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Birgit Keller präsentiert Thüringer Waldzustandsbericht 2017

Die Ergebnisse des Thüringer Waldzustandsberichts 2017 zeigen, dass der Zustand unserer Wälder sich nach den schlechten Ergebnissen im Jahr 2016 stabilisiert hat. Die deutlichen Warnsignale bleiben aber bestehen, sagte Forstministerin Birgit Keller bei der Präsentation des Waldzustandsberichts heute in Erfurt. Der Klimawandel setzt bereits jetzt und auch in Zukunft den Wald unter erheblichen Stress. Über alle forstlichen Maßnahmen zur Verbesserung des Waldzustandes hinaus bleibt die umweltpolitische Herausforderung für die ganze Gesellschaft bestehen: Wir müssen die Treibhausgase senken und die Schadstoffemissionen vermindern. Der Waldzustandsbericht ist darüber hinaus eine unerlässliche Datengrundlage für unsere Forstpolitik, so Keller weiter. Die Daten zeigen uns, dass wir mit dem durch die Forstverwaltung vorangetriebenen Waldumbau hin zu naturnahen Dauerwäldern auf dem richtigen Weg sind, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Im Waldzustandsbericht 2017 werden 22 Prozent aller Waldbäume Thüringens als gesund bewertet (2016: 20%), 42 Prozent weisen nur leichte Schädigungen auf (2016: 43%). 36 Prozent der Bäume wurden allerdings als deutlich geschädigt eingestuft (2016: 37%). Die mittlere Kronenverlichtung liegt in diesem Jahr bei 23,5% (2016: 23,9%).

Betrachtet man die einzelnen Baumarten, dann ergibt sich ein differenziertes Bild: Die Buche hat sich von den Auswirkungen der starken Fruchtbildung im Vorjahr erholt. Der Anteil deutlich geschädigter Buchen ist um 10 Prozent zurückgegangen und zeigte mit nunmehr 33 Prozent einen der besten Werte seit Beginn der Messungen.

Der häufigste in den Thüringer Wäldern vertretene Baum ist die Fichte. Sie ist im Baumartenvergleich mit einem Anteil gesunder Bäume von 32 Prozent auch der gesündeste. Der Anteil deutlich geschädigter Fichten nahm um 2 Prozent auf jetzt 28 Prozent ab. Dieses Ergebnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Klimawandel bei der Fichte als Baumart der kälteren Regionen zunehmend Vitalitätsprobleme hervorrufen wird.

Markant verschlechtert hat sich unter anderem der Zustand von Kiefer und Eiche. Bei den Kiefern stieg der Anteil stark geschädigter Bäume auf 50 Prozent (2016: 48 %). Bei den Eichen betrug der Anteil sogar 60 Prozent (2016: 44%). Bei den Kiefern kann die starke Fruchtbildung in diesem Jahr eine Ursache für die Verschlechterung der Werte sein. Bei der Eiche wirkten 2017 witterungsbedingte Spätfrostschäden eine Rolle, die auch durch den Johannistrieb nicht ausgeglichen werden konnten. Zu zusätzlichen Blattverlusten hat der verstärkte Blattfraß durch den Kleinen Frostspanner, den Grünen Eichenwickler und den Schwammspinner geführt.

Die Waldzustandserhebung wurde in Thüringen zum 27. Mal durchgeführt. Seit 1991 wird jährlich an insgesamt rund 350 Aufnahmepunkten stichprobenartig der Kronenzustand unserer Waldbäume begutachtet. Im Rahmen der Waldzustandserhebung 2017 wurden insgesamt knapp 8.500 Bäume begutachtet. Wie gesund ein Baum ist, erkennt man dabei insbesondere an der Baumkrone. Als verlässliche Indikatoren gelten sowohl der Verlust der Nadel- und Blattmasse wie auch Vergilbungen oder unnatürliche Verfärbungen im Kronenraum. Die Ergebnisse werden im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha zusammengestellt und ausgewertet.

