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Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Zehn Sekunden fehlten am Punktgewinn

Nach 4:12-Rückstand war der ThSV Eisenach II im Spitzenspiel beim VfB TM Mühlhausen einem Punktgewinn ganz nahe/ Am Ende jubelten die Gastgeber über einen 27:26-Erfolg und die Tabellenführung

Wäre der ThSV Eisenach II einmal in Führung gegangen, die Punkte wären wohl in die Wartburgstadt gewandert, waren sich die Trainer Marco Lang (VfB Mühlhausen) und Benjamin Riemann (ThSV II) sowie Spieler  Benjamin Trautvetter einig.

Benjamin Trautvetter? Der 31-jährige ehemalige Kapitän der Eisenacher Bundesligamannschaft, an einer Knieverletzung laborierend, war für die Zweite dabei.

Für Leistungssport reicht es derzeit aber nicht, betont der Kreisläufer.

In einem rasanten und beidseitig intensiv geführten Gipfeltreffen der Handball-Thüringenliga der Männer bejubelte der VfB TM Mühlhausen durch den wenige Sekunden vor der Sirene erzielten 11. Treffers  seines sich  völlig verausgabenden torgefährlichen Rückraumspielers Markus Bergmann einen hauchdünnen 27:26 (16:15)-Erfolg. Der VfB TM Mühlhausen übernahm damit wieder die Tabellenführung. „Nun haben wir beste Aussichten auf den Titel und den Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga. Dieses Unternehmen gehen wir nun mit Optimismus und Konsequenz an“, strahlte Mühlhausens Trainer Marco Lang. Vereinsvorstand und Sponsoren sind gerade dabei, die entsprechenden Rahmenbedingungen für die 4. Liga zu schaffen. Mit der Niederlage zerschlug sich auch die letzte Hoffnung des ThSV Eisenach II in Richtung Meisterschaft und Aufstieg.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Foto 2: Joel Schwarz (re.) versucht sich durchzusetzen.

ThSV II mit 8-Tore-Rückstand nach einer Viertelstunde
Nach einer Viertelstunde sah es keinesfalls nach einer spannenden Partie aus. Markus Bergmann und Lukas Mechyr hatten im Doppelpack ins verwaiste Eisenacher Gehäuse zum 12:4 eingenetzt. Die harmlosen unplatzierten ThSV-Würfe bereiteten bis dahin dem Ex-Eisenacher Adrian Winkler im Tor der Gastgeber kaum Mühe. Marco Lang hatte als taktisches Mittel eine Sonderbewachung für Eisenachs routinierten Spielgestalter Philipp Emmelmann durch Markus Bergmann auserkoren. „Damit hat das Trainerteam auf der Gegenseite anscheinend nicht gerechnet, sodass ihr Matchplan nicht aufging“, schmunzelte der Coach des VfB Mühlhausen. Bei der an Jahren blutjungen Eisenacher Startformation mit Jan Minas und Links- und Lucau Baur auf Rechtsaußen, Jonas Bogatzki, Philipp Emmelmann und Joel Schwarz im Rückraum sowie Tim Voigt am Kreis  tuckerte der Motor ohne Öl dahin,  gegen gleich im 5. Gang beginnende Hausherren um ihren Mann an den Schalthebeln Daniel Strache.  Die im Angriff harmlosen Eisenacher wurden in Serie ausgekontert. Felix Fick, neben Markus Bergmann wohl der Beste in den Mühlhäuser Reihen, traf vom Kreis zum 8:2 (10.). Den folgenden Eisenacher Wurf direkt auf das Standbein von VfB-Schlussmann Adrian Winkler beantwortete Markus Bergmann mit dem 9:2 (11.)!

Ausgerechnet der Jüngste zündete die Aufholjagd
Einen hatten die Mühlhäuser anscheinend nicht auf ihrem Zettel. Der 17-jährige Rückraumspieler Noah Streckhardt zündete nach seiner Einwechslung die Aufholjagd, narrte mit Körperfinden a la Hannes-Jon Jonsson immer wieder die Mühlhäuser Abwehr, versenkte zwischen der 11. und 28. Minute 6 Bälle.

