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Wer weiß, wenn der Ausgleichstreffer gefallen wäre

«Wer weiß, wenn der Tempogegenstoß rein gegangen wäre», sinnierte Michael Roth, der Coach der MT Melsungen, nach dem Abpfiff eines packenden thüringisch-hessischen Nachbarschaftsderbys. Beim Stande von 25:26 steuerte Eisenachs bis dato alle Wurfchancen nutzender Linksaußen Bjarki Elisson mutterseelenallein den Kasten der Hessen an, scheiterte aber am gerade ins Gehäuse zurückgekehrten Keeper Mikael Appelgren (55.).Vertan die dicke Ausgleichschance. Aber keine Vorwürfe für den 23-jährigen Linksaußen, der erst vor wenigen Wochen aus Island ins Thüringische kam. »Seine Wurfbilanz wies eine 90-prozentige Erfolgsquote auf: zehn Würfe, neun Treffer», betonte Eisenachs Coach Adalsteinn Eyjolfsson. Da sah er andere Spieler in der Kritik. Das an Kilos und Zentimetern überlegene Team mit einem Tick mehr Abgezocktheit nahm beim 27:31 (11:15) beide Zähler mit.

Bärenstark: Eisenachs Daniel Luther
«Kampf, Leidenschaft und Willen waren wieder vorbildlich, doch uns unterliefen zu viele individuelle Fehler, schlossen wir zu oft naiv ab», resümierte Adalsteinn Eyjolfson, der erneut «fehlende Abgezocktheit» konstatierte. Der Eisenacher Coach bescheinigte Daniel Luther ein «sensationelles Spiel». Der gebürtige Eisenacher nahm in der Abwehr und im Angriff jeden Zweikampf auf, löste quasi die Aufholjagd nach dem 13:18 (37.) aus, beeindruckte mit Shooter-Qualitäten aus dem Rückraum (6 Treffer), glänzte aber auch als Vorlagengeber, wie beim 20:21-Anschlusstreffer durch Kapitän Benjamin Trautvetter (46.).

Eisenachs Keeper Rene Villadsen, weiterhin durch Aduktorenprobleme gehandicapt, lief zur Hochform auf. Die MT Melsungen hatte sich mit der 5-Tore-Führung wohl zu sicher gefühlt. «Es trat das ein, vor dem ich in der Halbzeitpause gewarnt hatte. Eisenach steckt nicht auf. Die Halle wurde zum Hexenkessel. Wir ließen klarste Torchancen aus, scheiterten am Schlussmann», resümierte Michael Roth. Der Coach der Hessen bewies das richtige Gespür, brachte nach einer neunminütigen Verschnaufpause Mikael Appelgren zurück ins Tor, der in der prickelnden Schlussphase zum Matchwinner wurde, nicht nur Bjarki Elisson sondern auch dem am Kreis freien Peter Pucelj und aus dem Rückraum Dener Jaanimaa das Leder abkaufte. Seine Vorderleute schlossen gegen sich völlig verausgabende Gastgeber zum 25:29 (58.) ab.

«Die breiter besetzte Bank sorgte für den längeren Atem der Hessen», konstatierte Adalsteinn Eyjolfsson. Ihm fehlte neben den Langzeitverletzten Girts Lilienfelds, Nicolai Hansen und Branimir Koloper auch noch Faruk Vrazalic, der beim Abschlusstraining am Vorabend umgeknickt war. Nick Heinemann musste während der Partie wegen einer Wirbelblockade passen. Da waren es nur noch neun Feldspieler. Personelle Alternativen wurden rar. Den Eisenachern gingen auch die Linkshänder aus. Adrian Wöhler musste auf Rechtsaußen aushelfen, mit drei Treffern von ungewohnter Position ausgesprochen effizient. «Letztendlich gab die individuelle Klasse den Ausschlag», strahlte Michael Roth. In Patrik Fahlgren hatte sein Team einen überragenden Kopf. «Er spielte die entscheidenden Pässe, setzte aber auch selbst zum erfolgreichen Torwurf an», stellte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson die herausragende Rolle des schwedischen Spielgestalters der Hessen heraus.

«Wir haben bis zum Umfallen gekämpft, haben gesehen, wir können in dieser Liga mithalten, wurden leider wieder nicht belohnt. Wir werden aber nicht verzagen, im Training weiter hart arbeiten und werden dann sicher auch die Früchte ernten», betonte Eisenachs Kapitän Benjamin Trautvetter, mit einem «Veilchen» am linken Auge nach einem Zweikampf mit Johannes Sellin von der Intensität der Partie gekennzeichnet. «Der ThSV Eisenach wird bis zum Saisonende berechtigte Chancen auf den Klassenerhalt haben. Es wäre schön, die Derbys Eisenach contra Melsungen gibt es auch im nächsten Jahr in der 1. Liga», erklärte Michael Roth. Seine Asse, die torgefährlichen Außen Michael Allendorf und Johannes Sellin (zusammen 15 Treffer), stachen. Die TG Melsungen feierte den vierten Auswärtssieg, von den mitgereisten in Rot gekleideten Fans überschwänglich gefeiert, befindet sich klar im Leistungshoch.

«Der im Sommer vollzogene personelle Umbruch erweist sich als richtig. Wir haben viel Charakter und Qualität hinzugewonnen. Nun gelingt es uns auch immer besser, diese Qualität abzurufen», unterstrich Michael Roth, seit 2010 Coach der MT Melsungen und der «Vater» des erfolgreichen Kurswechsels.