Die Forstbehörden messen aber nicht nur den Zustand des Waldes, sondern arbeiten aktiv an der Erhaltung seines Gesundheitszustandes. Das langfristige forstpolitische Ziel ist die Schaffung von widerstandsfähigen und klimastabilen Dauerwäldern mit einem breiten Baumartenspektrum. Dafür wird auf eine nachhaltige und naturgemäße Waldbewirtschaftung gesetzt und der Waldumbau zu ökologisch wertvollen Mischwäldern vorangetrieben. Sind die Bäume von verschiedener Art und unterschiedlich alt, so werden die Risiken durch Schädlinge, Sturm oder Trockenheit vermindert.

Im Staatswald werden in Thüringen jährlich rund 15.000 Hektar Wald durchforstet und gepflegt, um sich dem Ziel des Dauerwaldes zu nähern. Darüber hinaus werden jährlich rund 1 Mio. Bäume gepflanzt, um die angestrebte Baumartenmischung überall dort zu beschleunigen, wo die Naturverjüngung noch nicht ausreichend stattfindet. Auch den Waldumbau im Privat- und Körperschaftswald hat der Freistaat in den vergangenen 20 Jahren mit über 20 Mio. Euro unterstützt. Die letzte Bundeswaldinventur hat gezeigt, dass die Erfolge beim Waldumbau in Thüringen bereits messbar sind. Die Thüringer Wälder sind mittlerweile vorratsreicher, älter, gemischter und naturnäher geworden.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Jakob

    Hier mal eine kleine Einführung in Statistik (ist von einem Skript der Uni Siegen kopiert), scheint im Ministerium nicht so bekannt zu sein:

    WissenschaftlerInnen erheben sehr oft Daten aus Stichproben. Es ist
    relativ unwahrscheinlich, dass die Ergebnisse von Stichproben genau mit der
    Grundgesamtheit übereinstimmen. Wenn man beispielsweise wiederholt 100
    oder auch 1 000 Personen (und zwar jedes Mal 100 oder 1 000 neue Personen)
    nach ihrer Wahlabsicht befragen würde, so wäre es doch ein Wunder, wenn
    jede einzelne Stichprobe genau den Anteil der Wählerinnen der verschiedenen
    Parteien in der Grundgesamtheit enthalten würde. Gewiss wird mal
    die eine oder andere Stichprobe ein mit der Grundgesamtheit übereinstimmendes
    Ergebnis liefern – aber es ist genauso gut möglich, dass es gewisse
    Abweichungen gibt. Und da wir nur normalerweise nur eine Stichprobe vorliegen
    haben, wissen wir eben nicht, ob sie mit der Grundgesamtheit gut
    übereinstimmt oder eben nicht.
    Sicheres Wissen über die Grundgesamtheit kann man also anhand von
    Stichprobendaten grundsätzlich nicht erhalten. Aber mit Hilfe statistischer
    Überlegungen können wir einen Bereich angeben, der den Wert der Grundgesamtheit
    wahrscheinlich enthält. Diese Bandbreite nennt man Konfidenzintervall.
    In neuerer Zeit kommt es häufiger vor, dass seriöse Medien, die
    über Forschungsergebnisse berichten (z. B. Wahlumfragen), dieses Konfidenzintervall
    angeben, allerdings typischerweise unter der ungenauen Bezeichnung
    „Fehlermarge“.

    Was soll das hier im Zusammenhang mit dem Waldzustandsbericht? Aussagen wie „36% der Bäume wurden 2017 als deutlich geschädigt eingestuft, 2016 waren es noch 37%“ haben den selben Aussagegehalt wie „Am Zustand der Bäume hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts geändert“.

    So viel also zu der Aussage „Der Zustand der Wälder hat sich nach den schlechten Ergebnissen im Jahr 2016 stabilisiert“. Die genannten Zahlen geben also höchstens her, dass sich nichts verändert hat und – wenn man den Zustand im Vorjahr als schlecht eingestuft hat – der Wald weiterhin in schlechtem Zustand ist. Insofern ist der Wald natürllich stabil schlecht. Das hört sich aber nicht so schön an.

    Ergo: Traue keiner Statistik, die du nicht verstehst.

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