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Testfahrer stromern durch Thüringen

E.ON Thüringer Energie arbeitet schon jetzt an der Energiezukunft des Freistaates: Mit dem Großversuch «Mobil mit Strom – Teste die Zukunft» startet das Unternehmen den ersten thüringenweiten Flottentest von Elektromobilen. Dafür werden acht Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb vom Typ Mitsubishi i-MiEV ein Jahr lang an Testfahrer ausgeliehen, die aus mehr als 5000 Bewerbern ausgewählt wurden.
Allein durch den Langzeittest erhöht sich die Anzahl der in Thüringen zugelassenen PKW mit reinem Elektroantrieb um 50 Prozent.

Alle Testwagen werden am Tag durchschnittlich bis zu 70 Kilometer zurücklegen und jeweils über Nacht von den Nutzern an speziellen Stromladeboxen aufgeladen. Ein digitaler Zähler zeichnet alle Daten rund um den Ladevorgang im 15-Minuten-Takt auf, die über Funk abgerufen und zentral ausgewertet werden können. Zusammen mit den ebenso elektronisch erfassten Fahrzeugdaten wie der täglichen Kilometerleistung, Stand- und Fahrzeiten oder Durchschnittsgeschwindigkeit lassen sich sogenannte Ladekurven ermitteln, aus denen die Experten von E.ON Thüringer Energie verschiedene Szenarien für Elektromobilität errechnen und daraus Rückschlüsse für die Auswirkungen auf das Stromnetz ziehen können.
Darüber hinaus soll die Gesamtauswertung aller Einzeldaten in der Entwicklung eines möglichen Modells für gesteuertes Laden münden, das die gezielte Nutzung regenerativer Energiequellen für den Elektroverkehr möglich machen würde.

«Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist eine der großen Herausforderungen für die Energiezukunft», sagte Heidi Schulze, Vertriebschefin von E.ON Thüringer Energie, bei der Übergabe der Elektroautos. Das Unternehmen habe deshalb bereits vor Jahren begonnen, das Stromnetz intelligent und zukunftstauglich zu machen. Dazu zähle die Erhöhung der Leistungsfähigkeit genauso wie die Ausrüstung elektrischer Anlagen mit moderner Leit- und Kommunikationstechnik. «Unser Anspruch ist es, bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien zur regionalen und dezentralen Energieversorgung eine führende Rolle zu übernehmen», erklärte Schulze.

Im vergangenen Jahr hat E.ON Thüringer Energie in Nohra (Landkreis Weimarer Land) die erste öffentliche Strom-Tankstelle Thüringens errichtet, weitere sechs Ladestationen werden im Rahmen des Projektes «E-Wald» unmittelbar am Rennsteig aufgestellt. Mit dieser Aktion soll überwiegend behinderten Menschen ermöglicht werden, den Rennsteig umweltfreundlich mit Elektromobilen zu erkunden. Das erste von E.ON Thüringer Energie eingesetzte Elektromobil ist seit Anfang Juni als Kurierfahrzeug des Verkehrsministeriums im Erfurter Stadtgebiet unterwegs.

In der Wartburgregion werden zwei E-Fahrzeuge laufen. Ulrike Milnickel aus Wenigenlupnitz erhielt am Mittwoch ihr Testfahrzeug. Sie ist Behindertenbetreuerein in Gotha, muss so jeden Tag bis Gotha fahren. «Ich finde es total wichtig, dass wir uns alle für unsere Natur einsetzen. Sonst kann der kleine Mann immer wenig machen – das ist hier anders. Jetzt kann ich meinen Leuten zeigen, dass ich was für die Umwelt mache».
Neben Frau Milnickel dürfen weiter drei Familienmitglieder offiziell das Auto testen. Sie ist gespannt auf die Fahrten. Das Auto ist sehr ruhig und leise, alles klappern hört man. Neugierig sind alle auf das Fahrverhalten – den ist der Strom alle, steht das Auto.
Eigens für den E-Mitsubishi hat die Garage einen E-Anschluss von E.ON bekommen.

Auch für Erik Thürmer aus Barchfeld gib es ein E-Fahrzeug. «Als Feuerwehrmann bin ich schon von Berufs wegen sehr an Technik interessiert. Außerdem bin ich ehrenamtlich in diesem Bereich tätig und viel unterwegs. Als Nachwuchsausbilder betreue ich mehr als 60 Vereine».
Das Auto wird von den beiden Personen aus dem Wartburgkreis ein Jahr intensiv getestet.
Danach gibt es eine weitere Testphase mit anderen Fahrern.

Stichwort: Elektromobilität
Nach einer Studie des ACE Auto Club Europa waren in Deutschland zu Jahresbeginn 2307 Pkw mit reinem Elektroantrieb zugelassen, davon lediglich 15 in Thüringen. Mit dem Langzeit-Flottenversuch von E.ON Thüringer Energie erhöht sich damit der Bestand an Elektrofahrzeugen in Thüringen sprunghaft um 50 Prozent.
Bis zum Jahr 2020 sollen in Europa acht Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein, davon rund eine Million in Deutschland und ca. 28000 in Thüringen. Nach dem Szenario des «Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität» der Bundesregierung soll der Bestand in Thüringen anschließend rasant auf rund 140000 im Jahr 2030 steigen (Deutschland: 5 Mio.).
Jeder vierte Automanager in Europa glaubt, dass E-Fahrzeuge 2018 kein Nischenprodukt mehr sein werden, sondern echte Alternativen zu den herkömmlichen Dieselautos und Benzinern. Im Schnitt wird mit dem Durchbruch der neuen Antriebsform für 2022 gerechnet. Das geht aus dem «European Automotive Survey 2011» hervor, den die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young am 29.8.11 in Frankfurt am Main vorgestellt hat. An der Studie beteiligten sich die Führungsetagen von gut 300 europäischen Zulieferern und Autobauern.
Elektroautos sind abgasfrei und entlasten damit vor allem Städte von den bisherigen Verkehrsproblemen Feinstaub und CO2. Darüber hinaus sind sie auch sehr wirtschaftlich: Die Fahrzeugakkus haben eine Kapazität von 16 kWh. Bei einem Strompreis von derzeit 24,42 Cent je kWh kostet eine Volladung 3,91 Euro. Bei einer möglichen Distanz von 150 km entspricht dies 2,61 Euro auf 100 km. Bei einem mit Benzin betriebenen Fahrzeug kostet der Kraftstoff auf der gleichen Distanz mit 10,43 Euro etwa das Vierfache (Basis: Verbrauch 7 Liter pro 100 km, Kraftstoffart Super E10 bei 1,49 Euro je Liter).

Ulrike Milnickel

Rainer Beichler | | Quelle:

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