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Stefan Kneer schirmt Eisenachs Branimir Koloper ab. Löwen-Torwart Mikale Appelgren ist bereit, einzugreifen | Bildquelle: sportfotoeisenach

Beschreibung: Stefan Kneer schirmt Eisenachs Branimir Koloper ab. Löwen-Torwart Mikale Appelgren ist bereit, einzugreifen
Bildquelle: sportfotoeisenach

ThSV Eisenach war leichte Beute für die Rhein-Neckar Löwen

Beim fast auf den Tag genau vor zwei Jahren in Coburg ausgetragenen Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen kassierte der ThSV Eisenach, in völlig anderer personeller Besetzung und von Adalsteinn Eyjolfsson trainiert, eine rekordverdächtige 19:42-Pleite. Die Rhein-Neckar-Löwen befanden sich auf Titelkurs, mussten am Ende dem THW Kiel aufgrund des um zwei Treffern besseren Torverhältnisses den Vortritt lassen. Bei der Neuauflage am Himmelfahrtsvorabend, dieses Mal in einem echten Heimspiel, fiel das Endresultat nicht ganz so heftig aus, ließ en Deutlichkeit freilich erneut nichts vermissen. Der Fast-Absteiger unterlag dem angehenden Deutschen Meister mit 19:36 (10:17). „Neben dem Sieg war auch die Tordifferenz wichtig“, erklärte Löwen-Trainer Nicolai Jacobsen, sicher auch mit Blick auf die jüngere Geschichte. Er besserte mit seinem Team das ohnehin exzellente Torverhältnis weiter auf plus 187 auf (der mit zwei Punkten weniger im Nacken sitzende Verfolger THW Kiel hat plus 126 Tore). „Wir haben aber noch drei schwere Auswärtsspiele, bei den Füchsen Berlin, bei der HSG Wetzlar und beim SC DHfK Leipzig“, gab Nicolai Jacobsen auf die Anmerkung, der Meisterschaftszug habe richtig Fahrt aufgenommen und sei wohl kaum noch zu bremsen, zu bedenken.

Lob für Ex-Eisenacher Stefan Kneer
„Wir haben uns den Frust von der Seele gespielt“, erklärte Nicolai Jacobsen eingangs seiner Spielanalyse. Wenige Tage zuvor waren die Löwen bei ihrer 9. Final-Four-Teilnahme im nationalen Pokal zum 9. Mal mit leeren Händen von Hamburg nach Mannheim zurückgereist. Kapitän Uwe Gensheimer, beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus bereits von Autogrammjägern belagert und auch nach dem Spiel fleißig mit dem Stift, zeigte seine ganze Klasse. Der nach 10 Löwen-Jahren im Sommer nach Paris wechselnde Linksaußen sprühte nur so vor Spielfreude, versenkte 12 Bälle im Eisenacher Kasten. „Wir überzeugten mit gutem schnellen Handball, profitierten auch vom Zweikampfverhalten unseres Rückraumspielers Kim Eckdahl du Rietz“, konstatierte Nicolai Jacobsen. „Mit unserer 6:0- oder 5:1-Abwehr zwangen wir die Gastgeber zu vielen Fehlern“, argumentierte der Löwen-Trainer. „Stefan Kneer leistete in der Abwehr hervorragende Arbeit“, ergänzte er ganz rasch. Stefan Kneer kam einst als B-Jugendlicher aus dem heimischen Sinzheim ins Nachwuchsprojekt des ThSV Eisenach, bezog Quartier im ThSV-Sportinternat, schloss das Abitur mit einer Eins ab, debütierte als 17-Jähriger in der 1. Bundesliga, entwickelte sich stetig weiter (auch mit wohlgewählten Vereinswechseln) und steht nun als 30-Jähriger vor der Deutschen Meisterschaft.

