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 | Bildquelle: © NGG-Region Thüringen

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Bildquelle: © NGG-Region Thüringen

100 Bäckerei-Beschäftigte in Eisenach verdienen zu wenig Brötchen

Frust in den Backstuben – Viele Bäcker müssen vom Mindestlohn leben

Dicke Luft in den Backstuben: Wenn es ums Brötchenverdienen geht, schneiden die Bäcker in Eisenach schlecht ab. Das kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Viele der rund 100 Bäckerei-Beschäftigten in Eisenach werden mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro abgespeist. Wer Glück hat, liegt ein paar Cent drüber. Der Lohn-Geiz im Bäckerhandwerk ist extrem, dreist und unverschämt, sagt Christl Semmisch.

Die Geschäftsführerin der NGG Thüringen wirft der Innung vor, Bäckereien bewusst zu „Armutslohn-Betrieben“ zu machen.

Vom Bäckergesellen bis zur Verkäuferin, vom Teigmacher bis zur Aushilfe am Verkaufstresen – wenn alle in einem Betrieb am untersten Lohnsockel festgebacken sind, dann geht das nicht gut, so Christl Semmisch.

Der Unmut in den Bäckereien wachse.

Viele Bäckergesellen in Eisenach haben die Faust in der Tasche. Dass ausgerechnet die, die das Brot verkaufen, oftmals ohne staatliche Unterstützung gar nicht leben können, ist ein Skandal, sagt die Geschäftsführerin der Bäcker-Gewerkschaft.

Viele Bäckereien hätten zwar die Preise für Brot und Brötchen angehoben, beim Lohn ihrer Beschäftigten seien sie allerdings nicht bereit, mehr zu zahlen. Die NGG Thüringen will beim Bäckerei-Lohn jetzt in die Offensive gehen:

Der Stundenlohn muss deutlich steigen – auf zwei Stellen vorm Komma. Denn wer weniger verdient, bekommt später garantiert nur eine Rente, die unter dem ‚Alters-Hartz-IV‘ liegt, macht Christl Semmisch deutlich.

Selbst bei einem Stundenlohn von 11,68 Euro bleibe am Ende nur eine Rente von 788 Euro pro Monat – die Höhe der Grundsicherung im Alter.

Und die bekommt auch nur, wer 45 Jahre im Vollzeitjob durcharbeitet. Das ist für Bäcker, die in der Dauer-Nachtschicht-Tretmühle stecken, sowieso schon extrem schwierig, so Semmisch.

Die NGG-Geschäftsführerin fordert die Bäckermeister in Eisenach auf, Druck zu machen und den Landesinnungsverband des Thüringer Bäckerhandwerks dazu zu bewegen, einen Lohntarifvertrag abzuschließen.

Bislang schalten die obersten Thüringen-Bäcker komplett auf stur. Sie verweigern seit Jahren jede Lohnverhandlung: Was sie dabei völlig ignorieren: Sie ruinieren das Image einer ganzen Branche und die Zukunft der Betriebe, die es noch gibt, warnt Christl Semmisch.

Denn das Nachwuchsproblem habe viele Bäckereien schon längst kalt erwischt.

Foto: Kneten für wenig Knete: In Bäckereien herrscht „Lohn-Geiz“, so die Bäcker-Gewerkschaft NGG. Sie fordert ein kräftiges Lohn-Plus. Der Frust in den Backstuben sei enorm.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Jakob

    Dass man für seine Erwerbsarbeit genügend Lohn bekommen sollte, ist sicherlich richtig. Das gilt aber gleichermaßen für Gesellen wie auch für die selbständigen Meister. Das Grundproblem in der Branche in unserer Region ist aber doch, dass durch den Verdrängungswettbewerb, der von den Backfabriken ausgeht, die verbliebenen Bäckerbetriebe so wie sie sind selbst nur noch prekär wirtschaften können. Es ist schlicht billiger, die Brötchen in großer Zahl durch Maschinen herstellen zu lassen, als den Bäckergesellen für Handarbeit zu bezahlen. Und die Kundschaft ist in der Breite ebenfalls nicht dazu bereit, mehr fürs Bäckerbrötchen als fürs Fabrikbrötchen zu bezahlen. Zumal der Bäcker auch mal was anbrennen lässt, während die Fabrikqualität zumeist gleichmäßig durchschnittlich ist.

