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 | Bildquelle: ThSV

Beschreibung:
Bildquelle: ThSV

«Wir sind noch im Rennen um den Klassenerhalt
in der DKB Handball-Bundesliga!»

Die DKB Handball-Bundesliga pausiert gerade. Der ThSV Eisenach, ein echter Handball-Traditionsverein, im Sommer 2013 in das deutsche Handballoberhaus aufgestiegen, hat gerade wieder das Mannschaftstraining aufgenommen.

Wir sprachen mit Gero Schäfer, dem Präsidenten des ThSV Eisenach:

Wir fällt Ihr Fazit für das vergangene Jahr aus?
Gero Schäfer:
Blicken wir kurz zurück: Im Mai 2009 wurde dem ThSV Eisenach im ersten Anlauf die Lizenz verweigert. Die ThSV-Marketing-GmbH stand kurz vor der Insolvenz. Vor vier Jahren, im Januar 2010, rangierten wir in der zweigeteilten zweiten Liga in der Südstaffel auf Platz elf. Mit großem Abstand nach vorne und nur fünf Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Im Jahr 2011 schafften wir die Qualifikation für die eingleisige zweite Liga, 2013 den Aufstieg in die DKB Handball-Bundesliga. Wirtschaftlich haben wir uns in diesen Jahren konsolidiert, waren solide und haben dabei sportlich stets einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Das sind beachtliche Erfolge….
Gero Schäfer:

Zumal wir diese Erfolgsgeschichte geschrieben haben, ohne dass uns ein Mäzen zur Seite steht. Wie viele andere Vereine haben in den vergangenen vier Jahren Vergleichbares geschafft? Jetzt mischen wir in der stärksten Liga der Welt mit, haben gezeigt, dass wir grundsätzlich mithalten können. Wir haben mit den Füchsen Berlin ein absolutes Topteam der Liga geschlagen. Wir haben trotz der ungeheuren Verletzungsmisere neun Punkte auf dem Konto. Der Klassenverbleib ist noch möglich. Wir haben einen Zuschauerschnitt von über 2600 Fans und liegen damit vor etablierten Klubs wie Minden und Nettelstedt. Ich bin mit dieser Zwischenbilanz hoch zufrieden.

Trotzdem steht der ThSV Eisenach noch auf einem Abstiegsplatz. Wie realistisch ist der Klassenerhalt?
Gero Schäfer:
Seit dem der Aufstieg feststand, war allen klar, dass es enorm schwer werden wird. Daran hat sich nichts geändert. Schließlich sieht das Reglement drei Direktabsteiger vor. Seit Einführung der eingleisigen zweiten Liga sind fünf von sechs Aufsteigern sofort wieder abgestiegen. Nur GWD Minden konnte sich in der vergangenen Saison knapp halten. Dabei haben GWD Minden oder jetzt der Bergische HC einen weitaus höheren Etat als der ThSV Eisenach. Wir müssen drei Klubs hinter uns lassen: Emsdetten und zwei etablierte Vereine, wie Balingen und Minden. Letztere haben beinahe das doppelte Budget zur Verfügung. In der Etatrangliste sind wir Vorletzter. Dennoch bin ich optimistisch, denn wir sind trotz der Verletzungsmisere noch im Rennen. Und das finde ich sensationell!

Aber es gab auch herbe Klatschen, nach denen die Kritik auch am Trainer laut wurde…?
Gero Schäfer:
Diese Klatschen sind für einen Aufsteiger mit kleinem Etat, der zudem großes Verletzungspech hatte, völlig normal. Dessen waren wir uns vorher bewusst, dennoch tut die eine oder andere sportliche Erfahrung weh. Zwischen vorgewarnt sein und tatsächlichem Erleben ist schon ein Unterschied. So als ob ein Kleinkind auf die heiße Herdplatte fasst…
Aber um es klar zu sagen: Mit Ausnahme von Aivis Jurdz und Hannes Jon Jonsson verfügte keiner von uns vor Saisonbeginn über Erstbundesligaerfahrung, der Trainer nicht, viele Zuschauer nicht und auch ich nicht. Die DKB Handball-Bundesliga ist ein großer Lernprozess für alle, der aber unheimlich Spaß macht. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, sagt der Volksmund. Unser Ziel ist es, möglichst schnell zu lernen. Wir sind gemeinsam aufgestiegen, jetzt genießen wir – solange es geht – gemeinsam die stärkste Liga der Welt.