Er war ein Beleg für die im Eisenacher Jugendbundesligateam vorhandenen Qualitäten, betonte Marco Lang.

Der an die Kreismitte gerückte Hannes Iffert brachte seine Stärken ein. Der junge Luca Baur, trotz 5 eingenetzter Bälle mit Licht und Schatten beim Torwurf, hob das Leder zum 7. Eisenacher Treffer ins Netz (20.). Kurz darauf betrat Benjamin Trautvetter das Parkett und markierte gleich den 8. ThSV-Treffer (13:8, 20.). Wie weggeblasen die Souveränität der Hausherren, die sich zudem Zeitstrafen einhandelten. Durch Treffer von Hannes Iffert, Noah Streckhardt und Philipp Emmelmann war die Eisenacher Zweite beim 16:15 (28.) wieder auf Tuchfühlung heran. Vom 12:4 (16.) zum 16:5 (28.)! Für die Endphase der ersten Halbzeit war auch der Ex-Eisenacher Markus Collatz im rechten VfB-Rückraum gekommen. Dann  die einzige unschöne Szene, als Eisenachs Joel Schwarz und Mühlhausens Jonas Gräbedünkel aneinander gerieten. Die Spielleiter Jens Hanse und Volker Leinhos hatten nach Beratung das richtige Strafmaß für die beiden Heißsporne parat: eine Zeitstrafe gegen Joel Schwarz und Rot gegen Jonas Gräbedünkel. Die Gemüter beruhigten sich aber rasch. ThSV-Keeper Sebastian Brand verhinderte mit den Fingerspitzen einen Mühlhäuser Torerfolg. Den Angriffszug zum möglichen Eisenacher Ausgleichstreffer stoppte die Halbzeitsirene. „Es spricht zweifellos für uns, dass wir nach einem 8-Tore-Rückstand bis zur Pause nach den Anschlusstreffer markierten“, stellte Benjamin Riemann aus dem Dreier-Trainerteam fest.

Zweite Halbzeit glich einer Abwehrschlacht
Zappelten im ersten Abschnitt die Bälle sehr häufig in beiden Tore (insgesamt 29), wurden es im zweiten Abschnitt deutlich weniger Treffer (je 11).

Die zweite Halbzeit glich eher einer Abwehrschlacht, befand Benjamin Riemann.

Im Deckungsinnenblock wurde Benjamin Trautvetter der Abwehrstabilisator. „Er hat seine Aufgabe erfüllt, war ein wichtiger Faktor“, unterstrich Benjamin Riemann. Als Erkenntnis aus den ersten 30 Minuten nahmen die Hausherren nun Noah Streckhardt in Sonderbewachung. Der Auftakt der zweiten Hälfte ging an den VfB Mühlhausen (18:15, 35.). Aber nur, weil Philipp Emmelmann und Noah Streckhardt von der Siebenmeterlinie am Querbalken und Torwart Adrian Winkler scheiterten (33./34.). Da wurde der am Freitagabend berufsbedingt fehlende Kapitän Sascha Kleint arg vermisst. „Wir spielten zu unclever“, bezog sich Benjamin Riemann nicht nur auf die insgesamt 3 ausgelassenen Strafwürfe. Die Hausherren spielten geduldig selbst beim Anzeigen des passiven Spieles, schöpften die 6-Pässe-Regel voll aus. Das ThSV-Trainertrio Benjamin Riemann, Arne Kühr, Karsten Knöfler, brachte wechselnde Rückraumformationen, um die Stärke der einzelnen Spieler auszunutzen. Nicht entmutigen ließen sich die Eisenacher von den Strafwurf-Fahrkarten. Nach dem 19:16 (37.) versenkte Philipp Emmelmann gleich doppelt zum erneuten Anschlusstreffer (38.). Die Abwehr fightete, schloss die Lücken. ThSV-Keeper Sebastian Brand roch bei einem zu lässig angesetzten Bergmann-Siebenmter den Braten, fischte den Heber herunter. Ein Max-Köthe-Ball landete neben dem VfB-Kasten. Dann fiel erst einmal die Anzeigetafel aus. Der herbeigerufene Hallenmeister hatte die richtige Lösung parat. Youngster Jonas Bogatzki und der erfahrene Benjamin Trautvetter fanden sich zum Duett, und es hieß 19:19 (43.). Beim 23:23 (51.) 24:24 (52.) und 26:26 (59.) leuchtete ebenfalls ein Gleichstand an der Anzeigetafel der schmucken Sporthalle der Beruflichen Schulen.

