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Gastwirt schreibt Ministerpräsidenten

Reico Müller, Betreiber des Restaurantes «Hinz & Kunz» in der Ernst-Thälmann-Straße schriebt an den Thüringer Ministerpräsidenten, darin bittet er Dieter Althaus um Unterstützung:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Althaus,

als Betreiber des Restaurants «Hinz & Kunz» in Eisenach wende ich mich an Sie mit der dringenden Bitte um Unterstützung.
Wie in vielen anderen Bundesländern wurde das Nichtraucherschutzgesetz eingeführt und durchgesetzt.
Es freut mich sehr, dass dies die Politik möglich machte. Mir fällt es daher etwas leichter, meine Gäste auf etwas mehr Rücksicht gegenüber der anderen Gästen hinzuweisen.

In Wirklichkeit sieht es aber so aus, dass schon jetzt ca. 60% meiner rauchenden Gäste ankündigten, mein Restaurant nicht mehr zu besuchen, wenn sie da nicht mehr rauchen dürfen. Das hat für meine Existenz jedoch schwerwiegende Folgen, denn dann kann ich mein Restaurant schließen.
Mit dem Ausbleiben der rauchenden Gäste werden auch Nichtraucher fern bleiben. Deshalb befürchte ich einen Umsatzrückgang von mehr als 40%. Die ohnehin steigenden Energiepreise machen es schon jetzt schwer, gewinnbringend zu wirtschaften.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, mein Restaurant befindet sich in einem Wohngebiet, in welchem überwiegend ältere und sehr alte Menschen wohnen. Diesen Menschen bieten wir zum Mittag verschiedene Tagesessen zu einem sehr erschwinglichen Preis. Das Kaffeegeschäft wird von dieser Altersgruppe auch gern angenommen. Der Hintergrund ist jedoch nicht der Konsum in meinem Restaurant, sondern ist eher im sozialen Bereich zu suchen.
Eine Großzahl der Menschen lebt allein, weil der Lebenspartner verstorben ist. Andere wieder sind auf Grund ihres Alters körperlich sehr eingeschränkt, so dass sie weitere Entfernungen nicht mehr bewältigen können.
Da unser Restaurant rollstuhlgerecht gebaut wurde, spricht es auch gehbehinderte Menschen in der Nähe an.

Selbstverständlich besuchen uns auch jüngere Menschen. In allen Schichten gibt es sowohl Raucher als auch Nichtraucher. Die meisten jedoch haben alle etwas gemeinsam:
Sie treffen sich um Geselligkeit zu finden, sich gegenseitig auszutauschen, zu lachen, Spaß zu haben oder einfach nur etwas zu essen.

Ich selbst habe dieses Restaurant im Februar 2008 übernommen und dafür sehr viel Geld Investieren müssen.
Uns ist es aber leider nicht möglich, die Räumlichkeiten zu ändern. Wir bewirtschaften ca. 90 qm, mit 40 Sitzplätzen. Wir haben eine «Einraumgastronomie».
Da ich etwas behindert bin, konnte ich vom Arbeitsamt nicht vermittelt werden und habe auch kaum eine Chance, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Meine Lebensgefährtin und ich entschlossen uns deshalb, das Restaurant «Hinz & Kunz» zu übernehmen, um uns den weiteren Lebensunterhalt mit eigenen Mitteln und Eigeninitiative zu sichern. Meine Aufgabe in unserem Geschäft obliegt der administrative Bereich.

Wir beabsichtigen aus unserem Geschäft einen kleinen Ausbildungsbetrieb zu machen, um auch anderen jungen Menschen eine Hilfe zu sein und dem Lehrstellenmangel vorzubeugen.

Der Name «Hinz & Kunz» steht für: Restaurant für Jedermann, was auch mein Firmenlogo ist. Unser Restaurant ist für alte und junge Menschen, Menschen aller Nationalitäten und Ansichten offen.
Es muss auch für nichtrauchende und rauchende Gäste geöffnet bleiben. Viel mehr wert als ein gesetzliches Verbot sollte die Arbeit am Gast selbst sein.
So habe ich den hinteren Teil meines Restaurants zum Nichtraucherbereich erklärt, welches von den meisten Gästen akzeptiert wurde.
Für die Zukunft soll auch ein Rauchverbot während der Speisezeit (ähnlich wie in der ehemaligen DDR) eingeführt werden.
Ich habe die Absicht, dann zu den Essenszeiten von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr und von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr ein Rauchverbot einzuführen.
Mit den Einschränkungen werden die Gäste eher umgehen können und wir erhalten damit auch den Ort für Begegnungen, Familienfeiern, kulturelle Veranstaltungen, Tanznachmittage für unsere Senioren u.v.m.
Wir meinen, dass die sozialen Aspekte in der Betrachtung unseres Restaurants genauso gewichtig sind.

Mein Geschäft ernährt meine Lebensgefährtin, die Tochter mit Kind und mich.
Wir sind zudem in einen kleinen Gewerbekomplex eingeschlossen, in welchem wir gegenseitige Geschäftsbeziehungen pflegen. So lassen wir uns vom anliegenden Blumengeschäft unser Restaurant dekorieren, welches von einer alleinstehenden Frau mit vier Kindern bewirtschaftet wird. Lebensmittel für die Speisezubereitung kaufen wir teilweise auch im benachbarten Supermarkt. Damit sind wir ein wichtiger Kunde auch für diese Firmen.

Wenn also das Thüringer Nichtraucherschutzgesetz in bestehender Form durchgesetzt werden sollte und keine Ausnahmen wie in anderen Bundesländern eingeräumt werden, sehe ich schon jetzt die Existenz meiner Familie auf das Stärkste gefährdet. Wir würden entgegen unserer Lebensauffassung mit sehr hohen Investitionsverbindlichkeiten sozialhilfebedürftig.

Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass wir unser Restaurant weiter führen dürfen. Viele der Mitmenschen werden Ihnen aus o.g. Gründen dankbar sein. Die Zukunft meiner Familie ist mir als Geschäftsinhaber dabei genauso wichtig und stellt für mich Herausforderung und in erster Hinsicht Verantwortung dar.
Wir haben viel Mühe und Liebe in den Aufbau unserer neuen Existenz gesteckt, welche die neuen gesetzlichen Regelungen zunichte machen würden.

Hochachtungsvoll

Reico Müller
Hinz & Kunz
Restaurant für Jedermann

Rainer Beichler |

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