer und Manager Karsten Wöhler waren da schon etwas vorsichtiger, sprachen von einem «Platz im oberen Tabellendrittel». Das nahm ihnen mancher im Umfeld schon übel. Die Erwartungshaltung unter der Fangemeinde ist hoch. Sie lechzt nach einer raschen Rückkehr ins Oberhaus. Schnell vergessen, dass Gero Schäfer und Karsten Wöhler vor einigen Jahren mit einem riesigen Schuldenberg die Geschäfte übernahmen, mit beharrlicher Arbeit die erfolgreiche Konsolidierung vorantrieben, sodass der Traditionsverein zum Jahresende schuldenfrei sein wird. Der ThSV
Eisenach schaffte mit Coach Adalsteinn Eyjolfsson die so wichtige Qualifikation für die eingleisige 2. Handballbundesliga und nach der Saison 2012/2013 den Aufstieg in die DKB-Handball-Bundesliga. Es wurde nur ein einjähriges Intermezzo, auch weil eine schier unglaubliche Langzeitverletztenmisere die Wartburgstädter heimsuchte.
Das Team blieb nach dem Erstligaabstieg bis auf die im Saisonverlauf verpflichteten Spieler (Pucelj, Vrazalic, Aguirrezabalaga) zusammen. Ein Kader aus nahezu durchweg erfahrenen Spielern und ein erquicklicher Etat nährte die Hoffnung im und um das handballbegeisterte Eisenach. Das Umfeld, bis weit ins Hessische gewachsen, schraubte die Erwartungshaltung hoch, Sehr hoch! Langzeitverletzungen von Leistungsträgern, Dener Jaanimaa und Tomas Sklenak (beide Kreuzbandriss) sowie Benjamin Trautvetter (Knie), spielten nur am Rande eine Rolle. Das Aufgebot besteht auch ohne die drei Stammkräfte aus gestandenen Handballern, angeführt vom Strategen Hannes Jon Jonsson, den Rückraumspielern Aivis Jurdzs, Girts Lilienfelds und Daniel Luther, dem in Angriff und Abwehr gleichermaßen starken Nicolai Hansen sowie dem Torhütergespann Villadsen/Gorobtschuk. Hinzu gesellten sich mit Marcel Schliedermann (vom VfL Bad Schwartau) und Jan Forstbauer (per Zweitspielrecht der MT Melsungen) erfolgreiche junge deutsche Spieler als Neuzugänge. Als Perspektivspieler für die Rechtsaußenposition wechselte Tom Seifert aus der Lausitz, vom LHC Cottbus, ins Thüringische.

Kantersieg an der Ostseeküste sorgte nicht für Souveränität
Der Saisonstart verlief mit einem 36:25-Sieg beim HC Empor Rostock optimal. Es folgten
zwei Heimniederlagen, gegen Nordhorn und TUSEM Essen. Es rumorte auf den Tribünen. Adalsteinn Eyjolfsson bekam zu spüren, er hatte kaum Kredit unter der Anhängerschaft. «Trainer -Raus»- Rufe und Pfiffe gegen das eigene Team, eine absolute Rarität in der Werner-Aßmann-Halle, die sonst heißblütig hinter ihrer Mannschaft steht. Nach einem Kantersieg in Hildesheim und einem 26:20 über Altmeister TV Großwallstadt «hatten sich alle wieder lieb». Scheinbar. Was dennoch blieb, war die Verunsicherung. Kleinigkeiten reichten schon aus, um «allgemeines Fracksausen» im Team auszulösen. Und das bei gestandenen, zum großen Teil international erfahren Spielern! Adalsteinn Eyjolfsson hatte selbst im Mai, als der Abstieg aus der Eliteliga längst Realität war, von der «längsten Saisonvorbereitung» gesprochen. Früchte dieser waren kaum zu sehen. Oder hatten sich die Spieler des ThSV Eisenach zu bequem eingerichtet?

Verunsicherung pur bei gestandenen Spielern
Bei den «Jungspunden» von Tabellenführer DJK Rimpar (im Schnitt 23 Jahre) vergeigten die Eisenacher in der Schlussphase eine 3-Tore-Führung und traten als Verlierer die Heimreise aus Würzburg an. «Wir verloren völlig unsere Linie», resümierte Adalsteinn Eyjolfsson zum Schlussabschnitt. Im Heimspiel gegen den TV Neuhausen reichte dann selbst eine 20:13-Führung eingangs der Schlussviertelstunde nicht zum Sieg (Endstand 26:26). Keine Pfiffe, vielmehr lähmendes Entsetzen unter den 1.600 Zuschauern. Was auch fehlte, war Kreativität, von dem erfolgreicher Handball lebt. Einen «Plan B» schien es nicht zu geben, wenn der Kontrahent sein System umstellte. Die Spieler versuchten kribbelige Phasen individuell statt als Kollektiv zu lösen. Das misslang. Dafür reicht die individuelle Klasse auch in der 2. Liga nicht aus.
Gelebt hat der ThSV Eisenach in den vergangenen Jahren von kompakter und robuster Abwehrarbeit. Der Deckungs-Innenblock mit Branimir Koloper, Nicolai Hansen, Daniel Luther oder Aivis Jurdzs im Zusammenspiel mit dem Torhüter war das Paradestück. Beim bis dato zuhause sieglosen ASV Hamm-Westfalen glich dann auch die Abwehr einem Torso. Der verletzte Stammkeeper Rene Villadsen, der zum Saisonende Eisenach in Richtung Oberhaus verlässt, wurde schmerzlich vermisst. Die Westfalen zirkelten den Wartburgstädtern 37 (!!) Bälle ins Netz. Die Abwehr-Haudegen bekamen keinen Zugriff. «Mal versagen wir im Angriff, mal versagen wir in der Abwehr. Das ist Ausdruck der mentalen Situation der Mannschaft», fasste ein niedergeschlagener Adalsteinn Eyjolfsson auf der anschließenden Pressekonferenz in der WESTPRESS arena zusammen. Es war der letzte öffentliche Auftritt des Isländers als Trainer des ThSV Eisenach. Kurz darauf informierten die in Hamm weilenden Verantwortlichen Gero Schäfer (Präsident) und Karsten Wöhler (Manager) zunächst Adalsteinn Eyjolfsson selbst und danach das Team über die Beurlaubung. Nach 7:9 Punkten sahen die Macher die Zielstellung akut in Gefahr. «Das Potential der Mannschaft und der einzelnen Spieler ist größer als die derzeit erreichten Ergebnisse», betonen beide in einer noch in der Nacht veröffentlichten Begründung für den Schritt. Eine 4 œ jährige Amtszeit von Adalsteinn Eyjolfsson als Trainer des ThSV Eisenach war vorbei.

Neuer Trainer wird bereits am Dienstag präsentiert
Bereits am Dienstag, 14.10.2014 wird der ThSV Eisenach seinen neuen Trainer vorstellen. Die Verantwortlichen waren folglich auf diesen Schritt vorbereitet. Der neue Coach wird seinen Einstand am Samstag, 18.10.2014 im Heimspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg geben (Anwurf: 19.30 Uhr).

Th. Levknecht

Frank Bode | | Quelle:

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