„Wir waren letztendlich zu unclever“
Der Führungstreffer gelang dem ThSV Eisenach II aber nicht. Jonas Bogatzki schmettere das Leder ans Holz. Auch der Verantwortung übernehmende Benjamin Trautvetter brachten einen Siebenmeter nicht am VfB-Schlussmann vorbei (48.). Bei den Hausherren drehte sich im Angriff alles um den die Bälle fordernden, von einer Sonderbewachung (im Zusammenwirken mit den Mitspielern) nicht zu stoppenden  und keinen Zweikampf scheuenden Markus Bergmann (6 Treffer in der Schlussviertelstunde!). Nach dem 24:24-Ausgleichstreffer durch Luca Baur schien sich die Waage zugunsten der Gäste von der Wartburg zu neigen. Christopher Koch, der Ex-Eisenacher, für die 8 Schlussminuten auf die Regieposition gekommen, setzten einen an ihm selbst verwirkten Strafwurf neben den Kasten. Beim Stand von 24:24 blieb ThSV-Keeper Sebastian Brand erneut im Siebenmeterduell mit Markus Bergmann Sieger (55.). Doch in Überhast fabrizierten die Eisenacher einen Zuspielfehler (55.). Dann kassierte Mühlhausens Bence Staib gleich eine Doppelstrafe; bis kurz vor dem Ende bedeutete das Unterzahl für den VfB TM Mühlhausen. Doch Goalgetter Markus Bergmann versenkte zum 26:24 (58.). Luca Baur markierte von Rechtsaußen den Anschlusstreffer, Noah Steckhardt zeichnete sich mit seinem 7. Treffer für das 26:26 verantwortlich. Da waren noch 72 Sekunden zu spielen. Mit Geschick (Auszeit) und dem Langmut der Unparteiischen blieb der VFB Mühlhausen in Ballbesitz, bekam 12 Sekunden vor Ultimo einen Freiwurf zugesprochen; die Freiwurfablage wuchtete Markus Bergmann zum umjubelten Siegestreffer ein. “Wir waren im zweiten Abschnitt drauf und dran,  das Spiel zu kippen“, sinnierte Benjamin Riemann. Am Ende stand seine Crew freilich mit leeren Händen da…

Statistik
VfB TM Mühlhausen: Winkler, Lutze; Bergmann (11/2), Mechyr (5), J. Rothhämel, Adam, Stab (4), F. Fick (6), Koch, Strache, Gräbedünkel, Collatz (1), K. Fick
ThSV Eisenach II: Kremmer, Brand; Iffert (3), P. Jauernik, Bogatzki (3), Baur (5), Minas (1), Schwarz, Emmelmann (3/1), Voigt (1), Trautvetter (3), Wagner; Streckhardt (7), Köthe
Siebenmeter: VfB TM Mühlhausen 5/2 / THSV Eisenach 4/1
Zeitstrafen: VfB TM Mühlhausen 10 x 2 Min., Rot für J. Gräbedünkel nach Tätlichkeit, 30. / ThSV Eisenach II 9 x 2 Min., Rot für Köthe n. 3. ZS, 55.
Schiedsrichter: Hanse/Leinhos
Zuschauer: 351

Titelfoto: So wie ihn die Handballszene kennt, Benjamin Trautvetter beim ersten Gehversuch in der ThSV-Zweiten.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Foto 3: Starker Auftritt eines Youngsters: Noah Streckhardt (hier am Ball).

Andrea T. | | Quelle:

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