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 | Bildquelle: Th. Levknecht

Beschreibung:
Bildquelle: Th. Levknecht

Wartburgstädter siegen bei der HSG Nordhorn-Lingen mit 29:23

Voll umfänglich erstligatauglich!
„Wir wollen den Petko sehen“ skandierten völlig losgelöst nahezu 100 die über 700-Kilometer-Fahrtstrecke auf sich nehmenden Anhänger des ThSV Eisenach in der EmslandArena zu Lingen. Sie benannten damit jenen Mann, der für den Aufwärtstrend der Wartburgstädter hauptverantwortlich ist: Trainer Velimir Petkovic. Er hauchte seit seinem Amtsantritt Anfang Oktober einer namentlich gut besetzten aber völlig verunsicherten Eisenacher Mannschaft neues Leben und Selbstvertrauen ein. Diese feierte kurz vor dem Jahreswechsel mit einer grandiosen Energieleistung einen 29:23-Auswärtssieg bei der HSG Nordhorn-Lingen. Und das nach einem 12:16-Halbzeitrückstand! Es war zugleich der 7. Sieg in Serie. „Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit hat die Mannschaft ganz viel Charakter gezeigt. Im ersten Abschnitt kassierte sie 16 Gegentreffer nahezu ohne richtiges Zweikampfverhalten. Im zweiten Abschnitt ließ sie 25 Minuten nur 4 Gegentore zu. Einfach grandios! Wir haben den Tabellen-Vierten in dessen Heimstätte in der zweiten Halbzeit klar beherrscht, die zweiten 30 Minuten mit 10 Toren Differenz für uns entschieden“, erklärte ein aufgekratzter Eisenacher Trainer. „Na klar, mich freut der erneute Doppelpunktgewinn, noch mehr freut mich die Art und Weise“, fügte der Coach des ThSV Eisenach zur Pressekonferenz an, während die Fans im Foyer lange nach dem Abpfiff Jubelgesänge anstimmten. „Fantastisch, wie uns unsere Fans unterstützt haben, bei 4 Toren Rückstand und bei 4 Toren Führung“, verwies Velimir Petkovic auf einen nicht unwichtigen Aspekt. „Ich bin stolz auf die Mannschaft, die zum Jahresende die letzten körperlichen Reserven mobilisiert hat. Mit unbändigem Willen, mit einer grandiosen Abwehrleistung nach der Pause, hat sie die Partie noch umgebogen“, unterstrich Karsten Wöhler, der Manager des ThSV Eisenach. Marcel Schliedermann, mit grippalem Infekt am Spieltag für den Notfall nachgereist, sowie die länger verletzten Dener Jaanimaa und Nicolai Hansen wirkten nicht mit. Andere, durch Erkrankungen oder Verletzungen gehandicapt, bissen auf die Zähne, aktivierten die letzten Körner. „Wir wollen die Mannschaft sehen“, skandierten die blau-weiß getauchten Anhänger von der Wartburg noch lange nach dem Abpfiff im Foyer. Die Mannschaft kam dieser Bitte unter schier grenzenlosem Jubel nach. „Einfach genial, wir die Eisenacher Fans ihre Mannschaft unterstützen“, war der einhellige Tenor unter den über 3700 Zuschauern. „Die beste Mannschaft, die hier zu Gast war“, erklärte Heiner Bültmann, der Coach der HSG Nordhorn-Lingen, und meinte damit sicherlich die Aktiven auf dem Parkett und die Fans auf der Tribüne der schmucken neuen Sporthalle. In Nordhorn und in Lingen stehen nur wenige Kilometer entfernt zwei erstligataugliche Handball-Spielstätten. In Thüringen können weibliche und männliche Woche für Woche Spitzenleistungen erbringende Handballer davon nur träumen…! Setzt sich der Siegeszug des ThSV Eisenach mit Fortsetzung der Punktspiele Anfang Februar fort, ist Tabellenplatz 3 und der Wiederaufstieg in die 1. Handballbundesliga nicht unrealistisch. Doch was dann? Die Werner-Aßmann-Halle genügt nicht Erstligastandards. Im gesamten Freistaat Thüringen gibt es keine die Hallenstandards der HBL voll umfänglich erfüllende Spielstätte. Vor der Landtagswahl hatten alle führenden politischen Kräfte für den Umbau der Werner-Aßmann-Halle ihre Unterstützung zugesagt. Herr Ramelow, übernehmen Sie!

