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Dr. Anne Röthig von der Ziola GmbH, Iris Theer (Teamleiterin Jobcenter Eisenach) und Susanne Zenkert (Geschäftsführerin Jobcenter Wartburgkreis) (v. li.) sind überzeugt davon, dass ein Mini-Job ausbaufähig ist. | Bildquelle: © Martindi GmbH

Beschreibung: Dr. Anne Röthig von der Ziola GmbH, Iris Theer (Teamleiterin Jobcenter Eisenach) und Susanne Zenkert (Geschäftsführerin Jobcenter Wartburgkreis) (v. li.) sind überzeugt davon, dass ein Mini-Job ausbaufähig ist.
Bildquelle: © Martindi GmbH

Zeit ist reif für neuen Blick

Wanderausstellung „Warum Minijob? Mach mehr draus!“ im Wartburgsparkassen-Foyer

Viel Wissenswertes zum Thema Minijob und Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Familienphase erfahren Besucherinnen und Besucher des Ausstellungsraums im Foyer der Wartburgsparkasse. Noch bis Ende August ist dort die Wanderausstellung „Warum Minijob? Mach mehr draus!“ zu sehen.

Cindy Benesch (32) ist gelernte Köchin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ihrer Erziehung widmete Cindy einige Jahre, in denen sie sich mit Minijobs über Wasser hielt. Jetzt könnte sie wieder Vollzeit einsteigen.

Doch interessante Arbeitgeber bieten keine Mutti-Schichten an, also von 7 bis 15 Uhr und frei an den Wochenenden. Ich weiß nicht, wie ich sonst meine Kinder umsorgen soll. Tatsächlich würde ich aber gern in meinen alten Beruf zurückfinden, erklärt die 32-Jährige.

Sie nimmt teil am Projekt des Schulungshauses Ziola GmbH „Perspektive Wiedereinstieg“ (PWE) und hofft dadurch wieder Fuß fassen zu können auf dem Arbeitsmarkt. Frauen wie Cindy erhalten dort kompetente Beratung und praktische Unterstützung, um das Ziel Wiedereinstieg in den Beruf zu erreichen. 4,7 Millionen Frauen sind deutschlandweit als Minijobberin unterwegs, im gesamten Wartburgkreis sind es 3.800 und allein in der Stadt Eisenach 1.600. Während Frauen beim Spagat zwischen Familie und Beruf oft deutliche Blessuren davontragen, haben Männer bei gleicher Ausgangslage deutlich bessere Chancen, ihre Karriere voranzutreiben. Diese Erkenntnis erlangten Ausstellungsbesucher spätestens bei einem kurzen Straßentheater-Stück innerhalb der Eröffnungsfeier. Herr Jacob und Frau Jacobi starten den Dauerlauf ihres Lebens bei gleich guter Ausgangslage: beide gut ausgebildet, jung und ungebunden. Derweil sie bereits Schwierigkeiten beim Bewerben hat und später für die Familie pausiert, läuft er Runde um Runde – ungestört und bis zum Ziel des wohlverdienten Rentenbescheids.

Foto: © Martindi GmbH

Foto 2: Gleiche Startbedingungen führen nicht zu gleichem Erfolg, wie die beiden Sportler in einem kurzen Theaterstück während der Ausstellungseröffnung bewiesen.

In der Wanderausstellung „Warum Minijob? Mach mehr draus!“ wird ein Thema beleuchtet, dass dem Zeitgeist nur noch bedingt entspricht.

Mein Minijob war während des Studiums die passgenaue Lösung, aber heute wäre ich damit tot unglücklich, erklärt Anna Kappler, PWE-Projektkoordinatorin in der Ziola GmbH.

Dank ihres Engagements macht die Ausstellung Station in Eisenach und klärt auf über Mythen und Irrtümer zum Thema. Kappler betreute in den letzten beiden Jahre Teilnehmerinnen im PWE-Projekt und neben ihr wissen auch Jobcenter und Unternehmer um die Brisanz dieses Anstellungsverhältnisses.

Urlaubsregelung, Kündigungsschutz, Rentenversicherung, zusätzliche Leistungen vom Amt – all das sind Probleme des Minijobs, den viele als ‚Aushilfe oder Arbeit zweiter Klasse‘ betrachten. In dieser Erwerbsgruppe liegt Potenzial, dass man angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Druck nutzen sollte, meint auch Susanne Zenkert, Geschäftsführerin des Jobcenters Wartburgkreis.

Auch Roland Mahler, Geschäftsführer des Jobcenters Eisenach, stimmt da zu:

Nach 15 Jahren Minijob wird es Zeit, dass man einen anderen Blick auf dieses Beschäftigungsverhältnis wirft.

Diesen modernen Blick auf die Arbeitswelt hat die Firma Lindig GmbH. Unter den 300 Mitarbeitern ist keine einzige Mitarbeiterin oder Mitarbeiter mit Minijob. Deshalb hatte sich Peter Vollmar, Personalleiter bei Lindig, ein wenig über die Einladung als Redner bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch gewundert.

Firmen, die bis jetzt noch nicht an familienfreundliche Unternehmenspolitik gedacht haben, leben hinterm Mond, schmunzelt Vollmar und zählt auf: Lindig Mitarbeiter profitieren beispielsweise von äußerst sympathischen Optionen, wie Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten, einfachem Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit. Das fordert natürlich kein Bewerber proaktiv ein, aber unser Angebot ist verlockend. Es motiviert, bindet ans Unternehmen, steigert dessen Qualität und Produktivität und beschert uns eine gute Auswahl an Bewerbern.

Dem Anbieter von Fördertechnik geht es wirtschaftlich sehr gut. Er wird als Top Arbeitgeber ausgezeichnet und engagiert sich in der Region. Der unternehmerische Erfolg ist eng verbunden mit dem fairen, solidarischen Angestelltenverhältnis, das Geschäftsführer Sven Lindig pflegt und ausbaut.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Felix Berg

    Ein bisschen eine Farce ist das mit den Minijobs schon. Immerhin könnten auch Reguläre Arbeitsplätze im Notfall auf weniger Arbeitsstunden gekürzt werden, Kinderbetreuung, Altenpflege usw. Über einen Minijob in Reguläre Vollbeschäftigung zu kommen, davon träumen die Macher und die Beschäftigungssuchenden nur. denn auch sie wollen ja eine Daseinsberechtigung. Dafür gibt es Branchen die den Minijob zum Geschäftsmodell gemacht haben, nichts ist billiger und Wirtschaftlicher als ein Stundenhopper und befreit vorzüglich von sonst üblichen sozialen Abgaben, denn jene liegen mit dem Minijobbermodell sehr weit unten. Davon hat die Gesellschaft keinen Nutzen und diese Minijobber auch nicht, im Gegenzug zu reduzierten Stunden. Man bedenke dabei auch das Minijobs in der Regel auch Minilöhne beinhalten.

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