Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

ThSV Eisenach weiter auf Talfahrt

Wartburgstädter kassierten gegen den bis dato sieglosen Wilhelmshavener HV 25:26 (10:16)-Heimniederlage • Aufholjagd ohne Belohnung • Fans unterstützten ihre Team von der ersten bis zur letzten Sekunde

Fünfte Niederlage in Folge! Der eigentlich so heimstarke ThSV Eisenach kassierte nun sogar in der Werner-Aßmann-Halle eine 25:26 (10:16)-Niederlage gegen den bis dato sieglosen Wilhelmshavener HV (nur zwei Remis) und befindet sich im freien Fall. Die auf 1.300 Zuschauer geschrumpfte blau-weiße Anhängerschaft unterstütze ihr Team famos, auch nach dem frühzeitigen 5:12-Rückstand (22.). Im zweiten Abschnitt sah der ThSV Eisenach seine Aufholjagd mit dem 23:23-Ausgleichstreffer (Adrian Wöhler, 54.) – nach vorherigem Gerlich-Doppelpack – belohnt. Im Finish, nach dem 7. Treffer von Eisenachs Linkshänder Alexander Saul zum 24:24 (56.), nutzten die im Spielverlauf durch Verletzungen (Tobias Schwolow, Janik Köhler) und Disqualifikation (Duncon Postel) dezimierten Norddeutschen einen Ballverlust der Hausherren zum letztendlich siegbringenden 24:26 durch Kay Smits (58.). In den verbleibenden 132 Sekunden gelang es den Eisenacher nicht, die dritte Heimpleite im 3. Heimspiel der Saison abzuwenden.

Exakte Vorbereitung war Schall und Rauch auf dem Parkett
„Wir haben eine Halbzeit sehr guten Handball gespielt, in der zweiten bis zum Umfallen gekämpft“, strahlte Christian Köhrmann, der Coach des Wilhelmshavener HV. Eisenachs Trainer Christoph Jauernik und Routinier Duje Miljak waren sich einig, die exakte Vorbereitung auf das Angriffsspiel der Gäste wurde einfach nicht umgesetzt.

Wir wussten, wie wir Rückraumspieler Tobias Schwolow zu stoppen haben, doch der fiel frühzeitig verletzt aus. Wir waren im ersten Abschnitt nicht in der Lage, eine kompakte Abwehr zu stellen, ließen uns von Hinterläufern zum Kreis ausmanövrieren, schüttelte Duje Miljak, selbst mit einige Fehlern, den Kopf. Die individuelle Leistung im 6:0-Abwehrbereich hat gefehlt. Die Kooperation mit dem Kreisläufer konnten wir nicht unterbinden. Absprachen wurden erst ab der 31. Minute eingehalten, konstatierte ein niedergeschlagener ThSV-Coach Christoph Jauernik, der den eigenen Anhängern im Namen der Mannschaft für deren Unterstützung ausdrücklich dankte. Wir brauchten im zweiten Abschnitt zu viel Zeit zum Ausgleichstreffer, befand Duje Miljak.

Die Eisenacher Aufholjagd nach dem 16:21 (41.), basierend auf verbesserter Abwehrarbeit, wurde hauptsächlich vom nach einem schweren Autounfall erst vor zwei Wochen auf das Parkett zurückgekehrten Marcel Schliedermann initiiert. Erfolgreich das Kleingruppenspiel zwischen Rückraumspieler Matthias Gerlich und Kreisspieler Justin Mürköster, der den erkrankten Marcel Niemeyer nahezu über 60 Minuten vertrat. Justin Mürköster war der Beste seines Teams an diesem Abend. Belebendes Element im Eisenacher Angriff, der im Sommer vom SC Magdeburg gekommene Linkshänder Alexander Saul (7 Treffer). Die beiden Außen (Wöhler, Weyhrauch) wurden nur selten in Wurfposition gebracht. Eisenachs Spiel war erneut leicht ausrechenbar.

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Foto 2: Justin Mürköster, wohl der Breste Eisenacher an diesem Abend, bei einem seiner 5 Treffer.

Und wieder einmal: Die vorhandene Qualität nicht auf das Parkett gebracht

Der ThSV Eisenach ist ein Team mit hoher Qualität und breitem Kader. Man braucht sich nur mal die Namen vor Augen zu führen: angefangen bei zwei guten Torhütern, über den Rückraum mit Matthias Gerlich, Ibai Meoki, Duje Miljak, Alexander Saul und dem wiedergenesenen Marcel Schhliedermann,  Linksaußen Adrian Wöhler bis zu den Kreisspielern Marcel Niemeyer und Justin Mürköster sowie zu Rechtsaußen Willy Weyhrauch, hatte Christian Köhrmann im Vorfeld erklärt.

Zu sehen war davon freilich wenig. Wie aus dem eigenen Mannschaftskreis zuletzt kritisiert, der ThSV Eisenach war erneut nicht nin der Lage, die vorhandene Qualität auf das Parkett zu bringen. Die jungen Norddeutschen, nach dem Abgang einiger Leistungsträger und ohne jeglichen Profi, nahmen völlig verdient beide Punkte mit.