Zunächst zu pomadig
Die am Vortag angereisten Eisenacher knüpften zunächst an die „bescheidene Leistung“ vom 35:28-Erfolg über den HC Empor Rostock an. Lasch in der Abwehr, ohne Kreativität, Ballsicherheit und Power im Angriff. Die Trümpfe der Gastgeber, vor allem namens Jens Wiese aus dem Rückraum, stachen. Ihr ideenvolles Angriffsspiel in die Nahtstellen der Eisenacher Abwehr führte zum 6:2 (11.). Mit personellen Wechseln im Rückraum versuchte Eisenachs Trainer Velimir Petkovic Einfluß zu nehmen. Tomas Sklenak, Daniel Luther und Jan Forstbauer kamen. Was blieb, war pomadiger Handball. Jan Forstbauer sorgte wenigstens aus dem rechten Rückraum für neue Impulse. Die HSG Nordhorn-Lingen schwang das Zepter. Bobby Schagen verwandelte von der Siebenmeterlinie zum 9:6 (18.). Nicky Verjans ließ gar das 10:6 von Rechtsaußen folgen (21.). Positiv für Eisenach, Bjarki Elisson zeigte bei den Siebenmeterduellen keine Nerven. Den jungen Isländer setzten die Eisenacher im Positionsspiel zunächst zu wenig in Szene. Die Gastgeber vermochten aber nicht zu enteilen. Mit Einzelaktionen (Jurdzs, Forstbauer) blieben die Wartburgstädter auf Tuchfühlung. Sie haderten zudem kräftig mit en Schiedsrichtern Christoph Immel und Ronald Klein, nicht nur beim höchst umstrittenen Treffer (nach der Sirene?) zum 16:12-Halbzeitstand.

Wie umgewandelt aus den Kabinen
Die Worte von Vedlimir Petkovic hatten gefruchtet, die Abwehr agierte wie umgewandelt. Die Hausherren bissen sich an der Deckung der Eisenacher regelrecht die Zähne aus. Schlussmann Rene Villadsen, vor dem Seitenwechsel kaum eine Hand ans Leder bekommend, steigerte sich von Minute zu Minute. Bei Ballbesitz war temposcharfer, präziser und konsequenter Angriffshandball angesagt. Bjarki Elisson (per Strafwurf nach Regelwidrigkeit an Jan Forstbauer), Girtslienfelds (aus dem Rückraum) und Branimir Koloper (nach Gegenstoß vom Kreis) besorgten den Anschlußtreffer (16:15, 37.). Heiner Bültmann, der Coach der Hausherren, schien das Unheil für seine Farben zu ahnen. Weder die erste (37.), noch die zweite Auszeit (51.) vermochten den Untergang des HSG-Schiffes zu verhindern. Im Doppelpack schmetterte Daniel Luther das Leder zum 19:19-ausgleich in die Maschen (43.). Das 19:20 (Jurdzs, 45.) vermochte Jens wiese für die Gastgeber noch zu egalisieren (20:20, 45.), doch damit war deren Pulver vollends verschossen. Ballgewinne der Eisenacher mündeten in Tempogegenstößen. Die Hausherren wurden regelrecht überrollt. Der Eisenacher Rückraum, nun mit den erfahrenen Aivis Jurdz, Hannes Jon Jonsson und Girts Lilienfelds initiierte Angriff auf Angriff. Nick Heinemann bediente den sprintenden Bjarki Elisson, der zum 20:25 einnetzte (54.) und wenig später das 20:26 von Linksaußen folgen ließ (55.). Die Hausherren waren völlig demoralisiert. Torjäger Bobby Schagen blieb im Siebenmeterduell gegen Eisenachs Rene Villadsen nur zweiter Sieger. Bjarki Elisson netzte mit seinem 10.Treffer zum 21:28 ein (58.). An einen solchen Spielverlauf nach dem Seitenwechsel hatte wohl keiner im weiten Rund geglaubt…. Zwei Busse fröhlicher Leute, Mannschafts- und Fanbus, sowie zahlreiche PkW begaben sich auf die Rückfahrt gen Thüringen.

Punktspielpause
Die Handballbundesligen pausieren im Januar 2015 aufgrund der Weltmeisterschaft. Die Spieler des ThSV Eisenach verabschiedeten sich erst einmal in einige Tage Urlaub, bevor Trainer Velimir Petkovic wieder zu harter Trainingsarbeit ruft. Er hat Platz 3 und die Beletage des deutschen Handballs weiter auf der Agenda! Die riesige Anhängerschaft des ThSV Eisenach freut`s!

Statistik
ThSV Eisenach:
Villadsen, Gorobtschuk; Trautvetter, Elisson (10/5), Sklenak (1), Wöhler , Jurdzs (3), Jonsson (2), Luther (3), Forstbauer (3), Heineman (1), Lilienfelds (5), Koloper (1)
HSG Nordhorn-Lingen:
Buhrmeister, Bartels; Verjans (3), Wilmsen, Schumann, Leenders (1), Mickal, Miedema, Meyer (3), Schagen (6/4), Terwolbeck, de Boer (2), Kintrup, Wiese (8)

Siebenmeter:
HSG Nordhorn-Lingen 5/4
ThSV Eisenach 5/5

Zeitstrafen:
HSG Nordhorn-Lingen 5 x 2 Min.
ThSV Eisenach 2 x 2 Min.

Schiedsrichter:
Christoph Immel
Ronald klein

Zuschauer:
3.798 in der EmslandArena Lingen

Th. Levknecht

Steffen E. | | Quelle:

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