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 | Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Beschreibung:
Bildquelle: © Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

Völlig ungleiches Aufsteigerduell an der Wartburg

ThSV Eisenach chancenlos gegen den SC DHfK Leipzig / Aivis Jurdzs jubelt an einstiger Wirkungsstätte

Ein völlig ungleiches Duell, dieses Aufsteigerderby in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle,  das in Andreas und Marcus Pritschow zwei umsichtige Leiter hatte.  Da waren die im Stimmungshoch angereisten  vor Selbstbewusstsein und Spielfreude strotzenden Leipziger, die mit einem überzeigenden 35:24 (21:10)- Erfolg mit nunmehr 21 Pluszählern den Klassenerhalt in der Tasche haben. Da war auf der anderen Seite zum Einstand von Trainer Gennadij Chalepo ein in Richtung zweite Liga taumelnder ThSV Eisenach.

Unsere Mannschaft hat noch keinen Mut, kein Selbstvertrauen. Einige gute Aktionen in der zweiten Halbzeit sind positiv zu vermerken. Die Jungs wollten, konnten aber nicht, sind nicht in guter Verfassung,

konstatierte Eisenachs Manager Karsten Wöhler. Beherzte Aktionen von Adrian Wöhler, einige wenige gelungene Paraden von Torhüter Jan-Steffen Redwitz, von Dirk Holzner fünf sicher verwandelte Siebenmeter  und der Versuch des Anfang der zweiten Halbzeit eingewechselten Kapitäns Daniel Luther nochmals den Lichtschalter anzuknipsen, nahm die Eisenacher Anhängerschaft  dankbar auf. Karsten Wöhler, der einstige kampfstarke Vollblut-Handballer,  verteilte zugleich dicke Komplimente an den sächsischen Mitaufsteiger:

Leipzig spielt eine herausragende Saison, ein junger deutscher Trainer leistet hier eine Klasse-Arbeit.

Deren torgefährlicher Spielgestalter Philipp Weber, zweifellos der „Mann des Abends“, sorgte spätestens nach 22 Minuten für Ernüchterung unter den über 2.550 Anhängern des ThSV Eisenach, als er mit seinem Treffer zum 7:17 für die erstmalige 10-Tore-Führung sorgte. Die grün-weißen Gäste, mit über 200 eigenen Fans im Rücken, ließen im Aufeinandertreffen mit den blau-weißen Hausherren einen Klassenunterschied aufblitzen.

Wir waren nicht in der Lage, die offensive Abwehr der Leipziger aufzulösen, hockten wie der Hase vor der Schlange. Wir verloren nahezu alle Zweikämpfe, hatten Angst beim Torwurf,

räumte Gennadij Chalepo ernüchternd ein. Rückraumspieler Borut Mackovsek, nächste Saison in der Champions League, mit 23 Lenzen bereits ein Weltenbummler, wirkt beim „Provinzverein von der Wartburg“, zu dem er im Dezember wechselte und zunächst als wichtige Verstärkung auftrumpfte,  lustlos.

Die freudige Nachricht
Für die freudige Nachricht des Abends und donnernden Beifall sorgte Hallensprecher Jürgen Hausburg.  Ein Gönner des Vereins, Fritz Walter, der schon mehrfach beträchtliche Zuwendungen tätigte, ließ angesichts seines 88. Geburtstages (der ThSV gehörte zu den Gratulanten) der Nachwuchsabteilung des ThSV Eisenach die stolze Summe von 10.000 € zukommen.

Der Nachwuchs ist unsere Zukunft,

betonte der Senior, Mitglied des ThSV Eisenach, und stets zu den Spielen in der Werner-Aßmann-Halle.