Empfinden Sie eine überzogene Erwartungshaltung?
Gero Schäfer:
Das glaube ich nicht. Vielleicht ist dem einen oder anderen Kritiker nur nicht bewusst, dass die Liga «verrückt» ist und «krasse» Ergebnisse in dieser Liga inzwischen normal sind. Herbe Klatschen gibt es auch in Spitzenspielen. Zur Erinnerung: Die Rhein-Neckar Löwen, die drei Tage vorher in Kiel im Pokal gewonnen haben, verlieren mit 13 Toren beim Tabellennachbarn Hamburg. Dafür wird der HSV in Kiel 60 Minuten lang vorgeführt und liegt kurz nach der Pause mit elf Treffern hinten. In einem Spiel, in dem es für den HSV darum ging, auf einen Punkt an den THW ranzukommen. Das war für die Löwen und den HSV sicherlich gefühlt eine größere Packung als unsere Klatschen, die wir in Flensburg oder Lemgo bezogen haben, weil sie sich mit dem Sieger auf Augenhöhe wähnten.

Wird es Kraftakte geben, um die Liga mit aller Gewalt zu halten?
Gero Schäfer:
Nein! Wir haben die sportlichen Ziele in den vergangenen vier Jahren den wirtschaftlichen untergeordnet. Das ist unser Erfolgsrezept, von dem wir nicht abweichen! Unter diesen Voraussetzungen werden wir selbstverständlich alles versuchen, auch in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen. Und falls es nicht klappt, dann fallen wir auf die Füße und nicht ins Bodenlose, werden von den gemachten Erfahrungen profitieren und so schnell wie möglich den Wiederaufstieg anstreben.

In welcher Halle wird der ThSV in der kommenden Saison spielen, sollte der Klassenerhalt glücken? Die Werner-Aßmann-Halle entspricht nicht voll umfänglich den geforderten Vorgaben der HBL?
Gero Schäfer:
Das Land Thüringen und wir als ThSV Eisenach haben erhebliche Investitionen getätigt, damit die Werner-Aßmann-Halle vollauf fernsehtauglich wird. Nach unserer Auffassung ist sie es. Lichtstärke, Boden und Fassungsvermögen entsprechen den Standards der HBL. Die Führungskameras sind jetzt so angeordnet, dass der Fernsehzuschauer die fehlende Längstribüne nicht bemerkt, sodass wir nach unserer Meinung Sinn und Zweck der Regularien vollständig erfüllen, auch wenn wir sie bezüglich der fehlenden Längstribüne nicht wörtlich umgesetzt haben. Man muss unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir bislang nur eine Live-Übertragung des mdr-Fernsehens hatten, kein Sport 1-Spiel, auch die Verhältnismäßigkeit betrachten.
Die Werner-Aßmann-Halle steht in Trägerschaft der Stadt Eisenach. Die Stadt und das Land sind gerade dabei, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen; den Bau einer Multifunktionshalle oder eine neuerliche Erweiterung der Werner-Aßmann-Halle. Es ist also Bewegung in der Sache. Eine mittelfristige Lösung wird angestrebt. Alle müssen hierzu an einem Strang ziehen. Der ThSV Eisenach ist das sportliche Aushängeschild der Stadt und der Region, zugleich das Flaggschiff des Thüringer Männerhandballs!

Wie sieht die strukturelle Entwicklung aus?
Gero Schäfer:
Wir haben den am 31.12.2013 ausgelaufenen Vertrag mit unserem Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler um drei Jahre, zum 30.06.2017 verlängert. Er ist als ehemaliger Spieler ein absoluter Sympathieträger und leistet vortreffliche Arbeit.
Wir wissen aber auch, dass wir strukturell noch Nachholbedarf haben. Das gehen wir an.

Rainer Beichler | | Quelle:

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