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 | Bildquelle: Forstamt

Beschreibung:
Bildquelle: Forstamt

Der kleine Hainich

Einen eigenen «Buchennationalpark» weist das Forstamt Marksuhl aus. Im Forstrevier Kohlbach bei Gerstungen werden etwa 110 Hektar Waldfläche aus der Bewirtschaftung genommen. Hierbei handelt es sich um ein Gebiet, wo aufgrund der Grenzlage die Holznutzung seit langer Zeit ohnehin sehr extensiv bzw. gar nicht stattgefunden hat. Mit der Ausweisung dieser so genannten Naturwaldparzelle «Arnsberg-Kohlbach» tritt der Mensch dort nur noch als Beobachter auf.
Das Forstamt möchte in den Waldbeständen eine eigenständige dynamische Entwicklung zulassen. Ziel ist es unter anderem, günstige Lebensbedingungen für Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, insbesondere für welche, die auf das Vorkommen von Alterungs- und Zerfallsphasen von Wäldern angewiesen sind.
«Als Förster sind wir auch daran interessiert, wie natürliche Prozesse auf den Wirtschaftswald übertragen werden können,» so Marksuhls Forstamtsleiter Ansgar Pape. Die Naturwaldparzelle wird durch die Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei in Gotha wissenschaftlich betreut. Aufgrund der schon vorhandenen alten Bäume und des hohen Totholzanteiles hat Revierförster Mario Ehrhardt bereits sechs Spechtarten bestimmt und als «Nachmieter» in den Spechthöhlen Hohltaube, Sperlings -und Raufußkauz sowie mehrere Fledermausarten festgestellt. Habicht, Sperber und Rotmilan fühlen sich hier ebenfalls wohl. Für den Schwarzstorch ist das abgelegene Gebiet ein ideales Brutrevier, das aufgrund des renaturierten Kohlbaches auch ausreichend Nahrung bietet. Mit etwas Glück kann man sogar tagsüber Rehe, Rotwild oder auch Wildschweine beobachten.
Wie im Nationalpark Hainich hat auch die Wildkatze in diesem idyllischen Waldgebiet ihr zu Hause. Ansgar Pape weist jedoch darauf hin, dass auch im restlichen Forstamtsbereich zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten trotz oder gerade wegen der Bewirtschaftung zu finden sind.
Die häufige Ausweisung von «Biotopen des Monats» durch den BUND im Forstamtsbereich Marksuhl unterstreicht seiner Meinung nach die Feststellung, dass Schutz und Nutzung keinen Gegensatz darstellen müssen.
Der Forstamtsleiter hat in seiner Dienstzeit im Erfurter Umweltministerium aktiv am Nationalparkgesetz und an der Ausweisung des Nationalparks Hainich mitgearbeitet. Er warnt jedoch davor, die Berufsgruppe des Försters zu trennen: einmal in die «Guten» des Nationalparks, die den Wald ausschließlich schützen und die «Bösen» anderen, die ihn nutzen. Dabei sei Holz in Deutschland der wichtigste nachwachsende und gleichzeitig klimafreundliche Rohstoff. Ein Leben des Menschen ohne Nutzung der Natur sei nicht möglich. «Das Waldgesetz fordert von uns den Gleichklang von Naturschutz, Erholung und Holznutzung. Dies ist oft ein Spagat, der nicht nur anspruchsvoll, sondern auch unheimlich reizvoll ist», beschreibt Ansgar Pape das Berufsbild abschließend.

Rainer Beichler | | Quelle:

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