Chalepo: Die Zahl unserer technischen Fehler war einfach zu hoch
„Wir haben auf ein besseres Resultat gehofft“, begann Eisenachs Trainer Gennadij Chalepo sein Statement zur Pressekonferenz. Die erste Halbzeit verlief für sein Team ja auch gar nicht so schlecht. Bis zum 10:14 (27.) blieb es in Reichweite zum haushohen Favoriten. Doch dann patzte ausgerechnet der championsleagueerfahrene Borut Mackovsek gleich drei Mal. Andy Schmid und Uwe Gensheimer dankten zum 10:17-Pausenstand. „Die Zahl unserer technischen Fehler war in beiden Halbzeiten zu hoch“, bekannte Gennadij Chalepo. Nach dem Seitenwechsel verlor sein Team dann völlig den Faden. Leicht und locker schraubten die Gäste, zur Freude des mitgereisten Anhanges, ihre Trefferausbeute in die Höhe. „Statt Spaß am Handball mit solchen Topstars zu entwickeln, verwandelten wir Respekt in Angst, ließen uns regelrecht abschlachten“, ärgerte sich Gennadij Chalepo. Keeper Svetislav Verkic verhinderte mit insgesamt 13 abgewehrten Bälle eine noch höhere Niederlage, verlor das Torhüterduell mit seinem Löwen-Kollegen Mikael Appelgren nur knapp, der es hinter einer kompakten Abwehr freilich leichter hatte.

Pressekonferenz (v.l.): Gennadij Chalepo (Trainer des ThSV Eisenach), Thomas Levknecht (Pressesprecher des ThSV Eisenach),    Nikolaj Jacobsen (Trainer der Rhein-Neckar Löwen)

Foto: sportpresseisenach

Und dennoch, Lichtblicke beim ThSV Eisenach
Gelungene Spielzüge zur Kreismitte, zu Nicolai Hansen, wie in der 16., 22., 38. und 41. Minute, waren bei den Eisenachern positiv zu vermerken. Ein Lichtblick ebenso, der nahezu 60-minütige Einsatz von Rückraumspieler Daniel Luther. Der Kapitän versuchte stets an den Ketten zu zerren. Er war wie auch Dirk Holzner über viele Wochen, ja nahezu Monate, auf die Wechselbank verbannt worden. Linksaußen Dirk Holzner, immerhin vor seinem Wechsel nach Eisenach einer der Top-Torjäger der zweiten Liga und auch mit vielen Tore unter der Wartburg gestartet, scheint auf dem Weg sein mehrwöchiges Bank-Trauma mit vier sicher verwandelten Siebenmetern und einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß zu überwinden. Mit Adrian Wöhler könnte er sich –mit zurückgekehrtem Selbstbewusstsein – in der kommenden Saison (wahrscheinlich beim Neuanfang in der 2. Liga) auf Linksaußen prächtig ergänzen.

Der Kapitän marschiert voran: Daniel Luther (ThSV Eisenach)

Foto: Fotostudio Gräbedünkel

Eisenach vergeigt besseres Pausenresultat
Die Eisenacher, die erneut verletzungsbedingt auf ihren Rückraum-Recken Azat Valiullin verzichten mussten, starteten mit einem Angriffs- und Deckungswechsel. Dusko Celica und Borut Mackovsek lösten Bogdan Criciotoiu und Olafur Bjarki Ragnarsson in der Defensive ab. Bei den Gästen kam für Regisseur Andy Schmid in der Abwehr Stefan Kneer. Die Rhein-Neckar Löwen schonten den an einer Bauchzerrung laborierenden Villaplana Gedeon Guardiola im Hinblick auf die anstehenden schwierigen Auswärtsaufgaben. Der Underdog setzte auf Tempodrosselung und hielt zunächst gut mit. Der in den Angriff aufschließende Dusko Celica traf zum 2:2 (7.), ein Bogdan-Criciotoiu-Ball zappelte zum 3:3 (9.), bei einem Daniel-Luther-Wurf zum 4:4 hatte Löwen-Keeper Mikael Appelgren das Nachsehen (11.). Kurz darauf blieb er im Siebenmeterduell mit Eisenachs Tomas Urban siegreich. Nicht ganz unerwartet, die Handballer aus Mannheim übernahmen das Kommando, clever, selbstbewusst und kaltblütig die Angriffe abschließend. Eine Augenweide die Angriffszüge auf Linksaußen Uwe Gensheimer. Er allein war schon das Eintrittsgeld wert! Bis zum 10:14 (27.), die Eisenacher hatten inzwischen Marcel Schliedermann auf die Regieposition beordert, blieben die Gastgeber dran, doch dann folgten gleich drei katastrophale Patzer, die Manager Karsten Wöhler die Zornesröte ins Gesicht trieben. „Dadurch versauten wir uns ein gutes Pausenresultat“, schimpfte der langjährige Bundesliga-Außen, seit 2010 verantwortlich im Management des Traditionsvereins.

