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ThSV: Herbe Enttäuschung im Odenwald!

Lange Gesichter zum Punktspielstart beim ThSV Eisenach! Exakt eine Woche zuvor bejubelten sie an gleicher Stätte einen 33:27-Erfolg im DHB-Pokal, bei der Neuauflage tanzten indes die Spieler der TSG Groß-Bieberau nach dem Abpfiff ausgelassen, feierten ein 27:23 (12:11) über die Gäste aus Thüringen.
Eisenachs Trainer Maik Handschke hatte seine Schützlinge eindringlich vor einem um Punkte wesentlich leidenschaftlicher auftrumpfenden Odenwaldclub gewarnt. So richtig geglaubt, hatten sie das anscheinend nicht. «Bedingungsloser Kampf um jeden Ball über 60 Minuten; Groß-Bieberau fightete mit 110 bis 120 Prozent», hatte Maik Handschke als ein Plus der Gastgeber ausgemacht. Diese sicherten sich mehrfach im Bodenkampf das Leder, waren bei vom Tor zurückspringenden Bällen stets einen Tick schneller und beherzter.
Thomas Göttmann, der Coach der siegreichen Mannschaft, sah in der bedingungslosen Abwehrbereitschaft den Grundstein des Sieges seines Teams. «Fünf Tage harte Arbeit nach der Pokalniederlage haben sich ausgezahlt. Es war eine bravouröse Kollektivleistung», bilanzierte ein aufgekratzter Thomas Göttmann. Beim Pokalsieg glänzten die Eisenacher mit 25 Treffern aus dem Rückraum; um Punkte erlaubten die Gastgeber jedoch nur noch 8 Treffer aus der zweiten Reihe. Frühzeitig wurden Eisenachs Rückraumspieler gestellt, konnten nicht bei hohem Tempo rotieren. Bei Girts Lilienfelds und Daniel Luther hemmten offensichtlich Trainingsrückstände. TSG-Torhüter Felix Beck zeigte sich zudem gut eingestellt auf die Würfe der Eisenacher. «Den mit Tomas Sklenak, Pavel Prokopec, Girts Lilienfelds und Krisztian Szep-Kis klangvoll besetzten Eisenacher Rückraum ließen wir nicht zur Entfaltung kommen», resümierte TSG-Trainer Thomas Göttmann mit Stolz. Sein Rückraumspieler Dennis Rybakov (9 Treffer) setzte sich hingegen immer wieder kraftvoll und erfolgreich in Szene. Zu wenig nutzten die Eisenacher ihre vorhandenen spieltechnischen Vorzüge über alle drei Kreispositionen. Die Eisenacher Spieler bauten anscheinend – analog dem Pokalspiel eine Woche zuvor – auf einen Kräfteabfall der Gastgeber, um in der Schlussviertelstunde auf der Überholspur davonzuziehen. Ein folgenschwerer Trugschluss! In einer Partie bis in die Schlussminuten auf Augenhöhe (23:22, 53.) stotterte der ThSV-Motor auf der Zielgeraden, zogen die Hausherren vielmehr entscheidend auf 26:22 (58.) davon. Der Eisenacher Rückraum, von zuletzt gezeigter Ballsicherheit ein gehöriges Stück entfernt, lieferte in der Schlussphase mit Ballverlusten die Vorlagen zu Tempogegenstößen, die der kleine pfeilschnelle Rechtsaußen Felix Kossler per Tempogegenstoß zu den big points nutzte. Wenig hilfreich, das Lamentieren um sicherlich keineswegs zweifelsfreie Schiedsrichterentscheidungen, statt des Zurücklaufens in die Abwehr. «Das war schon ein kleiner Rückfall», bilanzierte Maik Handschke, der auf Disziplin und Respekt im Umgang mit den Unparteiischen pocht. «Das werden wir innerhalb der nächsten Woche knallhart ansprechen, um einer Wiederholung vorzubauen», erklärte der ThSV-Coach.

Stanislaw Gorobtschuk rechtfertig Vertrauen des Trainers
«Mit der Leistung der Vorwoche hatte sich Stanislaw Gorobtschuk verdient, im Tor zu beginnen», begründete ThSV-Coach Maik Handschke seine Entscheidung für den Neuzugang aus Gummersbach. Der 21-jährige Keeper bedankte sich sogleich für das Vertrauen, kaufte im großen Stil frei vor ihm auftauchenden Gegenspielern (3./4.) das Leder ab. Bei ihm konnten sich seine allzu sorglos agierenden Vorderleute bedanken, dass sie nicht deutlicher in Rückstand gerieten. Kapitän Pavel Prokopec, bei einem an der Lattenunterkante und ins Feld zurückspringenden Siebenmeter mit Pech (5.), vermochte zunächst nicht in die Häuptlingsrolle zu schlüpfen. Nicht zimperlich, von den Unparteiischen toleriert, die rustikale Gangart der Einheimischen. Nach Foulspiel an ihm selbst verwandelte Benjamin Trautvetter vom Punkt zum 4:4 (12.). Wie die Abwehr auszumanövrieren ist, zeigte die 14. Minute: Martin Hoffmann lief im Rücken der Abwehr von Rechtsaußen zur Kreismitte ein, hob ein Prokopec-Zuspiel zum 5:5 (13.) ins Netz. TSG-Schlussmann Felix Beck blieb gegen Pavel Prokopec (15.) und Girts Lilienfelds (17.) Sieger. ThSV-Schlussmann Stanislaw Gorobtschuk blieb im Duell mit dem völlig freien Maximilian Schäfer (der allerdings nach dem Seitenwechsel erfolgreich über Linksaußen abschloss) Sieger (17.). Doch die ThSV-Defensive kam bei einem zurückspringenden Ball mal wieder zu spät, Alexej Rybakov setzte zum 8:5 (18.) nach. Zu viele Angriffsaktionen der Eisenacher liefen über die Mitte. Erfolgreicher war es über Außen, wie beim Anschlusstreffer von Alexander Schiffner (9:8, 24.). Zunächst patzte der eingewechselte Daniel Luther, öffnete Maximilian Schubert die Tür zum 11:9 (28.), nahm dann aber erfolgreich Maß zum 11:10 (29.). Zehn Sekunden vor der Sirene wurde während einer Auszeit der letzte Spielzug besprochen, den Martin Hoffmann dann auch zum Pausenstand (12:11) von Rechtsaußen einlochte.

