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Foto: © bilderstoeckchen / fotolia.com

BARMER: Bekommt jeder die Pflege, die er braucht?

In Thüringen bekommen Pflegebedürftige möglicherweise nicht immer die Versorgung, die sie sich wünschen oder benötigen. Entscheidend ist vielmehr, welche Pflegeangebote vor Ort vorherrschen, wie ein Ländervergleich im neuen Pflegereport der BARMER feststellt. Während in Thüringen die Pflege durch Angehörige überwiegt, spielen in den meisten anderen Ländern stationäre und ambulante Angebote eine deutlich größere Rolle.

Die über 94.000 pflegebedürftigen Menschen in Thüringen bekommen anscheinend nicht immer die Pflege, die sie brauchen, sondern die, die vor Ort verfügbar ist, stellt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen, kritisch fest.

Postleitzahl bestimmt mit über die Art der Pflege
So wird in Thüringen etwa jeder zweite Pflegebedürftige (49 Prozent) durch Familienangehörige betreut, in Sachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg sind es weniger als 40 Prozent. Ein deutliches Gefälle besteht auch bei den Kapazitäten der vollstationären Pflege: In Thüringen kommen auf 100 Pflegebedürftige nur rund 30 Heimplätze. In Schleswig-Holstein sind es dagegen 49 Heimplätze und in Bayern 40. Im Länderranking liegt Thüringen damit an 13. Stelle hinter elf anderen Bundesländern. Insgesamt existieren derzeit (Stand Feb. 2017) in Thüringen 532 stationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt über 29.000 verfügbaren Plätzen. Vergleichsweise gut ist Thüringen hingegen mit 8,3 ambulanten Pflegekräften je 100 Pflegebedürftigen ausgestattet – der Bundesdurchschnitt liegt bei 7,9 Pflegekräften. Im Saarland sind es dagegen nur 5,5 und in Sachsen hingegen 11,2 ambulante Pflegekräfte.

BARMER fordert mobile Beratung statt Pflegestützpunkte
Damit Betroffene die Pflege erhalten, die für sie individuell am sinnvollsten sei, fordert Dziuk bessere Informationsangebote sowie flächendeckend greifende Unterstützungsleistungen insbesondere durch die Pflegekassen.

Wir sollten die Strukturen der Pflegeangebote in den Regionen transparenter machen und bedarfsgerecht ausbauen, damit Versicherte wirklich die für sie beste Pflege wählen können, so Dziuk.

Die so genannten Pflegestützpunkte, von denen es derzeit drei in Thüringen  gibt (Jena, Nordhausen und Sondershausen), könnten diese Art der Hilfe nicht bieten. Dziuk:

Das Konzept der Pflegestützpunkte ist aus Sicht der BARMER gescheitert. Sie gehen am Bedarf vieler Betroffener in Thüringen  vorbei.

Nötig seien stattdessen noch mehr niedrigschwellige mobile und häusliche Angebote und Unterstützungsleistungen für alle Versicherten in der Fläche.

Damit Pflege in der Familie dauerhaft funktionieren kann, müssen wir die Angehörigen noch mehr stärken, betont Dziuk.

Dafür seien Angebote, beispielsweise in Form von speziellen Kompaktseminaren sinnvoll. Die BARMER bietet Kurse, aber auch Online-Seminare (mehr Informationen für Angehörige unter www.barmer.de/pflege/pflegende-angehoerige).

Foto: © BARMER GEK Pflegereport 2016

Foto: © BARMER GEK Pflegereport 2016

Hintergrund: Pflege in Thüringen
Ende 2015 waren laut Statistischem Bundesamt 94.280 Einwohner Thüringens pflegebedürftig. Gemessen an der Thüringer Gesamtbevölkerung war damit jeder 25. Bürger auf Pflege angewiesen. Knapp zwei Drittel dieser Pflegebedürftigen waren Frauen. Betrachtet man die Zahlen der einzelnen kreisfreien Städte und Landkreise je 1.000 Einwohner, so weist der Kyffhäuserkreis die meisten Pflegebedürftigen auf. Hier waren Ende 2015 je 1.000 Einwohner 57,6 Menschen auf Pflege angewiesen. Weitere Landkreise mit ähnlich hohen Zahlen diesbezüglich sind der Unstrut-Hainich-Kreis (51,6) und der Landkreis Nordhausen (50,0). Bei den kreisfreien Städten ist Suhl Spitzenreiter mit 51,3 Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner. Den niedrigsten Wert hat die Stadt Jena (28,5). Die Zahl der Pflegebedürftigen wird den Prognosen nach bis 2050 steigen, danach jedoch wieder fallen und auch weiterhin rückläufig sein.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Felix Berg

    Der Beitrag stimmt.
    Die Jugend war und ist immer noch der größte Exportschlager in Thüringen. Ansässig bleibt die unbeliebte nicht mehr produktionskonforme ältere Bevölkerungsschicht. So ist es denn nicht verwunderlich das die 75 Jährigen von 55 Jährigen zuhause versorgt werden, dies zum großen teil natürlich ohne jegliche Unterstützung derjenigen die pflegen und dies oft 24 Stunden am Tag, ohne Freizeit natürlich. Das rechnet sich , im Schnitt 3500 Euro kostet der Heimplatz, die Versorgung zuhause kostet 0 Euro, evtl. H4 für Pflegende. Die Pflegenden haben dann später den Anspruch auf Rente für diese Zeit 0,00 Euro. Clevere tricksen daher mit Demenz oder einer Pflegestufe. So ist es nicht verwunderlich das Demenzkranke auf dem Vormarsch sind, denn unter dieser Form kommt etwas Geld für zu Pflegende und auch den Familienpflegern an. Hier machen Bund, Länder und Kassen das Geschäft, da jetzige und zukünftige kosten so gut wie entfallen. Handlungsbedarf wird gesehen, aber bitte nicht in die Praxis umsetzten, da, wie belegt, arme Bürger 10 Jahre früher das Zeitliche segnen und so wird dann auch noch eine Minirente gespart. Zusätzlich drückt sich der Bund wo er kann, kurios das gar Postleitzahlen ( Wohnort) über Hilfe mit entscheidet, aber exakt so ist es auch in der Notfallversorgung, wer nicht neben einer Notaufnahme wohnt hat Pech. So denke ich schaut es eben aus im Land wenn das Wort Humanität nur Theoretisch angewendet, umjubelt wird aber in der Praxis keine Mittel oder Personal zur Verfügung stehen. Da stellt sich wieder die Frage nach dem Sinn, ob man nur damit leben kann das alles was erschaffen wird zu 80% von einer Gesellschaft geleistet wird bei 67 Bürgern auf dem Guthabenkonto gebunkert wird. Humangesellschaftlich sind wir wieder einmal falsch abgebogen.

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