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ThSV: Nur haarscharf an einer Überraschung vorbei

«Wer ist denn hier der Tabellenführer», fragten sich nicht wenige der 719 Zuschauer in der Sporthalle Ratingen-West. Nicht der haushohe Favorit, der Aufstiegsanwärter Nummer 1, die HSG Düsseldorf, sondern der Außenseiter aus Thüringen, der ThSV Eisenach, bestimmte über weite Strecken das Geschehen. Besonnen im Angriff, das Tempo urplötzlich forcierend, heizten die Eisenacher der besten Abwehr der Liga gehörig ein.
«Wir warteten geduldig auf unsere Wurfchance», freute sich Eisenachs Trainer Maik Handschke über die Fortsetzung des Lernprozesses. Nur fünf technische Fehler sprachen für den ThSV Eisenach. Dessen Trainer lag goldrichtig, den jungen Andreas Nositschka zunächst im Tor aufzubieten. Im Zusammenspiel Abwehr und Torwart wurden die Angriffe der Hausherren gestoppt. «Auf den Halbpositionen hatten wir im Deckungsverband jedoch einige Wackler», hatte Maik Handschke ausgemacht. Die Eisenacher lieferten dem Spitzenreiter einen offenen Schlagabtausch auf Augenhöhe, der jedoch nicht belohnt wurde. «Der große Wermutstropfen, unsere famose spielerische, taktische und kämpferische Leistung fand in Punkten keinen Niederschlag», stand Maik Handschke unmittelbar nach dem Abpfiff die Enttäuschung im Gesicht. Der Ligakrösus zitterte sich zu einem 30:28 (13:15)-Erfolg, marschiert zumindest vom Ergebnis her und angesichts der vielfachen Patzer der Konkurrenz schnurstracks in Richtung Oberhaus. «Unsere Leistungskurve zeigt nach oben. Wir werden weiter konzentriert arbeiten», versprühte Eisenachs Trainer Maik Handschke am Morgen danach schon wieder Optimismus. «Eine bessere Ausbeute vom Punkt hätte uns wahrscheinlich nicht mit leeren Händen losfahren lassen», erklärte er zurückblickend. Von fünf Strafwürfen zappelten nur zwei im Netz. In der entscheidenden Schlussphase, beim Stand von 26:25 für Düsseldorf, scheiterte Pavel Prokopec vom Punkt an Düsseldorfs Ausnahmekeeper Almantas Savonis (56.). Statt des möglichen Ausgleichtreffers markierte im Gegenzug Valdas Nivickis das 27:25 (57.) für die Gastgeber. Doch die Eisenacher fighten unbeeindruckt weiter. Pavel Prokopec und Tomas Sklenak kurbelten das Angriffsspiel an. Benjamin Trautvetter (27:26, 57.) und Pavel Prokopec (28:27, 58.) trafen jeweils zum Anschlusstreffer. Beim Stand von 29:27 wurde Tomas Sklenak auf dem Weg zum neuerlichen Anschlusstreffer durch einen Pfiff der Schiedsrichter gestoppt (59.) Die Unparteiischen Kopf/Zimmerschmied (Dexheim/Wiesbaden) hatten ein Stürmerfoul gesehen; wohl aber eher einen Bonus für den Tabellenführer verteilt. Das Tor von Martin Hoffmann in der Schlussminute kam zu spät. Georgi Sviridenko, der Düsseldorfer Coach, war heilfroh, beide Punkte auf der Habenseite verbuchen zu können: «Unsere Leistung war alles andere wie optimal. Wir müssen künftig vieles besser machen.» Die Gäste vom Fuße der Wartburg verließen zumindest als moralische Sieger die Halle, dürften Selbstvertrauen für das so bedeutungsvolle thüringisch-fränkische Nachbarschaftsderby am Samstag, 20.12.08 um 19.30 Uhr gegen den HSC Coburg getankt haben.