Leidenschaftlicher «Dorfclub» zwingt ThSV Eisenach in die Knie
Die zweite Spielhälfte begann mit dem ersten Prokopec-Treffer (31.zum 12:12) und viel Hoffnung im Eisenacher Lager. Stanislaw Gorobtschuk parierte im großen Stil gegen Andreas Neumann (34.), im Gegenzug landete ein platzierter Prokopec-Ball zur ersten ThSV-Führung im Netz (13:14, 35.). Till Bitterlich, nun im Angriff am Kreis, schloss eine Ballstafette zum 14:15 (38.) ab. Bahnte sich eine Wiederholung der Vorwoche an? Die Eisenacher selbst sorgten für die verneinende Antwort! Bei einem laschen Lilienfelds-Wurf hatte TSG-Keeper Felix Beck keinerlei Schwierigkeiten. Dann leitete ein Zuspielfehler einen Tempogegenstoß zum 16:15 (Schubert, 40.) ein. Florian Bauer legte zum 17:15 (41.) nach. Leidenschaftlich, in Abwehr und Angriff, ließen sich die Odenwalder die Führung nicht mehr entreißen. In Unterzahl marschierte Dennis Rybakov zum 18:16 (42.) durch. Eine technische Delikatesse der 18. Eisenacher Treffer, resultierend aus einer Dublette zwischen Pavel Prokopec und Benjamin Trautvetter (19:18, 46.). Die TSG Groß-Bieberau antwortete mit Kampf um jeden Ball, hechtete regelrecht nach dem Leder. Maximilian Schubert ließ im Nachsetzen dem nach 46 Minuten eingewechselten Eisenacher Torhüter Radek Musil beim 22:20 (48.) keine Chance. Pavel Prokopec traf zum neuerlichen Anschlusstreffer. Der Ausgleich fiel nicht, weil ein Szep-Kis-Ball abgeblockt wurde, ein Sklenak-Ball nur ans Holz klatschte. Tomas Sklenak traf dann doch zum neuerlichen Anschlusstreffer für die Wartburgstädter (23:22, 53.). Die Zeit der Entscheidung war herangereift. Nach dem 9. Treffer von Dennis Rybakov zum 24:22 (54.) und einem ThSV-Abspiel ins Seitenaus zückte Eisenachs Trainer Maik Handschke die grüne Karte. Auszeit. Anweisungen für die Schlussphase. Doch die Eisenacher patzen. Ein Schlagwurf von Krisztian Szep-Kis sieht TSG-Torhüter Felix Beck auf dem Posten. Dann lassen sich die Eisenacher von den rustikal agierenden Platzbesitzern gleich doppelt das Leder abluchsen, Ausgangspunkt für die erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstöße zum 26:22 (58.). Die Entscheidung! Es passte richtig ins Eisenacher Bild des Tages, dass sich TSG-Keeper Felix Beck einen miserablen Trautvetter-Strafwurf-Heber mit Leichtigkeit angelte (60.), bevor der große Freudentaumel in den Reihen der TSG Groß-Bieberau ausbrach. Mit hängenden Köpfen verließen der ThSV Eisenach und seine zutiefst enttäuschten mitgereisten Anhänger die Stätte der Ernüchterung. «Ich hoffe, diese Partie hat eine heilsame Wirkung. Bundesligaalltag ist knallhart. Da muss von der ersten bis zur letzten Minute mit vollem Einsatz gekämpft werden», so der Abschlusskommentar von Maik Handschke. Dieser leidenschaftliche Kampf wird am kommenden Samstag, 12.09.09 besonders gefragt sein, wenn mit dem Bergischen HC zum ersten Heimspiel gleich der Topfavorit auf den Titel in der Werner-Aßmann-Halle gastiert (Anwurf 19.30 Uhr). Tickets bereits im Vorverkauf erhältlich!

Statistik:
TSG Groß-Bieberau: Beck, Hummer; Göbel, Knobloch (1), Laurencz (1), A. Rybakov (2), Konrad (2), Schellhaas, Bauer (3), Neumann (1), Gerber, Schubert (5), D. Rybakov (9/3), Kossler (3)

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Musil (ab 46.); Hoffmann (4), Trautvetter (7/4), Sklenak (3), A. Wöhler, Luther (1), Bitterlich (1), Schiffner (2), Lindner, Heinemann, Lilienfelds, Prokopec (4), Szep-Kis (1)

Siebenmeter: Groß-Bieberau 3/3; Eisenach 6/4

Zeitstrafen: Groß-Bieberau 2 x 2 Min.; Eisenach 2 x 2 Min.

Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Neuried/ Offenburg)

Rainer Beichler | | Quelle:

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