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 | Bildquelle: Levknecht

Beschreibung:
Bildquelle: Levknecht

Überraschung gelungen!

Darüber gab es nach dem Abpfiff im Euregium Nordhorn und in der anschließenden Pressekonferenz keine zwei Meinungen: Der ThSV Eisenach landete einen verdienten 30:26 (15:14)-Auswärtserfolg bei der HSG Nordhorn-Lingen.

Für die Gastgeber ging damit eine zehnmonatige Erfolgsserie in eigener Halle zu Ende. Das ist sehr schmerzvoll. Der ThSV Eisenach musste dieses Gefühl erst kürzlich verarbeiten.
«Ich wünsche Euch nicht viel Erfolg», hatte Jochen «Scholle» Fratz, eine deutsche Handball-Legende (u.a. TUSEM Essen und HSG Nordhorn), jetzt im Nachwuchs-Trainerstab der HSG Nordhorn, den mitgereisten sieben Eisenacher Fans augenzwinkernd zugerufen. Diese wurden dann für die 800-Kilometer-Tour bestens honoriert. Der Wunsch des ehemaligen Torjägers und Nationalspielers ging nicht in Erfüllung!

ThSV-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson hatte in die Taktikkiste gegriffen, seiner Crew ein neues Abwehrkonzept geschneidert und – das war das Wichtigste – das auch passte. Grundstein des Erfolges war ein offensiv ausgerichtetes Abwehrsystem mit den Neuzugängen Duje Miljak und Branimir Koloper an zentralen Stellen, auf das die Gastgeber über die Distanz keine passende Antwort fanden. «Unsere kompakte 3:2:1-Deckung, diszipliniert umgesetzt, war spielentscheidend. Nordhorn kam dadurch nicht zum gewohnten Spielfluss. Wir haben stets die Ruhe bewahrt, geduldig gespielt und verdient beide Zähler erobert», bilanzierte ein aufgekratzter Eisenacher Trainer Adalsteinn Eyjolfsson.
«Im Vorwärtsgang unterliefen uns zu viele technische Fehler», resümierte Heiner Bültman, der Coach der HSG Nordhorn. Dies hatte sicherlich auch mit der Abwehrarbeit der Thüringer zu tun! Die hatten letztlich alles richtig gemacht; auch mit der Anreise am Vortag. «Wir waren also optimal vorbereitet. Jeder hat seinen Teil zum mannschaftlichen Erfolg eingebracht. Wir haben gezeigt, welches Potential in uns steckt», betonte ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson. Die Eisenacher waren ohne Roel Adams nach Niedersachsen aufgebrochen, der kurz vor der Abfahrt über akute Atemprobleme klagte und sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Kühlen Kopf im Finish bewiesen
Die Entscheidung in einer spannenden Partie fiel vor 1375 Zuschauern in den letzten acht Minuten. Nach einem knappen 23:24-Rückstand (52.). setzten die Eisenacher zum entscheidenden Finish an, eroberten sich das Leder im Deckungsverband, initiierten präzise Tempogegenstöße. Wichtig, Radek Musil der bis dahin zwei Siebenmeter parierte, aber sonst – ebenso wie sein Kollege Stanislaw Gorobtschuk – kaum vor der Linie das Leder zu greifen bekam, nun wichtige Bälle parierte. Der schnelle Girts Lilienfelds war nicht zu stellen, traf zum 24:24-Ausgleich (53.). Eine Sklenak-Fackel zischte kurz vor dem Zeitspielpfiff zum 25:24 für die Eisenacher in die Maschen (55.). Sekunden später eine Zeitstrafe gegen Adrian Wöhler und Siebenmeter für die Hausherren. Doch Pavel Mickal trat bei der Ausführung über, der Treffer fand durch die Unparteiischen Aniol/Dr. Bopeken keine Anerkennung, auch wenn die einheimischen Zuschauer dies mit einem gellenden Pfeifkonzert und «Schieber»-Rufen quittierten. Im Gegenzug wuchtete Duje Miljak das Leder zum 26:24 für seine Farben ein, kassierte aber wenig später eine Zeitstrafe. Kurzzeitig waren nur noch vier Eisenacher auf dem Parkett. Jens Wiese, der wuchtige Rückraumspieler der Gastgeber, traf zum Anschlusstreffer für sein Team (57.). Kurz darauf konnte Eisenachs Girts Lilienfelds nur regelwidrig gestoppt werden. Mit stoischer Ruhe schritt Nick Heinemann zur Siebenmeterlinie und ließ dem eingewechselten Dennis Hartmann im HSG-Kasten keine Chance (27:25, 57.). Und wieder ließ Jens Wiese mit seinem Treffer die Hausherren hoffen (57.). In hitziger Atmosphäre behielten die Eisenacher kühlen Kopf. Girts Lilienfelds wurde Rechtsaußen freigespielt, ließ dem guten Björn Buhrmeister im Nordhorner Gehäuse keine Chance (28:26, 58.). Der Angriff der Gastgeber endete bei Radek Musil, der blitzschnell in die bedrohte Ecke abgetaucht war. Die Hausherren versuchten nun im Alles oder Nichts, mit einer ganz offensiven Deckung, zum Ballgewinn zu kommen. Da fasste sich Eisenachs Rückraumroutinier Eryk Kaluzinski ein Herz und zog ab. Das Leder landete zum 29:26 und der Spielentscheidung im Netz (59.). Daran änderte auch eine Auszeit der Hausherren nichts mehr. Deren anschließende Wurfversuche durch Matthias Struck wurden abgeblockt. Stattdessen zog Nick Heinemann mutterseelenallein auf den Nordhorner Kasten zu und versenkte mit seinem achten Treffer zum 30:26-Endstand für den ThSV Eisenach.