Wehmut bei Jurdzs-Würfen
Wehmut kam auf den Rängen auf, als gleich in der Auftaktphase Leipzigs Aivis Jurdzs das Leder scharf und präzise im Eisenacher Kasten zappeln ließ oder seinen Kreisspieler Alen Milosevic bediente, der zum 5:10 (13.) verwandelte.  Der 32-jährige Rückraumspieler war in der Vorsaison maßgeblich am Aufstieg des ThSV Eisenach in die DKB Handball-Bundesliga beteiligt, wechselte im Sommer – nicht geräuschlos – nach Sachsen, fühlt sich dort als „Opa“ unter „jungen Wilden“ pudelwohl. „Wir sind eine junge hungrige Mannschaft mit ganz viel Leidenschaft“, hatte er im Vorfeld seine neue Mannschaft charakterisiert. „Wir haben jene Tugenden gezeigt, mit denen wir die Saison so erfolgreich bestreiten“, strahlte DHfK-Coach Christian Prokop. „Der Klassenerhalt ist perfekt. Jetzt streben wir Platz 11 an“, erklärte Aivis Jurdzs und umarmte kurz darauf Girts Lilienfelds. Dem als Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle weilendem Linkshänder, acht Jahre beim ThSV Eisenach und in der Vorsaison Rückraum-Kollege von Aivis Jurdzs, blutete schon ein wenig das Herz. Aber nur kurz. Er steht mit seinem neuen Verein HSC Coburg kurz vor dem Aufstieg ins Handballoberhaus. Der Routinier wird in der nächsten Saison vermutlich nicht auf seinen Ex-Verein treffen.

Philipp Weber Mann des Tages
„Eine unglaublich bewegliche Abwehr im Zusammenspiel mit einem guten Torhüter, mit anschließender schneller Feldüberquerung“, benannte DHfK-Coach Christian Prokop als Erfolgsgaranten. „Eine Mannschaft mit viel Persönlichkeit, mit viel Charakter und sehr viel Ehrgeiz“, ergänzte der 37-jährige Trainer. Seine Mannen zeigten den Eisenachern zumeist die Hacken. Überragend Regisseur Philipp Weber. Dies Frage nach den Gründen für die Trennung im Sommer bekam Leipzigs Trainer Christian Prokop zum x-ten Mal gestellt: „Weshalb schicken Sie einen Klassemann wie Philipp Weber weg?“ Der 23-jährige Rückraumspieler, in der Vorsaison die torgefährliche Schaltzentrale beim Aufstieg (193 Treffer in 29 Einsätzen),  war im so ungleichen Aufsteigerduell der überragende Spieler.  Als Spielgestalter war er nahezu an sämtlichen Auslösehandlungen federführend beteiligt, überquerte selbst leichtfüßig im ICE-Tempo das Parkett und schloss konsequent ab (insgesamt 12 Tore).  Die Eisenacher sahen nur seine  Hacken. Per Tempogegenstoß versenkte er nach 22 Minuten zum 7:17 (22.), verwandelte „nebenbei“ auch alle seinen Farben zuerkannten Siebenmeter. „Er machte ein Klassespiel“, unterstrich Christian Prokop und beantwortete etwas genervt die Frage nach der Trennung von diesem Klassemann. „Wir haben mit Philipp Weber über drei Jahre gut zusammengearbeitet. Manchmal ist ein Wechsel für einen Spieler gut, zu einem anderen Trainer, den er mit Kai Wandschneider in Wetzlar findet. Für Philipp Weber  ist die Tür in Leipzig jedoch nicht immer zu.“ Christian Prokop verwies zudem darauf, dass der SC DHfK Leipzig für diese Position Europameister Niclas Pieczkowski für die nächste Saison verpflichtet habe. Sein neben ihm sitzender Geschäftsführer Karsten Günther schwieg.

Schwere Verletzung von Leipzigs Philipp Pöter
Wermutstropfen der Partie: Nach einer unglücklichen Abwehraktion von Daniel Luther musste Leipzigs Philipp Pöter mit Verdacht auf Wadenbeinbruch vom Parket und wurde umgehend zur medizinischen Abteilung des SC DHfK nach Leipzig gefahren. „Wir nahmen die Entschuldigung von Daniel Luther als Sportsmann an“, erklärte DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.  Beste Genesungswünsche der Eisenacher begleiten Philipp Pöter, der – wie Philipp Weber – nach der Saison zur HSG Wetzlar wechselt. Die Hessen nutzen die Gunst der Stunde, zwei starke Rückraumspieler zu verpflichten.