Melsungens Abwehrhünen riegelten ab
Hoffnungsvoller Auftakt für die Wartburgstädter: Dener Jaanimaa netzte nach 26 Sekunden zur 1:0-Führung ein. In der Startformation mit Bjarki Elisson auf Links- und Nick Heinemann auf Rechtsaußen, Aivis Jurdzs im linken und Dener Jaanimaa im rechten Rückraum (für Abwehraufgaben von Daniel Luther abgelöst), Tomas Sklenak als Regisseur, Peter Pucelj am Kreis und Rene Villadsen im Tor brodelte das Feuer der Leidenschaft. Der Deckungsinnenblock mit Peter Pucelj, Aivis Jurdzs und Daniel Luther war sofort auf Betriebstemperatur. Dener Jaanimaa traf zum 3:2 (7.). Frühzeitig griffen die Eisenacher zum taktischen Schachzug, des Tausches des Torhüters für einen zusätzlichen Feldspieler in Unterzahl. ThSV-Keeper Rene Villadsen kaufte Melsungens Torjäger Johannes Sellin einen Siebenmeter ab. Frühzeitig zogen sich die Referees Blümel/Loppaschweski den Unmut der Eisenacher zu. Der kleine Nick Heinemann kassierte bereits in der 12. Minute die zweite Zeitstrafe. Ballstafetten auf Linksaußen Michael Allendorf hieß eines der Erfolgsrezepte der Hessen zum 3:6 (14.), deren nicht zimperlich zu Werke gehenden Abwehrhünen um Philipp Müller hinten abriegelten. Johannes Sellin schloss per Tempogegenstoß zum 5:10 ab (22.). Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson reagierte. Daniel Luther blieb auch im Angriff (Rückraum links), Hannes Jonsson besetzte die mittlere Aufbauposition und Tomas Sklenak rückte in den rechten Rückraum. Benjamin Trautvetter besetzte die Kreismitte. Daniel Luther zog kraftvoll zum 7:10 (24.) ab. Die reifere Spielanlage, Dank Patrik Fahlgren, mit überraschenden Pässen, hatten die Hessen parat: 9:13 (26.) und 10:14 (29.) jeweils durch Michael Allendorf von Linksaußen.

Eisenacher Aufholjagd ohne Happyend
Eisenacher Treffer durch Daniel Luther und Bjarki Elisson zum 13:15 (35.) beantworteten die Gäste mit kaltblütig abgeschlossenen Angriffszügen zum 13:18 (37.). Ein Jonsson-Siebenmeter landete nur am rechten Pfosten des Melsunger Tore (36.). ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson versuchte mit den wenigen zur Verfügung stehenden personellen Alternativen zu variieren. Sein Kollege Michael Roth konnte hingegen aus dem Vollen schöpfen. Der ThSV Eisenach setzte dennoch zur Aufholjagd vom 15:19 (40.) zum 18:19 (44.) an. Peter Pucelj hatte eingenetzt. Die Stimmung unter den nahezu 2600 Zuschauern stieg an. Mehrfach gelang dem ThSV Eisenach der Anschlusstreffer, der Ausgleichstreffer fiel aber nicht. Für Melsungs Abwehrspezialist Philipp Müller war die Partie nach der dritten Zeitstrafe vorzeitig beendet (48.). Adrain Wöhler versenkte von Rechtsaußen zum 21:22-Anschlußtreffer (48.). Mit Tomas Sklenak, Dener Jaanimaa und Daniel Luther im Aufbaubereich läutete der ThSV Eisenach die Schlussviertelstunde ein.

Bei Dener Jaanimaa wechselten Licht und Schatten. Per Energieleistung vollendete er zum 22:23 (49.). Die Eisenacher stoppten sich mit Ballverlusten selbst, die die Gäste zum 23:26 (53.) nutzten. Während einer Auszeit legten die Eisenacher die Marschroute für die letzten Minuten fest. Benjamin Trautvetter kam wieder für den Kreis. Aivis Jurdzs und Bjarki Elisson warfen den ThSV Eisenach wieder auf Tuchfühlung (25:26, 54.). Es folgte der wahrscheinliche Kulminationspunkt, als Bjarki Elisson freistehend an Mikael Appelgren scheiterte (55.). Die Hessen hingegen machten Nägel mit Köpfen, vollendeten durch Michael Müller, Michael Allendorf und Jonathan Stenbäcken zum 25:29 (58.), während die Eisenacher Würfe eine Beute von Melsungens Keeper Mikael Appelgren wurden.

Statistik

ThSV Eisenach: Villadsen (17 Paraden/ 31 Gegentore), Gorobtschuk (n.e.), Trabert (n.e.); Trautvetter (2), Elisson (9), Sklenak, Wöhler (3), Jurdzs (2), Jonsson, Luther (6), Pucelj (2), Jaanimaa, Heinemann,

MT Melsungen: Appelgren ( 18 Paraden/ 21 Gegentore), Sandström (45.-54.Min., 0 Paraden/ 6 Gegentore); Steinbäcken (2), Mansson, Sellin (7/3), Kubes, Fahlgren (5), Schröder, Hildebrand, Danner (4), Ph. Müller (1), Allendorf (8), Vuckovic, M. Müller (4)

Siebenmeter:
ThSV Eisenach 1/0 (Hannes Jon Jonsson wirft gegen Appelgren an den Pfosten)
MT Melsungen: 4/3 (Sellin verwandelt 3 x gegen Villadsen und scheitert 1 x an Villadsen)

Zeitstrafen:
ThSV Eisenach: 3 x 2 Min. (Heinemann 2 x 2 Min, Luther 2 Min.)
MT Melsungen: 4 x 2 Min. (Ph. Müller 3 x 2 Min. und Rot nach 3. ZS, 48., Danner 2 Min.)

Rainer Beichler | | Quelle:

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