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„Der gläserne Patient“ – die schwierige Situation zwischen Zulieferern und großen Automobilherstellern

11. Branchentag: Zwischen Chancen und Risiken – was können kleine Zulieferer künftig tun, um erfolgreich am Markt zu sein?

Mehr als 200 Gäste besuchten den jährlichen Branchentag im ComCenter Brühl in Erfurt. Das umsatzstärkste Thüringer Branchennetzwerk der Automobilzulieferindustrie widmete sich thematisch den Problemen zwischen Zulieferern und OEMs – den Kraftfahrzeugproduzenten. Ministerpräsident Bodo Ramelow eröffnete erstmals den wichtigsten Branchentreff in Thüringen und sagte in seinem Begrüßungsstatement der Branche seine Unterstützung zu. Der Vorstandsvorsitzende des „automotive thüringen e.V.“ und der MITEC Automotive AG, Herr Dr. Michael Militzer, plädierte für faire Geschäftsbedingungen zwischen vor allem kleinen und mittelständischen Automobilzulieferern und den großen Konzernen, den OEMs. „Sonst sind wir gefährdet und damit auch die Arbeitsplätze in Deutschland.“ Hintergrund ist die Tendenz, dass große Automobilproduzenten ihre Zulieferer an Ort und Stelle, somit vor allem mehr und mehr im Ausland, wünschen. Das heißt, auch die Produktion der Zulieferer muss systematisch internationaler aufgestellt sein.

Darauf verwies auch Prof. Dr. Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft BergischGladbach. Sein Beispiel: Im Jahr 2000 wurden 80% des Absatzes der Automobilindustrie in Europa erwirtschaftet. Derzeit seien es nur noch 46%, so Prof. Dr. Bratzel. In China seien bereits 50% der deutschen Automobilzulieferer präsent. „Das Wachstum findet also anderswo statt, nicht mehr in Europa.“ Für die Branche gelte: „Built where you sell“ – „Produziere dort, wo du verkaufst.“ Positiv merkte er an, trotz aller Unkenrufe sei 2014 eines der besten Jahre in der Automobilindustrie gewesen, auch wenn kleine Produzenten die Situation als deutlich schlechter beurteilt hätten.

Kurzum, so Dr. Militzer, wir können uns nicht zurücklehnen. Das Ziel muss sein, größere Unternehmen durch Fusionen zu schaffen und somit auch strategische Allianzen im Ausland aufzubauen. Vielleicht gibt es auch hierfür ein offenes Ohr der Politik und der Banken, diese Schritte zu unterstützen.

Matthias Wierlacher, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Aufbaubank griff in der Diskussion die Idee auf. Letzten Endes würde dies jedoch ein Signal der Politik voraussetzen. Künftig sei, so Prof. Dr. Bratzel, nicht „der Stärkere“ der Gewinner, sondern jener, der schnell auf Veränderungen reagieren könne. Damit sprach er v.a. die Themen Internationalisierung und Erweiterung des Produktportfolios für eine andere Wertschöpfung an.

Die Kleinteiligkeit der Unternehmensstruktur und die daraus resultierenden Überlebensmöglichkeiten würden vor allem den lokalen kleineren Produzenten Sorgen bereiten, so Dr. Militzer. Die Globalisierung und Produktionsverlagerung in das außereuropäische Ausland verlange viel unternehmerischen Mut, eine sichere finanzielle Basis und erfordere geradezu einen fairen, verlässlichen Umgang zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. Dies lasse derzeit in der Praxis stark zu wünschen übrig, wie zahllose Beispiele zeigen.

Das Thema fehlende Fachkräfte im Bereich der Meister und Techniker wird u. a. weiterhin Bestandteil von Diskussionen mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sein. Im Gespräch stellte er klar, er wolle sich als Vertreter der Politik um Wissenschaft und Bildung am Automobilstandort Thüringen weiterhin bemühen. Auch die Situation zwischen OEMs und den Zulieferern sei derzeit nicht zufriedenstellend und ihm durchaus bekannt. Daran müsse gearbeitet werden.

Andrea T. | | Quelle:

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