Tabellenführer stillt Torhunger
Nach dem Seitenwechsel war dann schon mehr wie ein Klassenunterschied zu erkennen. Der Tabellenführer zelebrierte erfrischenden Handball gegen immer mehr konsternierte Gastgeber. Beim 12:22 (37.) durch Patrick Groetzky leuchte erstmals eine 10-Tore-Differenz auf. Leichtes Spiel für Andy Schmid, dem vielleicht weltbesten Spielgestalter, und seinen Teamkollegen. Beim ThSV Eisenach klappte kaum noch etwas. Zwischen der 41. und 55. Minute gelang kein Feldtor, lediglich Dirk Holzner vollendete von der Siebenmeterlinie. Die Rhein-Neckar Löwen trafen zum 15-Tore-Plus (15:30, Harald Reinkind 51.) und hatten weiter Appetit auf Tore. Eisenachs zaghafte Angriffszüge endeten spätestens bei Löwen-Keeper Mikael Appelgren, der vom hinter ihm postierten Gästeblock reichlich gefeiert wurde. Andy Schmid und Patrik Groetzky erhöhten auf 18:35 (58.). Dirk Holzner (Eisenach) und Kim Ekdahl du Rietz (Löwen) besorgten den Endstand. Eisenachs knapp 2.500-köpfige Fangemeinde unterstützte – trotz des klaren Rückstandes bis zum Schluss ihr Team. Aber auch die blau-weiße Anhängerschaft hätte sich ein – aus Eisenacher Sicht – freundlicheres Schlussresultat gewünscht. Sie genoss es, nochmals solche Weltklasse-Handballer live zu erleben….!

Statistik

ThSV Eisenach: Verkic (13 Paraden – 28 Gegentore), Redwitz ( 17.-30./ 2 Paraden – 8 Gegentore), Wöhler, Luther (2), Celica (2), Ragnarsson, Hruscak, Schliedermann, Hansen (4), Urban (1), Holzner (5/4), Koloper (1), Mackovsek (1), Criciotoiu (3)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (16 Paraden, 18 Gegentore), Ristovski ( bei einem Siebenmeter/ 0 Paraden – 1 Gegentor); Schmid (3), Gensheimer (12/2), Kneer, Haider Larsen, Pekeler (2), Groetzky (3), Reinkind (3), Petersson (6), Ekdahl du Rietz (7), Sigumansson, Steinhäuser

Siebenmeter:
ThSV Eisenach 5/4 (Urban scheitert 1 x an Appelgren, Holzner verwandelt 3 x gegen Appelgren und 1 x gegen Ristovski) Rhein-Neckar Löwen (Gensheimer verwandelt 2 x gegen Verkic)

Zeitstrafen:
ThSV Eisenach 4 x 2 Min. (Celija 2 x 2 Min., Hansen u. Urban je 2 Min.)
Rhein-Neckar Löwen 3 x 2 Min. (Kneer 2 x 2 Min., Pekeler 2 Min.)

Schiedsrichter: Hartmann/Schneider

Zuschauer: 2.456

Beste Spieler:
ThSV Eisenach: Hansen
Rhein-Neckar Löwen; Gensheimer, Ekdahl, Appelgren

Spielfilm:
4:4 (11.), 6:12 (21.), 10:14 (27.), 12:22 (37.), 15:24 (42.), 15:30 (52.), 19:36 (60.)

Steffen E. | | Quelle:

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