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Abschluss der Kampagne „1989-2009 | Gesegnete Unruhe“

Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland ist die friedliche Revolution des Herbstes 1989 in der DDR bis heute Grund zur Dankbarkeit. Sie ist ein Zeichen für das Wirken von Gottes Geist und dafür, dass wir von ihm überrascht werden – über alle menschliche Vernunft und Wahrscheinlichkeit hinaus.

Im Herbst 1989 sind die Menschen aus den Kirchen auf die Straßen und Plätze gezogen. Die Friedensgebete haben wesentlich beigetragen, die Revolution gewaltfrei zu gestalten. Viele Menschen – Christen und Nichtchristen – haben eine lebendige Kirche erlebt. Sie hat Räume geöffnet. Menschen konnten so den Mund aufmachen und Veränderungen für ihr Land einfordern.

In vielen Kirchengemeinden haben Basisgruppen und auch einzelne engagierte Christen im Jahrzehnt vor der Revolution und im Herbst 1989 Friedensgebete angeregt und organisiert. Sie haben sich auch in ökumenischer Gemeinschaft für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Sie mussten damit rechnen, für dieses Engagement vom Staat verfolgt zu werden; viele wurden verfolgt. Dennoch haben sich viele nicht einschüchtern lassen und ganz bewusst staatliche Vorschriften verletzt. So haben sie auf die diktatorischen Verhältnisse aufmerksam gemacht.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland würdigt, wie mutig und konsequent sich Menschen in den Kirchengemeinden und Basisgruppen eingesetzt haben. Dieses Engagement hat die Gesellschaft, wie auch die Kirche aufgerüttelt und belebt.

Zu Erinnerung und Dank gehört für unsere evangelische Kirche auch, die eigene Rolle kritisch zu reflektieren.

Mehrfach mussten die Basisgruppen sich den Raum in der Kirche gegenüber den kirchlich Verantwortlichen erstreiten. Wir sehen heute, dass sie nicht immer als selbstverständlicher Teil unserer Kirche betrachtet wurden. Gleichzeitig ist denjenigen in der Kirche zu danken, die diese Gruppen unterstützt haben. Die Auseinandersetzungen über Offenheit und politische Einmischung der Kirche haben geholfen, das Verhältnis der Kirche zum DDR-Staat immer wieder neu zu bestimmen.

In der evangelischen Kirche, in den Synoden, den Ökumenischen Versammlungen und Basisgruppen, haben Menschen sich selbst im aufrechten Gang als Bürgerinnen und Bürger erlebt. Sie haben Demokratie gelebt. Diese Erfahrungen haben vom Herbst 1989 an geholfen, in Staat und Gesellschaft demokratische Kultur zu entwickeln.

Wir ermutigen alle Christinnen und Christen, Bürgerinnen und Bürger, sich auch heute für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Die Lebens- und Überlebensfragen verlangen heute nach einem mutigen und konsequenten Engagement. Die Erfahrungen aus dem Herbst 1989 sind dabei Bestärkung.

Über das Jubiläumsjahr und die Kampagne „1989-2009 | Gesegnete Unruhe“ hinaus soll die kritische Reflexion des Herbstes 1989 und der beiden Jahrzehnte danach fortgesetzt werden. Vor uns liegt weiterhin der Weg unserer Kirche im konziliaren Prozess. Wir sehen bei vielen Menschen innerhalb und außerhalb unserer Kirche noch offene Enttäuschungen und offene Erwartungen. Wir hoffen, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können, dass offen darüber gesprochen werden kann und sie so auch heilen können. Daraus kann Ermutigung für aktuelles Engagement erwachsen.

Rainer Beichler | | Quelle:

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