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Susanne Köhler: Stabil öffnen – ein Appell zur Öffnung von Schulen in der Pandemie

Wöchentliche Zitterpartie statt regelmäßigem Unterricht, das ist für Kinder und Jugendliche und ihre Familien in Thüringen seit einem Jahr bittere Realität. Die dadurch entstehenden Schäden liegen keinesfalls nur im kognitiven Bereich, sondern betreffen vor allem die allgemeine Entwicklung. Und wie immer ist es so, dass soziale Benachteiligung sich in schwierigen Situationen verstärkt und die „soziale Schere“ noch weiter auseinandergeht, als das ohnehin längst der Fall ist.

Kinder und Jugendliche müssen also unbedingt regelmäßig die Schule und den Kindergarten* besuchen, unabhängig von Inzidenzwerten, um immense Schäden für ihre Entwicklung zu vermeiden. Was brauchen wir in den Schulen dafür? Wir benötigen eine Masken- und Testpflicht, die Einhaltung der Mindestabstände, schulische Hygienekonzepte, möglichst viele Geimpfte und eine verlässliche Kommunikationsstruktur mit den Gesundheitsämtern.

* Frühkindliche Bildung hat den gleichen Stellenwert wie schulische. Im Konzept beziehe ich mich auf die Schulen, weil mir bei Kindergärten die interne Kenntnis fehlt. Viele Maßnahmen sind aber sicher übertragbar.

Was davon haben wir bereits?

+ Maskenpflicht – vorhanden

+ Testpflicht – vorhanden

+ Einhaltung der Mindestabstände – kann durch Wechselunterricht herbeigeführt werden

+ schulische Hygienekonzepte, die den Besonderheiten vor Ort Rechnung tragen – vorhanden

+ möglichst viele Geimpfte an den Schulen – in Kürze vorhanden, denn inzwischen konnten alle Pädagog/innen zumindest Impftermine vereinbaren, viele sind auch schon mindestens das erste Mal geimpft und erhalten bald die zweite Impfung. Auch die Impfung von Kindern ist nun im Gespräch, aber wir können mit der verlässlichen Schulöffnung nicht warten, bis Zulassungs- und Impfprozess abgeschlossen sind.

eine verlässliche Kommunikationsstruktur mit den Gesundheitsämtern – daran hapert es momentan vielfach aufgrund der Belastungssituation in den Ämtern. Die Schulen schreiben anonyme Mails mit einer Beschreibung der aktuellen Situation und haben immer wieder andere Mitarbeiter/innen, die danach mit ihnen in Kontakt treten. Hier muss nachgebessert werden.

Fazit: Bis auf eine notwendige Verbesserung der Kommunikationsstrukturen zwischen Gesundheitsämtern und Schulen sind alle Voraussetzungen für eine verlässliche und von Inzidenzwerten unabhängige Öffnung der Schulen gegeben.

Damit sei nicht behauptet, dass es keine Infektionen und Ansteckungen in Schulen geben wird. Auf ein lokales Geschehen muss lokal reagiert werden, zur Not auch mit der Schließung einer Schule. In der Vergangenheit war es aber häufig so, dass infizierte Kinder wenig andere Ansteckungen zur Folge hatten. Und: In der Wirtschaft wird dieses Risiko ja auch eingegangen.

Vorschlag für die Kommunikation mit den Gesundheitsämtern: Jede Schule bekommt eine feste Kontaktperson, so dass Gespräche über notwendige Maßnahmen in einem gleichbleibenden und persönlicheren Rahmen besprechen könnte. Bei PCR-Tests gebensowohl Eltern und volljährige Schüler/innen als auch Personal gleich diese Kontaktperson an, um Informationsverzögerungen vorzubeugen. Dadurch wird die bei allen Beteiligten so gefürchtete Zeit der Unsicherheit bei einer positiv getesteten Person im Schulumfeld deutlich geringer gehalten.

Deshalb mein Appell an Politiker/innen auf der Bundes-, Landes-, und kommunalen Ebene. Bitte setzen Sie sich auf allen Ebenen für eine stabile und verlässliche Öffnung der Schulen unabhängig von Inzidenzwerten ein und schaffen Sie die Voraussetzungen dafür.

Auch wenn momentan die „Bundes-Notbremse“ greift und Änderungen vorerst nicht möglich sind, muss jetzt unbedingt die Zeit genutzt werden, um den Weg für die Zeit danach frei zu machen. Es bleiben Fragezeichen und Ungewissheiten, und manchen scheint es zu riskant. Jedoch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Schulen und Kindergärten durch die monatelange Notbetreuung faktisch bereits geöffnet sind.

Deshalb nochmals mein Appell: Geben Sie  so bald wie irgend möglich allen Kindern und Jugendlichen wieder die Chance, die Schule zu besuchen. Eine ganze Generation wird es Ihnen danken.

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