Eisenacher Tempowechsel waren Gift für die Düsseldorfer Deckung
Beide Teams starteten mit dicht gestaffelten Deckungsreihen. Nach fünf Minuten stand es 1:1. Mit Tempowechseln rissen die Eisenacher in der Folge Lücken in den Deckungsverband der Hausherren. Rotation auf allen drei Rückraumpositionen, verbunden mit personellen Wechseln, die Eisenacher sorgten für vielfache Überraschungsmomente. Maik Handschke von 1990 bis 1992 als Aktiver im Düsseldorfer Trikot genau in dieser Halle am Ball, hatte das richtige Rezept gefunden, seine Schützlinge setzten es um. Philipp Emmelmann löste erneut Girts Lilienfelds für Abwehraufgaben ab. Pavel Prokopec wuchtete zum 2:4 (9.) ein. Die Hausherren setzten auf den Ex-Eisenacher Andrej Koutchev (im Sommer aus Melsungen gekommen), der aus dem rechten Rückraum wuchtig abzog. Mit schnellen Ballstafetten, ab der 13. Minute von Alexander Schiffner initiiert (!!), narrten die Eisenacher die Düsseldorfer. Pavel Prokopec bediente den sich rasch von seinem Gegenspieler lösenden Benjamin Trautvetter, der zum 4:7 versenkte (14.). Leichtfüßig tänzelte Alexander Schiffner die körperlich robuste Abwehr der Einheimischen im Doppelpack zum 7:10 (20.) aus. Frank Berblinger und Marcel Wernicke drückten in den Düsseldorfer Reihen nach einer Auszeit auf das Tempo, trafen zum 10:10-Ausgleich (22.). In Person von Daniel Luther hatten die Eisenacher die richtige Antwort, der aus dem linken Rückraum zum 11:12 (25.) abzog. Karsten Wöhler zeichnete sich für die 2-Tore-Führung unmittelbar vor der Halbzeitpause (13:15) verantwortlich.

Offener Schlagabtausch auf Augenhöhe
Gedanklich wohl noch in der Kabine kassierten die Wartburgstädter nach Wiederanpfiff vier Treffer in Folge (17:15). Düsseldorfer Deckungsumstellungen, Sturla Asgeirsson als «Speerspitze», störten Eisenachs Spielaufbau. Maik Handsche griff rasch zur grünen Karte, gab neue Richtlinien aus. Mit Erfolg! Alexander Schiffner und Karsten Wöhler, kurz zuvor noch am Innenpfosten gescheitert, trafen zum 17:17 (38.). Andreas Nositschka fischte gedankenschnell einen Heber herunter. Ein offener Schlagabtausch auf Augenhöhe war angesagt. Der Tabellenführer zeigte sich beeindruckt und genervt. Torhüter Matthias Puhle kassierte wegen Meckerns eine Zeitstrafe. (42.). Der Hallensprecher betätigte sich als Einpeitscher, der Manager forderte das Publikum gestenreich um Unterstützung für das eigene Team auf. Eisenachs Martin Hoffmann steuerte völlig allein den Düsseldorfer Kasten an, scheiterte aber. Den Abpraller schnappte sich Benjamin Trautvetter und drückte das Leder zum 19:20 (43.) über die Linie. Die Düsseldorfer, inzwischen mit Andrej Kogut in der Regierolle, suchten über Kreisspieler Patrick Fölser den Torerfolg (21:21, 47.). Auf Seiten der Eisenacher explodierte nun Tomas Sklenak aus dem linken Rückraum (23:23, 50.) und schmetterte das Leder auch zum 24:25 (52.) ins Netz. Er und Pavel Prokopec hielten die Eisenacher Angriffsfahne oben. Doch dann mussten Philipp Emmelmann und Alexander Schiffner kurz hintereinander auf die Bank. In Unterzahl wussten sich die Eisenacher nur regelwidrig zu helfen. Frank Berblinger verwandelte vom Punkt gegen Radek Musil, scheiterte an Andreas Nositschka, versenkte dann einen Tempogegenstoß zum 26:25 (55.). Eine spannungsgeladene Schlussphase war eingeläutet…

Staistik
HSG Düsseldorf: Savonis, Puhle; Heinrichs (3), Berblinger (8/3), Pöter, Ramota, Fölser (4), Novickis (2), Koutchev (4), Wernicke (1), Sulc (5), Asgeirsson
ThSV Eisenach: Nositschka, Musil (ab 40.); Hoffmann (1), Trautvetter (4), Sklenak (6), A. Wöhler, Luther (2), Emmelmann, Schiffner (3), K. Wöhler (3/1), Lilienfelds (2), Jauernik, Prokopec (7/1), Szep-Kis
Siebenmeter: Düsseldorf 4/3 – Eisenach 5/2
Zeitstrafen: Düsseldorf 6 x 2 Min./ Rot gegen Heinrichs (60.); Eisenach 4 x 2 Min.

Rainer Beichler | | Quelle:

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