13.500 Euro für mobiles Kulturgut: Thüringen fördert einzigartiges Kulturprojekt der Schlaraffia Eisenach

Bildquelle: Archiv Schlaraffia Eisenach – Peter Hamm (li.), 1. Vorsitzender der Schlaraffia Arnstadt/Gotha, überreichte dem 1. Vorsitzenden der Schlaraffia Eisenach, Volker Roeber (re.), persönlich das Ehrenamtszertifikat.
Traditionsreicher Verein erhält Landesmittel für innovatives Vermittlungskonzept – Vorsitzender mit Ehrenamtszertifikat ausgezeichnet
Eisenach. Die Schlaraffia Eisenach e.V. erhält aus Fördermitteln des Landes Thüringen einen Betrag von 13.500 Euro für die Beschaffung eines mobilen Kultur-Anhängers. Das sogenannte „KulThür-Mobil” soll die Öffentlichkeitsarbeit des traditionsreichen Kulturvereins unterstützen und im Rahmen des Pilotprojektes „ReychWeite” die schlaraffische Spielidee in Thüringen verbreiten.
Von Prag nach Eisenach: Eine Kulturgeschichte
Schlaraffia – für viele ein unbekannter Begriff, und doch Teil einer faszinierenden Kulturgeschichte seit 1859. Künstler und Theaterleute gründeten damals in Prag einen Verein, der sich jeder einfachen Erklärung entzieht: Eine Mischung aus Live-Rollenspiel, Theater, Musik, Dichtung und Humor, eingebettet in mittelalterlich inspirierte Rituale. Politik, Religion und Berufsthemen bleiben außen vor – Schlaraffia ist Spiel, Kunst und Freundschaft in einem.
Auch in Eisenach entstand Anfang 1925 das „Reych Ysenaha”, das bis 1937 fester Bestandteil der städtischen Kulturlandschaft war. Mit dem Verbot durch das NS-Regime endete diese Tradition abrupt. Der letzte Eisenacher Schlaraffe, Ritter Steno, verstarb 1978. In der DDR-Zeit fristete Schlaraffia ein Schattendasein – viele Vereine gingen unwiederbringlich verloren. Erst nach der Wende begann eine vorsichtige Renaissance in Thüringen.
Eisenach: Das neueste „Uhunest”
Im Jahr 2023 knüpfte Eisenach an seine historische Tradition an. Die Wiedergründung erwies sich als überraschender Erfolg: Binnen kürzester Zeit wuchs der Verein auf weit über 45 Mitglieder an. Jeden zweiten und vierten Montag im Monat trifft sich die Schlaraffia Eisenach in seiner Interimsburg (Burg bezeichnet in der Schlaraffia die Vereinsräume) im großen Saal des Augustiner-Bräu. Dort wird gespielt, musiziert, gedichtet und gelacht – in einer Atmosphäre, die historische Tradition mit zeitgemäßem Leben verbindet.
Parallel dazu sucht die Schlaraffia in der Eisenacher Innenstadt weiterhin nach einem geeigneten Gewölbekeller für künftige Treffen (30–50 Personen, idealerweise mit Gastronomieanschluss oder WC/Teeküche).
Das KulThür-Mobil und Projekt ReychWeite
Mit dem neu geförderten KulThür-Mobil geht der Verein nun den nächsten Schritt. Der mobile Kultur-Anhänger soll vielseitig einsetzbar sein: für öffentliche Auftritte, Kulturveranstaltungen und den Transport von Ausstattung im Rahmen des Pilotprojektes „ReychWeite”.
Insgesamt ist für die Umsetzung eine Investition von knapp 20.000 Euro und jede Menge Einsatz erforderlich. Die Fördermittel des Landes in Höhe von 13.500 Euro stellen dabei den Löwenanteil dar – ein klares Signal der Wertschätzung für innovative Kulturvermittlung. Den Restbetrag bringt der Verein durch Eigenmittel und Spenden auf.
Das Pilotprojekt „ReychWeite” – ein typisch schlaraffisches Wortspiel – zielt darauf ab, die weitgehend vergessene Kulturform in die Region zu bringen. In mobilen Abendveranstaltungen soll das schlaraffische Spiel erlebbar werden. Denn: Schlaraffia kann man nicht erklären – man muss sie erleben.
Engagement gewürdigt
Dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Herrn Volker Roeber (alias Ritter Un-Bequem) aus Eisenach, wurde fast zeitgleich in den vergangenen Tagen das Ehrenamtszertifikat der Thüringer Ehrenamtsstiftung verliehen. Damit wurden unter anderem seine intensiven Bemühungen zum Wiederaufbau der schlaraffischen Kulturlandschaft in Arnstadt, Gotha und nicht zuletzt in Eisenach gewürdigt.
Mit der finanziellen Landesförderung würdigt Thüringen nicht nur die Wiederbelebung einer kulturhistorischen Tradition, sondern auch ein innovatives Vermittlungskonzept, das Kultur aktiv zu den Menschen bringt. Das KulThür-Mobil ist mehr als ein Anhänger – es ist ein mobiles Stück Kulturgeschichte, das hilft, vergessenes Erbe wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
