Am Ort der Grausamkeit

„Es ist in eurer Hand, dass das nie wieder geschieht“. Damit meinte Margot Friedländer, eine der letzten Überlebenden des Holocaust, dass wir die Verantwortung haben, dass sich Taten aus jener Zeit nicht wiederholen. Bereits vor unserer Studienfahrt nach Auschwitz haben wir, 28 Schülerinnen und Schüler der elften und zwölften Klasse des Martin-Luther-Gymnasiums, uns mit diesem Zitat beschäftigt. Doch erst vor Ort wurde uns bewusst, welche Ausmaße der Holocaust hatte und was die Worte Margot Friedländers wirklich bedeuten. Wir besuchten Anfang November in Begleitung unserer Lehrkräfte Frau Koch und Herr Ifland die Gedenkstätte des Stammlagers Auschwitz I sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Eine Woche lang hatten wir die Möglichkeit, uns intensiv mit den schrecklichen Ereignissen des Holocaust auseinanderzusetzen, vor allem mit jenen, die in und um Auschwitz geschahen.

Nach unserer Ankunft in Oswieçim konnten wir erste Eindrücke im Stammlager Auschwitz I erlangen. Am einprägsamsten waren dabei die Räume, die mit Haaren, Brillen und Schuhen der Opfer gefüllt waren sowie Zeichnungen von Kindern, die den Alltag und die Gedanken der Kinder in Auschwitz widerspiegelten. Die Kindergemälde zeigten grauenvolle Dinge, wie erhängte Menschen oder SS-Wächter mit Waffen. Wenn wir an die Führung zurückdenken, können wir unsere Gedanken und das Gehörte und Gesehene nicht in Worte fassen, jedoch kam bei uns immer wieder die Frage auf, wie solche Grausamkeiten in diesem Ausmaß passieren konnten.

Caya Schlegelmilch – Gleis im Nebel

Als wir am nächsten Tag vor den Toren des Vernichtungslagers Birkenau standen, waren diese von dichtem Nebel umgeben. Man konnte nur die Umrisse erkennen. Es war ein bedrückendes Gefühl, durch dieselben Tore zu gehen wie die Menschen, deren todesurteil mit der Fahrt durch diese Tore gefallen war.

Trotz unserer warmen Bekleidung froren wir, und uns wurde noch einmal stärker bewusst, unter welchen Verhältnissen die Menschen dort untergebracht waren. Die Führung durch die Gedenkstätte brachte uns auch zu den Überresten ehemaliger Gaskammern und Krematorien. Die Größe des Geländes wurde uns deutlich, als wir für den Rückweg zum Eingang zu Fuß eine halbe Stunde benötigten.

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