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Wasserkraft darf nicht Lebensraum der Fische zerstören

Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz warnt vor der Zerstörung des Lebensraumes Wasser durch zunehmende energetische Nutzung der Wasserkraft. «Wasserkraftwerke in Thüringen dürfen nicht dazu führen, dass den Fischen und anderen Lebewesen im Wasser die Lebensgrundlage entzogen wird», sagte der Minister anlässlich einer Fachtagung im Thüringer Umweltministerium.

Zum Thema «Die Wasserkraft in Thüringen – Energetischer Nutzen versus ökologische Verträglichkeit» trafen sich im Thüringer Umweltministerium ca. 40 Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten auszuloten, unter denen die Laufwasserkraftwerke Thüringens ihren Anteil zur Erzeugung regenerativer Energien beitragen können. «Die Erhöhung des Anteils regenerativer Energie am Energiemix ist alternativlos. In Thüringen wollen wir den Anteil bis zum Jahr 2020 auf 35% erhöhen. Ich stehe auch dazu, dass die Wasserkraft ihren Anteil bringt. Das darf aber nicht zur Zerstörung von Lebensraum für Tier und Mensch führen», so der Minister. Reinholz plädiert daher für möglichst wenige moderne Anlagen, die eine effiziente Energiegewinnung ermöglichen und zugleich mit gewässerökologischen Elementen versehen sind (z. B. Fischtreppen).

Die mit Wasserkraft in Thüringen 2006 erzeugte Energie betrug 587 TJ. Damit hat die Wasserkraft einen Anteil von 1,5 % an den erneuerbaren Energien, die insgesamt mit 38720 TJ zu Buche schlug. Die Energie wurde, aufgrund der relativ kleinen thüringi-schen Gewässer, in ca. 170 Wasserkraftanlagen erzeugt. Zum Vergleich, das in Bremen aktuell im Bau befindliche Wasserkraftwerk wird alleine mit 150 TJ Energie je Jahr ein Viertel der gesamten Thüringer Energie aus Wasserkraft erzeugen.
Neben dem positiven Effekt als kontinuierlicher Lieferant regenerativer Energie und der kulturhistorischen Bedeutung einiger Anlagen haben die zugehörigen Wehre, Turbinen und Rückstaustrecken deutliche Auswirkungen auf die Gewässerökologie. Insbesondere Fische werden auf ihrer Wanderung von den Lebensräumen in die Laichgebiete behindert und können sich nicht mehr natürlich reproduzieren. Damit hat der Lebensraum Gewässer keinen «guten Zustand» mehr. Das entspricht nicht den Zielen der Thüringer Landesregierung und widerspricht auch den Zielen der EU-WRRL. Vor diesem Hintergrund wird bereits in der «Energie- und Klimastrategie Thüringen 2015» festgestellt: «Da keine neuen Querbauwerke (Wehre) in die Flüsse eingezogen werden sollen, ist das Ausbaupotenzial für Wasserkraft weitgehend erschöpft.»

In der Veranstaltung geht es darum, aktuelle Erkenntnisse zu den Fragen auszutauschen: Wie nachteilig wirkt sich die Wasserkraft auf die Gewässerökologie aus? Wie weit können diese Auswirkungen mit technischen Maßnahmen reduziert werden? Welche rechtlichen Anforderungen an die Gewässerökologie müssen zukünftig eingehalten werden?

Rainer Beichler | | Quelle: ,

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