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Dompropst aus Coventry überreicht Nagelkreuz in Eisenach

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de

Verpflichtung zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Eisenach erhält am kommenden Sonntag (8. Mai, 10 Uhr) in einem Gottesdienst in der Georgenkirche das Nagelkreuz der Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft. Die Übergabe erfolgt durch Dompropst John Witcombe aus Coventry. Nach dem Gottesdienst zieht die Gemeinde zur Nikolaikirche, wo das Nagelkreuz seinen Platz bekommen soll. Die Kirchengemeinde verpflichtet sich als Nagelkreuz-Zentrum, für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zu arbeiten und zu beten. Am 9. Mai wird Dompropst Witcombe mit Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die Ökumenische Bibelwoche in Eisenach eröffnen (18 Uhr, Nikolaikirche).

Das kommende Wochenende wurde für die Übergabe des Nagelkreuzes ausgewählt, weil der 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des 2. Weltkrieges begangen wird. Am 9. Mai wird in Thüringen an die Deportation der Jüdinnen und Juden im Jahr 1942 erinnert. Am 6. Mai 1939 wurde das sogenannte „Entjudungsinstitut“ in Eisenach gegründet.

Der Nagelkreuz-Gedanke hat hier Wurzeln geschlagen inmitten der Aufarbeitung der dunklen Vergangenheiten unserer Stadt, die in den letzten Jahrzehnten angegangen wurde – Entjudungsinstitut, Zwangsarbeit, Zerstörung der Synagoge und Deportation der Jüdinnen und Juden aus Eisenach, sagt Pfarrer Armin Pöhlmann. Nach vielen Jahren Vorbereitung ist es soweit: Das Nagelkreuz kommt nach Eisenach. Es soll uns begleiten bei den freitäglichen Nagelkreuzandachten, bei Friedensgebeten und Versöhnungsgebeten überall in unserer Kirchengemeinde.

Mit der Verleihung des Nagelkreuzes und der Aufnahme in die Gemeinschaft wird die Gemeinde verpflichtet, sich an dem von Coventry ausgehenden Versöhnungswerk zu beteiligen, die gemeinsame Lebensregel anzunehmen und die Liturgie von Coventry regelmäßig zu beten. Zu den ab Sonntag 74 Nagelkreuz-Zentren gehören aus Thüringen außerdem die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weimar und das Evangelische Augustinerkloster in Erfurt.

Hintergrund: Die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft ist eine weltweite Bewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung. Ausgangsort ist das britische Coventry. Die dortige Kathedrale hatten deutsche Bomber im Zweiten Weltkrieg zerstört. Aus Zimmermannsnägeln aus den Trümmern wurde das erste Nagelkreuz zusammengeschmiedet. Unter diesem Zeichen soll die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Nationen und Religionen ausgebaut werden, um so den Weg zu einem gerechten Frieden zu finden. Ziele sind, die Wunden der Geschichte zu heilen, mit Differenzen leben zu lernen sowie an einer Kultur des Friedens zu arbeiten. 1991 wurde in Dresden der Verein Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland gegründet. Inzwischen gehören bundesweit rund 180 Einzelpersonen sowie mit Eisenach 74 Gemeinden, Tagungshäuser, Schulen und andere Orte dazu. Gemeinschaften, die Nagelkreuzzentrum werden wollen, müssen versöhnendes Handeln deutlich werden lassen und einen Prozess des gegenseitigen Kennenlernens mit der Kathedrale von Coventry und der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft durchlaufen.

Das sogenannte „Entjudungsinstitut“ war das 1939 gegründete und von vielen Landeskirchen gemeinsam betriebene „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Von diesem Institut in Eisenach wurden unter anderem ein mit starker antisemitischer und nationalsozialistischer Ideologie geprägtes Neues Testament und Kirchengesangbuch herausgegeben.

Weitere Hinweise im Internet: www.nagelkreuz.de

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