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Wenn das Unmenschliche auf menschlichem Boden geschieht

Schüler des Elisabeth-Gymnasiums Eisenach stellen sich immer wieder ein und dieselbe Frage: Warum?

Freitag, 28.09.2018. Ehemaliges Konzentrationslager Auschwitz. Die Antwort auf diese Frage zu finden, scheint schwer. Je öfter man sie sich stellt, umso schwieriger scheint die Antwortsuche. Dies musste auch die elfte Klassenstufe des Elisabeth-Gymnasiums Eisenach feststellen. Die diesjährige Studienfahrt führte einen Teil der Klassenstufe unter anderem an den Ort, an dem sich das Unmenschliche auf menschlichem Boden abspielte. Zum wiederholten Mal wählten einige Schüler Krakau als Ort ihrer Studienreise. Eine Reise, die sie noch lange beschäftigen wird, da sie Seiten unseres Wesens hervorbringt, die wir selbst nur schwer für möglich halten.

Montag, 24.09.2018. Eisenach, 5 Uhr morgens. Neununddreißig ermüdete Gesichter steigen in den Bus, der sie nach mehreren kurzen und einer längeren Pause in Breslau nach Krakau bringt. Verschlafen, in Träumen versunken. Eine straffe Woche liegt vor ihnen. Eine Woche, die ein schweres Ziel mit sich führt: Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Zur Vorbereitung wird unter anderem der Film „Schindlers Liste“ gezeigt. Dazugehörige Aufgaben werden erledigt, das Thema der Studienreise verinnerlicht. Zwölf Stunden später erreicht die Reisegruppe ihr langersehntes Ziel.

Ihren ersten freien Abend nutzen die Schüler ausgiebig zur Erkundung der Stadt. Die kleinen Geschäfte, der riesige Marktplatz, die Lichter der Nacht. Ein jeder ist angetan von der ihnen gebotenen Schönheit Krakaus.

Der darauffolgende Tag beginnt mit der Erkundung des jüdischen Viertel Kazimierz, welches als Drehort für „Schindlers Liste“ diente. Nach der Führung verstreuen sich die Schüler erneut, um Krakau von seiner ganz eigenen Seite kennenzulernen.

„Auf den Spuren von Oskar Schindler“ heißt es am Mittwoch, dem 26.09.18. Mit dem Besuch des Krakauer Ghettos Podgorze und des Schindler-Museums Krakau wird den Schülern die Geschichte jenes Mannes nähergebracht, der einst über eintausend Juden das Leben rettete. Ein typisch polnisches Abendessen beendet diesen Tag, an dem noch einmal deutlich wurde, weshalb sich die Schüler auf diese Reise begeben hatten. Weitere Führungen durch das Arbeiterviertel Nowa Huta und die Universität Collegium Maius Jagellon, der zweitältesten Universität Europas nach Prag, schließen den praktischen Aufenthalt in Krakau ab.

Am nächsten Tag führte uns die Reise in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Bei Sonnenschein und Temperaturprognosen, die einen wunderschönen Tag versprechen, steigen wir aus dem Bus. Ein Wetter, das überhaupt nicht zu diesem Ort zu passen scheint und das alles, was hier erfahren und sehen, noch unwirklicher macht. Schon beim Gang durch das Eingangstor schaudert allen, auch wegen der bedrückenden Stille, die hier trotz vieler Besuchergruppen herrscht. Die Berichte, die Ausstellungsgegenstände, die Unmittelbarkeit erloschenen Lebens berührt alle. Nach drei Stunden fahren wir nach Auschwitz-Birkenau, dem größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Auch hier erwarten uns unfassbare Bilder und Geschichten. Die Schüler der elften Klassenstufe des Elisabeth-Gymnasiums Eisenach und drei Lehrer stehen im Kreis, versammelt um einen Gedenkstein, jeder von ihnen mit einem Spruch auf den Lippen, der zum aktuellen Geschehen: zu Ehren der Toten oder wider das Vergessen passt. Die Lehrerin legt eine weiße Rose nieder. Ein tiefes Schweigen bricht ein. Tränen fließen. Unwirklich scheint die Vorstellung mit eigenen Füßen den Boden zu berühren, auf dem damals das Unmenschliche geschah. Tausend Gedanken schwirren durch die Köpfe, doch einer vereint sie alle. Die Frage nach dem „Warum?“. Selbst an diesem Ort scheint die Frage unlösbar. Fest steht jedoch, dass an diesem Ort die Erinnerung, die Akzeptanz und der Zusammenhalt einen unschätzbaren Wert erhalten. All diese Gedanken zeigen deutlich: Jeder Mensch wird in eine Nationalität, eine Religion hineingeboren. Vieles im Leben ist beeinflussbar, dies jedoch nicht. Sei es Schicksal, ein feststehender Plan. Trotz aller Religionen, aller Nationalitäten, schlussendlich vereint uns alle eine ganz entscheidende Tatsache: Wir sind alle Menschen. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Andrea T. | | Quelle:

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