    Im Grunde tragen die Bäckergesellen, die zum Mindestlohn schuften, also auch dazu bei, dass der Betrieb sich weiter durchwurstelt und weder auf einen grünen Zweig kommt, noch dicht macht. Die Lösung des Problems würde vor so einem Hintergrund also zunächst auf der betriebswirtschafltichen Seite liegen. Entweder der kleine Bäcker baut auch eine Fabrik und verdient dann an den großen Stückzahlen, die er zum kleinen Preis verkauft. Oder er verändert Sortiment und Zielgruppe. Mehr Vielfalt, mehr Qualität, mehr Geschmack und das dann an die Kunden verkaufen, die ohne mit der Wimper zu zucken das doppelte für die (guten) Doppelten ausgeben. Ob es diesen Kunden bei uns in genügender Zahl gibt, ich weiß es nicht. Ich kenne jedenfalls leider keinen kleinen Bäcker, der auf dieses Pferd setzt. In anderen – ebenfalls dünn besiedelten Regionen – ist das durchaus anders.

    Insofern ist es gut, wenn die Gewerkschaft den Lohndruck erhöht. Das erhöht auch den Druck auf die Bäcker, sich zu verändern.

  • Jäger

    Erst gestern in den Nachrichten ( Handwerk nicht Baugebunden) – Mercedes verlegt seine LKW Produktion nach China, es rechnet sich nicht an x Standorten neue Technologien zu stationieren. Exakt wie beim Bäcker, wenn auch kleine Automatisieren braucht es kein Personal mehr. So ist es dann auch nicht verwunderlich das kleine Bäckereien auf Fertigmischungen zurückgreifen, Tüte auf, Wasser dazu und fertig ist das Bauernbrot, mit der von Ihnen hoch gelobten neuen Qualität, indes steigen nur die Zahlen der Bürger die zur Darmspiegelung müssen. Fragen Sie mal ihren Bäcker wie er es schafft 20 Brotsorten 30 verschiedene Brötchen und 15 verschieden Kuchen zu produzieren. Anderes Beispiel von Totem Wettbewerb in EA , da gibt es 3 große Märkte mit unterschiedlichem Namen ( aus alten Zeiten) , sie sollten konkurrieren, können es aber nicht da alle zu einer Marke gehören. Es gibt keinen Markt mehr, nur noch einen Verdrängung Mechanismus und jenen Gewinnt wer die billigsten Löhne beschert, denn die Fixkosten sind für alle gleich. Dann haben wir noch den Scheinwettbewerb – siehe Post, was einst einzig von der Post erledigt wurde leisten heute Billiglöhner unter irgendeinem Kürzel, indes die Portokosten sich ver Dreihundertfacht haben. Heute in den Nachrichten – die Krebszahlen haben um 50% zugenommen in Thüringen- als Grund die Überalterung, dazu passen aber nicht die enorm vielen Jungen Bürger die weit vor ihrer Zeit sterben. Hammer Sichel Ehrenkranz wurde eingetauscht gegen die Terrorherrschaft des Geldes mit frühes Ableben, Verschuldung oder Verelendung. Die politischen Gegenreden laufen dazu auf Hochtouren, leugnen bis zum geht nicht mehr. Nichts gegen die Wiedervereinigung, aber was den Bürgern angetan wird ist schlimmer als wie damals als die Russen kamen. Viel Spaß beim genießen vom Tütenbrot aus China, original im Steinofen gebacken bei ihrem Bäcker des Vertrauens.

    • V.

      Erst heute in den Nachrichten: Die Russen werden anlässlich der anstehenden Bundestagswahl noch mehr Desinformation übers Internet verbreiten, um in Deutschland und Europa Verwirrung und Streit zu stiften. Herzlichen Dank hierfür. Könnt ihr euch aber auch schenken, eine freie Gesellschaft übersteht auch solche Heckenschützenattacken.

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