Treffsicherer Adrian Wöhler
Mehr Abwehrstabilität hatte ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson gefordert, zu deren Umsetzung das Abwehrsystem und das Personal verändert. Ohne Angriffs- und Deckungswechsel starteten die Eisenacher mit Daniel Luther im linken und Duje Miljak im rechten Rückraum, Tomas Sklenak auf der Regieposition, Branimir Koloper an der Kreismitte, Adrian Wöhler auf Links- und Nick Heinemann auf Rechtsaußen. Die Hausherren schauten schon verdutzt, statt der erwarteten 6:0-Abwehr praktizierten die Gäste eine 3:2:1-Abwehr. Daniel Luther traf per Aufsetzer zum 0:2 (4.), ließ sich später jedoch zu verfrühten Wurfversuchen aus ungünstigen Positionen hinreißen. Torreich ging es bis zur 9. Minute (5:5) zu. Tomas Sklenak variierte das Tempo im Eisenacher Angriffsspiel. Adrian Wöhler zeigte sich mehrfach hellwach, versenkte abgewehrte Bälle im Nachsetzen. Er lief aber auch zur Kreismitte ein und versenkte ein mustergültiges Sklenak-Zuspiel zum 6:7 (12.). Adalsteinn Eyjolfsson brachte kurzzeitig, Girts Lilienfelds auf Rechtsaußen und Eryk Kaluzinski im linken Rückraum. Nach dem 8:9 (Sklenak, 17.) patzten die Eisenacher jedoch mehrfach. Der torgefährliche Nils Meyer und der Linksaußen freigespielte Bobby Schlagen nutzten die Präsente konsequent zum 13:10 (22.) für die HSG Nordhorn. ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson stellte personell um. Eryk Kaluzinski und Daniel Luther besetzten die zentralen Stellen im Deckungsverbund, unterstützt durch den ebenfalls eingewechselten Kapitän Benjamin Trautvetter. Nun stibitzte sich Tomas Sklenak gleich doppelt das Leder, versenkten Nick Heinemann (von Rechtsaußen) und Adrian Wöhler (von Linksaußen) das Leder zum 13:15 (30.). Adrian Wöhler verzeichnete im ersten Abschnitt eine 100-Prozent-Quote: Fünf Würfe, fünf Treffer.

Big points in der Schlussetappe
Nach einem abgeblockten Luther-Ball traf Nils Meyer im Gegenzug zum 16:16 (35.). Dann brachte Adrian Wöhler das Leder nicht an Keeper Björn Buhrmeister vorbei (35.), staubte aber wenig später zum 19:19-Ausgleich (39.) ab. Duje Miljak kam wieder im Rückraum und Branimir Koloper am Kreis. ThSV-Keeper Radek Musil kaufte Bobby Schlagen den zweiten Strafwurf ab (43.). Nick Heinemann und Tomas Sklenak brachten den ThSV Eisenach mit zwei Treffern nach vorn (20:22, 45.). Wie gewonnen, so zerronnen, gaben die Eisenacher diese Führung mit Ballverlusten wieder aus der Hand. Die Hausherren schienen beim 23:22 (50., Toon Leenders) wieder Oberwasser zu bekommen. Doch die Wartburgstädter rissen mit großem Siegeswillen wieder die Initiative an sich; auch, weil die Abwehr und Torhüter nun prächtig zusammen arbeiteten. In der dramatischen Schlussphase glichen die Tempogegenstöße der Eisenacher Nadelstiche. Beim Abpfiff tanzten die Spieler ausgelassen auf dem Parkett des Euregiums, das in der Vergangenheit noch nie eine Eisenacher Mannschaft als Sieger verlassen hatte.

Statistik

HSG Nordhorn: Buhrmeister, Bartels; Struck (4), Wilmsen, Lammering, Leenders (3), Mickal (3/1), Hombrink, Meyer (5), Schagen (5/2), Poll, Terwolbeck, de Boer, Wiese (6)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk (20.-38.); Trautvetter, Sklenak (4), Wöhler (6), Luther (1), Miljak (3), Kaluzinski (2), Schiffner, Heinemann (8/3), Lilienfelds (4), Koloper (2), Lindner

Zeitstrafen: Nordhorn 3 x 2 Min. – Eisenach 4 x 2 Min.

Siebenmeter: Nordhorn 6/3 – Eisenach 4/3

Foto: ©Levknecht

Rainer Beichler | | Quelle:

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