Gäste mit 7-Tore-Führung nach 22 Minuten

Den Bock umstoßen, den ersten Heimsieg landen, hieß das Motto der Eisenacher.

Einer Dublette zwischen Justin Mürköster und Matthias Gerlich entsprang das 2:1 (4.). Es sollte die einzige Führung des ThSV Eisenach bleiben. Janik Köhler, der Spielgestalter der Gäste, kurbelte mit Kreativität das Angriffsspiel seines Teams an. Bei Einläufern zur Kreismitte sahen die Gastgeber alt aus. Der Wilhelmshavener HV nutzte das zum 3:8 (16.) und gar 5:12 (22.). So einfach hatten sich die am Spieltag angereisten Gäste die Aufgabe nicht vorgestellt. Zwei Auszeiten und personelle Wechsel zeigten auf Seiten der Hausherren kaum Wirkung. Eine Seltenheit,  das gelungene Zusammenspiel zwischen Marcel Popa und Justin Mürköster (25.). Die Gäste, frühzeitig durch die Verletzung von Tobias Schwolow geschwächt, spazierten durch die Eisenacher Abwehr, netzten den Hausherren 16 Bälle binnen der ersten 30 Minuten ins Netz.

Im Finish ohne Fortune
Der Wilhelmshavener HV behielt auch nach Wiederanpfiff zunächst die Spielkontrolle (13:18, 36./ 16:21 (41.). Eisenachs Rückraum-Shooter Matthias Gerlich übernahm Verantwortung beim Torwurf. Nun blies der ThSV Eisenach, lautstark von den Rängen unterstützt, zur Aufholjagd. Für Gäste-Spieler Duncon Postel kam nach überhartem Einsteigen das vorzeitige Aus (48.). Beim 19:21, einem von Alexander Saul verwandelten Siebenmeter, sind die Eisenacher auf Tuchfühlung. Trotz misslungener Aktionen, sie fighteten beherzt. Auch nach dem 20:23 (51.). Marcel Schliedermann zerrt mit der ihn auszeichnenden Art und Weise an den Ketten. „Kämpfen und siegen“ skandierte die Werner-Aßmann-Halle. Das Team hatte verstanden! Ibai Meoki kam bei den Gastgebern zurück. Adrian Wöhler verwandelte von Linksaußen zum 23:23 (54.). Sollte der THSV Eisenach doch noch den Kopf aus der Schlinge ziehen? ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz, ab der 51. Minute wieder im ThSV-Kasten, kaufte dem frei vor ihm auftauchenden Sebastian Maas das Leder ab (55.). Die Halle kochte! Der Wilhelmshavener HV, nun auch ohne den sich eine Platzwunde zuziehenden Regisseur Janik Köhler, wankte, fiel aber nicht, nutzte mit der Mobilisierung seiner letzten Kräfte Eisenacher Fehler zum 24:26 (58.) und durfte kurz darauf mit seinem kleinen aber unüberhörbaren Anhang jubeln.

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Foto 3: Selbst Eisenachs Cheftrommler Manolo (Volker Staer) bleibt nur noch ein süffisantes Gesicht.

Statistik
ThSV Eisenach: Redwitz (1-16. und 52.-60./ 7 Paraden – 11 Gegentore), Gorobtschuk (16.-51./ 5 Paraden – 15 Gegentore); Iffert, Wöhler (2), Meoki (1), Gerlich (7), Miljak (2), Schliedermann, Richardt, Streckhardt, Popa, Mürköster (5), Weyhrauch (1), Saul (7/2)
Wilhelmshavener HV: Doden 1.-47. und 54.-60./ 8 Paraden – 20 Gegentore), Lüpke (47.- 54./ 1 Parade – 5 Gegentore); Ten Rutger, Maas (1), Lehmann, Kalafut (3), Smits (7/3), Postel (6), Vorontsov (4), Köhler (2), Kozul (1), Schwolow (1), Andrejew (1)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 2/2 (Saul verwandelt 2 x gegen Doden) Wilhelmshavener HV 4/3 (Smits verwandelt 2 x gegen Redwitz und 1 x gegen Gorobtschuk, Smits wirft 1 x gegen Redwitz ans Holz)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 2 x 2 Min. (Miljak, Schliedermann) Wilhelmshavener HV 3 x 2 Min. (Postel 2 x 2 Min., Vorontsov 2 Min.), Rot (Disqualifikation) Postel , 48.
Schiedsrichter: Arndt/Kobilke
Zuschauer: 1.317
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Mürköster  /  Wilhelmshavener HV: Smits, Postel
Spielfilm: 21:1 (5.), 5:12 (22.), 10:16 (30.), 16:21 (41.), 20:22 (49.), 23:23 (54.), 24:24 (56.), 24:26 (58.), 25:26 (59.)