Eisenacher von Beginn überfordert
Der Spielverlauf ist schnell abgehandelt. Weit entfernt von Erstligaformat war der ThSV Eisenach in diesem Mitteldeutschland-Derby von Beginn völlig chancenlos. Genadij Chalepo schickte vor der stimmungsvollen Kulisse zunächst Borut Mackovsek, Olafur Bjarki Ragnarsson, Bogdan Criciotoiu im Rückraum, Nicolai Hansen am Kreis, Tomas Urban auf Rechts- und Dirk Holzner auf Linksaußen sowie Jan-Steffen Redwitz im Tor auf das Parkett. Ehe sich die Hausherren versahen, lagen sie 2:5 hinten (6.). Philipp Weber und Aivis Judzs hießen die Absender der Bälle. Beim 3:5 durch Bogdan Criciotoiu (7.) hoffte das Eisenacher Lager. Aber nur ganz kurz. Wie ein Torso brach es über die Gastgeber herein, die an der aufmerksamen Abwehr der Leipziger um Abwehrspezialisten Bastian Roschek und mit dem vom insolventen HSV Handball gekommenen Torhüter Jens Vortmann scheiterten. Schnell, zu schnell, das Umkehrspiel der Sachsen. Personelle Umstellungen, Marcel Schliedermann, Branimir Koloper und Torhüter Svetislav Verkic kamen, verpufften.  Die Gäste powerten ungebremst weiter. Peter Strosack vollendete per Gegenstoß zum 5:11 (13.). Im Dreierpack besorgte Philipp Weber das 7:17 (22.). Jan-Steffen Redwitz kehrte ins ThSV-Gehäuse zurück. Mit 21 (!) Gegentreffern ging der ThSV Eisenach in die Halbzeitpause. Christoph Steinert baute das Polster der Gäste auf 10:24 (33.) aus. Eine Demütigung für den stolzen Traditionsverein von der Wartburg! ThSV-Coach Genadij Chalepo versuchte es zwischenzeitlich mit einer 4:2-Deckungsvariante. Ohne Erfolg. Ausgerechnet der während der Woche wegen eines fiebrigen Infektes einige Tage pausierende Adrian Wöhler fasste sich auf Linksaußen mehrfach ein Herz, behauptete sich im Zweikampf und markierte 4 Treffer. „Wir waren etwas schludrig. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau“, so DHfK-Coach Christian Prokop. Dem ThSV Eisenach gelang ein Aufbessern seiner Torausbeute durch Bogdan Criciotoiu, Tomas Urban und Adrian Wöhler. Beim 24:33 (59.) schien es so, als könnten die Eisenacher die zweite Halbzeit für sich entscheiden, doch dann lochte Benjamin Metschke noch doppelt ein…

Statistik
ThSV Eisenach: Verkic (10.-20./ 0 Paraden – 8 Gegentore), Redwitz (1.-10., 20.-60./  10 Paraden – 27 Gegentore; Wöhler (4), Luther, Celica (1), Ragnarsson (1),  Hruscak; Schliedermann (3), Hansen, Urban (4), Holzner (6/5), Koloper (1), Mackovsek, Criciotoiu (4)
SC DHfK Leipzig: Vortmann (1.51./ 15 Paraden – 18 Gegentore), Storbeck (51.-60./ O Paraden – 6 Gegentore); Semper (1), Steinert (2), Jurdzs (5), Pöter, Binder (5), Janke (2), Sommer, Roschek (1), Weber (12/4), Strosack (1), Meschke (2), Milosecic (4)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 6/5 (Urban scheitert 1x an Vortmann, Holzner verwandelt  5x gegen Vortmann) / SC DHfK Leipzig 4/4 (Weber verwandelt 1x gegen Verkic und 3x gegen Redwitz)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 4 x 2 Min. (Celica, Schliedermann Urban, Koloper je 2 Min.), Rot für Luther (42.) nach Foulspiel
SC DHfK Leipzig 2 x 2 Min. (Meschke. Milosevic je 2 Min.)
Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow
Zuschauer: 2.773
Besondere Vorkommnisse: Philipp Pöter (Leipzig) scheidet mit Verdacht auf Wadenbeinbruch aus (42.)
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Wöhler / SC DHfK Leipzig: Weber, Roschek, Vortmann
Spielfilm: 3:8 (10.), 7:16 (20.), 8:19 (26.), 10:24 (33.), 17:31 (46.), 21:33 (53.), 24:35 (60.)

