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 | Bildquelle: ThSV Eisenach

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Bildquelle: ThSV Eisenach

Velimir Petkovic hauchte gut besetzter aber verunsicherter Eisenacher Mannschaft neues Selbstvertrauen ein

Mit sieben Siegen in Serie verabschiedete sich der ThSV Eisenach in die Punktspielpause. Daran hatte Anfang Oktober unter der Wartburg keiner geglaubt. Tristesse war seinerzeit angesagt.
Das mit vielen Vorschußlorbeeren in die Punktspielserie gestartete Team, gegenüber der Vorsaison in der 1. Liga personell nahezu unverändert, konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Langzeitverletzungen (Kreuzbandrisse) der Rückraum-Asse Tomas Sklenak und Dener Jaanimaa konnten als Entschuldigungen nicht herhalten. Peinliche Heimauftritte ließen die Verantwortlichen zur Reißleine greifen. Nach 4 ½ Jahren endete die Zeit von Adalsteinn Eyjolfsson als Trainer. Bei der Verpflichtung des Nachfolgers gelang ein Coup: Der in vielen Erstliga-Handballschlachten gestählte Velimir Petkovic kam zum Thüringer Traditionsverein. Er, mit dem Image des „harten Hundes“, hauchte einer namentlich gut besetzten aber völlig verunsicherten Mannschaft neues Leben und Selbstvertrauen ein. „Ich wusste, es wird ganz schwer, aber mit so vielen Baustellen hatte ich nicht gerechnet“, gestand Velimir Petkovic nach einer ersten Bestandsaufnahme. „Zaubern kann aber auch ich nicht“, fügte er an. Was er aber ganz rasch erreichte: Die Mannschaft glaubte wieder an sich! Harte Trainingsarbeit war angesagt, kurz und knackig, statt langatmig. „So geschafft bin ich noch nie nach dem Training ins Bett gefallen“, erklärte Rückraumspieler Daniel Luther. Erfolge stellten sich ein. Doch es gab auch schmerzhafte Rückschläge,
wie die hauchdünnen 1-Tore-Niederlagen in den Vergleichen mit den Spitzenteams TV Bittenfeld und SC DHfK Leipzig. Und es gab das Desaster beim HSC Coburg, nach dem Velimir Petkovic seine Schützlinge eigentlich nach Hause laufen lassen wollte; als Entschuldigung an die Fans.

Spieler zahlen Vertrauen zurück
Doch die gemeinsame Arbeit wurde fortgeführt und trug Früchte. Velimir Petkovic veränderte die Abwehr. Ein 5:1-System, neben dem 6:0, sorgte für Biss und Stabilität. Die Spieler zahlten das vom Trainer investierte Selbstvertrauen zurück. Branimir Koloper, „der Abwehrspezialist“, offenbarte ungeahnte Qualitäten im Angriff an der Kreismitte. Vermochte er bis vor kurzem den Ball nicht gegen einen Gegenspieler unter Kontrolle zu bringen, schafft er das plötzlich gegen drei und versenkt noch das Leder. Auf Linksaußen Bjarki Elisson wurde das Tempogegenstoßkonzept zugeschnitten, der junge Isländer bekam aber auch das Vertrauen für die Siebenmeter. Vor Selbstvertrauen geradezu strotzend traf er im Schnitt zweistellig und katapultierte sich mit insgesamt 138 Treffern an die Spitze der Torjägertabelle der Liga! „Unsere ganze Spielphilosophie kommt meinem Naturell entgegen“, strahlt der 24-jährige isländische Nationalspieler, der auch als „Indianer vor der Deckung“ überzeugt. Linkshänder Jan Forstbauer, per Zweitspielrecht von der MT Melsungen im rechten Rückraum eingesetzt, hat seine Zurückhaltung aufgegeben, trumpft tatendurstig auf. Routinier Hannes Jon Jonsson genießt das Vertrauen des Trainers für die so wichtige Aufgabe des Spielgestalters. Tomas Sklenak, nach monatelanger verletzungsbedingter Handball-Abstinenz zurück, und der im Sommer vom VfL Bad Schwartau gekommene Marcel Schliedermann sind weitere Alternativen für die mittlere Aufbauposition.

Selbstkritik nach 7-Tore-Sieg
Trainer Velimir Petkovic nutzt seine trotz Verletzungen und Erkrankungen stets gut besetzte Wechselbank, variiert personell und taktisch, reagiert unmittelbar auf den Spielverlauf. Im DHB-Pokal wurde gegen den SC Magdeburg hauchdünn eine Sensation verpasst. Der Vierte der 1. Liga zitterte sich in die nächste Runde. Die jüngsten Erfolge lassen den Trainerfuchs nicht den Blick für die Realität verlieren. Steigerungsraten erwartet er im Angriff und in der Deckung. Nach dem 35:28-Erfolg über den HC Empor Rostock am 2. Weihnachtsfeiertag waren statt Jubelausbrüche Selbstkritik angesagt: „Das war nicht das, was der Trainer will. Das war auch nicht das, was unsere Fans wollen“, redete Velimir Petkovic Klartext.

Grandiose Energieleistung zum Jahresausklang
Zwei Tage später, beim Auswärtsspiel seiner Schützlinge beim Tabellen-Vierten HSG Nordhorn-Lingen, gab es eine „gepfefferte Halbzeitansprache“. Sein Team beherzigte die Worte. Aus einem 12:16-Pausenrückstand wurde ein 29:23-Sieg. „Die Mannschaft hat ganz viel Charakter bewiesen Einfach grandios diese zweite Halbzeit“, strahlten Manager Karsten Wöhler und Trainer Velimir Petkovic. Über 100 die 780-Kilometer-Fahrstrecke in Kauf nehmende in blau-weiß getauchte Eisenacher Fans bewiesen ein feines Näschen und skandierten nach dem Abpfiff „Wir wollen den Petko sehen“! Der Trainer-Haudegen ist hauptverantwortlich für den Höhenflug.
Die Frage, ob denn der Wiederaufstieg das Ziel sei, mag er eigentlich nicht mehr hören. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, so viele Punkte wie möglich holen und schauen dann, was am Ende herauskommt“, wiederholt Velimir Petkovic. Doch innerlich hat er Platz 3 und den damit verbundenen Aufstieg auf der Agenda; auch wenn die Differenz dahin noch sechs Punkte beträgt.

Herr Ministerpräsident Ramelow, übernehmen Sie!
Setzt sich der Siegeszug des ThSV Eisenach mit Fortsetzung der Punktspiele im Februar 2015 fort, wird ein Problem ganz akut! Die Werner-Aßmann-Halle, die Heimstätte des ThSV Eisenach, 1984 erbaut und 1997 erweitert, ist trotz einer Kapazität von 3.000 Zuschauern nicht voll umfänglich erstligatauglich. Ein Umbau ist unumgänglich, um die geforderten Standards der HBL zu erfüllen. Alle führenden politischen Kräfte Thüringens haben vor der Landtagswahl im September klar artikuliert, mit einem Sonderprogramm den Umbau der Werner-Aßmann-Halle höchstmöglichst zu fördern. Die finanzklamme Stadt Eisenach kann nicht einmal den Eigenanteil, egal in welcher Höhe, erbringen. Den müsste der ThSV Eisenach in einem gewaltigen Kraftakt schultern. Präsident Gero Schäfer will sich mit seinen Mitstreitern dieser riesigen Aufgabe stellen. Der Appell aus Eisenach geht nun in die Landeshauptstadt Erfurt: Herr Ministerpräsident Ramelow, bitte übernehmen Sie!

Th. Levknecht

Steffen E. | | Quelle:

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