Titelfoto: Marcel Schliedermann versucht den gegnerischen Kasten anzusteuern

© Fotostudio Gräbedünkel / ThSV Eisenach

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Foto 2: Hat gut Lachen an einstiger Wirkungsstätte: Aivis Jurdzs. Im Hintergrund versucht Neu-Trainer Gennadij Chalep dem mdr-Fernsehen die Situation zu erläutern

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Foto 3: ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz angelt sich einen Heber

Andrea T. | | Quelle:

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  • Hans Klemm

    Der Gästesieg war einfach souverän!

    Eine reife Glanzvorstellung der
    Leipziger am Fuße der berühmten „Wartburg“ mit ungewöhnlichen
    Randerscheinungen. Somit hat tatsächlich und im wahrsten Sinne des
    Wortes das erwartete „schmerzhafte Ostderby“ stattgefunden! Es
    wurde allerdings im Laufe der Spielzeit immer mehr zu einer
    regelrechten Trainingseinheit der viel mehr motivierteren Gäste aus
    der Messestadt. Der kurzfristig vorgenommene Trainerwechsel des in
    Wetzlar beheimateten ehemaligen erfolgreichen Bundesligaspielers und
    späteren, seit ca. anderthalb Jahren arbeitslosen Trainers bei
    verschiedenen Vereinen, G. Chalepo, brachte vorerst nicht im Ansatz
    den erhofften Aufschwung für die stark abstiegsgefährdeten
    Eisenacher. Sie und die zahlreich erschienenen Zuschauer mussten staunend
    zusehen, wie ihr davongelaufener Ex-Spieler Jurdzs, den sie
    vermutlich unberechtigterweise immer noch als Vereinsmitglied sehen, bereits
    nach sieben Minuten gleich dreimal (!) einnetzte und damit wohl
    auffallend andeutete, wohin er sich wirklich gezogen fühlt……

    Der mit einigen Personal- und anderen
    Entscheidungen zuletzt auffällig unsichere und wohl bei einigen Entscheidungen auch etwas
    überfordert wirkende kleine ThSV-Vorstand wäre deshalb gut beraten, sich
    nicht nur gedanklich endgültig von diesem allseits begehrten „Opa“ zu trennen, um nicht noch
    weitere nutzlose Kosten für juristische Entscheidungen hinterherschmeißen zu müssen!
    Natürlich muss man sich andererseits wundern, warum der Leipziger Verein diesen erneut
    unwahrscheinlich stark aufspielenden Torjäger, Ph. Weber, keinen
    neuen Vertrag geben will!

    Pech und ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl zeigten die nach
    ihrem „Pechvogel“ Pöter rufenden souveränen Kameraden am Ende des Spieles, nachdem dieser durch einen Zusammenprall mit einem Gegenspieler bereits auf dem Transport nach Leipzig zur nächtlichen Operation unterwegs war. Diese Art der Verabschiedung hatte er sich anders gewünscht, da sein neues in der kommenden Saison Wetzlar sein soll.

    Eine Aufmerksamkeit der besonderen Art bedeutete natürlich die großzügige Spende eines 88-jährigen (!) bekannten einheimischen Fans, der damit gleichzeitig einen Fingerzeig
    in die Wunde legte, endlich in der Zukunft mehr mit dem hungrigen
    leistungssportlich orientierten Handballnachwuchs der einheimischen
    Akademie zu planen, statt wie vor dieser erwartungsgemäß schweren
    Saison scheinbar wahllos den zum Teil schon ausgelaugten und
    willenlosen „Weltreisenden“ locker die Verträge anzubieten!

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